Litauisch-Weißrussischer Kriegsschauplatz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Icon tools.svg Dieser Artikel oder Abschnitt wurde wegen inhaltlicher Mängel auf der Qualitätssicherungsseite der Redaktion Geschichte eingetragen. Dies geschieht, um die Qualität der Artikel im Themengebiet Geschichte auf ein akzeptables Niveau zu bringen. Dabei werden Artikel gelöscht, die nicht signifikant verbessert werden können. Bitte hilf mit, die Mängel dieses Artikels zu beseitigen, und beteilige dich bitte an der Diskussion!
Litauisch-Weißrussischer Kriegsschauplatz
Schlacht bei Gemauerthof
Schlacht bei Gemauerthof
Datum 1702 bis 1706
Ort Großfürstentum Litauen, Herzogtum Kurland
Ausgang schwedischer Sieg
Konfliktparteien

SchwedenSchweden (Seekriegsflagge) Schweden
Litauischer Adel unter den Sapiehas

Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Russland
Litauischer Adel unter den Oginskis

Befehlshaber

SchwedenSchweden (Seekriegsflagge) Adam Lewenhaupt
Jan Kazimierz Sapieha der Jüngere

Russland Zarentum 1699Zarentum RusslandGeorg Benedikt von Ogilvy
Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Boris Petrowitsch Scheremetew
Gregor Oginski
Michał Serwacy Wiśniowiecki

Verluste

In den Gefechten:
4300 Getötete

In den Gefechten:
26.500 Getötete
2700 Gefangene

Der Litauisch-Weißrussische Kriegsschauplatz im Großen Nordischen Krieg war gekennzeichnet durch eine schwere Adelsfehde zwischen den mächtigsten Adelsfamilien des Großfürstentum Litauens, den Sapiehas auf der einen und den Oginskis auf der anderen Seite. Die Sapiehas sicherten sich die Unterstützung Schwedens während die Oginskis sich der russischen Unterstützung versicherten. Von 1702 bis 1706 tobten auf dem Gebiet des Großfürstentum Litauens schwere militärische Auseinandersetzungen zwischen Schweden und Russen, wobei Litauer als Hilfstruppen auf beiden Seiten gegeneinander kämpften. Die von auswärtigen Mächten in Litauen ausgetragenen Kämpfe endeten erst nach dem Abzug der Schweden 1709. Die innerlitauischen militärischen Konflikte endeten erst nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrags am 3. November 1716.

Krieg der Saphieas gegen die Oginskis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Ende des 17. Jahrhunderts rückten die Sapieha in kurzer Zeit zum mächtigsten Geschlecht in Litauen auf, das den Bruch der Union Litauens mit Polen anstrebte und den Thron für sich beanspruchte. Der Wahlsieg Augusts von Sachsen zum König Polens in 1697 schränkte die Vorrechte der Sapieha ein.

1698 wurde zwischen den Sapieha und der Szlachta das Abkommen von Pusjawitschy getroffen. Dieses sah die Einführung einer eigenen politischen Ordnung, wie sie auch Großpolen besaß, vor und bedeutete eine Lockerung der polnisch-litauischen Union. Drei Jahre später wurde diese separatistische Tendenz der weißrussisch-litauischen Szlachta in der Vereinbarung von Wilna bekräftigt. Die Ankunft August II. und seines sächsischen Heeres sowie die Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen den kriegführenden Parteien hielten den inneren Kampf im Land lediglich eine Zeitlang auf. Der Adelskrieg erreichte seinen Höhepunkt, als 1700 die Streitkräfte des Großhetmans Sapieha bei Olkieniki von dem Landsturm der Szlachta angeführt von den Oginski und Wiśniowiecki in einer blutigen Schlacht geschlagen wurden.[1]

Verwicklung in den Großen Nordischen Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eroberung Litauens durch Schweden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl XII. führte 1701 die schwedische Armee nach Polen-Litauen mit dem Ziel August II. vom polnischen Thron zu stoßen. Die Sieger des vorangegangenen litauisch-weißrussischen Bürgerkrieges, die Oginski, hatten die Sapieha per Dekret von sämtlichen staatlichen Ämtern enthoben. Die geschlagenen ehemaligen Machthaber verbündeten sich nun mit den siegreichen Schweden, während die Oginski bzw. Graf Grzegorz Antoni Ogiński Peter I. zu Hilfe rief. Peter I. unterzeichnete 1702 ein Abkommen mit den Oginskis über militärische Hilfe.[2] Es entbrannte erneut ein heftiger Adelskrieg.[3]

Schlacht bei Saladen 1703

Zum Schutz Kurlands war nach dem Abmarsch der Hauptarmee unter Karl XII. im Januar 1702 ein schwedisches Korps unter dem Kommando von Carl Magnus Stuart zurückgelassen worden. Aufgrund einer nicht heilenden Wunde überließ dieser die eigentliche Truppenführung jedoch Oberst Graf Adam Ludwig Lewenhaupt. In Litauen selbst stand unter dem Kommando der Generäle Carl Mörner und Magnus Stenbock eine weitere schwedische Abteilung von mehreren tausend Mann, die im Juni 1702 zu großen Teilen Karl XII. nachfolgte und nur eine kleine Truppe zurückließ.

Während die mit Schweden verbündeten Sapieha Bauerntrupps organisierten, die im weißrussischen Dnieprgebiet gegen die Oginski-Konföderation kämpften, verwüsteten diese mit russischer Unterstützung die Ländereien der Sapiehas. Als die Sapiehas sich nach dem Abzug der Schweden zeitweilig aus Litauen zurückzogen, nutzte Ogiński die Situation und griff von Mai bis Dezember 1702 die schwedischen Truppen in Litauen und Kurland an. Sein Ziel war die Eroberung der Festung Birze als Ausgangsbasis für weitere Unternehmungen. Bei einem seiner Versuche stellte das Heer Ogińskis aus 2500 Russen und 4500 Polen eine 1300 Mann starke schwedische Abteilung, die zur Entsetzung der Festung ausgesandt worden war. Am 19. März 1703 besiegte die unterlegene schwedische Abteilung das russisch-polnische Heer im Gefecht bei Saladen. Ogiński zog sich daraufhin nach Polen zurück, um sich mit den Truppen Augusts zu vereinigen.

Ein Jahr später schaffte es die russische Diplomatie eine Vereinigung des litauischen Adels zu erreichen, die zum polnischen König August II. hielt und in ein Bündnis mit Russland gegen Schweden einwilligte. Dieser Adelsverbund strebte den Bruch der Union mit Polen und die Herstellung eines Vasallenverhältnisses zu Russland an. Gleichzeitig wählte der pro-schwedisch gesinnte Adel im Sommer 1704 Stanislaw Leszczynski, einen Günstling der Schweden auf den polnischen Thron.

Kampf um die Anerkennung der Wahl Leszczyńskis in Litauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlacht bei Jakobstadt
Belagerung von Biskau durch Schweden 1704

Nach dem Sieg Lewenhaupts im Vorjahr kehrte Jan Kazimierz Sapieha im Frühjahr 1704 nach Litauen zurück und verstärkte dort Lewenhaupts Position. Nach der Wahl Leszczyńskis zum neuen polnischen König hatte Lewenhaupt von Karl XII. den Befehl erhalten, die Ansprüche der Sapiehas in ihrer Heimat durchzusetzen. Lewenhaupt drang mit seinen Truppen von Kurland aus nach Litauen ein, worauf sich die Anhänger Augusts II. unter Führung von Graf Ogiński zurückziehen mussten. Lewenhaupt konnte den litauischen Adel zwar auf die schwedische Seite ziehen und den litauischen Landtag zur Huldigung des neuen polnischen Königs bewegen, doch danach musste er wieder nach Mitau zurückkehren, da eine russische Armee herannahte und Kurland bedrohte. Peter I. hatte mit August II. eine gegen Schweden gerichtete Vereinbarung unterzeichnet, die ihm die Fortführung des Krieges auf dem Gebiet Polen-Litauens ermöglichte.

Das russische Heer vereinigte sich mit loyalen polnischen Truppen und zog zur Festung Seelburg an der Düna, die nur mit einer kleinen Garnison von 300 Schweden besetzt war. Lewenhaupt eilte sofort herbei, um die belagerte Festung zu entsetzen. Die russisch-polnische Armee brach darauf die Belagerung ab, um sich dem herannahenden Gegner entgegenzustellen. Am 26. Juli 1704 trafen die beiden Armeen bei Jakobstadt aufeinander, wo das zahlenmäßig weit unterlegene schwedisch-polnische Heer mit 3.085 Schweden und 3.000 Polen in der Schlacht bei Jakobstadt ein zahlenmäßig überlegenes Heer von 3.500 Russen und 10.000 Polen besiegte.[4] Die russischen Truppen mussten sich zurückziehen. Von dem Schlachtfeld bei Jakobstadt wandte sich Lewenhaupt zunächst gegen die zwischen Riga und Mitau gelegene Festung Birze, die von Truppen Ogińskis besetzt worden war. Die Besatzung der Festung, bestehend aus 800 Polen, kapitulierte sofort und erhielt freien Abzug. Lewenhaupt entließ seine Truppen für den Rest des Jahres in die Winterquartiere. Im Herbst 1704 zog eine russische Armee nach Weißrussland und lagerte lange bei Polozk. Von dort aus nahm sie Vilnius, Minsk und Grodno ein.

Russische Eroberung Kurlands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter I. hatte aufgrund der Erfolge Lewenhaupts im Vorjahr seinen Marschall Scheremetjew beauftragt, mit einem 20.000 Mann starken Heer das 7000 Mann zählende und zersplitterte Heer Lewenhaupts von Riga abzuschneiden. Dazu musste der Vormarsch möglichst lange geheim gehalten werden, um die Konzentration der gegnerischen Kräfte zu verhindern. Dies gelang jedoch nicht, so dass Lewenhaupt seine Truppen rechtzeitig zusammenziehen konnte. Am 16. Juli 1705 stellte sich Lewenhaupt mit seinem ganzen Heer in Schlachtordnung gegen die heranrückende russische Armee auf. Nach vier Stunden Kampf siegten die Schweden in der Schlacht bei Gemäuterhof mit einem Verlust von 1500 Mann, während die zahlenmäßig überlegene russische Armee 6000 Mann verlor.[5]

Der Sieg der Schweden hielt indes nicht lange vor, denn im September entsandte Peter ein weiteres, diesmal 40.000 Mann starkes Heer. Die russische Armee marschierte diesmal nur nachts, um die Geheimhaltung der Operation möglichst lange zu wahren. Dennoch erfuhren schwedische Kundschafter von dem neuerlichen russischen Vorstoß, so dass der zum Generalleutnant beförderte Lewenhaupt seine Truppen in und um Riga zusammenziehen konnte. Das russische Armeekommando richtete daraufhin den geplanten Vorstoß statt auf Riga auf die kleineren Festungen Mitau und Biskau. Da sich alle schwedischen Truppen um Riga befanden, konnte ganz Kurland von russischen Truppen besetzt werden.

Grodnofeldzug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Grodnofeldzug (1705/1706)

Grobe Skizze vom russischen Feldzug nach Gemauterhof 1705 und Grodno mit anschließendem Rückzug 1706

Zum ersten Mal seit der Schlacht bei Narwa marschierte Karl XII. nun mit dem schwedischen Hauptheer in das Baltikum, um den dort bedrängten schwedischen Kräften zu helfen. Ausgangspunkt war Warschau, wo er sich den ganzen Herbst des Jahres 1705 über aufgehalten hatte. Karl beschloss, die noch abtrünnigen Gebiete zum Treueschwur auf den neuen König zu zwingen. Ende des Jahres 1705 begann der Vormarsch des Heeres über die Weichsel und den Bug nach Litauen. Im Herbst hatten schwedische Verstärkung aus Finnland die in Riga zusammengezogene Armee Lewenhaupts auf eine Stärke von 10.000 Mann gebracht. Die russischen Kräfte in Kurland fürchteten nun, von den Truppen Lewenhaupts in Riga und dem heranmarschierenden Karl in die Zange genommen zu werden. Nach der Sprengung der Festungswerke in Mitau und Bauske zogen sie sich aus Kurland zunächst nach Grodno zurück, so dass Lewenhaupt erneut Kurland besetzen konnte. Nachdem die Russen abgezogen waren, begannen die Litauer mehr und mehr zum neuen schwedentreuen König von Polen überzugehen, was die Lasten des Krieges für sie erheblich verminderte. Auch gelang eine Versöhnung der verfeindeten litauischen Adelsgeschlechter der Sapiehas und der Wienowickis. Da Graf Ogiński mit seinem fortgesetzten Kampf auf Seiten Augusts II. nirgends Erfolge erzielte, gewann die schwedische Partei in Litauen nun endgültig die Oberhand.

Als 1706 schwedische Heere aus Polen gegen Weißrussland vorrückten, zog sich die russische Armee mit hohen Verlusten in die Ukraine zurück. Die Schweden und die mit ihnen verbündeten Adeligen zogen plündernd und brandschatzend durch das Land. Besonders betroffen waren Klezk, Ljachawitschy, Njaswisch und Pinsk. Andere Städte sahen sich gezwungen auf die Seite Karls XII. überzutreten. Nach den Friede von Altranstaedt 1706 wurde Stanislaw Leszczynski alleiniger polnischer König. In Litauen unterstützten ihn neben den Sapieha auch viele andere mächtige Familien wie die Radziwiłł, Wiśniowiecki, Czartoryski und Pac.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Poltawa im Russlandfeldzug Karls XII. änderte sich aber die Situation grundlegend. Die Schweden mussten sich vollständig aus dem Territorium Polen-Litauens zurückziehen. Die russische Armee blieb aber weiterhin in Weißrussland. Die Sapiehas verloren erneut ihren Einfluss. Noch unter militärischer Kontrolle der russischen Armee begann der litauische Adel in der Konföderation von Tarnogród gemeinsam einen Kampf gegen die polnische Königsherrschaft.

Der Nordische Krieg hinterließ das zu Litauen zählende Gebiet Weißrusslands vollkommen verwüstet. Das russische Heer verließ das Land erst 1719. Landwirtschaft, Handwerk und Handel lagen am Boden. Infolge der Pest starben Tausende Einwohner, so dass die Bevölkerungszahl Weißrusslands nahezu um ein Drittel reduziert wurde. Betrug sie 1700 noch 2,2 Millionen Menschen, waren es 1721 nur noch 1,5 Millionen Einwohner.[6]

Schlachten des Kriegsschauplatzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwedisch-Russische Schlachten auf dem Litauisch-Weißrussischem Kriegsschauplatz
Schlacht Datum Schwedische Kräfte Russische Kräfte Schwedische Verluste Russische Verluste Ergebnis
Gefecht von Vilnius 16. April 1702 2500 3000 50 Getötete 100 Getötete Schwedischer Sieg
Gefecht bei Saladen 18. März 1703 1300 5000 42 Getötete
125 Verwundete
1500 Getötete Schwedischer Sieg
Schlacht bei Jakobstadt 26. Juli 1704 5000 15.000 238 Getötete
181 Verwundete
2300 Getötete
517 Gefangene
Schwedischer Sieg
Schlacht bei Gemauerthof 16. Juli 1705 7000 13.000 900 Getötete
1000 Verwundete
2000 Getötete
2-3000 Verwundete
400 Gefangene
Schwedischer Sieg
Belagerung von Mitau 25. August bis 3. September 1705 900 10.000 k.A. k.A. Russischer Sieg
Blockade von Grodno 26. Januar 1706 – 10. April 1706 34.000 41.000 3000 Getötete 16.000 Getötete Schwedischer Sieg
Gefecht bei Olkieniki 6. März 1706 3000 4600 60 Verwundete 120 Getötete
170 Verwundete
Schwedischer Sieg
Gefecht in Njaswisch 13. März 1706 500 1125 50 Verwundete 520 Getötete
180 Gefangene
Schwedischer Sieg
Schlacht bei Klezk 30. April 1706 1500 4700 15 Getötete
25 Verwundete
4025 Getötete, 71 Gefangene Schwedischer Sieg
Belagerung von Ljachawitschy 15. März 1706 - 2. Mai 1706 1950 1400 k.A. 1361 Gefangene Schwedischer Sieg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zwölften. Leipzig 1860, Neuausgabe 1865
  • Dietrich Beyrau, Rainer Lindner: Handbuch Der Geschichte Weissrusslands, Vandenhoeck & Ruprecht, 2001

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietrich Beyrau, Rainer Lindner: Handbuch Der Geschichte Weissrusslands, Vandenhoeck & Ruprecht, 2001, S. 111.
  2. Dietrich Beyrau, Rainer Lindner: Handbuch Der Geschichte Weissrusslands, Vandenhoeck & Ruprecht, 2001, S. 112.
  3. Rangordnung des Sapiehageschlechts: Jan Kazimierz Sapieha der Jüngere führte seit 1700 den Herzogtitel, aber sein Verwandter Jan Kazimierz Sapieha der Ältere wurde von Karl XII. wegen seiner militärischen Qualitäten noch höher geschätzt und 1708 zum Großhetman von Litauen ernannt.
  4. Christer Kuvaja: Karolinska krigare 1660–1721. Schildts Förlags AB, Helsingfors 2008, ISBN 978-951-50-1823-6.
  5. Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zwölften. Leipzig 1860, Neuausgabe 1865, S. 179.
  6. Dietrich Beyrau, Rainer Lindner: Handbuch Der Geschichte Weissrusslands. Göttingen 2001, S. 114.