Literaturhaus Salzburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Literaturhaus Salzburg mit dem H.C.Artmann-Platz.

Das Literaturhaus Salzburg ist ein seit 1991 bestehendes Literaturhaus für österreichische und internationale Gegenwartsliteratur und gilt als eine der größten Literatureinrichtungen im deutschen Sprachraum. Es ist Veranstaltungsstätte, Sitz von mehreren Literatureinrichtungen, die zwei Literaturzeitschriften und eine Buchedition publizieren, und sieht sich als Treffpunkt mit breitem Angebot und vielfältigem Service. Getragen wird das Haus vom Verein „Salzburger Literaturhaus Eizenbergerhof“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Literaturhaus Salzburg wurde am 13. Oktober 1991 im Eizenbergerhof, dem ältesten Gebäude im Salzburger Stadtteil Lehen eingerichtet. 1904 war das Haus mit wechselvoller Geschichte – urkundlich erstmals erwähnt um 1600 – von der Stadt Salzburg erworben, wurde in den 1980er Jahren renoviert und anschließend der Literatur zur Verfügung gestellt. 1994 wurde der Trägerverein Salzburger Literaturhaus Eizenbergerhof von Autoren, Verlegern und Literaturvermittlern gegründet. Entscheidend wirkte dabei der österreichische Dichter und Büchnerpreisträger H. C. Artmann mit, der auch im Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit zuständig war. Nach seinem Tod wurde auf Vorschlag des Literaturhauses der Platz davor von der Stadt offiziell als H. C. Artmann-Platz benannt (Platz-Eröffnung im Juni 2015), seit 2008 vergibt der Literaturhaus-Leiter gemeinsam mit der Stadt Salzburg das H.C. Artmann-Stipendium.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schild des Eizenbergerhofes.

Träger des Hauses ist der Verein „Salzburger Literaturhaus Eizenbergerhof“. Fixer Bestandteil des Literaturhauses sind von Beginn an fünf bestehende Literatureinrichtungen: der Verein Salzburger Literaturforum Leselampe (gegründet 1968), die Salzburger Autorengruppe (seit 1981), die Salzburger Zweigstelle der Grazer Autorenversammlung (seit 1987), erostepost (seit 1987) und der Verein prolit (gegründet 1988). Die eingemieteten Literatureinrichtungen sind autonom in Budget und Programm. Der Trägerverein „Salzburger Literaturhaus Eizenbergerhof“ ist Hauptmieter des historischen Gebäudes, verantwortlich für Infrastruktur, Werbung, Kartenreservierung etc. und betreibt die hauseigene Bibliothek und Mediathek sowie ein Café, das seit 2008 nach H. C. Artmann als „h.c.café“ benannt ist. Der Verein Literaturhaus ist der größe Veranstalter im Literaturhaus, das monatliche Programm wird von allen Literaturveranstaltern im Literaturhaus sowie durch Vermietungen gestaltet. Besonderer Wert wird auf die lebendige Literaturvermittlung gelegt – gemäß dem Motto des Hauses "wo das Leben zur Sprache kommt".

Café des Literaturhauses

Erster Literaturhaus-Leiter war der Musiker und Filmemacher Harald Friedl (1991–1993). Seit Sommer 1993 leitet der ehemalige ORF-Literaturredakteur Tomas Friedmann das Literaturhaus, 1994 wurde er auch Geschäftsführer des neu gegründeten Vereins „Salzburger Literaturhaus Eizenbergerhof“, der Haus und Liegenschaft von der Stadt Salzburg anmietet (seit 2013 ist Friedmann im dreiköpfigen Vorstand des Netzwerks der Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz; außerdem engagiert er sich für die Vernetzung der österreichischen Häuser der Literatur). Der fünfköpfige Salzburger Literaturhaus-Vorstand besteht aus Mitgliedern der Salzburger Literaturszene, aktueller Vorsitzender ist der Germanist Norbert Christian Wolf (seit 2010), der den beiden Germanisten Josef Donnenberg (1994–1997) und Karl Müller (1997–2010) nachfolgte. Der Verein besteht aus rund 500 Mitgliedern und Förderern, wird von der öffentlichen Hand (Stadt und Land Salzburg sowie dem Kulturministerium in Wien) finanziell unterstützt und erwirtschaftet selbst einen Teil des Budgets in erster Linie durch Veranstaltungen, Projekte und Vermietungen.

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein „Salzburger Literaturhaus Eizenbergerhof“ wurde 1994 mit dem Zweck gegründet, die Gegenwartsliteratur des In- und Auslandes sowie den öffentlichen und interdisziplinären Diskurs über Literatur zu fördern. Diese Ziele verwirklichen Programmleitung und Team durch Literaturförderung, Autorenförderung, Leseförderung und durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten für Literaturgruppen. Besonderes Augenmerk wird auf die lebendige und engagierte Vermittlung von Literaturen und Sprachen und den kritischen Diskurs gelegt – mit dem Anspruch, möglichst viele Altersgruppen und soziale Schichten anzusprechen. Konkret passiert die Literaturvermittlung des Vereins Literaturhaus über (mitunter mehrsprachige) Lesungen und Diskussionsveranstaltungen, (Literatur-)Ausstellungen, das „Junge Literaturhaus“ (Kinderprogramm, Aktivitäten für Jugendliche, Workshops, Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer, Projekte) und interdisziplinäre Veranstaltungsformen sowie durch Kooperationen mit Medien, Verlagen und anderen Kulturveranstaltern.

Die einzelnen Einrichtungen im Haus haben unterschiedliche Zielsetzungen, gemeinsam ist allen das Bemühen um die Förderung der Gegenwartsliteratur. Im Zentrum der Aktivitäten des „Literaturforums Leselampe“ steht die Begegnung zwischen Autoren und Lesern, die Vermittlung von Literatur wird über Lesungen, ein monatliches Literaturfrühstück, Literaturfahrten, Schreibwerkstätten etc. gefördert. Die „Salzburger Autorengruppe“ organisiert für ihre Mitglieder unter anderem Gemeinschaftslesungen und berät Autoren. Die „Grazer Autorenversammlung/Salzburg“, das Regionalbüro der GAV (gegründet 1973, Sitz: Wien), setzt sich auch in Veranstaltungen mit kulturpolitischen Themen auseinander und fördert ihre in Stadt und Land Salzburg lebenden schreibenden Mitglieder. Der Verein „erostepost“ fördert vor allem junge Literatur, die sie oft in Verbindung mit Aktionen und Experimenten präsentiert. Der Verein „prolit“ fördert und vermittelt zeitgenössische Literatur mit Schwerpunkt auf Literatur aus osteuropäischen Ländern und führt kulturelle und soziale Bereiche zusammen (beispielsweise in Schreibwerkstätten mit behinderten Autoren).

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Veranstaltungssaal des Literaturhauses.

Als Veranstalter organisiert der Verein „Salzburger Literaturhaus Eizenbergerhof“ Lesungen mit österreichischen und internationalen Schriftstellern, Diskussionen, Hörspiel-, Film- und Vortragsabende, Literatur & Jazz-Veranstaltungen sowie Ausstellungen. Des Weiteren existiert ein umfangreiches Kinder- und Jugendprogramm mit Lesungen, Workshops und Theater-Veranstaltungen sowie das seit 1995 durchgeführte Festival „Europa der Muttersprachen“, das jeweils im Frühling Literatur und Kultur eines europäischen Sprachgebiets vorstellt (z.B. Baskenland, Albanien und Kosova, Island, Roma und Sinti). Außerdem findet seit 2009 im Herbst unter dem Titel „PENG!“ ein Krimi-Fest mit bekannten Autoren aus dem In- und Ausland statt. Zusammen mit den Veranstaltungen der anderen Einrichtungen im Haus gibt es jährlich im Literaturhaus Salzburg über 250 Veranstaltungen mit rund 15.000 Besuchern. Seit 1991 wurden über 300.000 Besucher bei ca. 5.000 Veranstaltungen mit tausenden Autoren und Künstlern gezählt.

Durch Kooperationen werden Akzente auch außerhalb des Literaturhauses gesetzt, Stipendien und Preise (mit) vergeben, Autoren beraten und Nachwuchs gefördert. Als Mitglied des Netzwerks der Literaturhäuser „literaturhaus.net“ wird seit 2002 jährlich ein deutschsprachiger Autor mit dem Preis der Literaturhäuser ausgezeichnet. Seit 2008 vergibt der Verein gemeinsam mit der Stadt Salzburg das H.C. Artmann-Stipendium, ein mehrmonatiges Artist in Residence-Stipendium, das bisher an den deutschen Autor und Übersetzer Stefan Weidner, an den Schweizer Lyriker Armin Senser, an den litauischen Schriftsteller und Kritiker Sigitas Parulskis, an die Berliner Autorin Ruth Johanna Benrath, an die makedonische Dichterin Lidija Dimkovska, an das Südtiroler Talent Gerd Sulzenbacher und an die ukrainischen Autoren Ljubko Deresch und Boris Chersonskij sowie den Roma-Autor Jovan Nikolić verliehen wurde.

Der öffentliche Bücherschrank vor dem Literaturhaus

Im Haus werden zwei Literaturzeitschriften produziert: „Salz“ (seit 1975, herausgegeben vom Verein Leselampe) dokumentiert das literarische Leben Salzburgs und veröffentlicht Texte internationaler und Salzburger Autoren. Erostepost (seit 1987, herausgegeben vom gleichnamigen Literaturverein) fördert in erster Linie junge deutschsprachige Autoren und vergibt jährlich den Erostepost-Literaturpreis. Der Literaturverein „prolit“ gibt als Kleinverlag in der „Edition Eizenbergerhof“ zeitgenössische österreichische Literatur heraus (von 1992 bis 1996 unter dem Namen „edition prolit“).

2012 wurde vor dem Haus eine sogenannte „Büchertankstelle“ errichtet, eine zu Bücherschränken umgebaute Telefonzelle, die Tag und Nacht unentgeltlich als Tauschplatz für gebrauchte Bücher offensteht.

Das Literaturhaus gestaltet die im Salzburger Freien Radio Radiofabrik 107,5 14-täglich ausgestrahlte Sendung Radio Literaturhaus.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Literaturhaus Salzburg ist Gründungsmitglied von literaturhaus.net, einem Netzwerk von elf großen Literaturhäusern im deutschen Sprachraum. Das Netzwerk der Literaturhäuser setzt jährlich gemeinsame Schwerpunkte und vergibt jedes Jahr den Preis der Literaturhäuser; Kulturpartner ist der französisch-deutsche TV-Kultursender ARTE, Medienpartner der ORF-Radiosender Ö1.

Das Salzburger Literaturhaus ist außerdem Teil des Netzwerks österreichischer Literaturhäuser und Literaturzentren, die seit 2004 gemeinsam das Projekt „mitSprache“ organisieren, und auch Mitglied der IG-Kultur Österreich und des Dachverbands Salzburger Kulturstätten.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tomas Friedmann, Peter Fuschelberger, Petra Nagenkögel (Hrsg.): salzburger literatouren, literarische wege durch stadt und land salzburg. Edition Eizenbergerhof, Salzburg 2001.
  • Ines Schütz, Veronika Leiner (Hrsg.): best of literaturhaus. Doppel-CD. Edition Eizenbergerhof, Salzburg 2001/2006.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martina Pohn (Verfasserin) und Tomas Friedmann (Hrsg.): Literaturhaus Salzburg – Die Geschichte des Eizenbergerhofs ab 1600. Edition Eizenbergerhof, Salzburg 2012, ISBN 978-3-901243-38-7
  • Tomas Friedmann (Hrsg.): "25 Jahre Literaturhaus Salzburg". Edition Eizenbergerhof, Salzburg 2016, ISBN 3-901243-42-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Literaturhaus Salzburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Koordinaten: 47° 48′ 31″ N, 13° 1′ 50″ O