Little Diomede Island

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Little Diomede Island
Die Diomedes-Inseln mit Little Diomede Island (rechts)
Die Diomedes-Inseln mit Little Diomede Island (rechts)
Gewässer Beringstraße
Inselgruppe Diomedes-Inseln
Geographische Lage 65° 45′ 15″ N, 168° 55′ 25″ WKoordinaten: 65° 45′ 15″ N, 168° 55′ 25″ W
Little Diomede Island (Alaska)
Little Diomede Island
Fläche 7,36 km²
Höchste Erhebung 393 m
Einwohner 115 (2010)
16 Einw./km²
Hauptort Diomede
Die Siedlung Diomede (Iŋaliq) an der Westküste
Die Siedlung Diomede (Iŋaliq) an der Westküste

Little Diomede Island (deutsch Kleine Diomedes-Insel), früher auch nach dem Admiral der russischen Flotte Adam Johann von Krusenstern Krusenstern Island genannt,[1] bildet mit der etwa 4 km westlich liegenden Ratmanow-Insel (Big Diomede Island) und dem unbewohnten Fairway Rock die Gruppe der Diomedes-Inseln.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in der Beringstraße gelegene Little Diomede Island gehört zum US-Bundesstaat Alaska und weist eine Landfläche von 7,36 km² auf. Die Insel besteht aus Granit mit einem Alter von 66–97 Mio. Jahren.[2] Das Land steigt von der Küste mit steilen Hängen (etwa 45° Neigung) zu einem relativ flachen felsigen Gipfelplateau auf etwa 350 m Höhe an.

In der Siedlung Diomede leben bis heute in nahezu unberührter Natur Eskimo-Stämme, in deren Sprache die Insel Iŋaliq heißt. Die Einwohnerzahl beläuft sich (Stand 2010) auf 115 Menschen in 47 Wohneinheiten (davon 9 derzeit leerstehend).[3] Seit 1990 ist die Bevölkerung um etwa ein Drittel zurückgegangen.[4] Während die gesamte Insel verwaltungsmäßig zum Stadtgebiet von Diomede gehört, liegt die eigentliche Siedlung, die von den Einheimischen ebenfalls Iŋaliq genannt wird, an der Nordwestecke der Insel.

Knapp 1,5 km vor der Westküste von Little Diomede Island verläuft die internationale Datumsgrenze. Die schon zu Russland gehörende benachbarte Ratmanow-Insel ist mit bloßem Auge zu erkennen.[5]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Klima der Insel ist durch einen abrupten jahreszeitlichen Wechsel geprägt. Während der eisfreien Zeit (Juni bis November) herrscht maritimes Klima mit sommerlichen Durchschnittstemperaturen von etwa 5 bis 10 °C. Im Winter, nach dem Zufrieren von Beringstraße und Tschuktschensee, herrscht kaltes kontinentales Klima mit durchschnittlichen Temperaturen von −14 bis −23 °C.[6]

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vegetation auf Little Diomede Island beschränkt sich auf niedrig wachsende krautige Pflanzen; Bäume und Sträucher fehlen.[7]

Die steilen Kliffs der Insel bieten im Sommer etwa zwei Millionen Seevögeln[8] wie beispielsweise Schopf- und Zwergalk Nistgelegenheiten.

In den nährstoffreichen Gewässern um die Insel leben zahlreiche Fische und Krebstiere (Paralithodes platypus), die wiederum die Nahrungsgrundlage für Meeressäuger wie Walrosse, Bart-, Largha-, Ringel- und Bandrobben sowie Buckel-, Weiß-, Grau- und Grönlandwale bilden. Wenn die Beringstraße zugefroren ist, erscheinen Eisbären im Gebiet der Diomedes-Inseln.[9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel dient den Eskimos möglicherweise seit über 3000 Jahren als Siedlungsplatz. Der von den Einheimischen Iŋaliq genannte Ort, zunächst als saisonaler Jagdstützpunkt genutzt, entwickelte sich mit der Zeit zur ganzjährig bewohnten Gemeinde.[10] Der in russischen Diensten stehende Seefahrer Vitus Bering sichtete die Inselgruppe am 16. Augustjul./ 27. August 1728greg. und benannte sie nach dem in der Russisch-Orthodoxen Kirche verehrten frühchristlichen Märtyrer Diomedes von Tarsus, an dessen Gedenktag die Sichtung erfolgte.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abgelegenheit und das schroffe Gelände sowie das raue Klima beeinträchtigen die wirtschaftliche Entwicklung der Insel. Die ansässige Bevölkerung betreibt hauptsächlich Subsistenzwirtschaft; die Existenzgrundlage bilden die abhängig von den Jahreszeiten betriebene Jagd auf Robben, Eisbären und Wale sowie der Fischfang.[12] Bezahlte Arbeitsplätze gibt es hauptsächlich im öffentlichen Sektor; die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 %. Kunsthandwerk (Elfenbeinschnitzerei) und die traditionelle Fertigung von Kleidung aus Eisbär- und Robbenfellen bieten weitere Einkommensquellen. Auch der Tourismus trägt in geringem Umfang zur Wirtschaftskraft der Insel bei; sowohl die Gemeinde als auch Privatpersonen bieten Unterkünfte an. Die Insel wird zwei Mal im Jahr von Kreuzfahrtschiffen angelaufen.[5]

Es gibt weder einen Hafen noch einen Flugplatz auf der Insel. Der Zugang wird durch einen Hubschrauberlandeplatz sowie im Winter, wenn das Meer zugefroren ist, durch eine Landepiste auf dem Eis ermöglicht. Die Insel selbst ist durch Fußwege und Holzstege erschlossen. Die öffentliche Infrastruktur besteht aus einer Schule mit Bücherei, einem Kirchengebäude, einer kleinen Klinik, einem öffentlichen Waschhaus und weiteren Gebäuden für die örtliche Verwaltung. Die Stromversorgung wird durch einen Dieselgenerator sichergestellt. Ein Wassertank dient zur Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser. Die gesamte Infrastruktur ist (Stand 2011) in schlechtem Zustand und bedarf der Reparatur oder Erneuerung.[13] Eine geregelte Entsorgung von Abwässern und Abfällen existiert nicht.

Fotos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frederick William Beechey: Narrative of a voyage to the Pacific and Beering’s strait, to co-operate with the polar expeditions: performed in His Majesty’s ship Blossom, under the command of Captain F. W. Beechey, R. N., F.R.S. &c. in the years 1825, 26, 27, 28. Band 1. Henry Colburn and Richard Bentley, London 1831, S. 338 (englisch, online).
  2. Lyn Gualtieri, Julie Brigham-Grette: The Age and Origin of the Little Diomede Island Upland Surface. In: Arctic. Band 54, Nr. 1. Arctic Institute of North America, März 2001, ISSN 0004-0843, S. 13, doi:10.14430/arctic759 (englisch).
  3. Diomede city, Alaska. Community Facts. In: American FactFinder. United States Census Bureau, abgerufen am 14. Mai 2017 (englisch, in das Suchfeld diomede eingeben).
  4. Diomede Planning Organizations and Kawerak Community Planning and Development (Hrsg.): Diomede Local Economic Development Plan 2012–2017. 10. Januar 2013, 4.1 Diomede Census Data, S. 43 f. (englisch, online [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 14. Mai 2017]).
  5. a b Sven Weniger: Vier Kilometer, dreiundzwanzig Stunden. Zwischen Alaska und Russland: Die Insel Diomede. In: FAZ.NET. 1. Juli 2015, abgerufen am 10. November 2016.
  6. Diomede Planning Organizations and Kawerak Community Planning and Development (Hrsg.): Diomede Local Economic Development Plan 2012–2017. 10. Januar 2013, 5.3 Climate, S. 49 (englisch, online [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 14. Mai 2017]).
  7. Diomede Planning Organizations and Kawerak Community Planning and Development (Hrsg.): Diomede Local Economic Development Plan 2012–2017. 10. Januar 2013, 5.2 Vegetation, S. 49 (englisch, online [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 14. Mai 2017]).
  8. Diomede Planning Organizations and Kawerak Community Planning and Development (Hrsg.): Diomede Local Economic Development Plan 2012–2017. 10. Januar 2013, 3.1 Location, S. 13 (englisch, online [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 14. Mai 2017]).
  9. Diomede Planning Organizations and Kawerak Community Planning and Development (Hrsg.): Diomede Local Economic Development Plan 2012–2017. 10. Januar 2013, 5.4 Wildlife, S. 50 (englisch, online [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 14. Mai 2017]).
  10. Diomede Planning Organizations and Kawerak Community Planning and Development (Hrsg.): Diomede Local Economic Development Plan 2012–2017. 10. Januar 2013, 3.2 History and Culture, S. 14 (englisch, online [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 14. Mai 2017]).
  11. 16. August: Orthodox. In: Ökumenisches Heiligenlexikon. Joachim Schäfer, abgerufen am 14. Mai 2017.
  12. Diomede Planning Organizations and Kawerak Community Planning and Development (Hrsg.): Diomede Local Economic Development Plan 2012–2017. 10. Januar 2013, 4.2 Employment and the Economy, S. 45 f. (englisch, online [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 14. Mai 2017]).
  13. Diomede Planning Organizations and Kawerak Community Planning and Development (Hrsg.): Diomede Local Economic Development Plan 2012–2017. 10. Januar 2013, 3.4 Community Infrastructure, S. 22–42 (englisch, online [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 14. Mai 2017]).