Little Joe – Glück ist ein Geschäft

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Filmdaten
OriginaltitelLittle Joe – Glück ist ein Geschäft
ProduktionslandDeutschland, Österreich, Vereinigtes Königreich
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2019
Länge105 Minuten
Stab
RegieJessica Hausner
DrehbuchGéraldine Bajard,
Jessica Hausner
ProduktionBertrand Faivre,
Martin Gschlacht,
Jessica Hausner,
Gerardine O'Flynn,
Bruno Wagner
KameraMartin Gschlacht
SchnittKarina Ressler
Besetzung

Little Joe – Glück ist ein Geschäft ist ein Science-Fiction-Drama und Psychothriller von Jessica Hausner, der am 17. Mai 2019 im Rahmen der 72. Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Premiere feierte und dort im Wettbewerb um die Goldene Palme konkurrierte. Emily Beecham und Ben Whishaw spielen die Hauptrollen im ersten englischsprachigen Film der österreichischen Regisseurin.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alleinerziehende Mutter Alice Woodard arbeitet als Pflanzenzüchterin bei Planthouse Biotechnologies, einem Unternehmen, das sich mit der Entwicklung neuer Arten beschäftigt. Sie hat eine ganz besondere purpurrote Blume gezüchtet, die sie „Little Joe“ nennen und die sich nicht nur durch ihre Schönheit, sondern auch durch ihren therapeutischen Wert auszeichnet. Sie wurde für einen ganz besonderen Zweck entwickelt, denn sie soll Menschen glücklicher machen. Ihr Duft löst die Freisetzung von Oxytocin aus, was wiederum zu einem allgemeinen Wohlbefinden führt. Wenn sie bei der idealen Temperatur gehalten und richtig ernährt wird und man regelmäßig mit ihr redet, macht diese ihren Besitzer glücklich. Entgegen der Firmenpolitik nimmt Alice eine dieser Pflanzen als Geschenk für ihren Sohn Joe mit nach Hause. Doch mit dem Wachstum der Pflanze wächst auch Alices Verdacht, dass ihre neuen Kreationen möglicherweise nicht so harmlos sind, wie geglaubt.

Als die gentechnisch manipulierte Pflanze ihre Samen ausstreut, ruft sie damit unheimliche Veränderungen bei Mensch und Tier hervor. Die Befallenen wirken fremd und wie ausgewechselt, vor allem für die, die ihnen nahestehen.[1][2]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte Jessica Hausner. Es handelt sich bei Little Joe um ihren ersten englischsprachigen Film.[3]

Vom Österreichischen Filminstitut erhielt Little Joe eine Stoffentwicklungsförderung in Höhe von 15.000 Euro und eine Produktionsförderung in Höhe von 600.000 Euro[4], vom Filmfonds Wien eine Förderung in Höhe von 15.000 Euro für die Projektentwicklung und eine Produktionsförderung von 350.000 Euro[5], von FISA Filmstandort Austria eine Produktionsförderung von 580.000 Euro und vom Medienboard Berlin-Brandenburg eine Produktionsförderung in Höhe von 150.000 Euro. Weitere Mittel kamen vom BFI British Film Institute und Eurimages (Produktionsförderung in Höhe von 450.000 Euro).

Emily Beecham und Ben Whishaw sind im Film in den Rollen der Wissenschaftler Alice und Chris zu sehen, die in der Genforschung tätig sind.[3] Kerry Fox übernahm die Rolle von Bella, einer älteren Wissenschaftlerin, die sich gerade von einem Unfall erholt und ihren Hund Bello zur Arbeit mitbringen darf.[6] Lindsey Duncan spielt Alices Psychotherapeutin.[7] In weiteren Rollen sind David Wilmot, Sebastian Hülk und Leanne Best zu sehen.

Die Dreharbeiten fanden zwischen 11. August und 9. Oktober 2018 statt. Gedreht wurde in Wien und Krems an der Donau, hier an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, in Veiling Rhein-Maas und im Großraum Liverpool. Als Kameramann fungierte Martin Gschlacht. Für das Kostümbild zeichnet Tanja Hausner verantwortlich und für das Szenenbild Katharina Wöppermann.[8]

Ben Croll von The Wrap beschreibt „Little Joe“, die gentechnisch zum Leben erweckte Pflanze, einer riesigen Safranzwiebel ähnlich, wie sie von Dr. Seuss entworfen hätte sein können: „Sie ernährt sich von Liebe und Fürsorge und schenkt ihrerseits Glück, da sie zur Verbreitung des gleichen Hormons gezüchtet wurde, das frische Mütter mit ihren Kindern verbindet. Die Blume wirkt durch eine Art Gedankenkontrolle und produziert Pollen, die das Glücksgefühl aller steigern, die daran riechen.“ Das Ganze folge einer Dynamik wie aus dem Film Die Körperfresser kommen, wenn „Little Joe“ versucht, die Menschen um ihn herum zu beherrschen, allen voran seinen Namensgeber Joe, während sich seine Mutter Alice hiergegen wehrt.[9]

Christoph Petersen von Filmstarts schreibt, auch wenn sich das Motiv irgendwann mit der Zeit abnutze, die Blumen zunehmend ihren hypnotischen Schrecken und die Bilder an Kraft verlieren, könne die absolut brillante Filmmusik dies zumindest ein Stück weit abfedern: „Die auf den 1982 verstorbenen japanischen Avantgarde-Komponisten Teiji Ito zurückgehenden kakophonischen Klangteppiche fahren direkt ins Mark und würden mit ihrem metallischen Jaulen wohl selbst Aufnahmen von mit Wollknäueln spielenden Katzenbabys hochgradig verstörend wirken lassen.“[10]

Der Film feierte am 17. Mai 2019 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Premiere, wo er im Wettbewerb um die Goldene Palme konkurrierte. Ende Juli und Anfang August 2019 soll er beim Jerusalem Film Festival gezeigt werden.[11] Im September 2019 wird er beim Fantasy Filmfest als Centerpiece gezeigt[12][13] und im gleichen Monat im Rahmen der Filmkunstmesse Leipzig vorgestellt.[14] Anfang Oktober 2019 soll er beim London Film Festival vorgestellt werden.[15] Der österreichische Kinostart ist für den 1. November 2019 vorgesehen[4], in Deutschland am 9. Januar 2020.[16]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film stieß bislang auf gemischte Kritiken, so auf die Zustimmung von 69 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes.[17] In der bei Screen veröffentlichten Kritikerumfrage zu den Festivalbeiträgen in Cannes erhielt er 2,3 von 4 möglichen Punkten.[18]

Dominik Kamalzadeh vom Standard schreibt, der Film, der sich an Sci-Fi-Horrorklassiker wie Invasion of the Body Snatchers oder Little Shop of Horrors anlehnt, sei in dem schon charakteristisch zurückgenommenen, sanft ironischen Tonfall von Jessica Hausner gehalten, der auch Ungeheuerlichkeiten eine profane Note verleiht. Inszenatorisch sei Little Joe aus einem Guss: „Das ausgeklügelte Produktionsdesign, das außer der giftig roten Blume alles in eher kühle Farben taucht, das leicht befremdlich Spiel der Darsteller, die minimalistische Musik von Teiji Ito – all das verleiht dem Film eine genuin artifizielle Note.“ Hausners Augenmerk liege auf der Feinbeobachtung der Veränderungen, so Kamalzadeh, doch das Drehbuch sei nicht ganz auf der Höhe dieser Kunst. So würde bisweilen eine Spur zu viel von dem erklärt, was ohnehin die Bilder vermitteln, am Ende gehe das Spiel mit Mutmaßungen und Ahnungen aber schlüssig auf.[19]

David Ehrlich von Indie Wire schreibt, Hausner sei eine der wenigen zeitgenössischen Filmemacherinnen, die es verdienten, als Kubricks Erben betrachtet zu werden, und ihre Kontrolle über ihr Werk sei auch in Little Joe nach wie vor überragend. Der Film sei immer in Bewegung, drifte seitlich oder schleiche sich vorwärts, um all die alltägliche Bedrohung zu enthüllen, die dem bloßen Auge entgeht. Der Film brauche nur ein paar Minuten, damit sich der Zuschauer vor einer einfachen Pflanze fürchtet, und so habe er für Gewächshäuser das geleistet, was Psycho für Duschen getan hat. Je weiter der Film voranschreitet, desto lauter werde seine Botschaft, denn Alice, die „Little Joe“ verteidigt, egal wie irrational dies sei, mache Parallelen zu Suchtkranken erkennbar. Ehrlich verweist auch auf die heutige Zeit, in der Schmerzmittel eine der häufigsten Todesursachen in weiten Teilen der Welt sind. Allerdings hätte Hausners Film so viel besser sein können, wenn die gezeigten Figuren eine Bestandsaufnahme ihres persönlichen Glücks gemacht hätten, ohne dieses gleichzeitig zu delegitimieren.[20]

Peter Bradshaw vom Guardian meint, der Aufbau sei großartig und es gebe großartige Aufnahmen von Pflanzen in Fußballfeldgröße, die sich unheimlich in dem Hi-Tech-Gewächshaus bewegen wie in einem Dokumentarfilm von Nikolaus Geyrhalter, der ein Meister dieser Art von Tableau entfremdeter Natur sei. Weiter schreibt Bradshaw, dramaturgisch könne der Film nicht überzeugen, und die Schauspieler, die alle sehr talentiert seien, hätten vielleicht nicht klar genug Regieanweisungen bekommen.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film befindet sich in einer Vorauswahl für den Europäischen Filmpreis 2019.[21][22] Im Folgenden weitere Auszeichnungen und Nominierungen.

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2019

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Little Joe. In: austrianfilms.com. Abgerufen am 3. März 2019.
  2. http://www.coop99.at/web-coop99/?portfolio=little-joe&lang=de
  3. a b Hannah Woodhead und Adam Woodward: 25 films we’d like to see at the 2019 Cannes Film Festival. In: lwlies.com, 2. März 2019.
  4. a b Little Joe. In: filminstitut.at. Abgerufen am 5. März 2019.
  5. Little Joe. In: filmfonds-wien.at. Abgerufen am 5. März 2019.
  6. a b https://www.theguardian.com/film/2019/may/17/little-joe-review-cannes-2019
  7. https://www.indiewire.com/2019/05/little-joe-review-cannes-1202142527/
  8. Little Joe – Glück ist ein Geschäft bei crew united. Abgerufen am 3. März 2019.
  9. Ben Croll: 'Little Joe' Film Review: Cannes Gets a Horticultural Horror Flick. In: thewrap.com, 17. Mai 2019.
  10. http://www.filmstarts.de/kritiken/271955/kritik.html
  11. Little Joe. In: jff.org.il. Abgerufen am 24. Juli 2019.
  12. Little Joe. In: f3a.net. Abgerufen am 1. August 2019.
  13. http://beta.blickpunktfilm.de/details/442245
  14. Marc Mensch: Viel Neues auf der Filmkunstmesse. In: Blickpunkt:Film, 20. August 2019.
  15. 63rd BFI London Film Festival programme announced. In: bfi.org.uk, 29. August 2019.
  16. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 21. September 2019.
  17. Little Joe In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 4. Juni 2019.
  18. Ben Dalton: Screen reveals Cannes 2019 jury grid critics. In: screendaily.com. Abgerufen am 25. Mai 2019.
  19. https://www.derstandard.de/story/2000103357306/filmfestival-in-cannesder-giftig-rote-ueberlebenskuenstler
  20. David Ehrlich: 'Little Joe' Review: A Horror Film that Dangerously Compares Antidepressants to an Alien Invasion — Cannes. In: indiewire.com, 17. Mai 2019.
  21. Jochen Müller: Lola-Abräumer in Vorauswahl für Europäischen Filmpreis. In: Blickpunkt:Film, 20. August 2019.
  22. EFA Feature Film Selection. In: europeanfilmawards.eu. Abgerufen am 20. August 2019.