Live-Streaming

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Als Live-Streaming, zu Deutsch Echtzeitübertragung, bezeichnet man ein Streaming-Media-Angebot (Video oder Audio), das in Echtzeit (englisch live) bereitgestellt wird. Interaktive Livestreams werden auch als Webcast bezeichnet. Handelt es sich um eine Lehrveranstaltung wird auch von einem Webinar gesprochen.

Dabei wird oft mittels einer Encoder-Software das Signal digital gewandelt und kann so über einen digitalen Übertragungskanal (z. B. das Internet) übertragen werden. Dabei kommen je nach Komprimierungsgrad und Übertragungsqualität verschiedene Streaming-Codecs zum Einsatz.

Live-Streaming ist nicht gleichzusetzen mit der Übertragung von Live-Webcam-Bildern auf einer Webseite. Bei letzterer wird lediglich in einem bestimmten Abstand ein Standbild, beispielsweise einer Webcam, via FTP auf einen Webserver geladen.

Im Gegensatz zum Live-Streaming steht das On-Demand-Streaming.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt eine Vielzahl an Computerprogrammen, die das Live-Streaming ermöglichen, von Audio, Video oder beidem zusammen. Viele Softwarefirmen wie Microsoft, Adobe und Real bieten fertige Lösungen an.

Man unterscheidet zwischen Peer-to-Peer (P2P), Streaming-Servern und einer Software-Lösung durch einfache Webserver, deren Inhalte durch Streaming-Clients abgerufen werden.

Im Falle der P2P-Lösung wird seitens eines zentralen Servers eine Verbindung zwischen zwei Teilnehmern – hauptsächlich bei Videokonferenzen – vermittelt, die unabhängig vom Server Daten austauschen. Der Vorteil ist, dass der zentrale Server nicht mit den Daten belastet wird und die Video-/Audio-Streams zwischen beiden Rechnern über deren Leitungen übertragen wird. Dabei kann der Betreiber des Servers keinen Einfluss auf die Qualität des übertragenen Streams nehmen. Diese Technik wird unter anderem von der Software Eyeball benutzt, aber auch die meisten Java-Applets die im Internet Live-Video-Streams unterstützen, benutzen diese Technik.

Im Falle der serverbasierten (Streamingserver) Lösung wird der Stream vom erzeugenden Rechner (Producer) an einen zentralen Server gesendet, der den Stream im Internet verteilt. Damit kann bei einem technisch gut ausgestatteten Server eine gute Bild- und Tonqualität erreicht werden. Ein Stream kann an tausende Zuschauer zugleich übertragen werden, zum Beispiel bei Livekonzerten. Auch Videokonferenzen sind damit einfach zu gestalten.

Live-Streaming wird oft bei Fernsehübertragungen genutzt.

Video-Direktübertragung per Smartphone-Kamera wird durch die Apps Periscope und YouTube Live unterstützt, beim Videoportal YouNow zusätzlich von einer Webcam.

Geschichte und Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge und technische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in den 1990er-Jahren wurden Livestreams im Internetfernsehen/IPTV, WebRadio und für Übertragungen von Veranstaltungen und einzelnen Orten eingesetzt. Popularität gewann neben TV-Übertragungen vor allem Spartenprogramme, die im klassischen Fernsehen nicht möglich wären oder eine zu geringe Einschaltquote hätten. Erst durch den verbreiten Netzausbau, den Umstieg von ISDN auf DSL, einfacher zu bedienten Diensten und der steigenden Anzahl von Internetnutzern wurden auch Livestreams beliebter.

2003 startete der Videokonferenz-Dienst Skype (Video over IP), der später von Microsoft übernommen worden ist.

Die Anzahl der Nutzer von Livestream-Plattformen in Deutschland stieg von 15,6 Millionen im Jahr 2013 auf 24,3 Millionen im Jahr 2017.[1]

Livestream-Dienste sind heute meist auch für Smartphone- und Tabletcomputer optimiert oder sogar nur dafür ausgerichtet. 2014 wurde der erste Livestream mit einer 4K-Auflösung übertragen.[2]

Übertragungen von Computerspielen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 startete die Livestreaming-Website Justin.tv. Computerspielübertragungen wurden seit 2011 auf die Webseite Twitch ausgelagert. Am 5. August 2014 wurde Justin.tv eingestellt. Twitch hingegen entwickelte sich zur erfolgreichsten Plattform für Livestreaming, was unter anderem den Erfolg von Let's Play-Videos geschuldet ist. 2013 verzeichnete Twitch monatlich mehr als 45 Millionen Zuschauer auf 6 Millionen Streaming-Kanälen.[3] Aufgrund des Erfolgs von Computerspiele-Livestreams erfolgten weitere Plattformen wie Mixer von Microsoft im Jahr 2015 und Hitbox.tv im Jahr 2013, welche 2017 in Smashcast.tv umbenannt worden ist. Für Computerspiele auf YouTube wurde 2015 der Dienst YouTube Gaming geschaffen.[4] Ende August 2014 wurde bekannt, dass Amazon das Unternehmen von Twitch für 970 Millionen US-Dollar übernommen hat.[5] Twitch steht weltweit auf dem 26. Alexa-Rang und in Deutschland steht es auf Platz 23.

Auch für den E-Sport wurden Livestream-Übertragungen immer wichtiger, so stieg z. B. der E-Sport-Sender ESL TV auf Twitch um. Eine besondere Form des Livestreamens von Computerspielen sind Spiele, die auf den Livestream ausgerichtet sind. So können z. B. durch Abstimmungen im Chat Entscheidungen für ein Spiel abgelesen werden. Eine bekanntes Beispiel für eine solche Aktionen war Twitch Plays Pokémon aus dem Jahr 2014, die danach mit vielen weiteren Spielen fortgesetzt worden ist.

Der Streamer mit den meisten Followern (über 14,5 Millionen) ist aktuell Ninja, der vor allem durch das Computerspiel Fortnite bekannt geworden ist. In deutschsprachigem Raum ist dies zurzeit MontanaBlack mit über 1,7 Millionen Followern.[6] Im Dezember lag die Zahl der aktiven Streamer auf Twitch bei 551 Tausend.[7]

Seit Mitte der 2010er-Jahre werden zudem Cloud Gaming-Dienste populärer, bei dem das Bild von einem Computerspiel auf einem Server per Livestream auf den Clienten übertragen wird. Bekannte Dienste sind z. B. Shadow, Google Stadia, xCloud, Project Atlas, Geforce Now, PlayStation Now (Vorgänger war Gaikai) und MESS von dem Internet Archive.

Software und Hardware[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konsolen wie die PlayStation 4 und Xbox One aus dem Jahr 2013 haben bereits Funktionen für das Livestreaming integriert. Vorher wurden dafür sogenannte Videograbber eingesetzt. Auch einige Computerspiele und Computerspiel-Clienten haben Funktionen für Streamer eingefügt, z. B. für direktes Livestreaming oder zur Anonymisierung. Als wichtige Software für das Livestreaming etablierte sich Wirecast (2004), Open Broadcaster Software (Kurz: OBS) aus dem Jahr 2012 und Xsplit aus dem Jahr 2016. Zudem entstanden mit der Zeit mehrere Overlay-Erweiterungen wie z. B. Streamlabs.[8]

Livestreams vor der Webcam als Form der Unterhaltung und des Vlogs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Nicht-Gaming-Content setzten sich die Plattformen YouNow, die im Jahr 2011 gegründet wurde und 2014 in Deutschland startete, und Periscope aus dem Jahr 2015 durch. Ebenfalls wurden Livestreams auf Facebook bzw. Facebook Watch beliebter. YouTube startete bereits seit 2009 Liveübertragungen von wichtigen Events wie Konzerten oder Sportveranstaltungen oder den Sprung von Felix Baumgartner. Im April 2011 wurde die Livestream-Funktion für ausgewählte Partner freigeschaltet.[9] Im Jahr 2013 wurde die Funktion erst für Nutzer mit mindestens 10 Tausend Abonnenten, dann 100 und am Ende des Jahres für alle freigeschaltet.[10][11]

Häufig berichten die Streamer in ihren Livestreams aus ihrem Leben, interagieren mit den Zuschauer oder gehen einer kreativen Tätigkeit oder Hobby nach. Eine Unterform des Livestreams ist der Charity-Livestream, bei dem die Reichweite der oder des Livestreamer(s) für das Sammeln von Spenden ausgenutzt wird. Bekannte Beispiele hierfür sind Friendly Fire und Loot für die Welt.

Durch die Popularität von Livestreaming nutzten auch einige Prominente und bekannte Gruppen regelmäßig die Funktion.[12][13][14]

Andere Einsatzgebiete von Livestreams[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Livestream-Phänomen sind Videochats mit Unbekannten, durch Plattformen wie Chatroulette und Omegle, die beide 2009 entstanden sind.

Im Bereich der Fernwartung und des Screen-Sharing über das Internet bewährte sich vor allem TeamViewer aus dem Jahr 2005. Vorher gab es bereits für lokale Netzwerke Dienste wie den Remote Desktop Protocol von Microsoft.

Im Bereich der Pornografie setzten sich Seiten wie LiveJasmin (2001), Chaturbate (2011) und BongaCams (2012) durch, die gemessen am Alexa Internet-Rang zu den meisten aufgerufenen Seiten im Internet gehören. Aber auch bekannte Pornowebseiten erweiterten ihr Angebot um eine Livestream-Funktion. Darsteller werden als Camgirl bzw. Camboy bezeichnet.

Live-Streaming als Rundfunk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Im Jahr 2017 wurde in Deutschland von Landesmedienanstalten verlautbart, auch Live-Streams über das Internet könnten als Rundfunk oder rundfunkähnlich eingestuft werden und bräuchten dann eine medienrechtliche Zulassung.[15] Dies treffe zu, wenn es sich um professionelle, redaktionell aufbereitete Live-Streams handele; kleinere, als Hobby betriebene Live-Streams fallen nicht unter den Begriff des Rundfunks und bedürfen keiner entsprechenden Zulassung.[16] Für seinen Stream, den er zusammen mit Angestellten betreibt, hat Gronkh beispielsweise inzwischen eine Rundfunklizenz beantragt und erhalten.[17] 2019 wurden auch kleinere Streamer wie Drachenlord und DerZinni wegen einen fehlenden Rundfunklizenz von der bayrischen Landesmedienanstalt abgemahnt und das Produzieren von Livestreams untersagt.[18][19] Als rundfunkpflichtig sind nach der Medienanstalt audiovisuelle Angebote, die die folgenden Kriterien erfüllen:

  • linear, also live verbreitet werden,
  • von mehr als 500 Zuschauern/Usern gleichzeitig gesehen werden können,
  • redaktionell gestaltet sind und
  • „entlang eines Sendeplans“ regelmäßig und wiederholt verbreitet werden.

Grundlage ist der Rundfunkstaatsvertrag.[20] Diese Regelung wird allerdings heftig kritisiert und als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet, da eine Rundfunklizenz für einen Hobby-Livestreamer teuer ist, auf Plattformen wie Twitch immer mehr als 500 Zuschauern zusehen könnten und es fraglich ist, ob das Berichten aus seinem Leben und Kundgeben von Meinungen als redaktionell anzusehen ist und die Sendezeit zu schwammig ausgelegt wird. So gibt es bereits Entwürfe für einen neuen Medienstaatsvertrag mit einer Sonderregelung, die unter anderem von PietSmiet unterstützt werden.[21][22]

Risiken und Gefahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Livestreams werden auch für Aktionen wie Swatting, Trolling, Spendenbetrug, Telefonstreiche, Veröffentlichen von privaten Daten und Adressen, Verletzen der Privatsphäre oder Scherz-Bestellungen missbraucht und so dem Streamer einen finanziellen, seelischen oder körperlichen Schaden zufügen. In einigen Fällen kann es auch zu Stalking, Cyber-Mobbing oder Sexting mit Minderjährigen kommen.[23] In Computerspielen stellt vor allem das Stream Sniping ein Problem dar. Kritisiert wird ebenfalls das oft mangelnde Eingreifen von den Diensten und polizeilichen Organisationen bei den Begehen von Straf- und Gewalttaten, wie zum Beispiel bei der Liveübertragung des Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch via Facebook.[24][25]

Einnahmen durch Livestreaming[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Streamer verdienen Geld durch Werbung in und zwischen den Streams, Produktplatzierungen in den Livestreams, Reflinks als Teil von Affiliate-Marketing, Merchandising-Artikel sowie kostenpflichtige Abonnements mit Zusatzfunktionen und Belohnungen wie z. B. zusätzlichen Emoticons und Spenden z. B. über Patreon oder direkt über Twitch.[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Livestreaming - Anzahl der Nutzer in Deutschland 2017. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  2. heise online: Weltweit erster 4K-Livestream über das Internet. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  3. Twitch 2013 Retrospective
  4. Gaming. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  5. Amazon kauft Twitch für 1 Milliarde US-Dollar.
  6. The Most Followed Deutsch Twitch Streamers, July 2019. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  7. Twitch - Monatlich aktive Streamer weltweit 2017. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  8. https://www.tomshardware.com/news/streamlabs-game-overlay-streaming-one-monitor,40008.html. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  9. https://youtube.googleblog.com/2011/04/youtube-is-going-live.html. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  10. http://www.macnn.com/articles/13/12/13/youtube.abandons.100.subscriber.limit.for.live.streaming/. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  11. YouTube: Livestreams jetzt für alle Nutzer möglich. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  12. Markus Böhm: Livestreaming-Plattform: Twitch will mehr. In: Spiegel Online. 12. April 2019 (spiegel.de [abgerufen am 26. Juli 2019]).
  13. Top 5 Promis auf Twitch: Berühmtheiten im Stream. 9. Juni 2016, abgerufen am 26. Juli 2019 (deutsch).
  14. US-Rapper Snoop Dogg trollte kiffend Twitch-Zuseher - derStandard.de. Abgerufen am 26. Juli 2019 (österreichisches Deutsch).
  15. zeit.de 23. Juni 2017: Post von der Anstalt
  16. Siehe dazu die Übersicht und Einordnung bei Hannes Berger: Livestreams im Internet als Rundfunk?, in Zeitschrift für Landesverfassungsrecht und Landesverwaltungsrecht (ZLVR), 2/2017, S. 57ff.
  17. Ist kein Geschäftsführer von PlayMassive GmbH mehr. - Twitch Clip Stream. 12. Januar 2018, abgerufen am 12. Januar 2018.
  18. Fehlende Rundfunklizenz: "Drachenlord" wird Livestream untersagt. 29. März 2019, abgerufen am 25. Juli 2019.
  19. heise online: Rundfunklizenz: Landesmedienanstalt Bayern untersagt "Drachenlord"-Livestream. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  20. Rundfunklizenzen für Live-Streaming Angebote. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  21. Markus Böhm: Fehlende Rundfunklizenz: "Drachenlord" werden YouNow-Livestreams untersagt. In: Spiegel Online. 29. März 2019 (spiegel.de [abgerufen am 25. Juli 2019]).
  22. Medienstaatsvertrag: Streamer dürfen Games künftig ohne Rundfunklizenz übertragen - Golem.de. Abgerufen am 25. Juli 2019 (deutsch).
  23. Younow: Wie gefährlich ist das Streaming-Portal? Abgerufen am 25. Juli 2019.
  24. Mord-Verdächtiger überträgt eigene Festnahme live im Netz. Abgerufen am 25. Juli 2019.
  25. Nach Christchurch: Facebook kündigt strengere Regeln für Livestreams an. In: Zeit online. 15. Mai 2019, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 25. Juli 2019]).
  26. So verdienen Twitch-Streamer ihr Geld. 25. Dezember 2017, abgerufen am 25. Juli 2019.