Living Museum

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Living Museums United
TransUtopia Exhibition, Wil, CH, 2017

Das Living Museum ist eine Bewegung, die sich der Verbreitung von Kunstasylen für psychisch kranke Menschen nach dem Vorbild des ersten Living Museums in Queens, New York, widmet. Authentische Kunst wird darin gleichzeitig geschaffen und ausgestellt. Es widmet sich der Schönheit von Kunst und der Heilung. Ziel ist die Identitätsveränderung vom psychisch Kranken zum Künstler in einer Atmosphäre von Gemeinschaft, Solidarität und Kreativität. Träger dieser Bewegung ist der Living Museum Verein Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Living Museum[1] wurde 1983 von Janos Marton[2], einem ungarischen Künstler und Psychologen, und Bolek Greczynski[3], einem Künstler aus Polen, gegründet. Beeinflusst waren sie von der europäischen Art-brut-Szene, z. B. der Prinzhorn-Sammlung in Heidelberg und dem Haus der Künstler in Gugging in Klosterneuburg bei Wien. Als Gebäude für das Living Museum haben Marton und Greczynski von der Klinikleitung des Creedmoor Psychiatric Center in Queens, New York auf dem weitläufigen Klinikareal ein verlassenes Restaurationsgebäude zur Verfügung gestellt bekommen, welches ehemals eine riesige Küche und 20 Speisesäle für 1000 Patienten beherbergte. Sie renovierten es und füllten es nach und nach mit Leben und Kunst.

Der Living Museum Verein[4] wurde am 8. Juli 2013 von Magdalena Steinemann, Rose Ehemann, die in den Living Museums in Wil[5] und New York mitgearbeitet haben, und Daniel Schwarz, Leiter der Tagesstätte der Heimstätten in Wil, den gemeinnützigen Living Museum Verein mit Sitz in Wil, Schweiz. Der Verein bezweckt die Förderung der Living Museum Idee (Kunstmuseum und Arbeitsstätte für psychisch beeinträchtigte Personen, Senioren sowie Künstler) und den Aufbau von Living Museum Projekten in der Schweiz.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Living Museum Konzept handelt es sich um die vierte grosse Revolution in der Geschichte der Psychiatrie ab Ende des 18. Jahrhunderts – nach der angeblichen[6] Befreiung der psychisch Kranken von den Ketten durch Philippe Pinel, der Einführung der Psychopharmaka und der Psychoanalyse nach Sigmund Freund und C.G. Jung[7].

Dem Living Museum als künstlerisches Konzept liegt eine Performance zugrunde, in der alles im Wandel und immerwährender Transformation ist. Sowohl alle Mitglieder darin wie auch die Werke befinden sich im Wachstum. Individuelle Eigenheiten, die einen in der Gesellschaft zum Aussenseiter machen, werden im Living Museum zelebriert und bieten einen Vorteil in der Schaffung von Kunst. Das hohe künstlerische Potential von Menschen, die psychische Extremerfahrungen gemacht haben, wird gewürdigt und in Ausstellungen der Öffentlichkeit gezeigt. Das Living Museum dreht den vorherrschenden Integrationsgedanken um: nicht die psychisch Kranken sollen sich in die Gesellschaft reintegrieren, sondern die Gesellschaft soll sich im Living Museum integrieren und von dort aus heil werden. Das Living Museum Konzept bietet Wege zur Heilung, hohe Lebensqualität, ist kosteneffizient und benötigt wenig Betreuungspersonal.

Abgrenzung zur Kunsttherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunsttherapie ist eine Therapieform, welche sich künstlerischer Materialien und Methoden bedient und auf unterschiedlichen Ansätzen basiert. Im Living Museum wird die Kunst von Menschen, die psychische Extremerfahrungen gemacht haben, gefördert und in internationalen Ausstellungen gezeigt. Alle zehn Prinzipien des Recovery-Gedanken kommen an diesem Ort zum Tragen.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ateliers-Living Museum in Wil, Schweiz ist das zweite existierende Living Museum (Gründung 2004); danach folgten die Living Museums in Bennebroeg (Niederlande) (2008), in Yongin (Korea) (2016), in Lyss (Schweiz) (2017), in Tbilissi (Georgien) und in Indonesien (2018). Weitere Living Museums in der Schweiz wie das Living Atelier Olten und das Living Museum Zürich sind im Aufbau, ebenso wie in Holland, Spanien und Österreich.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wieviel Geschichte trägt ein Mensch? Gutsbetrieb 2012[8]
  • 1. Internationales Kunsttherapie-Symposium 2014[9]
  • Irritationen, Altstadt Wil, 2015[10]
  • Selfies and Dronies, Eventhalle Klinik Wil 2016[11]
  • TransUtopia, Gutshof und Eventhalle 2017[12]
  • Artwil: Konsumkritik, 2018[13]
  • Herzgespinste: Stadtgalerie Balière Frauenfeld, 2018[14]
  • Living Museum Retrospektive: FH. St. Gallen, 2018[15]
  • 1. Nationaler Patientenkongress, Bern 2018[16]

Assoziierte Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Psychiatrie St. Gallen Nord. CH
  • Heimstätten Wil, CH
  • Pro Mente Sana, ZH, CH
  • The Living Museum New York, USA
  • The Living Museum Bennebroeg, NL
  • The Living Museum Lyss, CH
  • The Living Museum Vienna, A
  • The Living Museum Graz, A
  • The Living Museum Yogin, K

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Julie Besonen: The Living Museum, on the Creedmoor Campus in Queens, Puts Patients’ Work on Display. (nytimes.com [abgerufen am 26. November 2018]).
  2. Joseph Guislain: Speech Janos Marton. 15. Dezember 2016, abgerufen am 26. November 2018.
  3. Patricia C. Phillips on Bolek Greczynski and the People of the Creedmoor Psychiatric Center, “Battlefields”. Abgerufen am 26. November 2018 (amerikanisches Englisch).
  4. Living Museum - Living-Museum. Abgerufen am 26. November 2018.
  5. Rolf App: «In der Kunst liegt viel heilende Kraft» | St.Galler Tagblatt. In: St.Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 26. November 2018]).
  6. Magdalena Frühinsfeld: Kurzer Abriß der Psychiatrie. In: Anton Müller. Erster Irrenarzt am Juliusspital zu Würzburg: Leben und Werk. Kurzer Abriß der Geschichte der Psychiatrie bis Anton Müller. Medizinische Dissertation Würzburg 1991, S. 9–80 (Kurzer Abriß der Geschichte der Psychiatrie) und 81–96 (Geschichte der Psychiatrie in Würzburg bis Anton Müller), S. 70.
  7. Janos Marton: Living Museum Philosophy. Hrsg.: WHO-Conference. BENTHAM SCIENCE PUBLISHERS, 15. Dezember 2016 (koreatesol.org [abgerufen am 26. November 2018]).
  8. Michael Hug: Tragbare und untragbare Geschichten | St.Galler Tagblatt. In: St.Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 26. November 2018]).
  9. Brigitta Bommer, Rose Ehemann, Nicole Ottiger: 1. Internationale Kunsttherapie-Symposium Kristalle. Brigitta Bommer, Rose Ehemann, Nicole Ottiger, abgerufen am 24. November 2018.
  10. Michael Hug: Zum Denken anregende Irritationen | St.Galler Tagblatt. In: St.Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 26. November 2018]).
  11. [PDF] Symposiums - Heimstätten Wil - Free Download PDF. (ecitydoc.com [PDF; abgerufen am 26. November 2018]).
  12. Christof Lampart: WIL: Visionen für eine bessere Welt | St.Galler Tagblatt. In: St.Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 26. November 2018]).
  13. OBERE BAHNHOFSTRASSE WIL WIRD ZUR KUNSTMEILE „UF ÄN ART WIL I“ – wil24.ch. Abgerufen am 26. November 2018.
  14. Mathias Frei: In der Frauenfelder Stadtgalerie Baliere sind die Innenwelten gefärbt | St.Galler Tagblatt. In: St.Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 26. November 2018]).
  15. Stefan Ribler: Kulturzyklus St.Gallen. In: https://www.fhsg.ch/fileadmin/Dateiliste/5_fachhochschule/veranstaltungen/2018/Kulturzyklus_Kontrast/Living_Museum_Retrospektive_2018__003_.pdf. FH St.Gallen, 6. November 2018, abgerufen am 24. November 2018.
  16. Pro Mente Sana: Living Museum- die vierte Revolution in der Psychiatrie. Pro Mente Sana, Netzwerk psychische Gesundheit Schweiz, Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen, Berner Fachhochschule, 14. September 2018, abgerufen am 24. November 2018.