Lizzie Doron

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Lizzie Doron, Deutsch-Israelische Literaturtage 2012

Lizzie Doron (hebräisch ליזי דורון‎; * 1953 in Tel Aviv) ist eine in Tel Aviv lebende israelische Schriftstellerin.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lizzie Doron wuchs in einem Viertel am südlichen Stadtrand von Tel Aviv auf in einer jiddisch sprechenden Gemeinde, in der sich Überlebende der Shoa angesiedelt hatten und dem Viertel mit der Pflanzung zahlreicher Bäume und Büsche ein bis heute prägendes, grünes Bild gaben. Doron verließ den Stadtteil mit 18 Jahren, um als Kibbuznik auf den Golanhöhen zu leben, „weit weg, um die Welt und die unstillbare Traurigkeit der Menschen zu vergessen, die von ‚dort‘ gekommen waren“. Anschließend studierte sie Linguistik.

Ihre Mutter starb 1990. Als Lizzie Dorons Tochter wissen wollte, woher sie komme, stellte sie fest, dass sie viele Fragen nicht beantworten konnte. Daraus sei ihr Buch Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen? entstanden. Es erschien 1998 in Israel und 2004 in deutscher Übersetzung von Mirjam Pressler. Das Buch ist eine Hommage an die Mutter, welches in einzelnen Geschichten ein Bild der Mutter zeichnet und damit das Bild der Generation derer geschaffen hat, die die Shoa überlebten und in Israel Fuß zu fassen suchten. Das Buch zählt inzwischen in Israel zur Schullektüre.

Sie selbst sagte über das Verhältnis zu ihrer Mutter:

„Meine Tochter hat mir eine Lektion erteilt. In der Schule sollte sie die Geschichte ihrer Familie aufschreiben. Ich habe ihr geholfen, daraus ist mein erstes Buch entstanden. Ich selbst hatte eine sehr aufgeladene, komplizierte Beziehung zu meiner Mutter. Ich habe mich dafür geschämt, dass sie sich oft wie eine Verrückte benommen hat, ja dass sie eine Überlebende des Holocaust war. Ich wollte Israelin sein und dachte, jeder müsse tapfer sein, jeder ein Kämpfer. Meine Mutter war für mich eines dieser Lämmer, die sich zur Schlachtbank haben führen lassen. Erst durch meine Tochter habe ich erkannt, wie mutig meine Mutter gewesen ist. [1]

Ihr zweites Buch, Hajitah po pa'am Mischpacha, ist in Deutschland 2010 unter dem Titel "Es war einmal eine Familie" erschienen. Es entstand als Andenken an sieben Mitschüler, die 1973 im Jom-Kippur-Krieg getötet wurden. Der dritte Roman, Ruhige Zeiten, erschien 2004 in deutscher Übersetzung wieder von Mirjam Pressler 2005. Auch er hat autobiographische Züge und beschreibt das Leben in dem Viertel von Tel Aviv, in dem sie selbst aufgewachsen ist, er setzt sich noch einmal mit der Generation der Holocaust-Überlebenden auseinander. Für diesen Roman wurde sie 2003 mit dem von Yad Vashem vergebenen Buchmann-Preis ausgezeichnet.

In ihrem ebenfalls autobiographisch fundierten Roman Ve jom echad od nipagesch von 2009 (dt. Das Schweigen meiner Mutter, 2011) erzählt sie von einer Frau, die herauszufinden versucht, warum sie vaterlos aufwuchs.

Doron Schreibstil gilt als kühl und klar.

2007 erhielt Lizzie Doron den Jeanette Schocken Preis.[2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autograph
  • 1998: Lama lo bat lifne ha-milchama?, Tel Aviv: Chalonot. - Deutsche Übersetzung: Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler, Frankfurt/Main 2004: Jüdischer Verlag. ISBN 3-633-54199-3
  • 2002: Hajitah po pa'am mischpacha, Jerusalem: Keter. - Deutsche Übersetzung: Es war einmal eine Familie. Roman. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler, Frankfurt/Main 2009: Jüdischer Verlag. ISBN 978-3-633-54235-2
  • 2003: Jamim schel scheket, Jerusalem: Keter. - Deutsche Übersetzung: Ruhige Zeiten. Roman. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler, Frankfurt/Main 2005: Jüdischer Verlag. ISBN 3-633-54218-3
  • 2007: Hatchala schel maschehu jafe, Jerusalem: Keter. - Deutsche Übersetzung: Der Anfang von etwas Schönem. Roman. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler, Frankfurt/Main 2007: Jüdischer Verlag. ISBN 978-3-633-54227-7
  • 2009: Ve jom echad od nipagesch, Jerusalem: Keter. - Deutsche Übersetzung: Das Schweigen meiner Mutter. Roman. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler, München 2011: dtv. ISBN 978-3-423-24895-2
  • 2015: Who the Fuck Is Kafka. Roman. München 2015: dtv. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. ISBN 978-3-423-26047-3 - Die deutsche Ausgabe ist die erste weltweit. Auf Hebräisch ist der Band noch nicht erschienen[3]
  • 2017: Sweet Occupation. München 2017: dtv. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. ISBN 978-3-423-26150-0 - Die deutsche Ausgabe ist die erste weltweit.

Quellen/Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jüdische Allgemeine, Nr. 01/2006 vom 5. Jan. 2006, S. 10: Trost unter Trockenhauben. Lizzie Dorons Überlebendenroman "Ruhige Zeiten", von Ayala Goldmann
  • Jüdische Allgemeine, Nr. 39-40/2005 vom 29. Sept. 2005: „Keine Wahrheit ist wirklich wahr“. Eine Begegnung mit der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron, von Sigrid Brinkmann
  • Deutschlandfunk-Büchermarkt -Schalom - Jüdisches Leben heute, 22. April 2005: "Dieses Buch war meine persönliche Erinnerung" - Lizzie Doron und Mirjam Pressler stellen >Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen ?< auf einer Lesereise durch Deutschland vor, von David Dambitsch
  • Deutschlandfunk-Büchermarkt, 14. Februar 2005: Die Kluft zwischen Zionisten und Juden. Lizzie Doron: „Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?“, von Sigrid Brinkmann
  • Sand am Meer – Die virtuelle Literaturzeitschrift: Lizzie Doron: „Ruhige Zeiten“, Rezension von Winfried Stanzick, 7/2005
  • Suhrkamp Verlag Autorenportrait
  • Boersenblatt, 16. Januar 2007: Schockenpreis für Lizzie Doron
  • Neue Zürcher Zeitung, 16. Februar 2008, Die verbotene Liebe zu Deutschland. Eine Begegnung mit der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron, von Naomi Bubis
  • Neue Zürcher Zeitung, 16. Februar 2008, Splitter der Vergangenheit. Lizzie Dorons neuer Roman, von Carsten Hueck

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lizzie Doron – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dirk von Nayhauß "Fragen an das Leben - Lizzie Doron: Ich habe mich geschämt, dass meine Mutter den Holocaust überlebt hat"chrismon August/2015.
  2. www.bremen.de
  3. Ankündigung des deutschen Verlags