Lloyd Werft Bremerhaven

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lloyd Werft Bremerhaven AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1857 als Werkstatt des Norddeutschen Lloyd
Sitz Bremerhaven
Leitung Rüdiger Pallentin, Carsten J. Haake, Dirk Petersjohann
Mitarbeiter 400
Branche Schiffbau
Website www.lloydwerft.com
Stand: 23. November 2015 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2015

Die Lloyd Werft Bremerhaven AG ist eine Schiffswerft in Bremerhaven. Sie wurde 1857 als Werkstatt der Reederei Norddeutscher Lloyd gegründet und führt heute insbesondere Reparatur, Umbau und Erweiterung von großen Schiffen durch. Das Unternehmen beschäftigt rund 400 Personen auf einem Gelände von 260.000 m² zwischen Verbindungshafen und Kaiserhafen III. Schiffe mit einem Tiefgang von maximal 11,5 m können gedockt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf das Gebäude der ehemaligen Wäscherei der Reederei Norddeutscher Lloyd, das heute zur Lloyd-Werft gehört und als Bürogebäude genutzt wird

Die Werft war zunächst Werkstatt und Werft des Norddeutschen Lloyd (NDL). 1871 wurde das erste Dock, ein Doppeldock nach Plänen des Leiters der Hafenbaudirektion Carl Friedrich Hanckes, an der Westseite des Neuen Hafens, mit der Dockung des Dampfseglers Deutschland eingeweiht. Es musste verlängert werden, damit die zwölf Schnelldampfer der Flüsse-Klasse (Elbe u.a.) gedockt werden konnten. Nachdem der Schiffbauingenieur Johann Schütte 1899 nachgewiesen hatte, warum der gerade gelieferte Schnelldampfer Kaiser Friedrich die vereinbarte Geschwindigkeit nicht erreichen konnte, beauftragte ihn der Lloyd mit der Errichtung einer Schiffbauversuchsanstalt. Sie wurde an der Westseite des Neuen Hafens errichtet, die hier gewonnenen Ergebnisse zu Fragen des Widerstandes und der Geschwindigkeit machten besonders bei Schiffen mit Mehrschrauben-Antrieb Schütte schnell zur international anerkannten wissenschaftlichen Autorität.

1899 wurde nach der Erweiterung des Kaiserhafens und der Fertigstellung der Kaiserschleuse im Kaiserhafen das 1. Kaiserdock mit 222 m Länge eröffnet. Darin konnten die neuen Schnelldampfer der Kaiserklasse gedockt werden. Durch die immer größer werdenden Passagierdampfer wurde von 1907 bis 1912 der Bau des Kaiserdocks II notwendig. Es hatte eine Länge von 263 m und reichte für die größten Schiffe. Mit dem Bau der Bremen und Europa wurde es 1931 auf 335 m verlängert. In diesen Jahren wurden auch die Werkstätten vom Neuen Hafen verlagert und um die Kaiserdocks gruppiert.

Der Norddeutsche Lloyd fusionierte 1970 mit der HAPAG zur Hapag-Lloyd AG. Im Jahre 1973 wurde die Werft als Unternehmen herausgelöst und firmierte unter HAPAG Lloyd Werft GmbH. Dann übernahm 1984 der Bremer Vulkan den Betrieb und die Werft erhielt den heutigen Namen Lloyd Werft Bremerhaven GmbH.

Nach dem Konkurs des Bremer Vulkan 1996 wurde die Lloyd Werft selbstständig.

Um auch Kreuzfahrtschiffe in der Karibik reparieren zu können, wurde im Jahr 2000 eine Reparaturwerft auf den Bahamas eröffnet. Jedoch wurde diese schon nach wenigen Monaten an eine britische Gesellschaft verkauft.

Im Jahr 2006 übernahm die landeseigene Wirtschaftsförderung Bremen (WfB) einen Anteil von 13,16 % an der Lloyd Werft. Diese sollten 2013 für 4,8 Mio. Euro an die BLG verkauft werden, die damit ihr Geschäftsfeld erweitern möchte, aber auch die Flächen bewirtschaften will.[1]

Im September 2015 erwarb die Genting Hong Kong für 17,5 Mio. Euro eine Mehrheitsbeteiligung an der Lloyd Werft.[2][3][4] Anfang Januar 2016 erwarb Genting Hong Kong die Lloyd Werft komplett.[5]

Werftenverbund und Docks[Bearbeiten]

Die Werft verfügt über zwei Trockendocks und ein Schwimmdock. Über eine Kooperation stehen seit Anfang 2013 diese auch dem Bremerhavener Verbund German Dry Docks zur Verfügung, worin durch andere Unternehmen drei weitere Docks zur Verfügung gestellt werden. Dem Werftenverbund aus Lloyd-Werft, MWB Motorenwerke Bremerhaven und German Dry Docks stehen zusammen sechs Docks und rund 500 Beschäftigte aus diesen Unternehmen zur Verfügung, die auch firmenübergreifend eingesetzt werden.[6]

Polarstern im Trockendock

Dock 1 (Trockendock, Kaiserdock I, Lloyd Werft Bremerhaven)

  • Länge über alles: 222,0 m
  • Breite über alles: 32,0 m
  • Nutzbare Innenbreite: 26,0 m
  • Kran-Kapazität: 1 × 35 t

Dock 2 (Trockendock, Kaiserdock II, Lloyd Werft Bremerhaven)

  • Länge über alles: 335,0 m
  • Breite über alles: 40,0 m
  • Nutzbare Innenbreite: 35,0 m
  • Kran-Kapazität: 1 × 35 t und 1 × 50 t

Dock 3 (Schwimmdock, Lloyd Werft Bremerhaven)

  • Länge über alles: 280,5 m
  • Breite über alles: 47,0 m
  • Nutzbare Innenbreite: 38,0 m
  • Hebefähigkeit: 35.000 t
  • Kran-Kapazität: 1 × 60 t und 3 × 15 t
Einsetzen des Hubbeins-Nr. 1 des von der Sietas-Werft gebauten Errichterschiffes Aeolus

Seit der Vergrößerung der Kaiserschleuse ist der Kaiserhafen III und damit auch die Docks der Lloyd Werft für Schiffe bis 55 Meter Breite zugänglich. Um diesen Vorteil für die Werft zu nutzen, wird ein großes Schwimmdock (375 m lang, 57 m breit, Hebefähigkeit bis 90.000 t) geplant. Damit kann die Lloyd-Werft sich auf die aktuellen Marktveränderungen besonders im Kreuzfahrtschiffsektor und bei den Autotransportern einstellen. Für die erforderlichen Infrastrukturanpassungen in Zusammenhang mit der Planung des neuen Großdocks für die Lloyd-Werft stellt das Land Bremen eine halbe Million Euro zur Verfügung.[7]

Außerdem wird dadurch auch der neue Markt zur Reparatur, Umbau, Überholung und Klassearbeiten der extrem breiten Offshore-Errichterschiffe weiter erschlossen.[8][9] Zum Einbau der extrem schweren Hubbeine der Errichterschiffe wurde an der Ausrüstungspier eine Schwerlastplatte erstellt, um für die Standsicherheit der weltweit stärksten Mobilkrane zu gewährleisten. Sowohl für die Errichterschiffe von RWE als auch für die Aeolus wurde diese Einrichtung erfolgreich genutzt.

Neu- und Umbauten[Bearbeiten]

  • 1979/1980: Umbau des französischen Luxusliners France zur Norway für den norwegischen Reeder Knut Utstein Klosters
  • 1986/1987: Umbau und Modernisierung des britischen Passagier- und Kreuzfahrtschiffs Queen Elizabeth 2, der bis dahin weltweit größte Umbau eines Passagierschiffes
  • 1996: Endausbau des Kreuzfahrtschiffs Costa Victoria (in Zusammenarbeit mit dem Bremer Vulkan)
  • 1997/1998: Die Kreuzfahrtschiffe Norwegian Dream und Norwegian Wind wurden jeweils um 40 m verlängert
  • 1999: Fertigstellung des Kreuzfahrtschiffs Norwegian Sky, ursprünglich als Costa Olympia beim Bremer Vulkan begonnen und nach dessen Konkurs dort nicht mehr fertiggestellt
  • 2001/2002: Neubau des Kreuzfahrtschiffes Norwegian Sun, dessen Kasko bei der Mathias Thesen Werft in Wismar gebaut und dann nach Bremerhaven geschleppt wurde
  • 2004/2005: Neubau des amerikanischen Kreuzfahrtschiffs Pride of America; das Schiff sank während eines Sturms am Ausrüstungskai der Werft, musste aufwändig repariert werden und brachte damit die Werft an den Rand der Insolvenz
  • 2006: Verlängerungen von vier Cala-Kühlschiffen für die Seatrade Groningen B.V., wobei die Cala Palma durch einen Brand bei Schweißarbeiten beschädigt wurde
  • 2007: Die Stena Britannica wurde um 30 m, die Stena Hollandica um 50 m verlängert; es entstanden mit einer jeweiligen Gesamtlänge von etwa 240 m die längsten Fracht- und Passagierfähren der Welt
  • 2009: Die Celebrity Galaxy wurde in nur 38 Tagen für 50 Mio. Euro umgebaut und erhielt den Namen Mein Schiff (heute: Mein Schiff 1)
  • 2010: Umbau der Frachtfähre Stena Trader, u.a. Verkürzung um 12,8 m, Erhöhung der Passagier-Kapazität von 350 auf 1000 durch Erweiterung der Aufbauten, Einbau einer weiteren Heckrampe und eines Hängedecks für Pkw
  • 2011: Umbau der Celebrity Mercury (wie beim Schwesterschiff Celebrity Galaxy), die danach wie Ihre Schwester für TUI Cruises unter dem neuen Namen Mein Schiff 2 ihren Dienst versieht. Bis auf einige Details im Innenausbau wurden beide Schiffe weitgehend gleich.
Die Ceona Amazon liegt in Bremerhaven bei der Lloyd-Werft zur Ablieferung bereit (Dezember 2014)
Blick auf die neue Motorenanlage der Artania (Dezember 2014)
  • 2014, Neubau des Offshore-Spezialschiffes Ceona Amazon; Ablieferung nach nicht einmal 17 Monaten Bauzeit, größtes Offshore-Spezialschiff am Markt (203,10 m lang, 32,20 m breit, 8,00 m Tiefgang, 31.240 BRT) für das Verlegen von Pipelines in extremen Wassertiefen bis zu 3.000 Metern.
  • 2014: Im Oktober wurde die Artania im Passagier- und Maschinenbereich aufwendig modernisiert. Die Pielstick-Motoren wurden durch vier neue 12-Zylinder-Dieselmotoren der Baureihe Wärtsilä 32 ersetzt. Darüber hinaus erhielt das Schiff einen neuen 8-Zylinder-Hilfsdiesel der gleichen Baureihe, neue Schalldämpfer, ein neues Kühlwassersystem und eine neue Brennstoffaufbereitung [10][11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H. J. Witthöft: Für Schiffsreparaturen und Großumbauten ist die Lloyd Werft weltweit die beste Adresse. In: Köhlers Flottenkalender 2008, S. 118–129, ISBN 978-3-7822-0963-2
  • 150 Jahre Lloyd Werft. In: Hansa, Heft 2/2007, S. 12–24, ISSN 0017-7504
  • Projekte. Dokumentation der Projekte der Lloydwerft. Lloyd Werft, Bremerhaven 2002, ISBN 3-933885-14-0
  • Länger, größer, schöner. Wie die Lloyd Werft drei Kreuzfahrtschiffe der Norwegian Cruise Line umbaute. Lloyd Werft, Bremerhaven 1999, ISBN 3-927857-99-8
  • H. J. Witthöft: Lloyd Werft – 150 Jahre Schiffbaugeschichte. Koehler, Hamburg 2007, ISBN 978-3-7822-0957-1
  • »Wir sind spezialisiert auf alles«. Interview mit dem Geschäftsführer Rüdiger Pallentin durch Nikos Späth in: Hansa, Heft 6/2012, S. 18–21, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2012, ISSN 0017-7504
  • Kreuzfahrt- und Spezialschiffe bestimmen das Zukunftsgeschäft. In: Schiff & Hafen, Heft 6/2014, S. 22/23, ISSN 0938-1643
  • Lloyd Werft mit dem Schiffbaujahr 2014 sehr zufrieden · Jahresbilanz. In: Schiff & Hafen, Heft 6/2015, S. 22/23, ISSN 0938-1643

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lloyd Werft – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BLG kauft sich bei der Lloyd Werft ein. In: Täglicher Hafenbericht vom 6. Mai 2013, S. 1/3
  2. Pressemitteilung der Lloyd Werft vom 18. September 2015
  3. Genting steigt bei Lloyd ein. In: Täglicher Hafenbericht vom 18. September 2015, S. 1
  4. Lloyd Werft stellt Weichen für die Zukunft · Malaysischer Genting-Konzern übernimmt Anteile für 17,5 Millionen Euro. In: Täglicher Hafenbericht vom 21. September 2015, S. 1/3
  5. Genting Hong Kong kauft Lloyd-Werft komplett. 4. Januar 2016, abgerufen am 4. Januar 2016.
  6. Kreuzfahrt- und Spezialschiffe bestimmen das Zukunftsgeschäft. In: Schiff & Hafen, Heft 6/2014, S. 22/23
  7. Land Bremen stellt 500.000 € bereit. In: Hansa, Heft 12/2014, S. 9
  8. Karl-Heinz Hochhaus: Offshore-Projekte der Lloyd Werft. In: Hansa, Heft 6/2014, S. 32–37
  9. Wachstum dank Reparatur nach Plan. Hansa, Heft 11/2014, S. 39
  10. Lloyd Werft: Presseerklärung vom 3. Juni 2014. Abgerufen am 23. Dezember 2014.
  11. MS Artania, Neumotorisierung in der Lloyd Werft

53.5678.557Koordinaten: 53° 34′ 1,2″ N, 8° 33′ 25,2″ O