Locmariaquer

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Locmariaquer
Lokmaria-Kaer
Wappen von Locmariaquer
Locmariaquer (Frankreich)
Locmariaquer
Region Bretagne
Département Morbihan
Arrondissement Lorient
Kanton Auray
Gemeindeverband Auray Quiberon Terre Atlantique
Koordinaten 47° 34′ N, 2° 57′ WKoordinaten: 47° 34′ N, 2° 57′ W
Höhe 0–19 m
Fläche 10,99 km²
Einwohner 1.566 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 142 Einw./km²
Postleitzahl 56740
INSEE-Code
Website www.locmariaquer.fr

Locmariaquer

Locmariaquer (bretonisch: Lokmaria-Kaer) ist eine französische Gemeinde mit 1566 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Morbihan in der Region Bretagne, die vor allem wegen der vielen eindrucksvollen Monumente aus der Megalithzeit international bekannt geworden ist.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Locmariaquer liegt etwa zehn Kilometer (Fahrtstrecke) südlich von Auray auf einer Halbinsel, die den Atlantik vom Golf von Morbihan trennt. Der Ort liegt auf Meereshöhe und etwa zwölf Kilometer von Carnac entfernt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1968 1975 1982 1990 1999 2006
Einwohner 1.265 1.288 1.278 1.309 1.367 1.598

Beinahe während des gesamten 19. Jahrhunderts hatte der Ort um die 2.000 Einwohner.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Austernzucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird im Golf von Morbihan Austernzucht betrieben, wobei inzwischen nur noch die Anzucht der Jungmuscheln eine bedeutende wirtschaftliche Rolle spielt. Noch existieren etwa 30 Kleinbetriebe, die nach der − durch Parasitenbefall verursachten − Austernkrise in den Jahren 1973/4 auf japanische und pazifische Austern ausgewichen sind. In den Jahren nach 2006 gab es jedoch erneut eine Austernkrise in Frankreich. Locmariaquer hatte früher einen kleinen Fischereihafen; mittlerweile gelten der Ort und seine Umgebung als gute Plätze für Angler. Das Hinterland wird landwirtschaftlich genutzt.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der klimatisch stabile Süden der Bretagne mit seinen vielen Buchten und Sandstränden lockte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg viele französische Urlauber an. Seit den 1960er Jahren nimmt die Bedeutung des Tourismus für das Wirtschaftsleben mehr und mehr zu. Auch in der näheren Umgebung von Locmariaquer (Saint-Philibert, La Trinité-sur-Mer, Carnac, Halbinsel Quiberon) gibt es viele Sandstrände und Yachthäfen sowie kleinere Pensionen und größere Hotels.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie aus den vielen bedeutenden Großsteinbauten zu erschließen ist (Dolmen von Kercadoret, Les Pierres-Plates, Mané-er-Hroëk), muss das Gebiet des Golf von Morbihan in der Zeit der Megalithkulturen eine wichtige Rolle gespielt haben, wobei die Tatsache von Bedeutung ist, dass viele ältere Großmenhire (Grand Menhir) in der Zeit um 4200 v. Chr. − wahrscheinlich absichtlich − umgestürzt wurden; die entstandenen Teilstücke wurden als Deckplatten (teilweise auch als Orthostaten) in den im Ort liegenden Dolmen (Er Grah, Mané Lud, Mané Retual, Table des Marchand) wiederverwertet. Vor dem Zugang zur Table des Marchand und im Dolmen von Kercadoret wurde − als einige der wenigen Artefakte aus der Bronzezeit − eine Bronzeaxt bzw. Speer- und Pfeilspitzen aus Bronze gefunden; möglicherweise fand in dieser Epoche (vielleicht auch schon früher) eine Umnutzung der Dolmen statt.

Aus römischer Zeit stammen die spärlichen Überreste eines Theaters, eines Aquädukts und einer Thermenanlage innerhalb der heutigen Gemeinde, die bei Ausgrabungsarbeiten Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt, dann aber größtenteils wieder verschüttet wurden. Auf den Grundmauern eines römischen Kleintempels wurde die Chapelle Saint-Michel errichtet; aus dem 11./12. Jahrhundert stammt die Kirche Notre-Dame-de-Kerdro. Im Mittelalter und in der Neuzeit war der Ort stets besiedelt, spielte allerdings keine bedeutende wirtschaftliche, politische oder kulturelle Rolle mehr.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Megalithzeit

Der Ort mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten aus der Epoche der Megalithkulturen ist heute Ziel vieler Touristen; die bedeutendsten Monumente dieser Zeit sind:

Mittelalter
Kirche Notre-Dame-de-Kerdro
  • Die original erhaltenen romanischen Querhäuser und die Apsis der Kirche Notre-Dame-de-Kerdro haben Tonnengewölbe; hier finden sich mehrere romanische Kapitelle – eine Seltenheit in der Bretagne (vgl. Loctudy). die Vierung ist mit einer hölzernen Flachdecke versehen – beide Bauteile wurden im Jahr 1925 als Monument historique [1] anerkannt. Das aus dem 17./18. Jahrhundert stammende dreischiffige Langhaus der Kirche ist von hölzernen Gewölben überspannt. Das Kircheninnere enthält zwei Barockaltäre und einen schönen Fensterzyklus aus den 1960er Jahren mit diversen Motiven zur Stadt- und Wirtschaftsgeschichte.
  • Etwas außerhalb des Ortskerns befinden sich zwei idyllisch gelegene Kapellen (Chapelle Saint-Pierre und die Chapelle du Moustoir)

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der kleine, aber eindrucksvolle Dolmen von Kercadoret liegt nur vier Kilometer nordwestlich von Locmariaquer. In den Außenbezirken des nur zwölf Kilometer entfernten Städtchens Carnac stehen die berühmten megalithischen Steinreihen (alignements) von Le Menec, Kerlescan und Kermario. In der Ortsmitte von Carnac befindet sich ein sehenswertes Museum zur Megalithkultur (Musée de Préhistoire). Vom kleinen Ort Larmor-Baden am östlichen Ufer des Golfs von Morbihan fahren Boote zur Insel Gavrinis.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Notre-Dame-de-Kerdro, Locmariaquer in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Locmariaquer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien