Lohnquote

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Die Lohnquote ist

Ihr Gegenstück ist die Gewinnquote.

Berechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den folgenden Formeln wird die Lohnquote als Verhältniszahl angegeben. In allen weiteren Ausführungen und Grafiken ist die Lohnquote dagegen als Prozentzahl angegeben, ist also mit dem Faktor 100 multipliziert.

Gesamtwirtschaftliche Lohnquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereinigte und unbereinigte Lohnquote in der BRD.

Die gesamtwirtschaftliche Lohnquote ergibt sich als Division der Arbeitnehmerentgelte (Lohneinkommen) durch das gesamte Volkseinkommen:

Die gesamtwirtschaftliche Lohnquote besitzt jedoch nur eine begrenzte Aussagekraft. Sie wird durch die Veränderung der Beschäftigungsstruktur beeinflusst, insbesondere durch Verschiebungen im Verhältnis von abhängig zu selbständig Erwerbstätigen, da die Erwerbseinkommen der letzteren nicht in der Lohnquote enthalten sind. Um diesem Problem vorzubeugen, wurde die bereinigte Lohnquote entwickelt.[1]

Bereinigte Lohnquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der bereinigten Lohnquote (bLQ) wird die gesamtwirtschaftliche Lohnquote um Veränderungen der Erwerbstätigenstruktur bereinigt. Dazu wird die Zahl der Erwerbstätigen und der abhängig Beschäftigten auf ein Basisjahr standardisiert:

Das Berichtsjahr (Index t) ist das Jahr, für welches die Lohnquote berechnet werden soll, das Basisjahr (Index0) ist ein ausgewähltes Jahr, dessen Erwerbstätigenstruktur konstant gehalten werden soll. Den Formeln ist zu entnehmen, dass im Basisjahr die gesamtwirtschaftliche und die bereinigte Lohnquote gleich groß sind.

Ein Nachteil dieser Bereinigung der Lohnquote ist, dass das Niveau davon abhängt, welches Basisjahr man zugrunde legt. Sie ist daher nur zur Beschreibung von Veränderungen der Verteilung zwischen Lohn- und Gewinneinkommen geeignet, nicht zur Beschreibung des Verhältnisses für ein aktuelles Jahr.

Entwicklung der Lohnquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland

Im Vergleich zum 19. Jahrhundert ist die Lohnquote in Deutschland wie auch in den übrigen Industriestaaten die Bruttolohnquote deutlich gestiegen. 1870 betrug die Lohnquote in Deutschland nur 43,1 Prozent. Sie stieg zunächst bis 1930 auf 60,2 % und sank bis 1939 wieder auf 54,9 %.[2]

Lohnquote.pdf

In der Nachkriegszeit stieg die unbereinigte Lohnquote von 65,6 % im Jahre 1970 auf ihr bisheriges Allzeithoch von 73,6 % im Jahre 1981. Anschließend ging sie bis zur deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990 auf 67,8 % zurück.[3]

Seit der Wiedervereinigung zeigen sowohl die unbereinigte als auch die bereinigte Lohnquote kaum Änderungen: Sie lagen im Jahre 1991 bei 69,9 % und im Jahre 2018 bei 69,0 bzw. 69,2 %.[4]

Lohnquoten.pdf
EU

In den meisten anderen Mitgliedsstaaten der EU-15 erreichte die Lohnquote auch zwischen 1974 und 1981 ihren Höhepunkt. Seitdem ist die Quote in den meisten EU-Staaten wieder deutlich gesunken, eine Ausnahme nimmt unter anderem Belgien ein, wo die Lohnquote in den 2000ern höher als in den 1960ern war. Einen längeren Trend einer sinkenden Lohnquote gibt es neben Deutschland z. B. auch in Griechenland, den Niederlanden, Österreich und Spanien. Auch in den meisten neuen EU-Mitgliedstaaten sinkt die Lohnquote. Die geringste Schwankung der Lohnquote in den letzten 50 Jahren gab es in Dänemark, die höchsten Veränderungen gab es in Griechenland, Irland und Portugal.[5]

USA
LohnquoteUSA.pdf

In den USA war die Lohnquote in der Nachkriegszeit nur geringen Schwankungen unterworfen. Sie lag im Jahre 1950 bei 63 %, stieg zwischenzeitlich mehrfach auf 64 % und betrug im Jahre 2017 zuletzt 60 %.[6]

International
Lohnquote in den USA, Japan, den Eurostaaten und Deutschland zwischen 1960 und 2012.

Im internationalen Vergleich werden Lohnquoten zum Beispiel in der Ameco-Datenbank der Dienststellen der EU-Kommission veröffentlicht.

Gesamtwirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lohnquote hat eine große, aber auch umstrittene Bedeutung in der politischen und insbesondere lohnpolitischen Diskussion. Sie ist damit eine der wirtschaftlichen Größen, welche die Tarifparteien bei den kollektiven Lohnverhandlungen berücksichtigen.

Aussagekraft und Probleme der Lohnquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lohnquote liefert gewisse Hinweise für die Einkommensverteilung. Allerdings muss eine niedrige Lohnquote nicht zwingend heißen, dass eine hohe Ungleichverteilung der Einkommen vorliegt, da auch Lohnempfänger andere Einkünfte, etwa Kapitaleinkünfte erzielen können. Allerdings erzielen selten Personen mit niedrigen Löhnen Kapitaleinkünfte, die hohen Löhnen entsprechen oder diese übertreffen. So besitzen die vermögendsten 1 % in den USA 50 % der Aktien, die ärmsten 50 % besitzen dagegen nur 0,5 % aller Aktien.

Auch macht eine hohe Lohnquote keine Aussage über die Verteilung der Lohnzahlungen innerhalb der Gruppe der Lohn- und Gehaltsempfänger sowie über die jeweilige Anzahl der Personen, die zur Gruppe der Lohnempfänger gehört. Beispielsweise ist eine Ursache für die vergleichsweise hohe Lohnquote in Großbritannien, dass die in der Finanzindustrie erzielten Boni zu den Löhnen gerechnet werden. Auch geht die Verteilung der Lohnzuwächse seit längerem in den USA sehr stark auseinander.[7]

Die Lohnquote misst lediglich die Arbeitseinkommen der abhängig Beschäftigten. Die Arbeitseinkommen der Selbständigen, die keine abhängig Beschäftigten aufweisen, werden dagegen fälschlich der Gewinnquote zugerechnet. Die Gewinneinkommen werden damit zu hoch und die Arbeitseinkommen zu niedrig ausgewiesen. Dieses Problem kann gelöst werden, indem statt der Lohnquote die aussagekräftigere Arbeitseinkommensquote herangezogen wird, die auf alle Arbeitseinkommen abstellt. Diese weist allerdings das Problem auf, dass die Einkommen aus selbständiger Tätigkeit statistisch aufgeteilt werden müssen in Arbeitseinkommen (Unternehmerlöhne) und den Gewinn aus selbständiger bzw. unternehmerischer Tätigkeit.

Die Lohnquote als Maß für die funktionelle Einkommensverteilung ist auch umstritten, weil sie davon ausgeht, dass Haushalte entweder Lohn- oder Gewinneinkommen beziehen, nicht aber beides zugleich. Nur unter dieser Annahme ergibt sich ein sinnvolles Verteilungsmaß. In Industriestaaten erzielen Haushalte aber zunehmend gleichzeitig Arbeits- und Gewinneinkommen, womit die Aussagekraft der Lohnquote eingeschränkt wird. Außerdem trifft die Lohnquote keine Aussagen über die Einkommensverteilung innerhalb der Lohneinkommen (Lohnspreizung). Als besser geeignet zur Beschreibung der Einkommensverteilung in Industriestaaten gilt daher die personelle Einkommensverteilung.

Die gesamtwirtschaftliche Lohnquote unterliegt einer Vielzahl von Einflüssen. Zu den wichtigsten zählen die gewerkschaftliche Präsenz und Lohnpolitik, die Preisentwicklung und konjunkturell bedingte Schwankungen.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Grömling: Determinanten der Lohnquote im internationalen Vergleich. In: Sozialer Fortschritt. Jg. 53, Heft 2.; 2004
  • Claus Schäfer: Die Lohnquote – ein ambivalenter Indikator für soziale Gerechtigkeit und ökonomische Effizienz. In: Sozialer Fortschritt. Jg. 53, 2004, Heft 2.
  • Thomas Weiß: Die Lohnquote nach dem Jahrtausendwechsel. In: Sozialer Fortschritt. Jg. 53, Heft 2. 2004
  • Deutsche Bundesbank: Saisonberichtigte Wirtschaftszahlen für Monat ..... In: Statistisches Beiheft zum Monatsbericht.
  • Alexander Herzog-Stein, Jonas Löbbing, Ulrike Stein: In den 2000er Jahren ist alles anders? Die abnehmende Bedeutung des sektoralen Strukturwandels für den Rückgang der Lohnquote in Deutschland. In: Sozialer Fortschritt. Jg. 65, Heft 3. 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wirtschaftslexikon Gabler
  2. Heinz-J. Bontrup: Lohn und Gewinn: Volks- und betriebswirtschaftliche Grundzüge. 2. Auflage. 2008, ISBN 3-486-58472-3, S. 53 ff., (online)
  3. Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Lange Reihen ab 1970
  4. BMF-Monatsbericht, Februar 2019.
  5. European Commission: Employment in Europe 2007. S. 240–243.
  6. Federal Reserve Economic Data
  7. A long and persistent middle-class squeeze. Economic Policy Institute, 3. Februar 2010.
  8. Alfred Stobbe: Volkswirtschaftliches Rechnungswesen. Auflage 7. Springer Verlag, Heidelberg/Berlin/New York 1989, S. 332.