Lokale Nachhaltigkeitsstrategie

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Kommunale bzw. lokale Nachhaltigkeitsstrategie ist ein neues Instrument der nachhaltigen Stadtentwicklung bzw. Gemeindeentwicklung und eine Weiterentwicklung der lokalen Agenda 21-Instrumente.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff lokale Nachhaltigkeitsstrategie (engl. Local Sustainability Strategy) wurde vom Council of European Municipalities and Regions 1997 eingeführt. Hintergrund lokaler Nachhaltigkeitsstrategien ist der auf dem Weltgipfel in Johannesburg 2002 vollzogene, instrumentelle Paradigmenwechsel von Nachhaltigkeit zur Nachhaltigkeitsstrategie (OECD 2002). Der Freistaat Bayern hat für den kommunalen Bereich, mit dem Prototyp "Visionen für Ingolstadt" die erste vollständige Nachhaltigkeitsstrategie einer Großstadt in Johannesburg vorgestellt. Die Umsetzung der Nachhaltigkeit wird als strategische Aufgabe verstanden. Beispielsweise hat die Bundesregierung 2002 eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen und zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung gründeten sich viele Initiativen beispielsweise der Agenda 21 bzw. lokalen Agenda 21.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Lokale Nachhaltigkeitsstrategie (zum Beispiel ein Stadtleitbild und Stadtentwicklungsprogramm) besteht aus einer Vision, einem Leitbild mit konkreten Zielen, einem Entwicklungs- bzw. Aktionsprogramm mit Maßnahmen und einem dynamischen Managementzyklus für die Umsetzung, welche zur Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität einer Kommune führen. Ziel ist es, die „am besten geeignete Strategie“ für die Zukunftsfähigkeit (bzw. Nachhaltigkeit) der Kommune zu entwickeln, umzusetzen, fortzuschreiben und regelmäßig zu überprüfen (Review/Monitoring). Konkret geht es z.B. um den Klimaschutz, Anpassungsstrategien für die globale Erwärmung, die Bewältigung des demographischen Wandels, nachhaltige Wirtschaft. Eine Lokale Nachhaltigkeitsstrategie ist eine zentrale Voraussetzung für die Verankerung eines Kommunalen Nachhaltigkeitsmanagements.

Instrument[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Instrument der lokalen Nachhaltigkeitsstrategie integriert

  • integrierte Stadtentwicklungskonzepte
  • Stadtmarketing
  • Stadtentwicklungsplan (bzw. ähnliche Instrumente wie Stadtleitbilder), der die ganze Stadt umfasst;
  • Stadtteilentwicklungsplan (bzw. ähnliche Instrumente wie integrierte Handlungsprogramme), der einzelne Stadtteile umfasst;
  • einzelne Fachpläne zum Beispiel Jugendhilfeplan, Lärmminderungsplan, Klimaschutzprogramme, etc.;
  • Stadtentwicklungsprojekte/Infrastrukturprojekte;
  • Stadtentwicklungsprogramme (Programm bestehend aus Stadtentwicklungsprojekten für einen mittelfristigen Zeitraum);

zu einer kohärenten Gesamtstrategie, welche durch ein Kommunales Nachhaltigkeitsmanagement verankert wird. Es enthält eine Vielzahl von Methoden des strategischen Managements

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokale Nachhaltigkeitsstrategien (engl. local sustainability strategy bzw. local sustainable development strategy) haben zum Beispiel die Städte Oslo, Cardiff, Ingolstadt, Neumarkt in der Oberpfalz und Rugby verwirklicht. Diese haben auch die Funktion eines nachhaltigen Stadtentwicklungsplans (bzw. Masterplans).

Modellprojekt Lokale Nachhaltigkeitsstrategie Stadt Neumarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz hat als erste Stadt Deutschlands im Rahmen des vom Freistaats Bayern geförderten Modellprojekts „Lokale Nachhaltigkeitsstrategie Stadt Neumarkt“ eine lokale Nachhaltigkeitsstrategie mit dem „Ingolstädter Verfahren“ (Prototyp) entwickelt und beschlossen. Diese wurde zusammen mit allen Bürgern, Unternehmen, der Verwaltung, dem Stadtrat und den Vereinen entwickelt. So wurde zum Beispiel der erste Entwurf an alle 18.000 Haushalte der ca. 40.000 Einwohner zählende Stadt geschickt. Jeder Bürger und jede Institution konnte seine Ideen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge beisteuern. Ein weiteres Element war eine qualifizierte und breite Bürgerbeteiligung, zum Beispiel wurde ein „Tag der Visionen“ als Auftaktveranstaltung mit über 5000 Bürger organisiert, hinzu kamen drei Zukunftsforen mit 400 Teilnehmern, sechs Bürgerkonferenzen mit 200 Teilnehmern, sowie eine Vielzahl von Arbeitskreisen und Workshops. Das Endergebnis „Zukunftsfähiges Neumarkt“ wurde am 20. Juli 2004 vom Stadtrat beschlossen. Im Zentrum stehen 6 Leitbilder, 24 Leitsätze für die Zukunftsfähigkeit bis 2025, 17 Leitprojekte und 164 Maßnahmen und Einzelprojekte für eine nachhaltige Stadtentwicklung und die Verankerung eines Kommunalen Nachhaltigkeitsmanagements (vgl. Literatur).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]