Lokalname

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Lokalname (Flurname)
Hüttnersee, Hüttnerseeli, Hüttnerweiher, schweizerdt. «Hüttnerseeli»
Lokalname (Ortsname, Siedlungsname) Oberwil, Gemeinde Dägerlen

Ein Lokalname (aus lateinisch localis örtlich[1], französisch dénominations locales) ist die namentliche Bezeichnung eines kleinen geographischen Raumes (Örtlichkeit).

In der deutschsprachigen Schweiz ist ein Lokalname die namentliche Bezeichnung einer bewohnten oder unbewohnten Örtlichkeit und bildet somit einen Überbegriff über Orts- und Flurnamen. Geografische Namen der Landesvermessung und der amtlichen Vermessung[2] werden in den Weisungen betreffend die Erhebung und Schreibweise der geografischen Namen der Landesvermessung und der amtlichen Vermessung (Weisungen 2011)[3] offiziell als Lokalnamen bezeichnet. Lokalnamen bilden als Namen von topografischen Objekten eine eigene Klasse von geografischen Namen (zu denen auch Namen von Gemeinden, (amtlichen/postalischen) Ortschaften, Strassen und Stationen gehören).[2] Lokalnamen werden populär Orts- und Flurnamen (französisch nom local) genannt, z. T. im allgemeinen Sinne auch Ortsnamen oder Flurnamen.

Übersicht Lokalnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Lokalnamen gehören in der Schweiz Namen folgender topografischer Objekte (Verordnung über geografische Namen)[2]:

  • Siedlungen (Stadt, Dorf, Quartier, Weiler, Einzelhöfe)
Siedlungsnamen werden auch Ortsnamen genannt.[4]
Grössere Siedlungen/Orte heissen umgangssprachlich Ortschaften[5], die jedoch nicht mit amtlichen Ortschaften im postalischen Sinn[6] verwechselt werden dürfen.
  • Landschaften (z. B. Fluren, Wälder, Gebiete, Täler, Alpen)
  • Gewässer (z. B. Bäche, Flüsse, Seen, Weiher, Wasserfälle, Quellen)
  • Gletscher
  • Gelände (z. B. Berge und Hügel)
  • Kulturelle Objekte (z. B. Burgen, Schlösser, Klöster, Kirchen, Kapellen)
  • Öffentlichen Bauten (z. B. Schulhäuser, Spitäler, Berghütten)
  • Besondere Objekte von Verkehrsverbindungen (z. B. Brücken, Pässe, Tunnels, Flugplätze)

Lokalnamen als Gebrauchsnamen mit kulturhistorischer Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokalnamen sind zum Teil bereits vor langer Zeit entstanden.[7] Lokalnamen wurden von den Besitzern gewählt, um ihr Eigentum zu kennzeichnen. Die Namen dienten andern Leuten zur Orientierung. Lokalnamen sowie aus Lokalnamen abgeleitete Namen wie z. B. Strassennamen benennen in der heutigen Zeit zahlreiche Örtlichkeiten und erleichtern die Verständigung und Orientierung (z. B. für Rettungsdienste, Transporte, öffentliche Einrichtungen, Planung, Umweltschutz, Forschung usw.). Lokalnamen spielen auf Karten als Bezeichnung von topografischen Objekten eine wichtige Rolle. Als «Zeitreise Kartenwerke» sind auf map.geo.admin.ch ab 1864 frühere Landeskarten (mit damaligen Lokalnamen) publiziert.[8] Geografische Namen tragen als wichtiges Kulturgut eine grosse Bedeutung. Diverse Lokalnamen erlauben kulturgeschichtliche Rückschlüsse auf die damaligen Lebensgewohnheiten und die Bearbeitung des Kulturlandes. Z.B. weist der Lokalname «Kalchtharen»[8] (heute mundartlich «Chalchtaren» geschrieben) auf das Brennen und Trocknen von Kalk hin. Bei zahlreichen Namenbestandteilen von Lokalnamen lässt sich auf dessen Herkunft deuten. Das Portal ortsnamen.ch stellt Resultate der schweizerischen Ortsnamenforschung der Öffentlichkeit zur Verfügung, orientiert über den Stand der Namenforschung in der Schweiz und gewährt Zugriff auf die Online-Namendatenbank.[9]

Lokalnamen als grundlegende geografische Namen erwecken Erwartungen und vermitteln Ansehen, sie sind entscheidend für das Herausbilden einer Identität. Namen weisen nicht nur auf das Bewusstsein eines sprachlichen und kulturellen Erbes hin, man braucht sie auch, um sich in der modernen technischen Welt zu orientieren und, um die Zukunft zu planen und zu gestalten.[10]

Benennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele zur Benennung von Lokalnamen.[11]

  • Landschaftsformen
    • Bodenbeschaffenheit (z. B. Steinacher, Felsen, Rötiboden)
    • Täler (z. B. Grüental, Eichtal, Neutal)
    • Geländeform (z. B. Buck, Büel am Rotweg, Schönegg)
    • Abhänge, Halden (z. B. Aahalden, Sagenrain, Obersaum)
    • Sumpf- und Riedlandschaft z. B. (Sunft, Mosli, Rietliau)
    • Wasser (z. B. Giessen, Krähbach, Aueren)
    • Bodenbedeckung (z. B. Eichweid, Buechhof, Gebisholz)
  • Wind und Wetter (z. B. Luft, Allenwinden; Winterberg)
  • Tiere (z. B. Fuchsenbüel)
  • Rodungsnamen (z. B. Rüti, Stocken, Oedischwänd)
  • Personen- und Familiennamen (z. B. Naglikon vom Personennamen Nagal, Wädenswil von Wadin, Erni von Erni Rusterholz)
  • Kulturlandschaft
    • Ackerbau (z. B. Gerberacher, Hofacher, Wändel von Wenden des Pfluges?)
    • Wiesen, Weiden, Matten (z. B. Langwies, Kleinweid, Neumatt)
    • Lage, Gestalt oder Aufgabe von Häusern (z. B. Rothus, Grossengaden, Neugut)
    • Gewerbe (z. B. Eichmüli, Chalchtaren, Chüefer)

Schreibung von Lokalnamen in der deutschsprachigen Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätze zur Schreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätze der Verordnung über die geografischen Namen (GeoNV)[2] über die Schreibweise von geografischen Namen, zu denen auch Lokalnamen gehören:

  1. Geografische Namen sind einfach schreib- und lesbar und werden allgemein akzeptiert.
  2. Sie werden, soweit möglich und sinnvoll, in Anlehnung an die Standardsprache (Schriftsprache) der Sprachregion formuliert.
  3. Geografische Namen und ihre Schreibweise dürfen nur aus öffentlichem Interesse geändert werden.

Hinweise zu diesen Grundsätzen:

  • Mit „Anlehnung an die Standardsprache“ wird einerseits die traditionelle, meist an der Standardsprache ausgerichtete Schreibweise verstanden und andererseits, dass die Schreibweisen von Mundartnamen sich möglichst an das Schriftbild der Standardsprache anlehnt. Der Grundsatz, Namen „soweit möglich und sinnvoll an die Standardsprache anzulehnen“, bezieht sich auf alle geografischen Namen, also z. B. auch auf Flurnamen. Wegen ihres überregionalen Gebrauchs, ihrer Bedeutung und Funktion (z. B. irrtumsfreie Verständigung oder rasche Auffindbarkeit in Verzeichnissen) lehnt sich die Schreibweise von Namen von Gemeinden und postalischen Ortschaften an die traditionelle, standardsprachlich ausgerichtete Schreibweise an. Diese Forderung richtet sich auch an Ortsnamen und bedeutende Flurnamen, aus denen Namen von Gemeinden und postalischen Ortschaften häufig abgeleitet werden.[12]
  • Im Jahre 2005 wurde der Entwurf für eine mundartnähere Schreibweise der Lokalnamen in die Vernehmlassung gegeben. Dagegen opponierten viele Karten Benützerinnen und Benützer.[13] Seit diesem Jahr (2005) berichtet die Webseite Lokalnamen.ch[14] über diese Problematik und propagiert die Befolgung der Grundsätze der Verordnung über geografische Namen (GeoNV),[2] insbesondere, dass für Lokalnamen auf Landeskarten, die heutige Schreibweise unverändert bleiben soll. Dieses Ziel wurde inzwischen weitgehend erreicht.[15]

Schreibregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäss Weisungen betreffend die Erhebung und Schreibweise der geografischen Namen der Landesvermessung und der amtlichen Vermessung (Weisungen 2011)[3] werden Lokalnamen von lokaler Bedeutung grundsätzlich in mundartlicher Form notiert, aber wie von Karten Benützerinnen und Benützer gefordert in einer dem gewohnten, standarddeutsch basierten Schriftbild entgegenkommenden Schreibung (gemässigte Schreibweise).[16]

Präpositionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist nicht immer einfach, die richtigen Präpositionen[17] zu Lokalnamen zu finden wie z. B. am, an der (a de), auf (uf), auf dem (uf em), auf der (uf de), in der (i-der, i de), im, zu.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Maßstabsebenen global – regional – national – lokal
  2. a b c d e Verordnung über die geografische Namen (GeoNV)
  3. a b Weisungen betreffend die Erhebung und Schreibweise der geografischen Namen der Landesvermessung und der amtlichen Vermessung (Weisungen 2011) (Memento des Originals vom 4. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cadastre.ch
  4. Empfehlungen zur Schreibweise von Gemeinde- und Ortschaftsnamen Kap. 1.4 Begriffe (Memento des Originals vom 4. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cadastre.ch
  5. Ortschaftenverzeichnis Bundesamt für Statistik mit ca. 6‘000 Ortschaften im umgangssprachlichen Sinn (Memento des Originals vom 26. September 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfs.admin.ch
  6. Amtliches Ortschaftenverzeichnis Bundesamt für Landestopografie mit ca. 4‘100 amtlichen Ortschaften im postalischen Sinn (Memento des Originals vom 25. September 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cadastre.ch
  7. Lokalname «Mugeren» (magerer Boden) in Wädenswil (Schweiz) ist z. B. erstmals aus dem Jahre 1270 überliefert worden; weitere Beispiele, welche das hohe Alter von Lokalnamen illustrieren: Hof und Flurnamen Wädenswil (Memento des Originals vom 9. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dokumentationsstelle.ch sowie zu finden auf Online Datenbank Ortsnamen.ch
  8. a b map.geo.admin.ch
  9. Ortsnamen.ch
  10. StAGN Der Ständige Ausschuss für geographische Namen
  11. Hof und Flurnamen Wädenswil
  12. Empfehlungen zur Schreibweise von Gemeinde- und Ortschaftsnamen, Richtlinien zur Schreibweise von Stationsnamen (Memento des Originals vom 4. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cadastre.ch Kap. 2.1 Allgemeine Grundsätze
  13. Entwurf für eine mundartnähere Schreibweise der Lokalnamen
  14. Lokalnamen.ch
  15. Kanton Thurgau. Zurück zur gemässigten Schreibweise
  16. Heutige Flurnamen vgl. Schreibweise in der Schweiz
  17. Beispiele von Präpositionen zu Lokalnamen in Wädenswil