Lokaljournalismus

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Lokaljournalismus ist das Ressort des Journalismus, das für die lokalen Themen zuständig ist. Lokaljournalisten kümmern sich um die Berichterstattung aus der Kommunalpolitik, regionaler Kultur und Sport sowie des Vereinslebens und besonderen Ereignissen, die für ihre Region von besonderer Bedeutung sind.

Lokaljournalismus bei Zeitungen, Radio und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Zeitungen in Deutschland sind etwa 60 Prozent der Redakteure Lokaljournalisten. Beim Fernsehen (etwa 8 Prozent) und beim Hörfunk (etwa 10 Prozent) sind dies deutlich weniger. Bei den kostenlosen und frei verteilten Anzeigenblättern arbeiten fast ausschließlich Lokaljournalisten oder freie Honorarkräfte. Allerdings sind diese Zeitungen selten in klassische Ressorts gegliedert. Nicht jede Zeitung, TV- oder Radiostation hat ein Ressort, das dezidiert „Lokales“' genannt wird. Die Arbeit der Lokaljournalisten fällt dort in andere Bereiche oder zusätzliche Sendeformate im Rundfunk und Fernsehen der regionalen Berichterstattung.

Größere Medien- und Verlagshäuser unterhalten noch lokale Redaktionen oder Regionalbüros in den wichtigsten Städten des jeweiligen Landes. Diese Mitarbeiter sind häufig Lokaljournalisten mit Festanstellung oder vertraglich gebundene jedoch freie Korrespondenten. Des Weiteren gibt es eigenständige Lokalzeitungen im Sinne einer Heimatzeitung (Lokalzeitung), deren wirtschaftliche Existenz und Auflage meist mit kostenlosen Anzeigenblättern verbunden ist. In der Regel werden von diesen Lokalredaktionen nur Informationen ausgewertet und publiziert, die von Vereinen, Presssprechern der örtlichen Parteien und Verbänden oder PR-Agenturen der lokalen Wirtschaft und der Dienstleistungsbranche geliefert werden.

Arbeitsweisen im Lokaljournalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokaljournalisten sind jene Gruppe von Journalisten, auf die am ehesten die Bezeichnung Reporter zutrifft. Während etwa Journalisten für die Ressorts Feuilleton oder Politik und Wirtschaft einen größeren Teil ihrer Arbeit mit Telefon- Zeitungs-, Buch- oder Internetrecherche sowie in Pressekonferenzen (Pressekonferenz) verbringen, muss der Lokaljournalist mit Schreibblock und Kamera oft an Ort und Stelle des Geschehens sein, über das er berichtet. Hierbei wird ihm oft eine Identifikations-Rolle im kommunalpolitischen Gemeinwesen als Vertreter der jeweiligen Lokalzeitung, für die er berichtet, zugeschrieben. Diese Berichterstattung wird in der Regel durch freiberufliche Journalisten erbracht. Ihre Verdienstmöglichkeiten liegen häufig unter dem Existenzminimum und des Mindestlohnes. Texthonorare zwischen 8 Cent und 10 Cent pro Zeile und Bildhonorare zwischen 3,50 Euro und 8,50 Euro sind keine Seltenheit.

Ansehen und Bedeutung des Lokaljournalismus in den Print-Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich können Lokaljournalisten mit der Berichterstattung über die Kommunalpolitik, über soziale, wirtschaftliche und kulturelle Ereignisse und Entwicklungen vor Ort eine gesellschaftliche Aufgabe wahrnehmen. Tatsächlich nimmt die (gedruckte) Meinungsvielfalt durch Konzentrationsprozesse ab. Ebenso nimmt die Versorgung mit eigenständigen publizistischen Einheiten, also unabhängigen Redaktionen, ab.[1] Es entstehen Einzeitungskreise. Viele Monopolzeitungen zahlen zudem niedrige Honorare und bieten schlechte Arbeitsbedingungen, worunter die Qualität der journalistischen Inhalte sowie die Reputation dieser wichtigen Aufgabe leiden.[2][3] Im Ergebnis wird häufig ein „Gefälligkeitsjournalismus“ produziert, indem etwa über Vereinsfeste, Firmenjubiläen oder Geburtstagsfeiern lokaler Politiker im Sinne einer Hofberichterstattung unkritisch berichtet wird.[4]

Einrichtungen zur Förderung des Lokaljournalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bundeszentrale für politische Bildung beschäftigt man sich seit Mitte der 1970er Jahre mit Fragen des Lokaljournalismus. In Seminaren und Publikationen werden Empfehlungen für die Professionalisierung der Lokaljournalisten und für die Qualitätssicherung ihrer Berichterstattung weitergegeben. Seit 1981 gibt die Bundeszentrale das Heft drehscheibe heraus. Das Heft trägt Artikel zusammen und fungiert damit als Ideengeber für die Lokalredaktionen. Neue Entwicklungen im Lokaljournalismus zeigt ein aktuelles Dossier des Lokaljournalistenprogramms der BpB auf.[5]

Die Initiative Tageszeitung e. V., ein Zusammenschluss vor allem von Zeitungsverlagen, wendet sich mit Seminaren an die Zielgruppe der Lokaljournalisten.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung schreibt jährlich einen Lokaljournalistenpreis aus, bei dem herausragende Artikel und Konzepte eines Jahres prämiert und in einer Dokumentation veröffentlicht werden. Folgende Zeitungen haben in der Vergangenheit diesen Preis erhalten:

Neuere Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es zeichnet sich ab, dass Aufgaben, die bisher in den Aufgabenbereich der Lokaljournalisten der Tageszeitungen fielen, zukünftig mehr und mehr von Datenjournalisten übernommen werden.

Beispiel: Wenn ein traditioneller Lokaljournalist über eine Baustelle informiert wird, die für einige Wochen den Straßenverkehr behindern wird, dann setzt er eine entsprechende Meldung in seine Zeitung. Datenjournalisten dagegen übernehmen die Meldung in eine Datenbank, die über das Internet abgerufen werden kann. Jeder, der beim Gang durch die Straßen stutzig wird und das Bedürfnis spürt, über die Baustelle etwas zu erfahren, kann sich dann im Internet einen Stadtplan aufrufen, auf dem die Baustelle eingetragen ist und kann dort auch Angaben zur voraussichtlichen Dauer der Baumaßnahmen abrufen. Vorreiter für lokalen Datenjournalismus in Deutschland ist die Initiative „Frankfurt gestalten“.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Weischenberg u. a.: Die Souffleure der Mediengesellschaft. Report über die Journalisten in Deutschland. UVK, Konstanz 2006, ISBN 978-3-89669-586-4.
  • Sonja Kretzschmar, Wiebke Möhring und Lutz Timmermann: Lokaljournalismus Kompaktwissen Journalismus, Vs Verlag, 2009, ISBN 978-3-53115-249-3.
  • Fritz Wolf: Salto Lokale. Das Chancenpotential lokaler Öffentlichkeit Zur Lage des Lokaljournalismus. MainzerMedienDisput, FES-Journalistenakademie 2010.[7]
  • Horst Pöttker/Anke Vehmeier (Hrsg.): Das verkannte Ressort. Probleme und Perspektiven des Lokaljournalismus, Wiesbaden 2013.
  • Norbert Jonscher: Inhalte und Defizite des lokalen Teils in der deutschen Tagespresse. Inhaltsanalytische Erkenntnisse und Überlegungen zur Verbesserung der örtlichen Berichterstattung von Tageszeitungen in der Bundesrepublik Deutschland, Göttingen 1989.
  • Martin Welker/Daniel Ernst: Lokales – Basiswissen für die Medienpraxis, Herbert von Halem Verlag 2012, ISBN 978-3869620206, 224 Seiten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.fes.de
  2. www.netzwerkrecherche.de
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format U. Stock: die medien republik: Weiche Themen, billige Texte. In: zeit.de. 15. September 2005, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  4. Otfried Jarren: Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1998, ISBN 978-3-531-12678-4, S. 29. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Dossier Lokaljournalismus
  6. www.frankfurt-gestalten.de
  7. www.netzwerkrecherche.de