Loket

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt die Stadt Loket im Okres Sokolov. Für die gleichnamige Gemeinde im Okres Benešov, siehe Loket u Dolních Kralovic und zum Längenmaß siehe Loket (Einheit).
Loket
Wappen von Loket
Loket (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Sokolov
Fläche: 2673,2667[1] ha
Geographische Lage: 50° 11′ N, 12° 45′ OKoordinaten: 50° 11′ 21″ N, 12° 45′ 18″ O
Höhe: 427 m n.m.
Einwohner: 3.082 (1. Jan. 2016)[2]
Postleitzahl: 357 33
Kfz-Kennzeichen: K
Verkehr
Bahnanschluss: Nové Sedlo u Lokte–Loket
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Jaroslav Hlavsa (Stand: 2007)
Adresse: T. G. Masaryka 1
357 33 Loket
Gemeindenummer: 560537
Website: www.loket.cz
Lageplan
Lage von Loket im Bezirk Sokolov
Karte
Blick auf Loket mit Burg

Loket (deutsch Elbogen) ist eine Stadt im Karlovarský kraj in Tschechien. Die gesamte historische Altstadt steht als Denkmalsreservation unter besonderem staatlichen Schutz. Wegen seines Stadtbildes wurde Loket auch oft als Böhmisches Rothenburg gerühmt. Die Stadt ist ein traditionelles Ausflugsziel der Kurgäste von Karlsbad.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Loket liegt im Okres Sokolov auf einem Granitrücken, welcher auf drei Seiten von der Eger umflossen wird, daher der Name: loket (deutsch Ellenbogen).

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Loket besteht aus den Ortsteilen Dvory (Höfen), Loket (Elbogen), Nadlesí (Nallesgrün) und Údolí (Zech).[3] Grundsiedlungseinheiten sind Dvory, Loket, Nadlesí, Nádražní Předměstí, Slavkovské Předměstí, Sokolovské Předměstí und Údolí II.[4]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Dvory u Lokte, Loket, Nadlesí und Údolí u Lokte.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poststempel um 1860[6]

Die Burg Loket an markanter Stelle ist sehr alt. Wahrscheinlich schon Ende des 12. Jahrhunderts erbaut, wurde sie 1234 als königlich böhmische Grenzburg erwähnt. Wahrscheinlich seit 1227 war sie Verwaltungszentrum des Zettlitzer Ländchens. 1227 wurde Elbogen als „civitas“ erwähnt.

Im Mittelalter bestand eine Meistersingschule nach Nürnberger Vorbild.

Gegen die Hussiten leistete Elbogen erfolgreich Widerstand. 1521 wurde die Reformation eingeführt und durch die Grafen Schlick gefördert. Der sächsische Oberst Thumshirm überfiel 1547 Böhmen und eroberte die Stadt.

Elbogen war seit dem 15. Jahrhundert bis 1848 Sitz des westlichsten böhmischen Kreises (Elbogener Kreis), der von 1714 bis 1751 zeitweilig dem (Saazer Kreis) zugeschlagen wurde. Die seit 1823 hergestellten Pumpernickel wurden an das Kaiserhaus in Wien geliefert.

1836 wurde in Elbogen eine Kettenbrücke, eine der ersten in Böhmen, errichtet. Sie überspannte die Eger in 22 m Höhe. In den 1930er Jahren wurde sie durch eine Betonbogenbrücke ersetzt.

Von den 3998 Einwohnern im Jahr 1930 waren 238 Tschechen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die deutschen Einwohner enteignet und vertrieben.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[7]
1869 3257
1880 3298
1890 3744
1900 4438
1910 4059
Jahr Einwohnerzahl
1921 3837
1930 3998
1950 2255
19611 2595
19701 2037
Jahr Einwohnerzahl
19801 1833
19911 2989
20011 3202
20111 2978
1 Loket mit Dvory, Nadlesí und Údolí

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Illertissen (Deutschland) übernahm 1953 die Patenschaft für die Vertriebenen aus Elbogen. Inzwischen ist daraus auch eine Partnerschaft zwischen Illertissen und der heutigen tschechischen Stadt geworden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das historische Stadtzentrum wurde 1980 zum städtischen Denkmalreservat erklärt.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mittelalterliche Altstadt
  • Burg Loket
  • Stadtbefestigung

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Museum für Buchbinderei (im Rathaus)
  • Porzellanmuseum (in der Burg)
  • Vorgeschichtliche Sammlung im Stadtmuseum, begründet von Dr. Anton Gnirs

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Loket erhielt schon 1877 durch die Elbogener Localbahn einen Bahnanschluss nach Nové Sedlo u Lokte (Neusattl). 1901 wurde die Strecke noch bis Krásný Jez (Schönwehr) zum Anschluss an die Strecke Marienbad-Karlsbad verlängert. Seit 1996 wird nur noch die Verbindung nach Nové Sedlo betrieben, wo Anschluss an die Züge der Hauptbahn Chomutov–Cheb besteht.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2006 wurden auf dem Marktplatz von Loket Szenen für den James Bond-Film Casino Royale gedreht.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berühmte Gäste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Wolfgang von Goethe weilte, von Karlsbad kommend, mehrmals in Elbogen und bemerkte: „Es liegt über alle Beschreibung schön und lässt sich als ein Kunstwerk von allen Seiten betrachten.“ 1823 feierte er mit Ulrike von Levetzow im Schwarzenberg-Lusthaus (heute „Hotel Weißes Ross“; tschechisch: Bílý kůň) seinen 74. Geburtstag. Ein Bild dieser Begegnung befindet sich auf der Burg Elbogen.
  • Carl Spitzweg schrieb 1849 ins Tagebuch: „Der Fluß läuft daselbst wie in Wasserburg, der die Stadt zur Halbinsel umschließt“.

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/560537/Loket
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/560537/Obec-Loket
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/560537/Obec-Loket
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/560537/Obec-Loket
  6. Wilhelm Klein: Die postalischen Abstempelungen und andere Entwertungsarten auf den österreichischen Postwertzeichen-Ausgaben 1867, 1883 und 1890. Geitner, Wien 1967.
  7. Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. Český statistický úřad, 18. Dezember 2015, abgerufen am 8. März 2016 (tschechisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Loket – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien