Lollus

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Lollus oder Lullus ist der Name eines angeblichen germanischen Gottes der Franken, der in einer verlorenen Stelle bei Gaius Iulius Caesar erwähnt sein soll.[1]

Der Arzt Johann Laurentius beschreibt in der chronologica Swinfurtensia den Fund eines erzernen Bildes des Gottes. Er ist als nackter, mit einem Lendenschurz bekleideter, goldgelockter Jüngling dargestellt, dem ein Kranz aus Mohnsamenköpfen um den Hals hängt und der sich mit der rechten Hand mit Daumen und Zeigefinger an die rausgestreckte Zunge fasst, während er in der linken einen Weinbecher mit Kornähren hält. Gemeinsam mit der Göttin Diana soll er in einem heiligen Hain am Mainufer verehrt worden sein, wo ihm zu gewissen Zeiten Trauben und Ähren geopfert wurden. Laut Laurentius wurde besagter Ort noch zu seinen Lebzeiten als „Das Löhle“ oder „Lölle“ bekannt. Erst der Frankenapostel Kilian soll den Kult des Lollus und der Diana abgeschafft und sein Bildnis im Main versenkt haben.[2]

Viele Forscher wie der deutsche Germanist Karl Helm allerdings halten den Gott Lollus für eine neuzeitliche Fälschung aus der Zeit des Humanismus, da die chronologica Swinfurtensia und ein Brief aus dem 16. Jahrhundert, in dem besagte angebliche Caesarstelle zitiert wird, neben einer Reihe von Sagenfiguren aus dem Brauchtum die einzigen Erwähnungen des Gottes Lollus bleiben.[3]

Lollus als Figur der Folklore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hessen und Westfalen ist der „Lollus“ – auch „Lollekerl“, „Lollemann“ oder „Lollekater“ genannt – oder die weibliche Version – „Loila“, „Lulla“ oder „Lolla“ genannt – eine Gestalt aus dem Aberglauben, die sich von dem Geiz der Menschen ernährt, sich an dunklen Orten aufhält oder laut kreischend und mit herausgestreckter Zunge durch Zauberei Schaden anrichtet. Als solche taucht sie unter anderem im Märchen Der fette Lollus und der magere Lollus auf.[4] Aus diesen Sagengestalten entwickelten wahrscheinlich deutsche Humanisten die Vorstellung von einem germanischen Götzen Lollus als einem Fruchtgott oder Gott des Schlafes und einer Todesgöttin „Lolla“.[5]

Eine weitere mögliche Quelle für die Sagengestalt Lollus ist das am 16. Oktober jedes Jahres in Bad Hersfeld gefeierte Lullusfest, welches jedoch auf den Erzbischof Lullus von Mainz († 786) zurückgeht.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). Kröner, Stuttgart 1984, ISBN 3-520-36801-3.
  2. Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, S. 534
  3. Karl Helm, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 43, 1918, S. 158–163.
  4. Ludwig Bechstein, Deutsches Märchenbuch, 1845, Georg Olms Verlag, Reprint 2003, ISBN 3-487-11991-9
  5. Eduard Hoffmann-Krayer und Hanns Bächtold-Stäubli: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Verlag Walter de Gruyter, 1927–1942
  6. Karl Lyncker: Deutsche Sagen und Sitten in hessischen Gauen. Kassel 1854

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S. Bechstein: Fränkischer Sagenschatz Bd. I. S. 25.
  • Stefan Benz: Julius Cäsar in Schweinfurt? Zu den Quellen der Lokalgottes Lollus. ML 1995/II, S. 12–22
  • Anton Hirsch: Zur Entstehung der Lollus-Sage. ML 1995/IV, S. 22–27
  • Stefan Benz: Nochmals zur Lollus-Sage. ML 1996/II, S. 26–27
  • Anton Hirsch: Vom „vorchristlichen Abgott Lollus“. Weitere Spurensuche zu einer Schweinfurter Sage. ML 2007/III, S. 4–23