Katrin Lompscher

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Katrin Lompscher, 2017

Katrin Lompscher (* 7. April 1962 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Politikerin der Partei Die Linke und war vom 23. November 2006 bis November 2011 Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz in Berlin. Seit dem 8. Dezember 2016 gehört sie als Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen erneut dem Senat an.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lompscher wuchs gemeinsam mit zwei Geschwistern in Ost-Berlin auf. 1978 bis 1981 machte sie eine Berufsausbildung mit Abitur zur Baufacharbeiterin. 1981 bis 1986 folgte ein Studium an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, das sie als Diplomingenieurin für Städtebau abschloss. Nach der Geburt ihres Sohnes begann sie 1987 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bauakademie der DDR, Institut für Städtebau und Architektur. Diese Einrichtung wurde 1990 in Deutsche Bauakademie umbenannt und bestand bis Ende 1991. Von 1992 bis 1996 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Nachfolgeinstitut Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung in Berlin und Erkner.

Politischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1981 trat Lompscher in die SED ein, bekleidete dort jedoch kein Parteiamt. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde sie Mitglied in der SED-Nachfolgerin Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS, seit 2007: Die Linke).[1] Von 1996 bis 2000 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der PDS-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Von Dezember 2001 bis Oktober 2006 war Lompscher Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung im Bezirksamt Berlin-Lichtenberg und damit verantwortlich für die Stadtplanung, die Vermessung, das Bau- und Wohnungsaufsichtsamt sowie das Amt für Bauen und Verkehr. In ihr Ressort fiel auch die Einführung der Umweltzone in Berlin, die der Berliner Senat bereits 2005 wegen Überschreitung der EU-Schadstoffgrenzwerte beschlossen hatte. Seit der Gründung des Berliner Landesverbands der Partei Die Linke am 1. Juli 2007 war sie bis 21. Oktober 2012 dessen stellvertretende Vorsitzende.

Von 2011 bis 2017 war sie Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Lompscher war stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.

Da nach der Berlinwahl 2016 eine Fortsetzung der rot-schwarzen Regierung unmöglich war, bildete die SPD zusammen mit der Linken und dem Bündnis 90/Die Grünen die neue Landesregierung. Am 8. Dezember 2016 kehrte Lompscher in den Senat zurück und übernahm nunmehr das Ressort für Stadtentwicklung und Wohnen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrer Funktion als Bausenatorin schlug sie dem Senat von Berlin Anfang Dezember 2016 Andrej Holm als Staatssekretär für Wohnen vor, der vom Senat daraufhin berufen wurde. Als sich herausstellte, das Holm bis 1990 als Hauptamtlicher Mitarbeiter beim DDR-Ministerium für Staatssicherheit beschäftigt war, die Angaben zu seiner Stasi-Tätigkeit gegenüber seinem bisherigen Arbeitgeber, der Humboldt-Universität, jedoch gefälscht hatte, führte dies zu breiter Kritik und seinem Rücktritt. Lompscher legte ihr Mandat im Abgeordnetenhaus am 31. Januar 2017 nieder. Philipp Bertram rückte für sie nach.

Aufgrund der während ihrer Amtszeit als Bausenatorin wiederholt nach unten korrigierten Zahlen für bezahlbare Neubauten, und der angesichts fehlender Wohnungen zunehmenden Verdrängung von Mietern durch steigende Mieten als Provokation des Regierenden Bürgermeisters Müller aufgefassten Besetzung der zentralen Abteilung für Berlins Wohnungsbau durch die fachfremde Jugendstadträtin Obermeyer, titulierte sie Der Tagesspiegel am 6. Juli 2018 als Bauverhinderungssenatorin. Von der CDU und in den Medien wird ihre Entlassung gefordert.[2][3][4][5] Angesichts der akuten Wohnungsnot wurde Lompscher in einem von allen Geschäftsführern der sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften verfassten Brandbrief wegen ihres schlempenden und umständlichen Anstoßens neuer Bauvorhaben und spärlicher Freigaben ländlicher Bauflächen scharf attackiert, sowie die Bearbeitungsweise von Bauanträgen und Siedlungsvorhaben bemängelt.[6]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lompscher, die sich selbst als „Genussraucherin“ bezeichnet, äußerte sich in ihrer Zeit als Gesundheitssenatorin für einen starken Nichtraucherschutz, aber gegen ein „militantes Rauchverbot“.[7]

Als Senatorin für Stadtentwicklung ließ sie 2017, in einer Phase des Wohnungsmangels, erklären, ihre geänderten Bauvorschriften verfolgten „Berliner Ziele zum Umwelt- und Klimaschutz“ und stärkten „Rettungswegekonzepte zugunsten des vorhandenen Baumbestandes und damit zum Vorteil für das Stadtklima“.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Katrin Lompscher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Welt.de vom 2. Juni 2008
  2. „Nach bizarrer Personalentscheidung. Michael Müller müsste Katrin Lompscher entlassen.“ Der Tagesspiegel, 6. Juli 2018.
  3. https://www.tagesspiegel.de/berlin/debatte-um-berliner-wohnungspolitik-entlassen-sie-frau-lompscher/21219842.html
  4. https://www.berliner-zeitung.de/berlin/wohnungsbau-cdu-fordert-entlassung-von-katrin-lompscher-30152164
  5. https://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/frau-lompscher-ist-eine-bausenatorin-die-nicht-baut
  6. Wohnungsmarkt Berlin. Lompscher wird Ausbremsen von Neubau vorgeworfen. Der Tagesspiegel, 12. September 2017.
  7. Katrin Lompscher: Die Flexible aus dem Osten. Deutsches Ärzteblatt 2006; 103(49): A-3353 / B-2920 / C-2801.
  8. http://www.tagesspiegel.de/berlin/trotz-wohnungsnot-berliner-senat-erschwert-ausbau-von-dachgeschossen/20117454.html