Lonetal-Mehlbeere

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Lonetal-Mehlbeere
Sorbus lonetalensis 270915a.JPG

Lonetal-Mehlbeere (Sorbus lonetalensis)

Systematik
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Spiraeoideae
Tribus: Pyreae
Untertribus: Kernobstgewächse (Pyrinae)
Gattung: Mehlbeeren (Sorbus)
Art: Lonetal-Mehlbeere
Wissenschaftlicher Name
Sorbus lonetalensis
S.Hammel & Haynold

Die Lonetal-Mehlbeere (Sorbus lonetalensis) gehört zu den Bastard-Mehlbeeren (Sorbus hybrida agg.) aus der Pflanzengattung Mehlbeeren (Sorbus) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie steht morphologisch zwischen der Echten Mehlbeere (Sorbus aria) und der Vogesen-Mehlbeere (Sorbus mougeotii). Dies dürften zugleich die Elternarten des fixierten Bastards sein. Als eine agamosperme Art pflanzt die Lonetal-Mehlbeere sich ungeschlechtlich fort.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lonetal-Mehlbeere ist ein schlanker Buschbaum (d. h. in der Wuchsform zwischen Strauch und Baum stehend) mit Wuchshöhen von bis zu 6 Metern. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die grünen Laubblätter der Kurztriebe werden ca. 8,5 bis 11 Zentimeter lang und 6 bis 8,5 Zentimeter breit. Die Laubblätter der Langtriebe erreichen eine Länge von 9,5 bis 11,5 Zentimeter und eine Breite von 6 bis 8,5 Zentimeter. Die Blattbasiswinkel bilden einen auffälligen trichterförmigen Blattgrund. Die Blattspreite ist elliptisch oder breit ausladend mit drei bis vier deutlich abgerundeten Blattlappen (diese sind gegenüber der Vogesen-Mehlbeere stärker zugespitzt). Die Blattunterseite ist hellgrau filzig behaart. Die Blattspreite besitzt 9 bis 11 Blattnervenpaare.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blüten

Die Lonetal-Mehlbeere ist tetraploid. Die karminroten Scheinfrüchte sind 10 bis 11,5 × 10,5 bis 13 Millimeter groß. Die Fruchtreife liegt Mitte bis Ende September.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lonetal-Mehlbeere ist ein Lokalendemit Baden-Württembergs mit einem kleinen Vorkommen von zehn[1] bekannten Exemplaren südlich von Herbrechtingen-Bissingen ob Lontal. Sie wächst an Waldrändern und am Rand von Forstwegen.

Botanische Geschichte und Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sorbus lonetalensis wurde 2014 erstmals von Thomas Meyer (Günzburg) entdeckt. Sie wurde 2015 von Steffen Hammel und Bernd Haynold erstbeschrieben. Das Artepitheton lonetalensis wurde nach dem Fundort der Lonetal-Mehlbeere im Lonetal, einem der längsten Trockentäler Deutschlands, gewählt. Der Typusbeleg befindet sich im Naturkundemuseum Stuttgart (STU).

Sennikov und Kurtto führen die Mehlbeere seit 2017 unter dem Namen Hedlundia lonetalensis. Christenhusz, Fay und Byng nennen sie 2018 Pyrus lonetalensis.

Gefährdung und Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wenigen Büsche/Bäume sind stark gefährdet. Durch Waldbaumaßnahmen bzw. Pflege der Waldwege wurden bereits vier Bäume auf den Stock gesetzt. Die Fundorte stehen mittlerweile als Biotopschutzwald unter gesetzlichem Naturschutz (§ 30a Waldgesetz Baden-Württemberg). Aus den Früchte des Typus-Baumes wurden 2014 Jungpflanzen kultiviert. Ein Exemplar soll in wenigen Jahren das Überleben der Lonetal-Mehlbeere im Arboretum der Freiland-Abteilung im Botanischen Garten der Universität Ulm sichern.

Die Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands bezeichnet die Lontal-Mehlbeere als extrem selten. Für ihre Erhaltung ist Deutschland in besonders hohem Maße verantwortlich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Sennikov, Arto Kurtto: A phylogenetic checklist of Sorbus s. l. (Rosaceae) in Europe. In: Memoranda Soc. Fauna Flora Fennica 93, Helsinki 2017, Seiten 1–78. https://journal.fi/msff/article/view/64741
  • Maarten M.J. Christenhusz, Michael F. Fay, James W. Byng: The Global Flora Special Edition: GLOVAP Nomenclature Part 1, 2018.
  • Detlef Metzing, Eckhard Garve, Günter Matze-Hajek: Rote Liste und Gesamtartenliste der Farn- und Blütenpflanzen (Trachaeophyta) Deutschlands. In: Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands Band 7: Pflanzen, Naturschutz und Biologische Vielfalt 70(7), Seiten 13–358.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lonetal-Mehlbeere (Sorbus lonetalensis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heidenheimer Zeitung GmbH & Co KG: Entdeckung: Die Lonetal-Mehlbeere: Ein Baum, den es nur bei uns gibt. 21. August 2019, abgerufen am 24. August 2019.