Longarone

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Longarone
Wappen
Longarone (Italien)
Longarone
Staat Italien
Region Venetien
Provinz Belluno (BL)
Lokale Bezeichnung Łongaron
Koordinaten 46° 16′ N, 12° 18′ OKoordinaten: 46° 15′ 56″ N, 12° 18′ 7″ O
Höhe 474 m s.l.m.
Fläche 121,8 km²
Einwohner 5.359 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 44 Einw./km²
Postleitzahl 32013
Vorwahl 0437
ISTAT-Nummer 025071
Website http://www.longarone.net/
Longarone nach dem Wiederaufbau
Longarone nach dem Wiederaufbau
Der erhaltene Kirchturm
Die neue Kirche

Longarone ist eine Gemeinde mit 5359 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015) in der italienischen Provinz Belluno, Region Venetien.

Bei der Katastrophe vom Vajont 1963 wurden fast alle Einwohner durch die Folgen eines Erdrutsches in den Stausee an der Vajont-Staumauer oberhalb der Gemeinde getötet und der Ort bis auf einen Kirchturm zerstört. Danach erfolgte ein teilweiser neuer Aufbau.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Longarone liegt etwa 20 km nördlich der Provinzhauptstadt Belluno, im Tal des Piave. Südlich des Kernorts fließt ihm der Torrente Maè von Westen aus dem Val di Zoldo zu. Von Osten mündet der Torrente Vajont, dessen Aufstauung zur Katastrophe führte.

Die Nachbargemeinden von Longarone sind Belluno, Erto e Casso (PN), Forno di Zoldo, La Valle Agordina, Ospitale di Cadore, Ponte nelle Alpi, Sedico und Soverzene. In Longarone endet der Dolomiten-Höhenweg 3.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Longarone wird zum ersten Mal in einem Dokument aus dem Jahre 1190 erwähnt. Es war eines der Dörfer, die den mittleren Lauf des Flusses Piave säumen. Der Name ist geographischen Ursprungs und kommt von "Longoria", einem antiken Ausdruck, der ein schmales Landstück entlang eines Flusses beschreibt. Das ursprüngliche bürgerliche und religiöse Zentrum war Pieve di Lavazzo, das auf Grund seiner geschützten Lage eine wesentlich weiter in die Vergangenheit zurückreichende Geschichte aufweist. Die Vororte Dogna und Provagna am linken Ufer des Piave, Pirago und Fortogna am rechten, waren größere und wichtige Ansiedlungen des heutigen Zentrums und haben eine höhere Anzahl an historischen Funden hervorgebracht. Die ältesten Bauwerke dieser Gegend sind die Brücke von Muda Maè und ein Teil der Straße bei Roggia.

Im Jahre 1360 erhielt Longarone eine eigene kleine Kirche, die in der Folgezeit umgebaut und dem Hl. Christophorus geweiht wurde. Man benutzte sie dann als Taufkapelle. In der Nähe der Kirche befand sich ein Altenheim. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts treten Belluno und sein Umkreis in die Venetianische Republik ein und Longarone wird zum Handelszentrum. Die ersten Sägewerke werden am Piave errichtet. Der Waldbestand wird immer wichtiger, so dass sich die Serenissima dafür interessiert.

Anfang des 18. Jahrhunderts beginnt der Zuzug von wohlhabenden Arbeiter-, Händler- und Verwalterfamilien nach Longarone, die hier ihre Betriebe errichten. Die Villen, die sie erbauten, verliehen Longarone den architektonischen Anblick eines prächtigen Zentrums seiner Zeit. Einige dieser Villen überlebten nur in der Erinnerung, wie z. B. der Palazzo Sartori mit seiner charakteristischen Treppe oder die Villa Stefani, die später bekannt wurde als Villa Malcolm. Andere Villen stehen noch, wie z. B. der Palazzo Mazzolà, der heutige Sitz des Rathauses. Das 18. Jahrhundert ist die Blütezeit der künstlerischen Tätigkeiten der Stadt. Aus Longarone stammen Niccolò Cavalli, Ziselierer, Pietro Gonzaga, Maler und Bühnenbildner am Hof des Zaren, und Caterino Mazzolà, der unter anderem das Libretto für eine Mozart-Oper verfasst hat.

Im 19. Jahrhundert beteiligen sich einige Bewohner am Aufstand Norditaliens gegen die Herrschaft der Habsburger. Einer der Patrioten ist Jacopo Tasso, der 1849 in Treviso von den Österreichern hingerichtet wird und dem zu Ehren in Longarone ein Denkmal steht.

Am 9. Oktober 1963 wurde die Stadt durch die Katastrophe vom Vajont fast vollständig zerstört. Ein einzelner Kirchturm blieb stehen und wurde als Erinnerung an das Unglück erhalten. Dem Unglück fielen fast alle der damals rund 2.000 Einwohner zum Opfer.

In den 1960er und 1970er Jahren wurde die Stadt wieder aufgebaut. Unter anderem entstand auch die moderne Kirche Santa Maria Immacolata.

Jährlich findet in Longarone u. a. die „Mostra Internazionale del Gelato Artigianale“ (Internationale Messe für Speiseeis) statt.[2]

Am 21. Februar 2014 wurde Castellavazzo mit der Gemeinde Longarone zusammengeschlossen. Die neue Gemeinde behielt den Namen Longarone.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinden von Longarone sind Bagni di Lucca in der Toskana und Urussanga im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vajont (Gemeinde, Neugründung 1971)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Longarone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Mostra del Gelato.com
  3. Website Longarone