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Longshan-Kultur

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Neolithische Kulturen Chinas
Mittelsteinzeit
Jungsteinzeit
Shangshan-Kultur11000–9000 cal BP
Zaoshi-Kultur der unteren Schicht7500–7000 v. Chr.
Pengtoushan-Kultur7500–6100 v. Chr.
Gaomiao-Kultur7400–7100 v. Chr.
Zhaobaogou-Kultur7000–6400 v. Chr.
Hemudu-Kultur7000–4500 v. Chr./ 5000–3300 v. Chr.
Houli-Kultur6250–5850 v. Chr.
Xinglongwa-Kultur6200–5400 v. Chr.
Laoguantai-Kultur auch Dadiwan-I-Kultur6000–5000 v. Chr./ 6000–3000 v. Chr.
Dadiwan-Kultur5800–3000 v. Chr.
Chengbeixi-Kultur5800–4700 v. Chr.
Peiligang-Kultur5600–4900 v. Chr.
Xinle-Kultur5500–4800 v. Chr.
Cishan-Kultur5400–5100 v. Chr.
Beixin-Kultur5400–4400 v. Chr.
Qingliangang-Kultur5400–4400 v. Chr.
Tangjiagang-Kultur5050–4450 v. Chr.
Baiyangcun-Kultur5000–3700 v. Chr.
Yangshao-Kultur auch Miaodigou-I-Kultur5000–3000 v. Chr.
Yingpanshan-Kultur5000–… v. Chr.
Caiyuan-Kultur4800–3900 v. Chr.
Majiabang-Kultur4750–3700 v. Chr.
Hongshan-Kultur4700–2900 v. Chr.
Daxi-Kultur4400–3300 v. Chr.
Dawenkou-Kultur4100–2600 v. Chr.
Beiyinyangying-Kultur4000–3000 v. Chr.
Songze-Kultur3900–3200 v. Chr.
Miaozigou-Kultur3500–3000 v. Chr.
Liangzhu-Kultur3400–2000 v. Chr.
Longshan-Kultur auch Miaodigou-II-Kultur3200–1850 v. Chr.
Shanbei-Kultur3050–2550 v. Chr.
Majiayao-Kultur3000–2000 v. Chr.
Xiaoheyan-Kultur3000–2000 v. Chr.
Tanshishan-Kultur3000–2000 v. Chr.
Shixia-Kultur2900–2700 v. Chr.
Qujialing-Kultur2750–2650 v. Chr.
Shijiahe-Kultur2600–2000 v. Chr.
Banshan-Machang-Kultur2500–2000 v. Chr.
Baodun-Kultur2500–1700 v. Chr.
Keshengzhuang-II-Kultur2300–2000 v. Chr.
Zhukaigou-Kultur…–1500 v. Chr.
Qijia-Kultur2000–… v. Chr.
Qugong-Kulturv. Chr.
Shangzhai-Kulturv. Chr.
Xinkailiu-Kulturv. Chr.
Youziling-Kulturv. Chr.
Kuahuqiao-Kulturv. Chr.
Lijiacun-Kulturv. Chr.
Pianbaozi-Kulturv. Chr.
Banpo-Kulturv. Chr.
Shijia-Kulturv. Chr.
Miaodigou-Kulturv. Chr.
Xiwangcun-Kulturv. Chr.
Qinwangzhai-Kulturv. Chr.
Hougang-Kulturv. Chr.
Dasikongcun-Kulturv. Chr.
Xiawanggang-Kulturv. Chr.
Changguogou-Kulturv. Chr.
Kupfersteinzeit
Eierschalenkeramik

Die Longshan-Kultur (chinesisch 龍山文化 / 龙山文化, Pinyin Lóngshān wénhuà) war eine späte neolithische Kultur am mittleren und unteren Gelben Fluss in China. Bereits 1928 entdeckte Wu Jinding in Chengziya am Gelben Fluss im Osten der Provinz Shandong erste Spuren dieser Kultur. Die archäologische Stätte ist nur 1 km von der Stadt Longshan entfernt, nach der die Kultur ihren Namen erhielt. 1930 und 1931 wurden hier erste systematische Ausgrabungen durchgeführt. Die Kultur wird je nach Quelle etwa auf die Zeit von 3200 v. Chr. bis 1850 v. Chr. datiert.

Entdeckungsgeschichte

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Ein besonderes Merkmal der Longshan-Kultur war ihre hohe Kunstfertigkeit in der Töpferei, insbesondere die Verwendung der Töpferscheibe. Sie produzierte eine dünnwandige und polierte schwarze Keramik, die in Nordchina weitverbreitet war und auch im Tal des Jangtsekiang bis hin zur Südostküste Chinas gefunden wurde.[1][2]

Bis in die 1950er Jahre galt diese schwarze Keramik als wichtigstes Erkennungsmerkmal, und alle ihre Fundstätten wurden der Longshan-Kultur zugeordnet.[3][4] In der ersten Auflage seines einflussreichen Überblickswerks The Archaelogy of Ancient China (1963) beschrieb der taiwanesische Archäologe Kwang-chih Chang das gesamte Fundgebiet als „Longshan-Horizont“ und postulierte damit eine relativ einheitliche Kultur, die sich von einem Kerngebiet in der zentralchinesischen Ebene aus allmählich ausgebreitet habe.[5] Neuere Entdeckungen haben eine deutlich größere regionale Vielfalt zutage gefördert als bis dahin angenommen. Viele lokale Kulturen, die Chang dem „Longshan-Horizont“ zugerechnet hatte, gelten heute als eigenständige Kulturen und der Begriff „Longshan-Kultur“ ist nun auf das mittlere und untere Tal des Gelben Flusses beschränkt.[6] So wird beispielsweise die zeitgleiche Kultur am unteren Jangtsekiang heute als Liangzhu-Kultur bezeichnet.[5][6]

Gleichzeitig versuchten Forscher der regionalen Differenzierung der Longshan-Kultur im Talbereich des Gelben Flusses durch eine entsprechende Nomenklatur gerecht zu werden. Daher unterschieden sie regionale Varianten in Henan, Shanxi und Shaanxi von der in Shandong angetroffenen Longshan-Kultur.[6] In der vierten Auflage seines Werks (1986) verwarf Chang das Modell einer einheitlichen, auf die zentralchinesische Ebene ausgerichteten Kultur und stellte stattdessen ein Modell unterschiedlicher regionaler Kulturen vor, deren Entwicklung durch die Interaktion zwischen den Regionen angeregt wurde – ein Phänomen, das er als „chinesische Interaktionssphäre“ bezeichnete.[7][8] Ebenfalls in den 1980er Jahren schlug Yan Wenming den Begriff „Longshan-Epoche“ vor, um damit die spätneolithischen Kulturen des 3. Jahrtausends v. Chr. in der gesamten Region zu erfassen, wobei er der zentralchinesischen Ebene die führende Rolle zuschrieb.[9][10]

Dörfer; soziale Struktur

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Während der Longshan-Kultur wurden Dörfer mit Wällen aus Stampflehm (hang-t'u) errichtet, und zwar als Dauerwohnungen auf Anhöhen längs der Flüsse. Der Lehm wurde dafür in einer Verschalung schichtenweise festgestampft. Im Gegensatz dazu war das Yangshao-Dorf lediglich zeitweise benutzt und unbefestigt.

Die Longshan-Kultur war patriarchal. Das ist aus der Anordnung der Skelette in den Gräbern erkennbar, in denen die Frau dem Mann zugeordnet wurde. Dagegen war die frühere Yangshao-Kultur (5000–2000 v. Chr.) offenbar noch matriarchal. Es finden sich auch Schmuckstücke aus Jade. Es gab also eine Oberschicht, die sich zur Longshan-Zeit entwickelte und deren Existenz sich auch in den Gräbern spiegelt.

Ein weiteres Kennzeichen der Longshan-Kultur ist das Auftauchen des Knochenorakels (Scapulomantie), für das man Knochen durchbohrte und glühende Holzstückchen hineinsteckte, um die Risse zu deuten.

Ackerbau und Viehzucht

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Wie die vorangegangene Yangshao-Kultur war die Longshan-Kultur eine Agrargesellschaft. Die wichtigste Nutzpflanze war die Kolbenhirse, doch es wurden auch Überreste von Rispenhirse, Reis und Weizen gefunden. Reiskörner wurden in Shandong und im südlichen Henan entdeckt, auf der Liaodong-Halbinsel sogar ein kleines Reisfeld. Bei den Ausgrabungen stießen die Archäologen auf verbesserte Ackerbaugeräte, die Longshan-Chinesen zum Ausgraben, Ernten und Mahlen von Getreide verwendeten.[11][12]

Das Schwein war der wichtigste Fleischlieferant.[13] Schafe und Ziegen wurden offenbar im 4. Jahrtausend v. Chr. auf dem Lössplateau domestiziert, sind um 2800 v. Chr. in West-Henan nachweisbar und dienten anschließend auch zunehmend in den Regionen am mittleren und unteren Gelben Fluss als Nutztiere.[14] Hunde wurden ebenfalls verzehrt, insbesondere in Shandong, während die Rinderzucht eine geringere Rolle spielte.[13][14]

Die Longshan-Chinesen züchteten auch in kleinerem Umfang Seidenraupen und waren dadurch zur Seidenproduktion fähig.[15]

Schwarzer Weinkrug, Chinesisches Nationalmuseum

Die Longshan-Keramik war die erste Keramik in China, die mittels der Töpferscheibe hergestellt wurde. In der früheren Yangshao-Keramik findet sich kein Hinweis auf Töpferscheiben. Auch Verbesserungen des kontrollierten Reduktionsbrands brachten Fortschritte bei der Herstellung der Tonwaren. Kennzeichnend für die Longshan-Kultur ist vor allem ihre schwarze, oft glänzend polierte, sehr dünnwandige Keramik. Gefäße dieser Art zeigen klar gegliederte, durch Profile und Rillen deutlich artikulierte Formen. Einige von ihnen waren Vorläufer späterer Formen von Bronzegefäßen. Daneben gab es auch rote und weiße Tonwaren und graue Gebrauchskeramik.[16]

Vor allem in den östlichen Küstengebieten der Longshan-Kultur fanden sich dreibeinige Henkelgießkannen der Typen gui und he aus weißem Ton. Diese offenbar von professionellen Töpfern produzierte Keramik wurde wohl ausschließlich für rituelle Zwecke verwendet. Dass die Chinesen dieser Kultur häufig elementare Kultpraktiken ausübten, belegt auch die Auffindung der Überreste von Schulterblättern von Rindern, Schafen und Schweinen, die zu Orakelzwecken erhitzt wurden.[16]

Bei Ausgrabungen in den 1950er Jahren in Shanxian im westlichen Henan wurde eine zweite Phase der Fundstätte Miaodigou (3000–2600 v. Chr.) identifiziert, die eine Übergangsperiode zwischen der vorangegangenen Yangshao-Kultur und der späteren Longshan-Kultur in Henan darstellt.[17] Eine Minderheit der Archäologen schlug vor, diese Phase, die zeitgleich mit der späten Dawenkou-Kultur in Shandong stattfand, stattdessen der Yangshao-Kultur zuzuordnen; die meisten Altertumsforscher beschreiben sie jedoch als frühe Periode der Henan-Longshan-Kultur.[6][18] Einige Gelehrte vertreten die Ansicht, dass die späte Dawenkou-Kultur als frühe Phase der Shandong-Longshan-Kultur zu betrachten sei.[18]

Fundstätten der Miaodigou-II-Kultur befinden sich in West- und Zentral-Henan, im südlichen Shanxi und im Tal des Wei-Flusses in Shaanxi.[19][20] Die an diesen archäologischen Stätten aufgefundenen Werkzeuge weisen gegenüber der vorangegangenen Yangshou-Kultur signifikante Verbesserungen auf. Die Landwirtschaft wurde intensiviert, und der Verzehr von domestizierten Tieren (Schweine, Schafe und Rinder) nahm stark zu.[20] Ähnlichkeiten des Keramikstils der Miaodigou-II-Fundstätten in Zentral-Henan mit jenen der späten Dawenkou-Kultur im Osten und der späten Qujialing-Kultur im Süden deuten auf Handelskontakte zwischen diesen Regionen hin.[19] Außerdem breiteten sich Gründungen von Siedlungen der mittleren und späten Dawenkou-Kultur (3500–2600 v. Chr.) nach Zentral-Henan und Nord-Anhui aus, was mit der Zeit des maximalen Meeresspiegelanstiegs zusammenfällt.[21]

Die späte Phase der Longshan-Kultur (2600–2000 v. Chr.) in den Gegenden am Mittellauf des Gelben Flusses trat gleichzeitig mit der klassischen Shandong-Longshan-Kultur auf.[18][22] Die meisten Wissenschaftler datieren das Chalkolithikum Chinas in die Epoche der späten Longshan-Kultur.[23]

Mehrere regionale Varianten der späten Longshan-Kultur wurden in der Gegend des mittleren Gelben Flusses registriert, darunter Wangwan III in West-Henan, Hougang II im nördlichen Henan und südlichen Hebei, Taosi im Einzugsgebiet des Fen He in Süd-Shanxi sowie mehrere Gruppen archäologischer Stätten am Mittellauf des Jing He und Wei He, die gemeinsam als Kexingzhuang II oder Shaanxi-Longshan-Kultur bezeichnet werden.[6][24]

Regionale Kulturen aud lokale Zentren im Tal des mittleren und unteren Gelben Flusses im späten 3. Jahrtausend v. Chr.

Als die Bevölkerungszahl des Neolithikums Chinas zur Zeit der späten Longshan-Kultur ihren Höhepunkt erreichte, entwickelten sich hierarchische Machtstrukturen.[25] In geographisch abgegrenzten Gegenden wie dem Einzugsgebiet des Fen He in Süd-Shanxi, dem Gebiet am Gelben Fluss in West-Henan (umschlossen vom Zhongtiao- und Xiao-Gebirge) und der Küstenebene nahe Rizhao im südöstlichen Shandong entstanden einige große Siedlungen mit mehr als 2 km2 Fläche.[26] In offeneren Regionen wie dem übrigen Shandong, der zentralchinesischen Ebene in Henan und dem Einzugsgebiet des Wei-Flusses in Shaanxi waren die lokalen Zentren zahlreicher, kleiner (mit einer Ausdehnung von etwa 20 bis 60 Hektar) und relativ gleichmäßig verteilt.[27][28] Diese Zentren waren netzwerkartig mit den umliegenden Dörfern verbunden, was die Fähigkeit der städtischen Eliten belegt, Kontrolle über das Umland und dessen landwirtschaftlichen Reichtum auszuüben.[29]

Die Siedlungen entwickelten sich zu Städten mit klar abgegrenzten Vierteln für die verschiedenen Klassen und spezialisierten Berufsgruppen (Töpfer, Orakelpriester u. a.) sowie mit großen Residenzen der Führungselite und Ritualbauten. Anzeichen für ein beträchtliches Bevölkerungswachstum und eine zunehmende hierarchische Schichtung deuten darauf hin, dass sich in der Longshan-Kultur rivalisierende Stammesfürstentümer herausbildeten, die von Dynastien mit Hilfe elitärer Verwandtschaftsverbindungen regiert wurden. Die Brunnenbautechnik in den Städten verbesserte sich, und einige große Häuser verfügten über rudimentäre Wasserleitungen aus Tonröhren.[29] Reste solcher Leitungen wurden etwa in der archäologischen Stätte Pingliangtai in Henan entdeckt. Dort existierten teils zweispurig geführte Leitungen aus 35 bis 45 cm langen gebrannten Tonröhren, die an einem Ende 23 bis 26 cm, am anderen Ende 27 bis 32 cm dick und somit ineinander schiebbar waren.[30] In 20 Städten in Shandong, 9 in der zentralchinesischen Ebene und einer, Taosi, in Süd-Shanxi wurden Verteidigungswälle aus Stampflehm gefunden, was auf Konflikte zwischen den Herrschern in diesen Gegenden hindeutet.[31]

So stießen etwa chinesische Archäologen bei Ausgrabungen an den Fundstätten Wangchenggang (1979–81) und Pingliangtai (1979/80) in der Provinz Henan auf die Überreste starker Befestigungsmauern einstiger Longshan-Städte. Die Umfassungsmauer von Pingliangtai weist heute noch eine Höhe von bis zu 3 m auf und umgibt einen Stadtbezirk mit quadratischem Grundriss, dessen Seitenlänge 185 m und dessen Fläche 3,4 Hektar beträgt. Die Südmauer ist an der Basis 13 m dick; ihr Stadttor wurde durch zwei Torwächtergebäude geschützt. Es wurden viele Pfeil- und Speerspitzen entdeckt, die ebenso wie zertrümmerte Schädel und verstümmelte Skelette ein Indiz für bewaffnete Konflikte darstellen.[16] Die Einführung der Dolch-Hellebarde, einer rein militärischen, nicht für die Jagd gedachten Waffe, deutet außerdem auf häufigere Kriegshandlungen hin.[29]

Während der späten Longshan-Kultur kam es auch zu ersten Versuchen der Metallverarbeitung. So verbreitete sich die Herstellung von qualitativen Kupferwerkzeugen, Ringen und Glocken sowie einigen Gegenständen aus Bronze und Messing. Diese Entwicklung ebnete den Weg für die späteren Kulturen der Bronzezeit.[29]

Shandong-Longshan-Kultur

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Das zentrale Shandong ist ein gebirgiges Gebiet, zu dem der Berg Tai Shan (1545 m hoch) und andere Gipfel mit über 1000 m Höhe gehören. Die Longshan-Siedlungen befinden sich in den Ebenen, die dieses Massiv umgeben.[32] Im Norden liegen vier gleichmäßig verteilte, ummauerte Siedlungszentren: Chengziya, Dinggong, Tianwang und Bianxianwang (von West nach Ost). Die größte dieser Niederlassungen, Chengziya, weist nur eine Fläche von 20 Hektar auf. In Dinggong wurde eine Tonscherbe mit einer Inschrift von 11 Symbolen entdeckt, doch besteht unter den Gelehrten keine Einigkeit darüber, ob sie in die Jungsteinzeit zu datieren ist.[33]

Die bisher größten Fundstätten in Shandong sind Liangchengzhen (273 Hektar) und Yaowangcheng (368 Hektar). Beide liegen nahe der chinesischen Ostküste im Gebiet von Rizhao, wobei sich Yaowangcheng etwa 35 km südlich von Liangchengzhen befindet.[34] Jeder dieser Fundorte ist von abhängigen, wirtschaftlich integrierten Siedlungen umgeben. Im Gebiet zwischen den beiden Stätten liegen jedoch nur relativ wenige Dörfer, sodass es sich bei ihnen wohl um politische Zentren rivalisierender Reiche handelte. Die Herstellung von Keramik, Steinwerkzeugen und Textilien war weit verbreitet. Zudem gibt es Hinweise auf die Produktion von fermentierten Getränken sowie von Prestigeobjekten aus Jade und Metall.[13] Da sowohl diese Luxuswaren als auch Gebrauchsgegenstände wie Keramik und Steinwerkzeuge an beiden Fundstätten zutage gefördert wurden, dürften sie auch regionale Zentren für die Produktion und den Handel von Gütern gewesen sein.[35][36] In Liangshengzhen wurden Reis, Kolbenhirse, Rispenhirse und Weizen angebaut. Die Kolbenhirse war zwar mengenmäßig die wichtigste Nutzpflanze, wurde aber hauptsächlich als Tierfutter verwendet. Reis war das bevorzugte Nahrungsmittel für den menschlichen Verzehr.[37]

Im Vergleich zu anderen Kulturen der Longshan-Epoche war die Kluft zwischen den armen und reichen Bevölkerungsschichten der Shandong-Longshan-Kultur deutlich geringer ausgeprägt, und es scheint dort weniger Gewaltakte als an anderen Longshan-Stätten gegeben zu haben.[38] Die Shandong-Longshan-Kultur hatte sich aus der Dawenkou-Kultur entwickelt und wurde von der bronzezeitlichen Yueshi-Kultur abgelöst.[39]

Die Fundstätten der Hougang-II-Variante der Longshan-Kultur liegen dicht gedrängt entlang der Flüsse in Nord-Henan und Süd-Hebei verteilt; viele von ihnen sind weniger als 1 km voneinander entfernt. Zu den ummauerten Siedlungen gehörten Hougang (10 Hektar Fläche) und Mengzhuang (16 Hektar Fläche). Die Chinesen der Hougang-II-Longshan-Kultur legten die ersten Brunnen in der Gegend des Gelben Flusses an. Die von ihnen dabei angewandte Methode wurde von den frühbronzezeitlichen Staaten der Region beibehalten.[40]

Überreste der Wangwan-III-Variante der Longshan-Kultur sind in West- und Zentral-Henan anzutreffen. Die Anzahl ihrer Fundstätten in dieser Region ist dreimal so hoch wie jene der vorangegangenen Yangshao-Zeit. Dabei entstanden mehrere miteinander konkurrierende Zentren. An der Fundstätte Wangchenggang gibt es Hinweise auf Metallverarbeitung, die jedoch vielleicht jüngeren Schichten zuzuordnen sind. Aus der Wangwan-III-Longshan-Kultur soll die Erlitou-Kultur hervorgegangen sein; insbesondere soll eine 70 Hektar große, ummauerte Siedlung in Xinzhai (20 km südöstlich von Xinmi) „typologisch direkt zur frühen Erlitou-Kultur“ geführt haben.[41]

Mit einer Fläche von 3 km2 ist die ummauerte Anlage von Taosi im Kreis Xiangfen der bezirksfreien Stadt Linfen in Südwest-Shanxi die größte Longshan-Siedlung im Gebiet des Mittellaufs des Gelben Flusses. Die Bestattungsbräuche weisen auf eine komplexe Gesellschaft mit mindestens drei verschiedenen Klassen hin.[42] In der Spätzeit der Longshan-Kultur von Taosi wurde der Wall aus Stampflehm zerstört, und es finden sich Anzeichen von gewaltsamen politischen Unruhen. Etwa zur gleichen Zeit entstand 20 km südöstlich von Taosi, jenseits des Zhong-Gebirges, die neue große Siedlung Fangcheng, deren Stadtgebiet eine Ausdehnung von 230 Hektar aufwies.[43]

Die Überreste der Siedlungen der Sanliqiao-II-Variante der Longshan-Kultur befinden sich beidseits des Gelben Flusses im westlichen Henan, südwestlichen Shanxi und östlichen Shaanxi. Fast 100 Siedlungen dieser regionalen Variante weisen eine dreistufige Siedlungshierarchie auf. Die größte dieser Niederlassungen, Xiaojiaokou (10 km südöstlich des heutigen Sanmenxia), umfasst eine Fläche von 2,4 km2, während andere lokale Zentren zwischen 30 und 70 Hektar groß sind. Zu den Wohnformen der Sanliqiao-II-Kultur zählen sowohl oberirdische als auch zur Hälfte unterirdische Häuser sowie horizontal in Lössfelsen eingegrabene Behausungen, deren Wände häufig verputzt waren. Die Keramikprodukte dieser Kultur zeigen bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit jenen der Kexingzhuang-II-Variante der Longshan-Kultur.[44]

Kexingzhuang II

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Die Fundstätten der Kexingzhuang-II-Variante der Longshan-Kultur liegen über das Tal des Wei He in Süd-Shaanxi verteilt. Die größte der entdeckten Siedlungen hat eine Fläche von 60 Hektar und ist damit nicht einmal halb so groß wie die größte Siedlung aus der Yangshao-Ära in dieser Region. Hier ist in der Zeit der Longshan-Kultur ein Bevölkerungsrückgang zu registrieren, den Gelehrte auf durch Umweltveränderungen bedingte Migration zurückführen. Von den 718 identifizierten archäologischen Stätten stellten einst 25 mittelgroße Zentren dar, die in einer dreistufigen Siedlungshierarchie von kleinen Dörfern umgeben waren.[45]

Gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. ging die Bevölkerungszahl der Longshan-Kultur im Großteil der von ihr bewohnten Region zurück. Viele größere Siedlungen wurden aufgegeben, vielleicht aufgrund von Umweltveränderungen im Zusammenhang mit dem Ende des Holozänen Klimaoptimums.[46] Diese Entwicklung ging einher mit der starken Abnahme der qualitativ hochwertigen schwarzen Töpferware bei rituellen Beerdigungen. Im Gegensatz dazu kam es in den Einzugsgebieten der Flüsse Yi und Luo in Zentral-Henan zu einem rasanten Bevölkerungswachstum und einer zunehmenden gesellschaftlichen Komplexität, die in der Erlitou-Kultur gipfelte.[47] Die materielle Kultur dieses Gebiets zeigt eine kontinuierliche Entwicklung, die sich über die Xinzhai-Phase erstreckt, deren Zentrum sich in den unmittelbar südlich gelegenen Song-Bergen befand.[48] Im Gebiet von Taosi fehlt hingegen eine solche Kontinuität der materiellen Kultur zwischen der Longshan- und Erlitou-Periode. Dies deutet auf einen Niedergang der Longshan-Kultur in dieser Region und eine spätere Expansion der Erlitou-Kultur in diese Gegend hin.[49]

  • Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to early States (= New Studies in Archaeology). Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2004, ISBN 0-521-81184-8.
  • Zhongguo da baike quanshu: Kaoguxue [Große chinesische Enzyklopädie, Band: Archäologie], Beijing: Zhongguo da baike quanshu, 1986 (Online-Text)
Commons: Longshan-Kultur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Li Feng: Early China: A Social and Cultural History, Cambridge University Press, 2013, ISBN 978-0-5218-9552-1, S. 35.
  2. John K. Fairbank, Merle Goldman: China: A New History, 2. Auflage, Harvard University Press, 2006, ISBN 978-0-674-03665-9, S. 32.
  3. Bo Sun: The Longshan culture of Shandong, in: Anne P. Underhill (Hrsg.): A Companion to Chinese Archaeology, John Wiley & Sons, 2013, ISBN 978-1-4443-3529-3, S. 437.
  4. Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, Cambridge 2005, ISBN 978-0-521-81184-2. S. 6–7.
  5. 1 2 Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, 2005, S. 2.
  6. 1 2 3 4 5 Chunqing Zhao: The Longshan culture in central Henan province, c.2600–1900 BC, in Anne P. Underhill (Hrsg.): A Companion to Chinese Archaeology, John Wiley & Sons, 2013, ISBN 978-1-4443-3529-3, S. 237.
  7. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, Cambridge University Press, 2012, ISBN 978-0-521-64310-8, S. 17.
  8. Li Feng: Early China: A Social and Cultural History, 2013, S. 18.
  9. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 16.
  10. Li Feng: Early China: A Social and Cultural History, 2013, S. 20–21.
  11. Bo Sun: The Longshan culture of Shandong, in: Anne P. Underhill (Hrsg.): A Companion to Chinese Archaeology, 2013, S. 448.
  12. Chunqing Zhao: The Longshan culture in central Henan province, c.2600–1900 BC, in Anne P. Underhill (Hrsg.): A Companion to Chinese Archaeology, 2013, S. 249.
  13. 1 2 3 Bo Sun: The Longshan culture of Shandong, in: Anne P. Underhill (Hrsg.): A Companion to Chinese Archaeology, 2013, S. 449.
  14. 1 2 Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, 2005, S. 59.
  15. John K. Fairbank, Merle Goldman: China: A New History, 2. Auflage, 2006, S. 33.
  16. 1 2 3 Roger Goepper: Das alte China. Geschichte und Kultur des Reiches der Mitte, C. Bertelsmann Verlag, München 1988, ISBN 3-570-06749-1, S. 40.
  17. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 9.
  18. 1 2 3 Wangping Shao: The formation of civilization: the interaction sphere of the Longshan period, in: Sarah Allan (Hrsg.): The Formation of Chinese Civilization: An Archaeological Perspective, Yale University Press, 2005, ISBN 978-0-300-09382-7, S. 88.
  19. 1 2 Chunqing Zhao: The Longshan culture in central Henan province, c.2600–1900 BC, in Anne P. Underhill (Hrsg.): A Companion to Chinese Archaeology, 2013, S. 238.
  20. 1 2 David J. Cohen, Robert E. Murowchick: Early complex societies in Northern China, in: Colin Renfrew, Paul Bahn (Hrsg.): The Cambridge World Prehistory, Bd. 2, Cambridge, UK 2014, ISBN 978-1-107-02378-9, S. 793.
  21. Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, 2005, S. 30.
  22. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 216.
  23. Alexander A. Bauer, Cornelius Holtorf, Emma Waterton, Margarita Díaz-Andreu García, Neil Asher Silberman: The Oxford Companion to Archaeology, Oxford University Press, 2012, ISBN 978-0-19-507618-9, S. 142.
  24. Wangping Shao: The formation of civilization: the interaction sphere of the Longshan period, in: Sarah Allan (Hrsg.): The Formation of Chinese Civilization: An Archaeological Perspective, 2005, S. 88, 90.
  25. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 213.
  26. Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, 2005, S. 170, 199.
  27. Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, 2005, S. 170.
  28. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 221.
  29. 1 2 3 4 John S. Major; Constance A. Cook: Ancient China: A History, Taylor and Francis, 2016, ISBN 978-1-317-50366-8, S. 48.
  30. Roger Goepper: Das alte China. Geschichte und Kultur des Reiches der Mitte, 1988, S. 41.
  31. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 215, 217.
  32. Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, 2005, S. 193.
  33. Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, 2005, S. 202–205.
  34. Gideon Shelach-Lavin: The Archaeology of Early China, Cambridge University Press, 2015, ISBN 978-0-521-19689-5, S. 130.
  35. Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, 2005, S. 199–201.
  36. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 217.
  37. Rheta E Lanehart, Robert H. Tykot, Anne P. Underhill, Fengshi Luan, Haiguang Yu, Hui Fang, Fengshu Cai, Gary Feinman, Linda Nicholas: Dietary adaptation during the Longshan period in China: Stable isotope analyses at Liangchengzhen (southeastern Shandong). In: Journal of Archaeological Science, Bd. 38, 2011, Nr. 9, S. 2171–2181.
  38. Bo Sun: The Longshan culture of Shandong, in: Anne P. Underhill (Hrsg.): A Companion to Chinese Archaeology, 2013, S. 453.
  39. Bo Sun: The Longshan culture of Shandong, in: Anne P. Underhill (Hrsg.): A Companion to Chinese Archaeology, 2013, S. 435.
  40. David J. Cohen, Robert E. Murowchick: Early complex societies in Northern China, in: Colin Renfrew, Paul Bahn (Hrsg.): The Cambridge World Prehistory, Bd. 2, 2014, S. 791–792.
  41. David J. Cohen, Robert E. Murowchick: Early complex societies in Northern China, in: Colin Renfrew, Paul Bahn (Hrsg.): The Cambridge World Prehistory, Bd. 2, 2014, S. 789–790.
  42. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 222.
  43. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 227.
  44. David J. Cohen, Robert E. Murowchick: Early complex societies in Northern China, in: Colin Renfrew, Paul Bahn (Hrsg.): The Cambridge World Prehistory, Bd. 2, 2014, S. 795–796.
  45. David J. Cohen, Robert E. Murowchick: Early complex societies in Northern China, in: Colin Renfrew, Paul Bahn (Hrsg.): The Cambridge World Prehistory, Bd. 2, 2014, S. 793–794.
  46. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 220, 227, 251.
  47. Li Liu, Xingcan Chen: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 258–259.
  48. Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, 2005, S. 226.
  49. Li Liu: The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States, 2005, S. 190, 226, 228.