Lopo Soares de Albergaria

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Lopo Soares de Albergaria, dritter Generalgouverneur des Estado da Índia

Dom Lopo Soares de Albergaria, auch: Lopo Soares de Alvarenga, (* um 1460 in Portugal; † nach 1520 in Torres Vedras, Portugal) war ein portugiesischer Seefahrer, Militär und dritter Generalgouverneur des Estado da Índia.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

D. Lopo Soares de Albergaria entstammte dem Hochadel. Er war der vierte Sohn von Rui Gomes de Albergaria, der zu Zeiten Alfons V. das Amt des Kanzlers des Reiches (chanceler-mor) ausübte und von D. Mécia Soares de Melo. Er heiratete D. Joana de Albuquerque, Schwester von Tristão da Cunha, dem Oberbefehlshabers der 1506 nach Indien ausgelaufenen Flotte. Durch seine Heirat und seine Familie verfügte er über enge verwandtschaftliche Beziehungen zu vielen Akteuren des Estado da Índia.[1]

Er war zwar am königlichen Hof erzogen worden und Fidalgo des königlichen Hauses, aber als „nur“ viert geborener Sohn nicht erbberechtigt. So suchte er, wie viele andere Adlige auch, in Übersee nach Einkünften und Ruhm. Von 1495–1499 war er der Vertreter des Königs (capitão-mor) in São Jorge da Mina.[2] Das war eines der wichtigsten und lukrativsten Ämter, die der portugiesische König zu vergeben hatte. 1504 ernannte ihn der portugiesische König zum Oberbefehlshaber der königlichen Indienflotte des Jahres 1504. Diese aus 13 Schiffen bestehende Flotte verließ am 22. April 1504 unter Lopo Soares de Albergaria Lissabon in Richtung Indien, das sie im September desselben Jahres erreichte. Diese Flotte erfüllte die typischen Aufgaben einer Indienflotte: Sie umrundete das Kap der Guten Hoffnung, lud in Indien Gewürze, übernahm gleichzeitig militärische und diplomatische Aufgaben, versorgte die ständig in Indien stationierte portugiesische Flotte mit Schiffen, Menschen und Artillerie und kehrt im Folgejahr nach Europa zurück.[3]

Die Einkünfte aus dem Gold von São Jorge da Mina in den Jahren 1495–99 und aus dem indischen Pfefferhandel der Jahre 1504/05 bildeten die Basis seines beträchtlichen Vermögens.

Im Jahre 1515 wurde er erneut zum Oberbefehlshaber einer Indienflotte aus 13 Schiffen ernannt. Er sollte als neuer Gouverneur des Estado da Índia den erfolgreichen Afonso de Albuquerque zwar ablösen, dessen Politik des Aufbaus eines portugiesischen Herrschaftsbereichs im Indischen Ozean jedoch fortsetzen und durch einen Angriff auf die Zufahrtswege des Roten Meeres den muslimischen Handel mit Venedig unterbinden. Die Befehlshaber seiner Schiffe sollten daher nicht nach Portugal zurückkehren sondern für einige Zeit die wichtigsten Ämter im Estado da Ídia besetzen. So wurden nach Ankunft der Flotte zum Beispiel die Befehlshaber der wichtigsten Festungen in Sofala, Goa, Cannanore, Calicut, Cochin und Malacca ausgetauscht.[4] Mit der Ernennung von Lopo Soares de Albergaria hatten sich die Gegner und persönlichen Feinde von Afonso de Albuquerque am Hof in Lissabon durchgesetzt. Der Historiker Luís de Albuquerque betrachtete in seinem Dicionário de História dos Descobrimentos (Lexikon der Geschichte der Entdeckungen) die Regierung von Lopo Soares als Ausdruck des Zurückweichens der Zentralmacht des Königs vor den Ansprüchen des Adels, der Kaufleute und aller, die das Anwachsen der Überwachung durch die Krone als Einengung ihrer Aktivitäten betrachteten.[5] Während seiner Regierungszeit startete im Februar 1516 von Goa aus auch die Expedition von Fernão Pires de Andrade nach China, an der auch Tomé Pires teilnahm.[6]

D. Lopo Soares de Albergaria konnte mit seinen politischen und militärischen Aktionen nicht an die Erfolge Afonso de Albuquerques anknüpfen. Besonders sein unter beträchtlichen Verlusten von den Türken zurückgeschlagener Angriff auf die Hafen- und Festungsstadt Djidda im Roten Meer minderte sein Ansehen am portugiesischen Hof. Der portugiesische Historiker Jaime Cortesão geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Seeleute und Soldaten durch Unfälle, Krankheiten, Hunger und Durst im Roten Meer umkamen.[7]

Bevor er 1519 nach Portugal zurückgerufen wurde, gelang es ihm, im Februar 1518 mit Zustimmung des einheimischen Herrschers eine portugiesische Festung in Colombo zu errichten.[8] Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, das heutige Sri Lanka und damit den lukrativen Zimthandel für etwa ein Jahrhundert dem portugiesischen Einfluss zu unterwerfen. Nach Portugal zurückgekehrt hatte er sich wegen seiner Politik in Indien, wegen Verschwendung u. a. Vorwürfen zu verantworten. Er zog sich auf sein Landgut nach Torres Vedras zurück, wo er wahrscheinlich auch starb.

In mehreren Städten Portugals, so in Porto und Barreiro sind Straßen nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Albuquerque, Luís (Dir.),Dicionário de História dos Descobrimentos Portugueses, 2 vols., Lisboa (Círculo de Leitores) 1994.
  • Carvalho, Maria João Loução de, Gaspar Correia e dois perfis de governador: Lopo Soares de Albergaria e Diogo Lopes de Sequeira: em busca de uma causalidade, Lisboa (Universidade Aberta) 2009, Dissertação de Mestrado, 282 S. inkl. Anhang, Portugiesischer Text
  • Cortesão, Jaime, Os Descobrimentos Portugueses, Lisboa (Livros Horizonte) 1984.
  • Lacerda, Teresa, Os Capitães das Armadas da Índia no reinado de D. Manuel I – uma análise social, Lisboa (Universidade Nova de Lisboa, Faculdade de Ciências Sociais e Humanas, Departamento de História) 2006, Dissertação de Mestrado, 258 S., Portugiesischer Text

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Lacerda, 2006: 186
  2. Lacerda, 2006: 186
  3. Lacerda, 2006: 46
  4. Lacerda, 2006: 68
  5. so bei Carvalho, 2009: 107
  6. Carvalho, 2009: 110
  7. so bei Carvalho, 2009: 112
  8. Carvalho, 2009: 112

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]