Lorch (Rheingau)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lorch
Lorch (Rheingau)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lorch hervorgehoben

Koordinaten: 50° 3′ N, 7° 48′ O

Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Rheingau-Taunus-Kreis
Höhe: 79 m ü. NHN
Fläche: 54,43 km2
Einwohner: 3744 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner je km2
Postleitzahl: 65391
Vorwahlen: 06726, 06775 (Espenschied, Wollmerschied)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: RÜD, SWA
Gemeindeschlüssel: 06 4 39 010
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 5
65391 Lorch
Website: www.stadt-lorch-rheingau.de
Bürgermeister: Ivo Reßler (parteilos)
Lage der Stadt Lorch im Rheingau-Taunus-Kreis
Lorch (Rheingau)Rüdesheim am RheinGeisenheimOestrich-WinkelKiedrichEltville am RheinWallufSchlangenbadBad SchwalbachHeidenrodAarbergenHohenstein (Untertaunus)TaunussteinHünstettenIdsteinNiedernhausenWaldemsRheinland-PfalzWiesbadenLandkreis Limburg-WeilburgMain-Taunus-KreisHochtaunuskreisLandkreis Groß-GerauKarte
Über dieses Bild

Lorch ist eine Stadt im Rheingau im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Der Ort wird vom Weinbau und Tourismus geprägt. Er gehört zum Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lorch
Blick ins Wispertal
Lorch

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lorch liegt am äußersten Westen des Rheingau-Taunus-Kreises an der Mündung der Wisper in den Rhein und ist die westlichste Gemeinde Hessens. Die Ortschaft befindet sich an den nordwestlichen Ausläufern des Rheingaugebirges, etwa zehn Kilometer nördlich des Rheinbogens am Binger Loch. Rheinaufwärts reicht das Stadtgebiet von der Kernstadt über den Bächergrund und das Bodental mit dem dort in Hanglage angelegten Campingplatz Suleika bis zu den Steilhängen des Teufelskadrich, der das Ende des Taunushauptkamms markiert, bis fast zum Speisbach etwa bei Rheinkilometer 534,5. Rheinabwärts reicht das Stadtgebiet bis zum Niedertal an der Grenze zum rheinland-pfälzischen Kaub bei Rheinkilometer 544, wo als niedrigster Punkt Hessens der Wasserspiegel des Rheins mit 71,1 Meter angegeben ist. Die malerische Lage im Rheintal auf halber Strecke zwischen Rüdesheim am Rhein und Sankt Goarshausen wird geprägt durch eine Ausweitung des ansonsten sehr engen Mittelrheintals mit der unter Naturschutz stehenden Insel Lorcher Werth und der Wispermündung im Zentrum. Der Gemarkungsbereich erstreckt sich in das waldreiche Wispertal entlang der L 3033 zwischen Lorch und der Kreisstadt Bad Schwalbach. Der Steillagenweinbau und ausgedehnte Wälder in tief eingekerbten Tälern prägen das Landschaftsbild um Lorch. Höchste Erhebung ist der Hinterloh nördlich von Espenschied nahe der Landesgrenze mit etwa 465 Metern. Die Stadt ist staatlich anerkannter Erholungsort.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind, im Norden beginnend, rechtsrheinisch Kaub, Sauerthal, Dörscheid (Gemeindewald), Lipporn, Welterod (alle fünf im Rhein-Lahn-Kreis), Oestrich-Winkel, Geisenheim, Rüdesheim am Rhein, und linksrheinisch Trechtingshausen, Niederheimbach, Oberdiebach und Bacharach (alle vier im Landkreis Mainz-Bingen).[2]

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt gehören neben Lorch die Stadtteile Lorchhausen, Espenschied, Ransel, Ranselberg und Wollmerschied.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lorch, 1895; im Vordergrund Niederheimbach mit der Heimburg

Die Gegend war schon früh besiedelt, zunächst von den Kelten, seit der Zeitenwende dann von Ubiern und später Mattiakern. Im 1. Jahrhundert rückten die Römer bis an den Taunus vor. Den Römern folgten die Alemannen und mit der Völkerwanderung die Franken.

Das älteste schriftliche bekannte Zeugnis der Stadt Lorch ist eine Urkunde aus dem Jahre 1085 (Lorecha).[3] Darin beurkundet Erzbischof Wezilo, dass der Mainzer Domkanonikus Embricho dem Domkapitel eine Anzahl Güter geschenkt habe, darunter ein Haus und Weinberge in Lorch.

Seit dem 12. Jahrhundert befand sich bei Lorch das südliche Ende des Rheingauer Gebücks, einer von den Erzbischöfen von Mainz aus Sträuchern angelegten Landwehr (siehe auch Trutzburg Blideneck). Im 13. Jahrhundert wurde in Lorch eine Pfarrei eingerichtet, die im Jahr 1254 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. In den Jahren 1460, 1631, 1794 und in der Endphase des Zweiten Weltkriegs kam es in Lorch zu Kriegshandlungen, die zum Teil erhebliche Zerstörungen verursachten.

Im 19. Jahrhundert kam Lorch zum Königreich Preußen und war Teil der Provinz Hessen-Nassau. Erst im Jahre 1885 wurde Lorch zur Stadt erhoben, obwohl es bereits im 13. Jahrhundert mit Mauern und Türmen befestigt war und damit wichtige Voraussetzungen für die Verleihung des Stadtrechts gegeben waren.

Am 10. Januar 1919 wurde der Freistaat Flaschenhals ausgerufen, eine provisorische Staatsbildung zwischen den alliierten Besatzungszonen. Noch heute erinnern zahlreiche Wappen des „Ministaates“ im Stadtgebiet an diese Zeit.

In Lorch waren während der NS-Diktatur 31 ausländische Zwangsarbeiter („Ostarbeiter“) untergebracht, die zur Arbeit im örtlichen Degussa-Werk gezwungen wurden; im März 1945 wurden für einige Tage bis zu 1.100 Zwangsarbeiter zum Ausheben von Panzergräben eingesetzt.[4]

Anfang der 1960er Jahre hielt die Bundeswehr mit ihrem Flugabwehrregiment 5 Einzug. Für Soldaten und deren Familien entstand die Siedlung Ranselberg. Die im Wispertal gelegene Rheingau-Kaserne war ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt, da viele Einwohner in der Kaserne, der zugehörigen Standortverwaltung, im Munitions-, Geräte- und Sanitätsdepot arbeiteten.

Im Zuge der Bundeswehrreform wurde die Kaserne 1993 geschlossen. Am Standort verblieb das unterirdische Gerätehauptdepot Lorch-Wispertal und das ebenfalls unterirdische Sanitätshauptdepot Lorch-Rheingau. Im November 2003 gab die Bundeswehr bekannt den Standort Lorch komplett aufzugeben. Am 31. Dezember 2007 wurde das Sanitätshauptdepot aufgelöst, die Sanitätskompanie Mitte 2008 und am 31. Dezember 2008 schloss das Gerätehauptdepot.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten am 1. Oktober 1971 die bis dahin selbständige Gemeinde Lorchhausen und die Stadt Lorch auf freiwilliger Basis zur erweiterten Stadt Lorch.[5][6] Am 1. Januar 1977 folgten die Eingemeindungen der Gemeinden Espenschied, Ransel und Wollmerschied kraft Landesgesetz, zugleich wurde der Rheingaukreis, zu dem Lorch gehörte, und der Untertaunuskreis zum Rheingau-Taunus-Kreis zusammengeschlossen.[7] Für alle nach Lorch eingegliederten Gemeinden sowie für die Kernstadt wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[8]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lorch 3806 Einwohner. Darunter waren 338 (8,9 %) Ausländer, von denen 118 aus dem EU-Ausland, 177 aus anderen Europäischen Ländern und 43 aus anderen Staaten kamen.[9] Die Einwohner lebten in 1744 Haushalten. Davon waren 525 Singlehaushalte, 507 Paare ohne Kinder und 532 Paare mit Kindern, sowie 150 Alleinerziehende und 30 Wohngemeinschaften.[10]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1525: 244 Herdstellen (mit Lorchhausen)[3]
• 1700: 154 Bürger und Beisassen (mit Lorchhausen)[3]
Lorch: Einwohnerzahlen von 1820 bis 2015
Jahr  Einwohner
1820
  
1.646
1834
  
1.815
1840
  
1.874
1846
  
1.893
1852
  
1.910
1858
  
1.873
1864
  
1.933
1871
  
1.886
1875
  
1.973
1885
  
2.152
1895
  
2.150
1905
  
2.269
1910
  
2.218
1925
  
2.407
1939
  
2.511
1946
  
2.939
1950
  
3.054
1956
  
2.916
1961
  
2.811
1967
  
3.566
1970
  
3.501
1973
  
4.870
1975
  
4.784
1980
  
4.647
1985
  
4.511
1990
  
4.641
1995
  
4.658
2000
  
4.298
2005
  
4.167
2010
  
3.818
2011
  
3.806
2015
  
4.056
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [3]; Hessisches Statistisches Informationssystem[11]; Zensus 2011[9]
Nach 1970 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1885: 109 evangelische (= 5,05 %), 2039 katholische (= 94,75 %), vier anderes christliche-konfessionelle (= 0,19 %) Einwohner[3]
• 1961: 255 evangelische (= 9,07 %), 2544 katholische (= 90,50 %) Einwohner[3]
• 2011: 570 evangelische (= 15,0 %), 2454 katholische (= 64,5 %), 782 sonstige (= 20,5 %) Einwohner[12]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lorch ist überwiegend katholisch geprägt und hat eine katholische Kirche. Die evangelische Gemeinde versammelt sich seit 1908 in einem Kirchsaal im Wohnhaus Oberweg 4. Andere Religionen sind nur minimal vorhanden.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 14. März 2021 lieferte folgendes Ergebnis,[13] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[14][15][16]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2021
    
Insgesamt 19 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften 2021 2016 2011 2006 2001
% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze
LiLo Liste Lorch 39,8 8
FWG Freie Wählergemeinschaft 23,3 4 28,6 5 22,9 4 21,7 4 14,2 3
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 21,8 4 41,3 8 40,4 8 45,6 9 49,1 11
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 15,1 3 30,1 6 26,2 5 25,2 5 29,2 7
Grüne Bündnis 90/Die Grünen 10,5 2 7,5 1 7,5 2
Gesamt 100,0 19 100,0 19 100,0 19 100,0 19 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 60,7 57,3 54,7 55,0 60,6

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. Juni 2019 wurde mit 51,2 Prozent der Stimmen Ivo Reßler (parteilos) in einer Stichwahl gegen den Amtsinhaber Jürgen Helbing (CDU) zum Bürgermeister gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 63,6 Prozent. Er trat sein Amt am 1. Februar 2020 an.[17][18]

Frühere Bürgermeister
  • 2008 bis 2020  : Jürgen Helbing (CDU)
  • 1990 bis 2008  : Günter Retzmann (SPD)
  • 1984 bis 1990  : Alexander Schneider
  • 1972 bis 1984  : Wolfgang Muno (CDU)
  • 1948 bis 1971  : Karl Hofmann[19]
  • 1946 bis 1948  : Dipl. Ing. Diel
  • 1921 bis 1945  : Edmund Pnischeck (Zentrum)
  • 1913 bis 1921  : Ferdinand Travers
  • 1903 bis 1913  : Dr. Freiherr von Scheibner
  • 1891 bis 1903  : Jakob Schulte
  • 1877 bis 1891  : Friedrich Altenkirch
  • 1868 bis 1877  : Franz Carl Dahlen
  • 1862 bis 1868  : Jakob Germersheimer
  • 1848 bis 1862  : Thomas Travers
  • 1846 bis 1848  : P. Meister
  • 1815 bis 1846  : Thomas Germersheimer
  • 1809 bis 1815  : Lorenz Altenkirch
  • 1781 bis 1809  : J. M. Travers
  • 1768 bis 1779  : Peter Happ
  • 1735 bis 1761  : J. J. Molitor
  • 1733 bis 1734  : Johannes Peter Zipf
  • 1726 bis 1733  : Hilarius Walter
  • 1687 bis 1725  : Johann Gottfried Perabo
  • 1685 bis 1687  : Wilhelm Oliger
  • 1645 bis 1685  : Balthes Schmitt
  • 1640 bis 1645  : Johann Schnocks
  • 1634 bis 1640  : Adam Heil
  • 1631 bis 1634  : Paulus Pistorius
  • 1623 bis 1624  : Johann Rapenecker
  • 1606 bis 1620  : Elias Buschkink
  • 1582 bis 1606  : Jakob Sauth
  • 1574 bis 1582  : Johannes Dreis
  • 1560 bis 1574  : Daniel Kogler
  • 1556  : Johann von Stockheim
  • 1544  : Friedrich von Stockheim
  • 1532  : Friedrich Schlüchterer
  • 1518  : Friedrich von Stockheim
  • 1517  : Diether Hilchen
  • 1507  : Wilhelm Jud
  • 1485  : Johann Hilchen
  • 1477  : Heinrich von Bergen
  • 1476  : Heinrich von Staffel
  • 1468  : Frederich Hilchen
  • 1466  : Heinrich von Staffel
  • 1461  : Frederich Hilchen
  • 1460  : Junker Werner Broich
  • 1458  : Ritter Philip Hilchen
  • 1448  : Ritter Philip Hilchen
  • 1445  : Clais von Scharpenstein
  • 1443  : Ritter Philip Hilchen
  • 1441  : Gerlach von Breitbach
  • 1404  : Johann Saneck von Waldeck
  • 1401  : Friedreich Gawer von Waldeck
  • 1368  : Johann Saneck von Waldeck
  • 1363  : Ritter Johann Herwin
  • 1353  : Jakob von Ebernsheim
  • 1337  : Johann Marschall von Waldeck und Ritter Heinrich von Glimendal
  • 1319  : Johann Marschall von Waldeck
  • 1316  : Hermann Helkin
  • 1298  : Johann von Waldeck
  • 1284  : Hugo Helkin
  • 1254  : Ritter Petrus
  • 1167  : Ritter Hugo

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1973 abgelöste Stadtwappen von Lorch Das 1973 eingeführte Stadtwappen von Lorch

Bis 1973 zeigte das Lorcher Wappen den Mantel teilenden St.Martin mit Bettler vor silbernem Hintergrund im unteren Viertel das Mainzer Rad auf rotem Grund.

1973 wurde es durch ein gemeinsam gestaltetes Wappen des Ortes Lorchhausen und der Stadt Lorch im Zuge des freiwilligen Zusammenschlusses abgelöst und am 28. Februar 1973 vom Hessischen Minister des Innern mit folgender Blasonierung genehmigt:

Schild im Verhältnis 2:1 gespalten: Vorn in Rot zwei silberne Räder übereinander, getrennt durch einen waagerechten goldenen Balken; hinten in Silber ein rotes Schwert.[20]

Im neuen Wappen steht das Schwert für die durchstochene St. Bonifatius-Bibel des ehemaligen Lorchhäuser Wappens, aber auch für den mantelteilenden St. Martin aus dem alten Lorcher Wappen. Das Mainzer Rad symbolisiert die seit Jahrhunderten bestehende Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Mainz, für das Land Hessen stehen die Farben rot und weiß.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften gibt es mit folgenden Städten:

Weinpatenstadt:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Martin, Lorch
Hilchenhaus

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Robert-Struppmann-Museum ist das Kunst- und Heimatmuseum der Stadt. Es beherbergt wertvolle Schnitzereien, Dokumente, Plastiken und sakrale Gegenstände, unter anderem den in Holz geschnitzten Kopf des enthaupteten Johannes des Täufers aus dem 12. Jahrhundert und die thronende Madonna mit Jesuskind und Traube aus dem frühen 14. Jahrhundert. Das Museum ist von Ostern bis Ende Oktober jedes Wochenende nachmittags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Zugleich dient es als Informationszentrum für Touristen und bietet neben kostenlosen Info-Broschüren auch Bücher über Lorcher Geschichte und lokalen Weinbau.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Martin: Über den Resten der teils erhaltenen spätromanischen Basilika im 14. Jahrhundert errichteter gotischer katholischer Kirchenbau mit gotischem Hochaltar (1483) des Hans Bilger von Worms (Zuschreibung umstritten); es handelt sich um den größten erhaltenen monochromen Schnitzaltar der Vor-Riemenschneider-Zeit, der als das wertvollste Kunstwerk im Bistum Limburg gilt.[21]
  • Das Hilchenhaus, Wohnhaus des Rheingauer Geschlechtes der Hilchen von Lorch, aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, ist als „schönster Renaissancebau am Mittelrhein“ bekannt. Wegen eines gescheiterten Hotelbaus, bei dem das Haus zum Teil eingerissen wurde, war es lange Zeit eine Bauruine. Deren Instandsetzung war Anfang 2014 abgeschlossen. Das Hilchenhaus beherbergt nun die Lorcher Touristinformation mit einer Vinothek im 2. Stock, einen Veranstaltungsraum (Rittersaal) im 1. Stock und einen Gastronomiebetrieb im Erdgeschoss.
  • Ruine Nollig, ein Rest der ehemaligen Stadtbefestigung auf einem Felsrücken über der Stadt.
    Ruine Nollig
  • Strunk: Ein alter Befestigungsturm von 1527, der auch als Gefängnis diente. Heute befindet sich darin ein Hochzeitszimmer.
  • Leprosenhaus mit Rundturm: In diesem im Mittelalter noch außerhalb der Stadt liegenden Haus versorgte man die Leprakranken.
  • Hexenturm: Ein Gefängnis, in dem vom Mittelalter bis noch ins 18. Jahrhundert neben Verbrechern auch „Hexen“ einsaßen.
  • Kreuzkapelle: Die im unteren Wispertal gelegene Kapelle ist 1486 erstmals urkundlich erwähnt. Sie ist als letzte von ehemals neun Lorcher Kapellen heute noch erhalten. Der Legende nach verdankt sie ihre Entstehung dem Gelübde eines Ritters aus dem Geschlecht Boos von Waldeck.[22] Die Kapelle wurde am 26. Juli 1677 von Weihbischof Adolph Gottfried Volusius eingeweiht. Nach einer Erweiterung 1738 erhielt sie nach einer Restaurierung 1826 ihre heutige Gestalt. 1897 wurde ein Kreuzweg angelegt.[23] der 1971 zerstört und 1983 von einer neuen Gestaltung durch den Bildhauer Anton Haust (Presberg) ersetzt wurde.[24]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Großveranstaltung Tal total jährlich am letzten Sonntag im Juni. Dabei werden die rechtsrheinische Bundesstraße 42 zwischen Rüdesheim und Koblenz und die linksrheinische Bundesstraße 9 zwischen Bingen und Koblenz von 9 bis 19 Uhr für den Autoverkehr gesperrt und sind frei für Radfahrer und Skater. Die Veranstaltung Tal total ist inzwischen ausgesetzt und soll durch ein neues Veranstaltungsformat ersetzt werden.
  • Hilchenfest jährlich am dritten Wochenende im Juli
  • Lorcher Kulturtage seit 1991 jährlich Ende September/Anfang Oktober; Theater, Konzerte, Ausstellungen.
  • Weihnachtsmarkt jährlich am Samstag vor dem ersten Advent.
  • Rheingau Musik Festival Konzert in St. Martin, meist ein Orgelkonzert im Juli, jährlich seit 1988
  • Tropen Tango in Wollmerschied, am ersten Augustwochenende.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lorch sind der Weinbau und der Tourismus bedeutend. Es bestehen zudem zahlreiche Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe. Aufgrund der Schließungen des Sanitätshauptdepots Lorch-Rheingau sowie des Gerätedepots, gingen etwa 280 zivile Arbeitsplätze verloren. Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände wurde ein Gewerbepark geschaffen, wodurch eine Ansiedlung von zahlreichen Unternehmen realisiert werden konnte. Die Arbeitsplatzverluste konnten bisher durch diese Maßnahmen, teilweise kompensiert werden. Größere Unternehmen vor Ort sind die Schwank Spedition GmbH und der Verpackungshersteller Schlaadt Plastics GmbH.

Im Jahr 2019 bestanden in Lorch am Rhein 784 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.[25]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lorch liegt an der B 42 Koblenz–Wiesbaden und der weitgehend parallel verlaufenden Bahnstrecke. Die Entfernung nach Wiesbaden zum Autobahnanschluss der B 42 an die A 66 Richtung Frankfurt beträgt etwa 40 Kilometer. Eine Anbindung an das Autobahnkreuz Mainz–Anschluss A 61/A 60 Köln/Koblenz/Ludwigshafen besteht über die Wiesbaden-Schiersteiner Rheinbrücke und die Rheinfähren Lorch und Kaub an den Auffahrten Laudert und Rheinböllen (etwa 15 km). Die Stadt ist über die rechte Rheinstrecke dem Rhein-Main-Verkehrsverbund angeschlossen. Zusätzlich gibt es die ORN-Buslinie Wiesbaden-Lorchhausen. Der Rheinsteig, der neue Fernwanderweg von Wiesbaden nach Bonn über die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz führt über die Rheinhöhe von Lorch.

Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Rheinsteig, der rechtsrheinische Wanderweg von Wiesbaden nach Bonn, läuft auf der Rheinhöhe.
  • Der im Jahr 2000 eingerichtete Rheingauer Gebück-Wanderweg hat in Lorch seinen Endpunkt.
  • Der Wispertalsteig ist ein 15 km langer Premium – Rundweg zwischen dem Luftkurort Espenschied (Lorch) und der Wisper. Der Weg gehört - wie auch die nachfolgend genannten sechs Wanderwege - zu den neuen Wispertrails-Wanderwegen.
  • Der Wispertaunussteig beginnt am Rheinufer-Parkplatz und führt von dort in einer ersten Tagesetappe durch den Wisper-Taunus nach Espenschied (22 km) von dort geht die zweite Etappe weiter nach Kemel (21,2 km) zum Quellgebiet der Wisper.
  • Der 9,5 km lange Rundwanderweg In-Vino-Veritas beginnt ebenfalls am Rheinufer-Parkplatz und führt durch romantische Weinbergslandschaft und Waldpassagen in der Übergangszone von Wisper- und Rheintal.
  • Der 9,3 km lange sehr beliebte Rundwanderweg Rhein-Wisper-Glück mit Ausblicken beginnt eigentlich in Lorchhausen, da es hier aber keine ausreichenden Parkmöglichkeiten gibt, sollte man, falls man nicht mit dem Zug anreist, sein Auto am Lorcher Rheinufer-Parkplatz abstellen und von dort der Ausschilderung folgen.
  • Der 10,6 km lange Rundweg Ranseler-Höhenrausch führt um die Ranseler Feldgemarkung durch zwei Seitentäler der Wisper, das Dolsit- und das Ranselbachtal.
  • Um Wollmerschied verläuft der 7,9 km lange Rundwanderweg Wollmerschieder-Grenzweg, er führt, unter anderem, entlang der historischen Grenze von Kurmainz, die auch heute noch als Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinlandpfalz besteht.
  • 8 weitere Lorcher Rundwanderwege mit einer Streckenlänge von 4,2 km bis 18,2 km sind um Lorch und Lorchhausen herum ausgeschildert eine kostenlose Faltkarte dazu gibt es in der Tourist Info
  • Ein informativer Geologische Rundwanderweg mit einer Streckenlänge von 1,2 km beginnt am Lorcher Friedhof.

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weinbau in Lorch wird innerhalb des Weinanbaugebietes Rheingau unter der Großlage Burgweg geführt. Die Einzellagen reihen sich von Lorchhausen Richtung Assmannshausen rheinaufwärts wie folgt aneinander:[26]

  • Schlossberg (53 Hektar) diese Lage erstreckt sich von der Gemarkungsgrenze Lorch - Lorchhausen über die Wispermündung bis zur Bobebdeller Kadrich und beinhaltet folgende Flurstücke mit den alten Lagenbezeichnungen: Niederflur, Hegeberg, Im Kirchspiel, Über der Bach, Nollig, Bocksberg, Wispergrund, Bettelpfad, Hohl, Weiselberg, Hirtenfloß, Nackarsch, Leinenfeld, Bockedell, Zimmerslay, Lehren, Kapellen, Eisersgrub, Wetzgeslay, Kohlfeld, Bobendell, Kübel.
  • Kapellenberg (58 Hektar) diese Lage erstreckt sich von der Bobendeller Kadrich bis zum Bächergrund und beinhaltet folgende Flurstücke mit den alten Lagenbezeichnungen: Kopfstück, Spelzgrub, Sesselberg, Kohlfeld, Sand, Bremchen, Motzepfad, Geiterstal, Mantelsweg, Hospöhl, Kantelweg, Becherech,Hamborn, Mantel.
  • Krone (13 Hektar) diese Lage erstreckt sich vom Bächergrund bis zur Hostkadrich und beinhaltet folgende Flurstücke den alten Lagenbezeichnungen: Krone, Sonneberg, Geisberg, Schandpahl.
  • Pfaffenwies (35 Hektar) diese Lage erstreckt sich von der Hostkadrich bis zur Bodengruber Kadrich und beinhaltet folgende Flurstücke mit den alten Lagenbezeichnungen: Angstfels, Heiligland, Röder, Pfaffenwies,
  • Bodental-Steinberg (23 Hektar)diese Lage erstreckt sich von der Bodengruber Kadrich über das Bodental bis zur Gemarkungsgrenze ca. 150 m vor der Speisbachmündung und beinhaltet folgende Flurstücke mit den alten Lagenbezeichnungen: Bodegrund (Bodegrub), Untere Lehn, Obere Lehn, Steinberg, Bodental, Auf der Platt, Unterer Presenteberg, Presenteberg, Oberer Presenteberg, Unterer Mickeberg, Oberer Mickeberg, Vollmer, Honigberg, Pannestiel.

Als Rebsorte dominiert der Riesling, aber auch der Spätburgunder hat einen immer größeren Anteil. Aus den Weinen werden auch Edelbrände und Sekt produziert.

Die Reben wachsen in Steillagen, auf steinigen, wärmespeichernden schiefer- und quarzithaltigen Böden. Die große Wasserfläche des Rheins trägt dabei zum Temperaturausgleich bei und wirkt gleichzeitig als Reflektor, der das Sonnenlicht auf die Weinberge lenkt und damit verstärkt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wisperschule (Grundschule)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Adelsgeschlechter der Stadt nannten sich „von Lorch“. Ihr bedeutendster Vertreter war Johann (III.) Hilchen von Lorch (1484–1548), Ritter und kaiserlicher Feldmarschall.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lorch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Lorch am Rhein – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerung in Hessen am 31.12.2020 nach Gemeinden (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Topographische Karte 1:25.000
  3. a b c d e f Lorch, Rheingau-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Lorch, Zwangsarbeitslager im Zehnthof des Hilchenhauses. Topografie des Nationalsozialismus in Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 17. September 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 39, S. 1603, Punkt 1320; Abs. 4. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 9,2 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 375.
  7. Gesetz zur Neugliederung des Rheingaukreises und des Untertaunuskreises (GVBl. II 330-30) vom 26. Juni 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 312, § 12 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  8. Hauptsatzung. (PDF; 309 kB) § 9. In: Webauftritt. Stadt Lorch, abgerufen im Dezember 2020.
  9. a b Bevölkerung nach Staatsangehörigkeitsgruppen: Stadt Lorch. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Dezember 2020.
  10. Haushalte nach Familien: Stadt Lorch. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Dezember 2020.
  11. Hessisches Statistisches Informationssystem In: Statistik.Hessen.
  12. Religionszugehörigkeit: Stadt Lorch. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Dezember 2020.
  13. Ergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2021.
  14. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  15. Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Original; abgerufen im April 2011.
  16. Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Original; abgerufen im April 2006.
  17. Direktwahlen in Lorch, Stadt. In: Statistik Hessen. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im Januar 2020.
  18. Jahrbuch 2020 des Rheingau-Taunus-Kreises, S. 222: Lorch. Ivo Reßler schafft die Sensation. Unabhängiger gewinnt die Bürgermeisterwahl / Kitas bleiben in der Diskussion.
  19. Lorcher Rundwanderweg Nr. 2 mit Foto vom Gedenkstein an Karl Hofmann: † 10. Oktober 1971
  20. Genehmigung eines Wappens der Stadt Lorch, Rheingaukreis vom 28. Februar 1973. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1973 Nr. 12, S. 541, Punkt 401 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,1 MB]).
  21. Stadt Lorch über die Pfarrkirche St. Martin
  22. Legende um die Kreuzkapelle Lorch (PDF-Datei; 17 kB)
  23. Pfarrer Albert Zell: Die Geschichte der Pfarrei St. Martin Lorch am Rhein 1806–1906. S. 67. Auszug aus der Chronik der Lorcher Ehrengarde
  24. Sehenswürdigkeiten in Lorch. In: www.rheingau-taunus.de
  25. Gemeindedatenblatt: Lorch. (PDF; 212 kB) In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH, abgerufen im Dezember 2020.
  26. Lorcher Weinlagen In: www.rheingau.com. Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH, abgerufen im Februar 2021.
  27. Grabmäler im Kloster Eberbach, Yvonne Monses, 2009, Freundeskreis Kloster Eberbach e.V., ISBN 978-3-00-027060-4, Seite 18–19.
  28. Hessenschau.de abgerufen am 24. Mai 2017.
  29. 125 Jahre Kolpingfamilie Lorch am Rhein, Festschrift der Kolpingfamilie Lorch, Autor Pfarrer i.R. Albert Zell.
  30.  Info: Bitte auf Vorlage:HessBib umstellen, um auch nach 2015 erfasste Literatur zu selektieren!