Lorenz Breunig

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15+5 Pf-Sondermarke der DDR-Post (1960) mit Lorenz Breunig
Gedenktafel am Haus Miltenberger Weg 9 in Berlin-Pankow

Lorenz Breunig (* 11. August 1882 in Weilbach; † 15. Februar 1945 im KZ Sachsenhausen) war ein Verfolgter unter dem Regime der Nationalsozialisten. Als USPD/SPD-Abgeordneter im Reichstag und Gewerkschafter galt er als Feind der NSDAP.

Leben[Bearbeiten]

Die Wurzeln des Widerstandskämpfers befinden sich in Weilbach (Bayern). 1882 erblickte er im Haus Nr. 73, in der jetzigen Brunnengasse - im Weilbacher Sprachgebrauch „Rummelse-Gasse“-, als Sohn von Wendelin Breunig (1854–1924) und seiner Frau Maria, geborene Rippberger (1860–1900), das Licht der Welt.

Über die Kindheit und Schulzeit Lorenz Breunigs ist so gut wie nichts bekannt, auch nichts über die Hintergründe des Umzugs der Familie ins badische Aglasterhausen. Breunig hat nach der Schule von 1895 bis 1899 eine Lehre als Dreher absolviert und etwa bis 1917 den Beruf in verschiedenen Gegenden Deutschlands, in Österreich und auch in der Schweiz ausgeübt. Unterbrochen wurde die Tätigkeit durch die Einberufung zum Militär während des Ersten Weltkriegs. 1905 heiratete Breunig die aus Mannheim stammende Anna Theresia Schmider. Sechs Kinder gingen aus der Ehe hervor. Die Tochter Franziska wurde 1909 in Weilbach geboren.

1917 kam Breunig als Angestellter zur preußischen Staatseisenbahn nach Frankfurt am Main. Dort knüpfte er vermutlich die ersten Kontakte zur Gewerkschaft. Er zog 1919 nach Berlin um und war dort als Sekretär im Hauptvorstand des „Deutschen Eisenbahnverbandes“ tätig. Von 1920 bis 1924 gehörte der gebürtige Weilbacher dem Reichstag an. Gewählt wurde er über die Liste der USPD, 1922 wechselte er zur SPD über und widmete sich 1924 an exponierter Stelle ausschließlich der Gewerkschaftsarbeit.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ wurde Breunig im Mai 1933 als Sekretär im Hauptvorstand des Deutschen Eisenbahnerverbands entlassen.[1] Gegen Breunig, der dann als Gelegenheitsarbeiter eine Beschäftigung fand, wurde im September 1937 ein Ermittlungsverfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat eingeleitet. Einem Schreiben des Generalstaatsanwaltes beim Landgericht in Berlin zufolge traf sich Breunig mit anderen ehemaligen SPD-Mitgliedern privat, wobei „Moskauer Sender“ gehört und „Hetzschriften“ ausgetauscht würden. Breunig unterhielt Verbindungen zum Internationalen Transportarbeiterverband (ITF) in Brüssel; im Frühjahr 1939 wurde er bei der Rückreise von Brüssel in Aachen vorübergehend festgenommen und verhört.

Am 1. September 1939, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde er im Zuge der Kriegs-Sonderaktion zusammen mit 73 weiteren ehemaligen Gewerkschaftsfunktionären verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, in das er nach kurzen Zwischenaufenthalten in den Gefängnissen Plötzensee und Moabit wieder zurückkam. Wegen einer schweren Asthmaerkrankung war Breunig lange im Krankenbau inhaftiert. Zusammen mit über 3900 anderen Häftlingen, darunter mehr als 700 aus dem Krankenbau, wurde Lorenz Breunig im Industriehof des KZ Sachsenhausen am 15. Februar 1945 vergast.[2]

Gedenken[Bearbeiten]

Gedenktafeln am Reichstag

Seit 1992 erinnert in Berlin in der Nähe des Reichstags eine der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete an Breunig. In Berlin-Pankow befindet sich eine weitere Gedenktafel im Miltenberger Weg. Vor dem Haus im Miltenberger Weg erinnert seit dem 27. April 2012 auch ein von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft initiierter Stolperstein an Breunig. Der SPD-Ortsverein Weilbach-Weckbach weihte am 11. Juni 2005 einen Gedenkstein für Lorenz Breunig ein. Zudem benannte die Marktgemeinde eine Straße nach ihm.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933–1945. Droste-Verlag, Düsseldorf 1991, ISBN 3-7700-5162-9, S. 156.
  2. Dauerausstellung in der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Krankenrevierbaracken

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.): Sozialist, Gewerkschafter, Widerstandskämpfer. Zur Erinnerung an Lorenz Breunig. Oranienburg 2007.
  • Katharina Lübbe und Martin Schumacher: MdR, die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus – politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933–1945; eine biographische Dokumentation. (Veröffentlichung der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der Politischen Parteien) Düsseldorf 1991.