Lorenz Fries (Mediziner)

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Lorenz Fries, auch Lorenz Phryes genannt, latinisiert Laurentius Phrisius (* um 1490; † 1531/32 in Metz[1][2]) war ein deutscher Arzt, Astrologe und Geograph, dessen Lebensmittelpunkt im Elsass lag. Sein bekanntestes Werk ist der „Spiegel der Arznei“ (acht Auflagen 1518–1557).

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lorenz Fries. Autorenbild 1523.

Geburtsdatum und Geburtsort des Lorenz Fries sind nicht sicher zu bestimmen. Als mögliche Geburtsdaten wurden diskutiert: „um 1485“, 10. August 1489 oder „nach 1490“.[3] Als mögliche Geburtsorte wurden angegeben: Mülhausen oder Colmar, Metz, Schwaben (Markgröningen).[4] Sudhoff (1904) und Öhlschlägel (1985) vermuteten, Fries habe in Padua, Piacenca, Montpellier und Wien, wo er wahrscheinlich sein Studium abschloss, studiert. Belege dafür gibt es nicht.

Fries Name erschien erstmals gesichert 1513 auf einem Nürnberger Einblattdruck.[5][6] Ende 1518 wohnte er im Colmarer Augustinerkloster.[7] In Colmar war er wahrscheinlich als praktischer Arzt tätig.[8] Auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe 1518 des „Spiegel der Arznei“ nannte er sich „von Colmar / der Philosophy vnd Artzney Doctor“. Er widmete diese Arbeit Johann Dingler, dem Schlettstädter Zunftmeister der Fischer.

Im März 1519 zog Fries nach Straßburg. Im Juli desselben Jahres folgte er einem Ruf nach Freiburg im Üechtland, wo er für 8 Monate das Amt des Stadtarztes bekleidete und wo ihm Agrippa von Nettesheim begegnete. Mitte des Jahres 1520 kehrte er nach Straßburg zurück und heiratete Barbara Thun, die Tochter des verstorbenen Straßburger Glasermeisters Ambrosius Thun. Damit wurde Fries Bürger von Straßburg und Mitglied der Zunft „Zur Steltz“ (Goldschmiede und Drucker). Im Mai 1525 gab Fries sein Straßburger Bürgerrecht auf und verließ die Stadt.

Bis zum Winter 1528 hielt er sich in Trier auf, wo er als Arzt tätig war. Am 28. Februar 1528 schrieb der aus Basel geflüchtete Paracelsus an Bonifacius Amerbach: „Phrusius de Colmaria optime valet, sumque optimus familiae et totam civitatem“. („Fries von Colmar befindet sich aufs beste, und ich bin aufs beste aufgenommen in seiner Familie und in der ganzen Stadt.“)[9] Im Juli 1528 schrieb Fries eine „Prognostication“ für das Jahr 1529 in Diedenhofen. In Metz erstellte er im Oktober 1528 eine französischsprachige „Prognostication“ für das Jahr 1529 und am 14. November 1528 ein Geburtshoroskop für seinen Freund Nicolas de Heu (1494–1547), den Bürgermeister von Metz. In der im Jahre 1532 bei Balthasar Beck in Straßburg gedruckten Ausgabe des „Spiegel der Arznei“ wurde ein Vorwort von Lorenz Fries abgedruckt, das dieser am 23. Juli 1530 in Metz verfasst hatte. Darin vermerkte er beiläufig: „… Laßt mich Gott ein kurtze zeyt leben …“ Ein weiteres Vorwort in derselben Ausgabe war am 14. Mai 1532 durch Otto Brunfels verfasst worden. Darin hieß es: „ … derhalb dann der Author dißes bůchs der hochberümpt doctor Laurentius Fries vor seinem todt verursacht ist / solchs zů corrigieren …“. Aus diesen Aussagen wurde geschlossen, dass Fries zwischen Juli 1530 und Mai 1532 gestorben ist.[10][11]

Eine „lang geübte Früntschafft“ verband Fries mit dem Straßburger Drucker und Verleger Johannes Grüninger, der den Großteil seiner Werke publizierte.[12]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traktat der Wildbäder Natur. Titelblatt. Johannes Grüninger, Straßburg 1519. Bildgröße: 9,8 cm × 8,7 cm.
Prognostication auf das Jahr 1530. Titelblatt. Hans Knobloch, Straßburg 1529. Bildgr.: 9,8 × 12,1 cm.
Vorwort von „Uslegung der Mercarthen“ (1525), in dem Fries die Freundschaft mit Grüninger betont
  • Wundergeburt zu Rom vom 7. März 1513. Einblattdruck. Johann Weissenburger, Nürnberg 1513[13]
  • Spiegel der Arznei. Gedruckt bei Johannes Grüninger in Straßburg. 1. Auflage 1518[14], 2. Auflage 1519 und 3. Aufl. 17. März 1529[15].
1529 ließ der Verleger Balthasar Beck in Straßburg den „Spiegel“ durch Otto Brunfels bearbeiten. Drei Auflagen dieser Fassung wurden gedruckt: 18. August 1529[16], 1532[17] und 1546[18].
1542 straffte Johann Dryander den Friesschen „Spiegel“, hängte einen kurzen Anatomieteil an und veröffentlichte ihn unter dem Titel „Der ganzen Arznei gemeiner Inhalt“ beim Verleger Christian Egenolph in Frankfurt[19]. 1547 hängte Dryander noch einen Abschnitt über Chirurgie an. Dazu bediente er sich der deutschen Übersetzung der „Kleinen Wundarznei Lanfranks“, die 1528 von Otto Brunfels besorgt und von Christian Egenolph gedruckt worden war. In dieser Form erschienen noch zwei Auflagen des Spiegels: 1547 und 1557[20].
Die Bibliothek des Zürcher Medizinhistorischen Instituts besitzt 2 Doppelfolianten, in denen seit dem 16. Jh. der „Spiegel der Arznei“ mit dem „Kreuterbuch“ des Eucharius Rösslin zusammengebunden ist:
1. Doppelfoliant: „Spiegel der Arznei“ 1532 und „Kreuterbuch“ 1533.
2. Doppelfoliant: „Spiegel der Arznei“ 1546 und „Kreuterbuch“ 1550.
  • Traktat der Wildbäder Natur. Joh. Grüninger, Straßburg 24. Juli 1519[21]; Bartholomäus Grüninger, Straßburg 1538[22].
  • Synonyma und gerecht ußlegung der wörter so man in der artzny, allen Krütern, Wurtzlen, Bluomen, Somen, Gesteinen, Safften und anderen Dingen zuo schreiben ist [...]. [23]; Barth. Grüninger, Straßburg 1535[24]
Synonymenregister der einfachen Arzneimittel in Latein, Hebräisch, Griechisch, Arabisch und Deutsch auf der Grundlage des Mainzer Gart der Gesundheit vom Jahre 1485 und des Kleinen Destillierbuchs.
  • Kurze Schirmred der Kunst der Astrologiae. Joh. Grüninger, Straßburg 28. November 1520[25]
  • Claudii Ptolemaei / Alexandrini Mathematicor. principis. Opus Geographie. Joh. Grüninger, Straßburg 12. März 1522[26], 30. März 1525.
  • Auslegung und Gebrauch des Astrolabs. Joh. Grüninger, Straßburg 23. Juni 1522. – Expositio et usus astrolabii. Joh. Grüninger, Straßburg 7. September 1522.
  • Prognostikationen: 1523, 1524, 1525 (Judenpractica), 1526, 1529[27], 1530, 1531
  • Ars memorativa. Joh. Grüninger, Straßburg 7. März 1523. – Ein kurzzer Bericht wie man die Gedechtnisz [...] stercken mag. Joh. Grüninger, Straßburg 12. März 1523.[28]
  • Wie man alte Schäden mit dem Holz Guaiaco heilen soll. Joh. Grüninger, Straßburg 7. Januar 1525; Johann Prüss, Straßburg 1530 und 1539.
    • Niederländische Übersetzung: Een grondelike bestendighe heylsame cure der grousamigher Pocken. Symon Cock, Antwerpen 1548 und Peter Warnerson, Kampen 1566.
Die Ausgaben 1525 und 1530 sind anonym. Erst die Ausgabe 1539 nennt Fries als Autor. Karl Sudhoff (1904, S. 771) nahm an, dass Fries alle diese Syphilisschriften verfasste – der Arzt, Bibliothekar und Medizinhistoriker Ernest Wickersheimer (1880–1965) bezweifelte die Friessche Autorenschaft für alle Ausgaben.[29]
  • Auslegung der Meerkarten (von Martin Waldseemüller). Joh. Grüninger, Straßburg 2. März 1525, 3. Juni 1527[30], Carta Marina Navigatoria 22. April 1530[31].
Fries prägte um 1525 wahrscheinlich als erster den deutschen Begriff „Karte“.
  • Zusammen mit Johannes Nidepontanus (Metz): Sudor anglicus. Joh. Knobloch d. J., Straßburg 1529.
Fries berichtete u. a. von einer Epidemie in Freiburg im Üechtland im Jahre 1519, die er als Ausbruch des Sudor anglicus deutete.
  • Defensio medicorum Principis Avicennae ad Germaniae medicos. Johann Knobloch. d. J., Straßburg 24. August 1530[32]
  • Epitome opusculi de curandis pusculis. Henricus Petrus, Basel 1532[33]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Baader. Medizinisches Reformdenken und Arabismus im Deutschland des 16. Jahrhunderts. … Lorenz Fries, der Verteidiger des Arabismus. In: Sudhoffs Archiv, Band 63, Heft 3 (1979), S. 287–289.
  • Karl Baas. Studien zur Geschichte des mittelalterlichen Medizinalwesens in Colmar. In: Ztschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins. 61 (Neue Folge 22) (1907), S. 217–246. hier: S. 230–234.
  • Josef Benzing. Bibliographie der Schriften des Colmarer Arztes Lorenz Fries. In: Philobiblon N. F. 6 (1962), S. 120–140.
  • Jean Michel Friedrich. Laurent Fries, médecin, astrologue et géographe de la Renaissance à Colmar, Strasbourg et Metz. Diss. med. Strasbourg 1980.
  • Karl Bittel.
    • Lorenz Fries und andere Elsässer Ärzte um 1500. In: Straßburger Monatshefte 7 (1943), S. 467–472.
    • Die Elsässer Zeit des Paracelsus, Hohenheims Wirken in Straßburg und Kolmar, sowie seine Beziehungen zu Lorenz Fries. In: Elsaß-Lothringisches Jahrbuch 21 (1943), S. 157–186.
  • Werner E. Gerabek: Fries [Friesz, Frisius, Frise, Phries, Phryes, Phrisius], Lorenz. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 441.
  • Rudolf Christian Ludwig Öhlschlegel. Studien zu Lorenz Fries und seinem „Spiegel der Arznei“. Diss. med. Tübingen 1985.
  • Charles Schmidt. Laurent Fries de Colmar, médecin, astrologue, géographe à Strasbourg et à Metz. In: Annales de l’est. Revue trimestrielle publiée sous la direction de la Faculté des Lettres de Nancy. 4 (1890), S. 523–575 (Digitalisat).
  • Karl Sudhoff: Ein Kapitel aus der Geschichte der Setzerwillkür im XVI. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Bücherfreunde 6 (1902/03), S. 79–81, und in: Sudhoffs Archiv 21 (1929), S. 117–120.
  • Karl Sudhoff: Fries, Lorenz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 49, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 770–775.
  • Ernest Wickersheimer: Deux régimes de santé: Laurent Fries et Simon Reichwein à Robert de Monreal,[34] abbé d'Echternach de 1506 à 1539. In: Hémecht. Zeitschrift für Luxemburger Geschichte. Revue d'histoire luxembourgeoise. 10/1 (1957), S. 59–71. (Separatdruck: Saint-Paul, Luxemburg 1957)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilfried Kettler: Untersuchungen zur frühneuhochdeutschen Lexikographie in der Schweiz und im Elsass. Strukturen, Typen, Quellen und Wirkungen von Wörterbüchern am Beginn der Neuzeit. Peter Lang, Bern/Berlin/Brüssel/Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-03911-430-6, S. 384.
  2. Werner E. Gerabek: Fries [...], Lorenz. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 441.
  3. Baas 1907. - Öhlschlegel 1985, 21-22. - Sudhoff 1904.
  4. Sudhoff 1904. - Baas 1907. - Bittel 1943. - Friedrich 1980, 11-12.
  5. Wundergeburt zu Rom vom 7. März 1513. Einblattdruck. Johann Weissenburger, Nürnberg 1513 (Digitalisat).
  6. Eugen Holländer (1867–1932): Wunder, Wundergeburt und Wundergestalt in Einblattdrucken des XV. bis XVIII. Jahrhunderts. Kulturhistorische Studie. Stuttgart 1921, S. 312. – Jean Michel Friedrich (1980), S. 255–257 (u. a. Abbildung des Blattes).
  7. Brief des Magistrats von Straßburg an den von Colmar (18. April 1525). – Charles Schmidt (1890), S. 528.
  8. Werner E. Gerabek: Fries [...]. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 441.
  9. Theophrast von Hohenheim. Sämtliche Werke. Herausgegeben von Karl Sudhoff. Barth, München 1922, I. Abteilung, 6. Band, S. 33–35.
  10. Jean Michel Friedrich: Laurent Fries, médecin, astrologue et géographe à Colmar, Strasbourg et Metz. Straßburg 1980, S. 9–27.
  11. Rudolf Öhlschlegel: Studien zu Lorenz Fries und seinem Spiegel der Arznei. Tübingen 1985, S. 21–49.
  12. Zitat von Fries aus dem Vorwort in Uslegung der Mercarthen (1527).
  13. Wundergeburt zu Rom vom 7. März 1513. Einblattdruck. Johann Weissenburger, Nürnberg 1513 (Digitalisat)
  14. Spiegel der Arznei. Gedruckt bei Johannes Grüninger in Straßburg. 1. Auflage 1518 (Digitalisat)
  15. 3. Aufl. 17. März 1529 (Digitalisat)
  16. Spiegel der Arznei, Beck, Straßburg 18. August 1529 (Digitalisat)
  17. Spiegel der Arznei, Beck, Straßburg 1532 (Digitalisat)
  18. Spiegel der Arznei, Beck, Straßburg 1546 (Digitalisat)
  19. Johann Dryander 1542 (Digitalisat)
  20. Mit dem Anhang der „Kleinen Wundarznei Lanfranks“. 1547 und 1557 (Digitalisat)
  21. Traktat der Wildbäder Natur. Joh. Grüninger, Straßburg 24. Juli 1519 (Digitalisat)
  22. Traktat der Wildbäder Natur. Bartholomäus Grüninger, Straßburg 1538 (Digitalisat)
  23. Synonyma und gerecht ußlegung ... Joh. Grüninger, Straßburg 29. Nov. 1519 (Digitalisat)
  24. Synonyma und gerecht ußlegung ... Barth. Grüninger, Straßburg 1535 (Digitalisat)
  25. Kurze Schirmred der Kunst der Astrologiae. Joh. Grüninger, Straßburg 28. November 1520 (Digitalisat)
  26. Claudii Ptolemaei / Alexandrini Mathematicor. principis. Opus Geographie. Joh. Grüninger, Straßburg 12. März 1522 (Digitalisat)
  27. Prognostication 1529 (Digitalisat)
  28. Ein kurzer Bericht wie man das Gedächtnis stärken mag. Joh. Grüninger, Straßburg 12. März 1523 (Digitalisat)
  29. Ernest Wickersheimer. Le Guaiac à Strasbourg au XVIe Siècle. In: Analecta Medico-Historica. I. Materia Medica in the XVIth Century. Proceedings of the Symposium of the International Academy of the History of Medicine held at the University of Basel, 7. September 1964. Hrsg. von M. Florkin. Oxford 1966, S. 55–66.
  30. Auslegung der Meerkarten (von Martin Waldseemüller). Joh. Grüninger, Straßburg 2. März 1525, 3. Juni 1527 (Digitalisat)
  31. Carta Marina Navigatoria 22. April 1530 (Digitalisat)
  32. Defensio medicorum Principis Avicennae ad Germaniae medicos. Johann Knobloch. d. J., Straßburg 24. August 1530 (Digitalisat)
  33. Epitome opusculi de curandis pusculis. Henricus Petrus, Basel 1532 (Digitalisat)
  34. Robert (Ruprecht) von Monreal († 1539), Sohn von Karl d. Ä. von Monreal († um 1507) und ∞ um 1471 Maria von Malberg († um 1503), 1495 Präbende (Pfründe) und Aufnahme in der Abtei Echternach, 1506 bis 1539 Abt von Echternach.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lorenz Fries (Arzt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien