Lothar Perlitt

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Lothar Perlitt (* 2. Mai 1930 in Berlin; † 25. Oktober 2012 in Göttingen) war ein deutscher lutherischer Theologe.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1960 heiratete er Freda Gräfin Finck von Finckenstein (1925–2013[1]), mit der er zwei Kinder hatte. Lothar Perlitt wurde im Jahr 1962 mit einer forschungsgeschichtlichen Arbeit über Wilhelm Vatke und Julius Wellhausen zum Doktor der Evangelischen Theologie promoviert und war einige Jahre an der Kirchlichen Hochschule in Berlin tätig.

Im Jahr 1969 habilitierte er sich an der Universität Heidelberg mit der Arbeit Bundestheologie im Alten Testament. Von 1975 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1995 hatte Perlitt eine Professur für Altes Testament an der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen inne. In seiner Zeit in Göttingen fand ein bis heute nicht geklärter Anschlag auf sein Dienstzimmer an der Universität statt, bei dem zahlreiche Stiche der großer Alttestamentler im Zimmer zerstört wurden.[2]

Im Jahre 1980 übernahm er für 20 Jahre das Amt eines Abtes des Klosters Bursfelde, bis im Jahre 2000 Joachim Ringleben seine Nachfolge antrat. 1982 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[3]

Neben forschungsgeschichtlichen Interessen[4] bildet das Deuteronomium den Schwerpunkt von Perlitts exegetischer Arbeit. Darüber hinaus hat er die Propheten Nahum, Habakuk und Zephanja für die Reihe „Altes Testament Deutsch“ neu kommentiert. Abgesehen von Facharbeiten im engeren Sinne ist Perlitt an Fragen im Umkreis von Religion und Literatur interessiert, vor allem am Werk von Gottfried Benn, zu dem er sich auch in kleineren Beiträgen geäußert hat.[5]

Er war lange Jahre Mitherausgeber der Kommentarreihe „Altes Testament Deutsch“ sowie der Rezensionszeitschrift Theologische Rundschau. Perlitt war Ehrendoktor der Universität Helsinki.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

a) eigene Arbeiten

  • Vatke und Wellhausen. Geschichtsphilosophische Voraussetzungen und historiographische Motive für die Darstellung der Religion und Geschichte Israels durch Wilhelm Vatke und Julius Wellhausen, Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft 94, Berlin 1965.
  • Bundestheologie im Alten Testament, Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1969, Reihe: Wissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament, Band 36, zugleich Habilitationsschrift Universität Heidelberg, ISBN 3-7887-0002-5.
  • Der Vater im Alten Testament, in: „Das Vaterbild in Mythos und Geschichte: Ägypten, Griechenland, Altes Testament, Neues Testament“, hrsg. von Hubertus Tellenbach, Kohlhammer Verlag, Mainz 1976, S. 50-101, ISBN 3-17-002645-3.
  • Deuteronomium-Studien, FAT 8, Tübingen 1994.
  • Allein mit dem Wort. Theologische Studien. Zum 65. Geburtstag hrsg. von H. Spieckermann, Göttingen 1995.
  • Deuteronomium, BK V, 6 Lieferungen, Neukirchen-Vluyn 1990–2011. (unabgeschlossen)
  • Luthers Deuteronomium-Auslegung, in: Chr. Bultmann (u. a.) (Hrsg.), Vergegenwärtigung des Alten Testaments. Beiträge zur biblischen Hermeneutik. Festschrift für R. Smend zum 70. Geburtstag, Göttingen 2002, 211-225.
  • Händels Saul: Text und Quelle, in: U. Konrad (u. a.) (Hrsg.), Musikalische Quellen - Quellen zur Musikgeschichte. Festschrift für M. Staehelin zum 65. Geburtstag, Göttingen 2002, 287-298.
  • Die Propheten Nahum, Habakuk, Zephanja, ATD 25,1, Göttingen 2004.

b) als Herausgeber

  • (gemeinsam mit J. Jeremias) Die Botschaft und die Boten. Festschrift für H. W. Wolff zum 70. Geburtstag, Neukirchen-Vluyn 1981.
  • 900 Jahre Kloster Bursfelde. Reden und Vorträge zum Jubiläum 1993, Göttingen 1994.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Bürgel, Jürgen Jeziorowski, Rolf Koppe (Hrsg.): Wer ist wo in der evangelischen Kirche? Personen und Funktionen. EKD, Hannover 1989, ISBN 3-7859-0576-9.
  • Reinhard Gregor Kratz, Hermann Spieckermann (Hrsg.): Liebe und Gebot. Studien zum Deuteronomium. Festschrift für Lothar Perlitt zum 70. Geburtstag. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-53874-X (Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments; 190).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Traueranzeige Freda Perlitt, Göttinger Tageblatt, 8. Februar 2013, abgerufen am 7. Juli 2014.
  2. "Ins Mark getroffen hat ihn ein bis heute nicht aufgeklärter Anschlag auf sein Dienstzimmer an der Göttinger Universität, bei dem sämtliche Stiche der großen Alttestamentler an den Wänden zerstört wurden", in: Heike Schmoll: Lothar Perlitt gestorben, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 1. November 2012, Seite 4
  3. Smend, R.: Nachruf auf Lothar Perlitt. In: Jahrbuch der Göttinger Akademie der Wissenschaften. Nr. 2013.1, 2014, S. 193.
  4. Vgl. dazu außer der Dissertation und dem in der Bibliographie genannten Aufsatz über Luthers Deuteronomium-Auslegung den Beitrag: Heinrich Ewald: Der Gelehrte in der Politik, in: Allein mit dem Wort, 263-312.
  5. Vgl. dazu die Aufsätze: Verborgener und offenbarer Gott. Gottfried Benn vor der Gottesfrage, in: Allein mit dem Wort, 315-332; und Die Urgeschichte im Werk Gottfried Benns, a.a.O., 333-360.