Lothar Persius

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Karl Ludwig Lothar Persius (* 19. April 1864 in Kyritz; † 31. August 1944 in Ascona) war ein deutscher Marineoffizier. Als Kritiker der Flottenpolitik Alfred von Tirpitz’ schied er 1908 aus dem aktiven Dienst aus und wurde als Journalist und Autor tätig. Er galt als Experte für Flottenfragen und entwickelte sich zum Pazifisten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Juristen Paul Persius besuchte in Potsdam das Victoria-Gymnasium, das er 1882 verließ, um 1883 als Seekadett in die Kaiserliche Marine einzutreten. Er erhielt seine Ausbildung auf dem Schulschiff Niobe und nahm von 1884 bis 1886 an einer Weltreise auf der Korvette Elisabeth teil. 1888/1889 diente er im Mittelmeer auf der Fregatte Moltke. 1892/1893 versah Persius Dienst auf der Korvette Luise, 1893/1894 auf der Fregatte Gneisenau. Auf der Gneisenau reiste er nach Südamerika, nach Westindien (Karibik) und die Vereinigten Staaten. 1897 war er als Kapitänleutnant in Vertretung Kommandant des Aviso Wacht. Persius versah insgesamt auf 22 Kriegsschiffen Dienst, von denen noch fünf eine Besegelung aufwiesen. 1902/03 war er Erster Offizier auf dem Großen Kreuzer Hansa der Victoria Louise-Klasse. 1903/1904 war Persius, nun Korvettenkapitän, Kommandant des Kleinen Kreuzers Seeadler, der in dieser Zeit auf der Ostasiatischen Station eingesetzt war.

Im Frühjahr 1904 begann Persius unter Pseudonym mit Beiträgen für die Wochenzeitung Ostasiatischer Lloyd. Da sein Pseudonym aber schnell gelüftet wurde, musste er die Mitarbeit nach zwei Beiträgen wieder einstellen. Anfang 1905 wurde Persius’ Kommando beendet, und er übernahm das Amt des Vorstehers beim Munitionsdepot Diedrichsdorf bei Kiel. Er begann nun regelmäßig zu publizieren und wurde Mitarbeiter der Jahrbücher für Armee und Marine. Hier übte er in anonymen Artikeln Kritik an den Tirpitzschen Flottenplänen und befürwortete U-Boote als Defensivwaffen. Anfang 1908 kam durch eine Indiskretion seine Autorenschaft ans Licht. Er erhielt Schreibverbot und seine Versetzung als Kommandant eines Schulschiffes wurde abgelehnt. Er reichte seinen Abschied ein, wurde aber durch ein seiner Ansicht nach vorgeschobenes ärztliches Gutachten dienstunfähig geschrieben. Somit schied er aus dem aktiven Dienst aus, wurde am 18. Oktober 1908 aber noch zum Kapitän zur See befördert. Seinen Rang, seine Pensionsberechtigung und das Recht, eine Uniform zu tragen, behielt er in der Folge trotz mehrfacher Ehrengerichtsverfahren, die wegen seiner fortgesetzten Kritik an Tirpitz angestrengt wurden.

Persius arbeitete kurzzeitig für den Flottenverein, schied aber mit der Etablierung eines neuen, die Tirpitzsche Politik unterstützenden Vorstandes, dort wieder aus. Im Offizierskorps machte er sich zusätzlich unbeliebt, als im Dezember 1908 Abgeordnete der Fortschrittspartei mit Informationsmaterial, das von Persius stammte, im Reichstag die Erhöhung der Tafel- und Messegelder verhinderten. Persius begann als Journalist für unterschiedliche Zeitungen zu arbeiten: Von 1907 bis 1911 vorwiegend in der konservativen Kreuzzeitung, aber auch für den linksstehenden Roter Tag. Ein besonderer Publikumserfolg wurde Persius’ 1911 unter dem Pseudonym Submare veröffentlichtes Buch Unterseeboote an die Front!, in welchem er episodenhaft einen Krieg mit U-Booten gegen die deutsche Flotte schilderte. Im März 1912 trat er in die Redaktion des liberalen Berliner Tageblatts ein, der er bis zu seiner Pensionierung 1920 angehören sollte.

Im Sommer 1918 wurde Persius auch Mitarbeiter an der Weltbühne. Nach dem Ersten Weltkrieg begrüßte er die geplante Entmilitarisierung Deutschlands, die Abschaffung der Wehrpflicht und die Unterzeichnung des Versailler Vertrages mit seinen Abrüstungsbestimmungen. Er engagierte sich in der Deutschen Liga für Menschenrechte, in der er auch im Vorstand vertreten war, die er aber nach Vorwürfen, die Liga werde von ausländischen Regierungsstellen finanziert, 1926 verließ. 1925 veröffentlichte er ein Weißbuch über die Schwarze Reichswehr. Bis Sommer 1930 schrieb er noch für die Weltbühne und bis 1931 gelegentlich für das Berliner Tageblatt. Spätestens 1933 wanderte Persius in die Schweiz aus.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie es kam (1919)
  • Skizzen aus dem deutschen Seglerleben, 1898
  • See- und Meereswesen, Oldenburg 1910
  • Unterseeboote an die Front, 1911
  • Der Zusammenbruch: die Seeschlacht bei Borkum und Helgoland, Minden 1913.
  • Marineauskunftsbuch: Wegweiser auf dem Gebiet der Kriegs- und Handelsflotten und Berater für die Laufbahn, Berlin 1914
  • Die Tirpitz-Legende, Berlin 1918
  • Der Seekrieg, Charlottenburg 1918
  • „Wie es kam“, daß der Anstoß zur Revolution von der Flotte ausging, Berlin 1919. Digitalisiert von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2017. URN urn:nbn:de:kobv:109-1-12291095
  • Tirpitz, der Totengräber der deutschen Flotte, Berlin 1919
  • Warum die Flotte versagte, Berlin 1925
  • Menschen und Schiffe in der Kaiserlichen Flotte, Berlin 1925
  • Unsere alte Marine, Stuttgart o. J.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Persius, Lothar. In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 46. Jg., 1932, ISSN 0343-0936, Sp. 1056f.
  • Peter Steinkamp: Kapitän zur See a. D. Lothar Persius. Ein Seeoffizier als Kritiker der deutschen Flottenpolitik (1864–1944). In: Wolfram Wette (Hrsg.): Pazifistische Offiziere in Deutschland 1871–1933. Donat, Bremen 1999, ISBN 3-931737-85-3, (Schriftenreihe Geschichte & Frieden 10), S. 98–109.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]