Lotzdorf

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Lotzdorf
Große Kreisstadt Radeberg
Koordinaten: 51° 7′ 37″ N, 13° 54′ 30″ O
Höhe: 219–271 m ü. NN
Postleitzahl: 01454
Vorwahl: 03528

Lotzdorf ist ein in der gleichnamigen Gemarkung gelegenes Dorf in Radeberg im Landkreis Bautzen in Sachsen. Lotzdorf ist seit 1. Januar 1920 keine Gebietskörperschaft mehr und besitzt keinen Ortsteilstatus im Sinne der kommunalrechtlichen Untergliederung.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lotzdorf befindet sich etwa anderthalb Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums von Radeberg. Die Gemarkung gehört zum Gebiet der Radeberger Kernstadt. Im Nordwesten grenzt es an Liegau-Augustusbad, im Norden an den Wachauer Ortsteil Feldschlößchen. Westlich benachbart liegt die Dresdner Heide.

Der Dorfkern befindet sich entlang der Lotzdorfer Straße in einem nach Nordwesten abfallenden rechten Seitental der Großen Röder, die die Dorfflur von Süden nach Norden in weiten Bögen durchfließt. Weite Teile der 483 Hektar (Stand: 1900) großen Flur werden landwirtschaftlich genutzt, kleinere Randbereiche, unter anderem im Rödertal, sind bewaldet. In Lotzdorf befindet sich mit der Ludwig-Richter-Schule eine von zwei Mittelschulen Radebergs. Am rechten Ufer der Großen Röder liegt auf der Langen Aue die städtische Kläranlage. Am Fluss entlang liegen auf Lotzdorfer Flur drei historische Wassermühlen:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet von Lotzdorf war bereits in der Bronzezeit bewohnt, wovon mehrere Siedlungsfunde zeugen. Von überregionaler wissenschaftlicher Bedeutung für die Erforschung der frühgeschichtlichen Besiedlung ist der spätkaiserzeitlich-völkerwanderungszeitliche Hortfund mit Eisengeräten und einem Backofen aus spätgermanischer Zeit, etwa 400 Meter westlich der Lotzdorfer Tobiasmühle. Aufgrund der Wichtigkeit dieses Fundes übernahm 1962 das Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden die Leitung dieser Ausgrabung und die Konservierung. Dieser Hortfund ist kein Depotfund, sondern ein Siedlungsrest[1].

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lotzdorf (am linken Kartenrand) um 1590; Karte von Mathias Oeder. Achtung: Karte ist gesüdet, d. h. Norden ist unten, Osten ist links

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Lotzdorf im Jahre 1341 als Locensdorf. Es ist ein zweizeiliges Reihendorf mit der Anlage eines Waldhufendorfes mit der für diese Ansiedlungsform typischen Einteilung der parzellierten Fluren hinter den Höfen, überwiegend quer zum langgestreckten Dorf. Der Ortsname geht auf den Vornamen des Lokators Lutz/Lotz/Lotze zurück, bedeutet also Ludwigsdorf. Der Name des Dorfes wandelte sich im 14. und 15. Jahrhundert unter anderem über die Formen Oczensdorf, dy Luzze (die Lutze), Luczinstorff und Lutzdorf (Matthias Oeder) hin zur heutigen, bereits 1551 bezeugten Bezeichnung.

Das von den Neusiedlern gerodete Land wurde in Hufen aufgeteilt, die Bauern erhielten ihre Hufe entweder als Lehen oder als zu erwerbenden Besitz (Hufenland) angeboten. Damit erwarben die Lotzdorfer Bauern das Bauernrecht, d. h. ein in der Dorfordnung fixiertes Recht einer bäuerlichen Gemeinde einschließlich der Nutzung der Allmende. Sie waren nicht Untertanen eines adligen Rittergutsbesitzers oder Grundherren, sondern unterstanden als Amtsdorf dem Amt Radeberg (das als unmittelbare Vertretung des Landesherrn fungierte), nicht aber der Stadt Radeberg.

Lage von Lotzdorf, Karte aus dem 19. Jahrhundert

1555 ist Lotzdorf nach Radeberg eingepfarrt worden.

Im Zuge der Industrialisierung Radebergs in der Gründerzeit ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Lotzdorf mehr und mehr zum Arbeiterwohnort der nahen Industriestadt Radeberg, so dass sich der Dorf-Charakter vermischte. Beide Gemeinden wuchsen auch territorial näher zusammen.

Lotzdorf war bis zum 31. Dezember 1919 (auf Grundlage der Landgemeindeordnung von 1838) eine selbständige Gemeinde mit Gemeindevorstand, Polizeilicher Aufsicht, Standesamt und „Gemeinsamer Gemeindekrankenversicherung Lotzdorf und Liegau“. Es unterstand gerichtlich und grundherrschaftlich dem Amt Radeberg und verwaltungsmäßig (bis 1918) der „Königl. Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt“[2].

Amtliche Bekanntmachung über die Vereinigung Radeberg und Lotzdorf 1920

Zum Stichtag 1. Januar 1920 haben sich die beiden politischen Gemeinden Radeberg und Lotzdorf vereinigt[3], es erfolgte keine Eingemeindung. Jegliche gebietskörperschaftliche, öffentlich- und privatrechtliche, gemeindliche und politische Funktionen und Stellungen Lotzdorfs sind zu diesem Zeitpunkt erloschen, die bisherigen gemeindlichen Vertretungen Lotzdorfs wurden ersatzlos aufgelöst. Alle diesbezüglichen Rechte und Verbindlichkeiten sowie das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der Landgemeinde Lotzdorf sind zum Stichtag auf die Stadtgemeinde Radeberg übergegangen. Der Flurbezirk Lotzdorf ist unter Beibehaltung seiner bisherigen Flurstück-Nummern in den Gemeinde- und Flurbezirk Radeberg eingeordnet worden, so dass nach der Vereinigung 1920 in der neuen, vergrößerten Stadtgemeinde Radeberg zwei Flurbezirke bzw. Gemarkungen (Flur Radeberg und Flur Lotzdorf) mit ihren jeweils eigenen Flurstück-Nummern existieren.
Somit können Flurstück-Nummern in der heutigen Stadt Radeberg doppelt vorkommen, sofern man die Gemarkung nicht mit anfügt.

Schulgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1828 begannen die Gemeinden Liegau und Lotzdorf den Neubau eines gemeinsamen massiven Schulhauses auf einem der Gemeinde Lotzdorf gehörenden Grundstück. Die Einweihung erfolgte am 13. Mai 1829 als Schule für den gemeinsamen Schulbezirk Lotzdorf und Liegau[4]. Dieses erste eigene Lotzdorfer Schulhaus (auch für Liegau) hatte bis 1884 in dieser Funktion Bestand. 1884 ist in Lotzdorf ein neues Schulgebäude für den Schulbezirk Lotzdorf / Liegau erbaut worden, das bis heute mehrmals durch An- und Neubauten erweitert wurde. Bis zum Neubau einer eigenen Schule in Liegau und der Bildung eines eigenen neuen Schulbezirkes 1896 gehörten die Liegauer Kinder zum Schulbezirk Lotzdorf und wurden in Lotzdorf eingeschult. Gemäß § 2 des Ortsgesetzes zur Vereinigung Radeberg – Lotzdorf ist 1920 ein separater „Vertrag über die Einverleibung der Schulgemeinde Lotzdorf“ nach Radeberg abgeschlossen worden[5].

1946 erhielt die Schule den Ehrennamen Ludwig Richters[6], heute trägt sie den Namen „Ludwig-Richter-Schule / Oberschule“.

Beherbergungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Blütezeit des „Radeberger Bades“ (des späteren Augustusbades) etwa ab Ende des 18. Jahrhunderts wurde Lotzdorf wegen seiner unmittelbaren Nähe zum Bad und der landschaftlichen Schönheit der Röder-Auen zwischen Lotzdorf und Liegau zum beliebten und kostengünstigen Wohnort für wohlhabende und auch berühmte Kurgäste, die hier regelmäßig und wiederholt ganze Sommer über im Beisein ihrer Familien „kurten“. Zwischen 1808 und 1816 hielt sich Gerhard von Kügelgen 4 Sommer lang hier auf und wohnte mit Ehefrau Helene Marie Zoege von Manteuffel und Sohn Wilhelm von Kügelgen im nahen Lotzdorf[7].

Landwirtschaft und Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dorfbewohner betrieben Landwirtschaft als Einkommensquelle, im Dorfkern blieben mehrere alte Bauerngehöfte mit Gebäuden aus dem frühen 19. Jahrhundert erhalten. In Lotzdorf befanden sich außer den 3 Mühlen auch ein seit dem 16. Jahrhundert nachweisbares Freigut, eine Ziegelei mit Tongrube und ein Armenhaus. In der Zeit der DDR war die bereits 1953 gebildete LPG „Junge Garde“ mit anfangs nur 63 ha der bestimmende Betrieb in Lotzdorf. Diese LPG schloss sich später mit der Nachbargemeinde Leppersdorf zusammen und umfasste unter dem neuen Namen „Einigkeit“ (Typ III) ca. 1100 ha. Am 1. März 1959 wurde die zweite LPG „Saatbau“ (Typ I) mit 271 ha gebildet.

1890 verlegte die „Deutsche Patentfeilenfabrik Meyer, Focke & Co.“ ihren Firmensitz von Dresden in ihren Neubau nach Lotzdorf, wo sie ab 1904 als „Deutsche Patentfeilenfabrik Dr. Georg Schmidt, Lotzdorf“ ihre größte Ausbaustufe erreichte und unter verschiedenen Firmierungen und Besitzverhältnissen bis 1970 existierte[8]. 1869 gründete Carl Barth an der Flurgrenze zu Lotzdorf (auf Radeberger Flur) die „Nähmaschinenschiffchen-Fabrik Carl Barth“, später als „Mechanische Werkstätten Radeberg“ bekannt. Um 1895 gründete Franz Schueller in der ihm gehörenden und auch als Gaststätte genutzten „Thalmühle“ eine Metallbearbeitungs-Fabrik, die auch Nähmaschinenschiffchen herstellte.

Auf Lotzdorfer Flur befinden sich am rechten Ufer der Großen Röder das Klärwerk Radeberg und der Hauptsitz des Abwasserzweckverbandes „Obere Röder“, zu dem neben Radeberg die Gemeinden Arnsdorf, Wachau, Großröhrsdorf und Großharthau mit ihren Ortsteilen gehören. Nach der Wende entstanden im Osten der Flur das „Gewerbegebiet Badstraße“ und ein Einkaufszentrum.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1551 25 besessene Mann, 1 Häusler, 19 Inwohner
1764 21 besessene Mann, 16 Häusler
1834 398
1871 421
1890 772
1910 1661
1925 siehe Radeberg

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenmal Turnerbund Lotzdorf

An der Lotzdorfer Straße befindet sich ein 1959 errichteter Gedenkstein für Ernst Thälmann, der bis zur Wende als Pionierobjekt durch Schüler der Ludwig-Richter-Schule gepflegt wurde. Das letzte Relief Thälmanns fertigte der Lotzdorfer Gießereiarbeiter Augustin Wenzl an. An die einheimischen Opfer des Ersten Weltkriegs erinnern das Kriegerdenkmal Lotzdorf und das vom „Turnerbund Lotzdorf“ errichtete Denkmal[9].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günther Krause, Rudolf Limpach, Reinhard Spehr: Ein spätkaiserzeitlich-völkerwanderungszeitlicher Hortfund mit Eisengeräten von Radeberg-Lotzdorf, Kreis Dresden. Sonderdruck aus Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Band 14/15, Hrsg.: Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin, 1966. OCLC 843480802
  2. Akte 1238 Stadtarchiv Radeberg
  3. Ortsgesetz über die Vereinigung der Landgemeinde Lotzdorf mit der Stadt Radeberg. Akte 2.3.000.085 Stadtarchiv Radeberg
  4. Radeberger Chronik 1550–1839. Handschriftliches Manuskript. Archiv-Nr. 00003476. Museum Schloss Klippenstein Radeberg
  5. Radeberger Zeitung vom 17. Dezember 1919
  6. Renate Schönfuß-Krause: Ludwig Adrian Richter - der berühmte Enkel eines Kammerherrn von Schloss Wachau wurde zum Namensgeber der Lotzdorfer Schule.[1], abgerufen am 26. August 2018
  7. Renate Schönfuß-Krause: Die Welt ist ungerecht - oder der Irrtum des Wilhelm von Kügelgen. [2] (PDF), abgerufen am 26. August 2018
  8. Bernd Rieprich: Die Radeberger Patentfeilenfabrik. In: Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte Bd. 04, Hrsg. Stadt Radeberg in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte, Radeberg 2006
  9. Renate Schönfuß-Krause: Nah beieinander - ein fast vergessenes Denkmal in Lotzdorf und ein Kult-Song. [3] (PDF), abgerufen am 26. August 2018

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]