Louis Nathaniel von Rothschild

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Louis Nathaniel Freiherr von Rothschild (* 5. März 1882 in Wien; † 15. Jänner 1955 in Montego Bay, Jamaika) war der letzte bedeutende Vertreter des Wiener Zweigs der Bankiersfamilie.

Leben[Bearbeiten]

Seit dem Tod seines Vaters Albert Salomon Anselm von Rothschild im Jahre 1911 leitete er das Privatbankhaus S.M. v. Rothschild & Söhne in Wien und kontrollierte als Hauptaktionär die Creditanstalt, die größte Bank Österreichs.

Nach dem Aussterben der Frankfurter Linie übernahm er auch Verantwortung für einen großen Teil der internationalen Aktivitäten des Hauses Rothschild.

Angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Lage des klein gewordenen Österreich nach 1918 und der Überbesetzung des Bankenapparats geriet auch die Creditanstalt mit ihrem bedeutenden Industriekonzern in zunächst latente Schwierigkeiten. Die Lage wurde noch dadurch erschwert, dass Bundeskanzler Johann Schober im Oktober 1929 von Rothschild ultimativ forderte, die in einer massiven Krise befindliche Bodencreditanstalt zu übernehmen. Rothschild gab nach, in der Folge kam es aber am Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise im Frühjahr 1931 zum Zusammenbruch der Creditanstalt, der schwerwiegende Auswirkungen auf das internationale Finanzsystem hatte. Rothschild leistete einen namhaften Beitrag, die größte Bank Österreichs musste aber im Wesentlichen mit Staatsgeldern saniert werden und befand sich im März 1938 somit mehrheitlich im Besitz des Bundes.

Nach dem deutschen Einmarsch wurde Rothschild sofort verhaftet und erst nach Preisgabe seines gesamten Wiener Besitzes, nach über einem Jahr Haft, freigelassen.

In das Palais Albert Rothschild in der Prinz-Eugen-Straße in Wien zog die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien“ von Adolf Eichmann ein.

Das Privatbankhaus S.M. v. Rothschild & Söhne wurde zunächst durch das Österreichische Credit-Institut, ab Juli 1938 durch das Münchner Bankhaus Merck Finck & Co kommissarisch verwaltet. 1940 wurde das Bankhaus S.M. v. Rothschild & Söhne dann durch das in Wien neugegründete Bankhaus E. v. Nicolai übernommen („arisiert“), an dem wiederum die Bank Merck, Finck & Co mit 71 Prozent und die Deutsche Industrie Bank aus Düsseldorf mit 19 Prozent beteiligt waren.

In zahlreichen Rückstellungsverfahren erhielt Louis Rothschild die verbliebenen Werte nach dem Zweiten Weltkrieg zurück, er verzichtete jedoch darauf, das Bankhaus S.M. von Rothschild & Söhne wieder zu errichten. Die Kunstsammlung der Familie, die 1938 beschlagnahmt und über mehrere Museen im ganzen Land verteilt wurde, blieb jedoch bis 1999 im Besitz der Republik Österreich. Erst nach der Washingtoner Erklärung von 1998 und dem daraus folgenden Restitutionsgesetz wurden an die Erben 250 Kunstwerke, darunter 31 Gemälde, zurückgegeben.[1]

Rothschild emigrierte in die USA und verbrachte den Rest seines Lebens großteils auf Reisen. Er heiratete 1946 Hildegard Johanna von Auersperg (1895–1981). Die Ehe blieb kinderlos.

Literatur[Bearbeiten]

Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen. Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution (= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission 11), Wien-München 2004, S. 391-408. (Falldarstellung: S. M. v. Rothschild mit weiterer Literatur)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Dorrmann: Der Raub an Louis von Rothschild; in: Inka Bertz, Michael Dorrmann (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute., Herausgegeben im Auftrag des Jüdischen Museums Berlin und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Frankfurt a. M. 2008, ISBN 978-3-8353-0361-4 , S. 121 ff.