Louise Michel (Schiff)

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Louise Michel
Die Louis Michel war vor ihrer Umbenennung ein französisches Patrouillenboot mit dem Namen Suroît (Januar 2014)
Die Louis Michel war vor ihrer Umbenennung ein französisches Patrouillenboot mit dem Namen Suroît (Januar 2014)
Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland[1]
andere Schiffsnamen

Suroît (1988–2020)

Schiffstyp Rettungsboot
Rufzeichen DCXD
Heimathafen Berlin
Bauwerft Chantier naval de l’Estérel, Cannes
Indienststellung 1988
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
30,35 m (Lüa)
Breite 5,80 m
Tiefgang max. 1,90 m
Verdrängung 67 t
 
Besatzung 10
Maschinenanlage
Maschine 2 × SACM UD23 V12
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
1.620 kW (2.203 PS)
Höchst-
geschwindigkeit
28 kn (52 km/h)
Sonstiges

Die Louise Michel ist ein von der deutschen Organisation Sea-Watch mit Sitz in Berlin für Rettungsaktionen für Flüchtlinge über das Mittelmeer eingesetztes Schiff. Gestiftet wurde es vom britischen Künstler Banksy. Es ist nach der französischen Anarchistin Louise Michel benannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Suroît – Einsatz als Patrouillenboot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Boot wurde 1988 als eines von zwei Patrouillenbooten der Avel-Gwalarn-Klasse in Auftrag gegeben, die von der Estérel-Werft in Cannes gebaut wurden. Der Rumpf war mit drei Schichten Mahagoniholz beplankt. Das Schiff wurde vom französischen Biathleten Emmanuelle Claret getauft und von der französischen Zoll- und Grenzschutzbehörde (Direction générale des douanes et droits indirects) als Suroît mit der Kennung DF 42 in Dienst gestellt.[2][3]

Das Schiff war in Royan an der französischen Atlantikküste stationiert. Im Jahr 2014 verbrachte die Besatzung etwa 2.000 Stunden auf See und führte Inspektionen von 150 Schiffen im Einsatzgebiet zwischen der Île d’Yeu und der Küste im Süden der Biskaya durch.[4]

Im Juli 2016 wurde in einem Artikel über die Umstrukturierung des französischen Zolldienstes erwähnt, dass die Suroît in La Rochelle nicht repariert werde, da mit der Umstrukturierung auch die Schließung der Royan-Zollbrigade zum 30. September 2018 verbunden sei.[5]

Die Suroît wurde in der ersten Jahreshälfte 2020 an einen anonymen Bieter verkauft, der beabsichtigte, eine Besatzung professioneller privater Seenotretter zusammenzustellen.[6]

Louise Michel – Einsatz als Rettungsschiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der britischen Zeitung The Guardian zufolge wandte sich Banksy im September 2019 in einer E-Mail an die deutsche Sea-Watch-Kapitänin Pia Klemp, von der er in der Zeitung gelesen hatte. Er schrieb ihr, mit dem Verkauf von Werken über die Flüchtlingskrise habe er einiges Geld verdient, das er nicht behalten könne: „Könnten Sie es benutzen, um ein neues Schiff oder etwas anderes zu kaufen? Lassen Sie es mich bitte wissen. Gut gemacht. Banksy.“[7] Die Beteiligten vereinbarten, bis zur ersten Rettungsaktion Stillschweigen über Banksys Finanzierung zu wahren, um die Mission nicht zu gefährden.[8]

Im Jahr 2020 begannen Aktivisten in Camaret-sur-Mer mit der Reparatur und Überholung des Bootes. Sie versicherten der Öffentlichkeit, dass sie keine Migrantenboote nach Camaret-sur-Mer bringen wollten.[6] Italienische Medien assoziierten die Gruppe mit dem Verein Sea-Watch.[9] Die italienische Tageszeitung La Stampa ordnete das Schiff erstmals Banksy zu, nachdem eine Malerei am Boot angebracht worden war.[9][10] Die 31 Meter lange Motoryacht war rosa gestrichen und mit einem Mädchen mit Schwimmweste und herzförmigem Rettungsring verziert worden.[11]

Im Sommer 2020 lag die Louise Michel zunächst zusammen mit anderen privaten Rettungsschiffen im spanischen Hafen von Burriana oberhalb von Valencia. Mit ihrer Geschwindigkeit von 27 Knoten (50 km/h) ist sie schneller als andere Schiffe von Nichtregierungsorganisationen.[11] Am 18. August lief sie unter deutscher Flagge aus.[11] Die Kapitänin Pia Klemp hatte bereits in den Vorjahren mit der Iuventa und der Sea-Watch 3 Seenotrettungseinsätze geleitet. Die Besatzung besteht aus zehn in der Seenotrettung erfahrenen Personen aus ganz Europa.[8][12] Am 22. August nahm die Louise Michel vor der libyschen Küste erstmals Flüchtlinge auf und übergab sie der Sea-Watch 4.[9]

Nachdem die Louise Michel vom 27. August bis zum 28. August über 200 Migranten aufgenommen hatte, war sie wegen des überfüllten Decks und zwei seitlich angeleinten Rettungsinseln manövrierunfähig. Sie bat die italienische Küstenwache und das maltesische Militär zunächst vergeblich um Hilfe.[12] 49 Migranten und ein Toter wurden schließlich am 29. August von einem Schiff der italienischen Küstenwache übernommen, das von der Insel Lampedusa gestartet war. Weitere 150 Menschen wurden von der Sea-Watch 4 aufgenommen, die die Louise Michel am Abend erreichte.[13][1][14][15][16] Am 22. Oktober 2020 wurde bekannt, dass die Louise Michel wegen einer Anfechtung der Schiffsregistrierung nicht mehr auslaufen kann.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Seenotrettung. In: Süddeutsche Zeitung vom 29. August 2020. Abgerufen am 29. August 2020
  2. Dans le Sillage des Bateaux – e la Ryviere der Bourdeauly, Patrimoine Navigant en Charente Maritime, 2008, S. 30.
  3. La flotte française en 2008. In: Net-Marine. 2012, abgerufen am 29. August 2020 (französisch).
  4. Ronan Chérel: Royan (17): un nouveau commandant à la barre de la vedette des Douanes maritimes. In: Sud Ouest. 19. Februar 2015, abgerufen am 24. August 2020 (französisch, S. 10).
  5. Eric Dupont-Dutilloy: Ne pas faire les choses en vrac. (PDF; 140 kB) In: Syndicat national des agents des douanes (SNAD) CGT. 8. Juli 2016, abgerufen am 29. August 2020 (französisch).
  6. a b Solidaires Info AéroMaritime (SIAM) – Mai/Juin 2020. (PDF; 1,4 MB) In: Solidaires Douanes. 2020, abgerufen am 29. August 2020 (französisch).
  7. Christian Kreutzer: Banksy schenkt deutschen Flüchtlingsrettern ein Schiff – und bemalt es. In: swr3.de. 29. August 2020, abgerufen am 31. August 2020.
  8. a b Lorenzo Tondo, Maurice Stierl: Banksy funds refugee rescue boat operating in Mediterranean. In: The Guardian. 27. August 2020, abgerufen am 29. August 2020 (en).
  9. a b c Fabio Albanese: Il genio e i soldi di Banksy in una barca per aiutare i migranti in difficoltà. La Stampa, 22. August 2020, abgerufen am 24. August 2020 (italienisch).
  10. „Sea-Watch 4“ will „Louise Michel“ helfen. Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, 29. August 2020, abgerufen am 29. August 2020.
  11. a b c Bans, DPA: Banksy zu Wasser. Künstler bemalt Yacht für Sea Watch. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 199, 29./30. August 2020, S. 17.
  12. a b Christian Stör: Mehr als 200 Geflüchtete an Bord: Rettungsschiff „Louise Michel“ bittet um Hilfe. In: Frankfurter Rundschau. 29. August 2020, abgerufen am 30. August 2020.
  13. Sea-Watch kommt überfülltem Banksy-Rettungsschiff zur Hilfe. In: Der Spiegel. 29. August 2020.
  14. Sea-Watch kommt überfülltem Banksy-Rettungsschiff zur Hilfe. Der Spiegel, 29. August 2020, abgerufen am 29. August 2020.
  15. Italienische Küstenwache kommt Banksy-Schiff zu Hilfe. Bayerischer Rundfunk, 29. August 2020, abgerufen am 29. August 2020.
  16. Der Hilferuf von Banksys Rettungsschiff wurde erhört. In: stern.de. 30. August 2020, abgerufen am 30. August 2020.
  17. repubblica.it: Migranti, c'è il fermo amministrativo per la Sea-Watch 4 che blocca i salvataggi: e nel Mediterraneo si continua a morire abgerufen am 8. November 2020