Louise Stomps

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Louise Stomps in ihrem Atelier in der Kumpfmühle (1987)
Umarmung, Bronze, Höhe 24 cm, 1966

Louise Sophie Stomps (* 5. Oktober 1900 in Berlin; † 22. April 1988 bei Wasserburg am Inn) war eine deutsche Bildhauerin und Grafikerin. Nach anfänglicher Orientierung an der Kunst der klassischen Moderne lösten sich ihre Arbeiten langsam und kontinuierlich von den figurativen Ursprüngen. Selbst ihre späteren, überwiegend abstrakten und ungegenständlichen Arbeiten lassen diesen figurativen Ursprung, in dem der menschliche Körper im Mittelpunkt steht, deutlich durchscheinen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit ihrem 18. Lebensjahr hat Louise Stomps modelliert und gezeichnet. Der eigentliche Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn erfolgte erst 10 Jahre später, nach ihrer Heirat im Jahre 1920, der Geburt ihrer Töchter Inge (1921 – 2003) und Annemarie (1922 – 2013) und der Scheidung ihrer Ehe im Jahre 1927. Im Jahre 1928 begann sie mit dem Besuch der Abendklasse von Professor Johannes Roettger an der Preußischen Akademie der Künste zu Berlin (heute: Universität der Künste Berlin). Kurz darauf erhielt sie ausnahmsweise die Berechtigung, die Hochschulklasse ganztags zu besuchen. Zur gleichen Zeit besuchte sie auch die Bildhauerklasse des Vereins der Berliner Künstlerinnen unter Milly Steger. Dennoch ist Louise Stomps eine Künstlerin, die sich überwiegend autodidaktisch ausgebildet hat.

Nicht nur die Behinderung ihrer künstlerischen Arbeit, sondern vor allem auch ihre entschiedene Ablehnung des Nationalsozialismus führten dazu, dass sie – nach wenigen Ausstellungsbeteiligungen vor deren Machtergreifung – in den Jahren 1933 bis 1945 in die innere Emigration ging. Abgeschieden vom Wirken anderer Künstler arbeitete sie weiter im Verborgenen und unter schwierigsten materiellen Bedingungen.

Nach den Jahren des Krieges und der nationalsozialistischen Herrschaft nimmt Louise Stomps bereits im Jahr 1945 in Berlin ihre Ausstellungstätigkeit wieder auf. Insbesondere stellt sie in der Galerie Gerd Rosen[1] im Rahmen des Künstlerkreises der Galerie aus, dem unter anderem auch die Maler Willi Baumeister, Jeanne Mammen sowie die Bildhauer Gustav Seitz, Renée Sintenis, Karl Hartung und Hans Uhlmann angehörten. 1950 ist sie Mitbegründerin des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlins mit der Mitgliedsnummer 3[1]. 1951 erhält sie den Kunstpreis der Stadt Berlin. Sie lebt und arbeitet bis Ende der 50er Jahre im selbst ausgebauten Souterrain ihres Hauses in Berlin-Zehlendorf, im Westen Berlins.

Das Grab von Louise Stomps und ihres Bruders V.O.Stomps auf dem Friedhof Zehlendorf in Berlin
Louise Stomps 1987 auf ihrem Motorrad mit Beiwagen
Skulptur mit Baum im Garten der Kumpfmühle

Ihre zweite Schaffensperiode nach der Berliner Zeit verbrachte Louise Stomps seit 1960 in der Kumpfmühle, einer alten Wassermühle bei Rechtmehring in Oberbayern, unweit Wasserburg am Inn. Sie hatte diese Wassermühle eigenhändig restauriert und mit einem Atelier ausgestattet, das auch für sehr hohe Skulpturen geeignet war. Nicht allein der Wunsch nach Abgeschiedenheit in einer ländlichen Umgebung war Grund für die neue Orientierung. Der Standort Berlin war durch die politische Teilung und Isolierung zunehmend von der Entwicklung der zeitgenössischen Kunst abgeschnitten. Namhafte Galerien hatten schließen müssen oder waren in den Westen Deutschlands abgewandert. Diese Situation Mitte der 1950er Jahre wurde in der Ausstellung Porträt Berlin (2015) im Kunsthaus Dahlem[2] sehr gut dargestellt, auf der auch zwei Marmorskulpturen von Stomps ausgestellt waren.

In Bayern konnte Louise Stomps – ganz anders als im zunehmend abgeschotteten Berlin – nach Herzenslust Fahrten mit ihrem Motorrad unternehmen. Häufig war sie in Italien, zugleich ihrem Sehnsuchtsland wegen des reichen Erbes an historischen Kunstschätzen. Auf einer dieser Reisen gelangte sie bis nach Paestum, 100 km südlich von Neapel. Selbst im hohen Alter fuhr sie noch ein schweres Motorrad, mit dem sie am 22. April 1988 tödlich verunglückte. Beigesetzt wurde sie auf dem Friedhof Zehlendorf in Berlin (Feld 12-204/206), neben ihrem Bruder, dem Verleger und Schriftsteller Victor Otto Stomps, alias: VauO oder V.O., (1897–1970), Gründer der Verlage Rabenpresse, Eremitenpresse und des Verlags Neue Rabenpresse. Die Grabskulptur Mutter Erde hat sie selbst für ihre dort ebenfalls beigesetzten Eltern geschaffen.[3] Diese letzte Ruhestätte von Louise Stomps wurde 1990 Ehrengrab des Landes Berlin.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1927/28 entstanden erste Skulpturen, vorwiegend Arbeiten in Holz und Gips, ab 1933 auch zahlreichere Arbeiten in Stein. In diesen Jahren schuf sie auch die ersten Porträtplastiken einiger Autoren der Rabenpresse, beispielsweise Walther G. Oschilewski und Alfred Richard Meyer. In späteren Jahren entstanden weitere Porträts (Gips/Bronze), u. a. von Theodor Werner[4] und Hanna Bekker vom Rath[5].

Von 1933 bis Anfang der 50er Jahre entstanden zahlreiche Arbeiten in Gips, von denen allerdings zu dieser Zeit – insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen – nur wenige Bronzeabgüsse gefertigt wurden. 1943 verliert Stomps durch Bombenangriffe ihre Wohnung und ihr Atelier. Fast alle ihrer Arbeiten wurden dabei zerstört oder haben die zahlreichen Atelierwechsel der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht überdauert. Nur wenige hat sie zum Schutz vor Bombenangriffen vergraben und damit retten können.

Nach ihrem Umzug nach Bayern im Jahr 1960 wandte sich Louise Stomps zunehmend dem Material Holz zu. Ganz sicher hatte sie dort leichteren Zugang zu gutem Ausgangsmaterial und zweifellos haben sie auch die regionalen Traditionen angeregt. Vor allem aber erschlossen sich ihr in der Arbeit mit dem Material Holz ganz eigene Möglichkeiten, der Natur zu folgen, indem sie Wuchs und Maserung nicht als Einschränkung, sondern als Anregung aufnahm. Von äußeren Einflüssen noch weniger als zuvor berührt, hat sie bis zu ihrem Tod im Alter von 87 Jahren an ihrer sehr eigenständigen Entwicklung gearbeitet.

Skulptur auf dem Vorplatz der Sparkasse Wasserburg: Entstehung, Granit, 1975, Höhe 155 cm
Bronzeskulpturen Skulpturenweg Wasserburg: Pilger (1966), Höhe 303 cm; Asket (1962), Höhe 285 cm; Gilgamesch, (1980), Höhe 320 cm – von links nach rechts

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1947: Louise Sophie Stomps. Plastiken, Galerie Gerd Rosen, Berlin
  • 1958: Louise Stomps Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt am Main
  • 1960–1961: Louise Stomps. Skulptur, Galerie Diogenes, Berlin
  • 1964: Louise Stomps, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt am Main
  • 1966: Louise Stomps. Holzskulpturen 62-66, Rathaus Kreuzberg, Berlin
  • 1968: Louise Stomps. Holzskulpturen, Galerie Günther Franke, München
  • 1970: Louise Stomps. Skulpturen und Zeichnungen, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt am Main
  • 1975: Louise Stomps. Skulpturen, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt am Main
  • 1979: Louise Stomps. Skulpturen 1928–1979, Galerie der Künstler, München
  • 1980: Louise Stomps, Städtische Galerie Rosenheim[6]
  • 1990: Louise Stomps 1900–1988. Gedächtnis-Ausstellung, Galerie im Ganserhaus, Wasserburg am Inn[7]
  • 1994: Louise Stomps. Zeichnungen früher Jahre, Galerie Wegmann, Grafing bei München

Ausstellungsbeteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1945: Plastik und Bildhauerzeichnungen, Galerie Gerd Rosen, Berlin
  • 1947: 2. Jahresschau Künstlerkreis Gerd Rosen, Galerie Gerd Rosen, Berlin
  • 1971: Die zwanziger Jahre (II). Deutsche Kunst von 1924 – 1933, Galerie Nierendorf, Berlin
  • 1980: Der Kuss – Liebespaare in Graphik und Plastik des 20. Jahrhunderts, Altes Museum, Berlin
  • 2000–2001: Drei Bildhauerinnen. Emy Roeder, Louise Stomps, Wanda Pratschke, Stadtmuseum Hofheim am Taunus[8]
  • 2013: Künstlerinnen im Dialog – Gemälde, Fotografien, Skulpturen (mit Skulpturen und Zeichnungen), Das Verborgene Museum, Berlin
  • 2015–2017: Porträt Berlin. Künstlerische Positionen der Berliner Nachkriegsmoderne 1945 – 1955, Kunsthaus Dahlem, Berlin
  • 2015–2016: Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung 1933 – 1945, Neue Galerie im Hamburger Bahnhof, organisiert durch die Nationalgalerie (Berlin),
  • 2017: Künstlerinnen im Dialog – Drei Tassen und eine japanische Puppe (mit Zeichnungen), Das Verborgene Museum, Berlin
  • 2018: Die erste Generation. Bildhauerinnen der Berliner Moderne, Georg Kolbe Museum, Berlin[9]
  • 2018–2019: Bildhauerinnen in Deutschland, Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn; Gerhard-Marcks-Haus, Bremen[10]
  • 2019–Februar 2020: Das weibliche Statement. Künstlerinnen im 20. Jahrhundert, Salongalerie „Die Möwe“, Berlin [11]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1951: Berliner Kunstpreis
  • 1953: Anerkennung beim internationalen Wettbewerb für das Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen, London[12]

Arbeiten im öffentlichen Raum / in Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norne (1985), Salingarten, Rosenheim
  • Rosenheim, Bronzeabguss (1985) der Holzskulptur Norne im Salingarten der Stadt[13]
  • Wasserburg am Inn, drei Bronzeskulpturen, Skulpturenweg am Inn[14]
  • Wasserburg am Inn, Granitskulptur auf dem Vorplatz der Kreissparkasse (s. Abbildung)
  • Skulpturenweg in Obing (Oberbayern) mit einer Skulptur aus grauem Granit[15]
  • Nationalgalerie Berlin: Das Paar. 1938, Eichenholz, 120,5 × 25 × 21 cm[16]
  • Werke im Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen - Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne München[17]
  • Die Berlinische Galerie erhielt 2009 eine Zustiftung der Erben, welche 6 Skulpturen, 99 grafische Arbeiten und den dokumentarischen Nachlass umfasst[18]
  • Die Erben übergaben der Stadt Wasserburg am 27. November 2019 eine Schenkung von 16 Skulpturen überwiegend größeren Formats.[19][20] Diese Arbeiten sind in der Bibliothek Wasserburg für die Öffentlichkeit zugänglich.[21]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Louise Stomps: Bildhauerskizzen. Verlag Eremiten-Presse, Stierstadt im Taunus 1957
  • Hans Kiessling: Begegnungen mit Bildhauern. Münchner Kunstszene 1955–1982. EOS Verlag, St. Ottilien 1982, ISBN 3-88096-183-2, S. 526–531, mit Besprechungen von zwei Stomps-Ausstellungen durch Will Grohmann (1966) und Rainer Beck (1979)
  • Edition Galerie Wegmann (Hrsg.): Louise Stomps. Zeichnungen früher Jahre. Grafing bei München 1994
  • Julia Wallner: Form und Abstraktion - "Das ist Natur", in: Die erste Generation. Bilhauerinnen der Berliner Moderne, Georg Kolbe Museum, Berlin 2018, S. 141–149[9]
  • Marc Gundel, Arie Hartog, Frank Schmidt (Hrsg.): Bildhauerinnen in Deutschland. Wienand, Köln 2019, ISBN 978-3-86832-520-1, Katalogtext-Nr. 55 mit Abbildung auf der Folgeseite

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Louise Stomps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Markus Krause: Galerie Gerd Rosen. Ars Nicolai, Berlin 1995, ISBN 3-89479-070-9
  2. Dorothea Schöne: Porträt Berlin: Künstlerische Positionen der Berliner Nachkriegsmoderne 1945–1955. Berlin 2015, ISBN 978-3-9816615-0-7
  3. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 679
  4. Pinakothek München[1]neben drei weiteren Arbeiten von Louise Stomps
  5. Marian Stein-Steinfeld [2] Kurzbiografie mit Abbildung der Porträtplastik Hanna Bekker vom Rath
  6. Hans Kiessling: Begegnungen mit Bildhauern. Münchner Kunstszene 1955–1982. EOS Verlag, St. Ottilien 1982, ISBN 3-88096-183-2, S. 526 ff.
  7. Michael Freitag, Berthold Kogut (Hrsg.): Louise Stomps 1900–1988. Katalog zur Ausstellung des Arbeitskreises 68 (Wasserburg)
  8. Ausstellungskatalog (Kuratierung und Redaktion: Marian Stein-Steinfeld), Hofheim 2000, ISBN 3-933735-20-3
  9. a b Julia Wallner: Form und Abstraktion – "Das ist Natur". In: Julia Wallner, Günther Ladwig (Hrsg.): Die erste Generation. Bilhauerinnen der Berliner Moderne, Georg Kolbe Museum, Berlin 2018, ISBN 978-3-9819776-0-8
  10. Marc Gundel, Arie Hartog, Frank Schmidt (Hrsg.): Bildhauerinnen in Deutschland. Wienand, Köln 2019, ISBN 978-3-86832-520-1
  11. Salongalerie "Die Möwe"[3]mit 9 Skulpturen und 9 Grafiken von Louise Stomps
  12. 1953 fanden eine Ausstellung in Berlin (Januar: Haus am Waldsee, Ausstellung der deutschen und schweizerischen Modelle für den Londoner Wettbewerb) sowie zwei Ausstellungen in London (März: Ausstellung der Preisträger | Dezember: New Burlington Gallery, German Skulptors) statt, an denen Louise Stomps beteiligt war
  13. Galerie Rosenheim: Salingarten. Abgerufen am 9. Januar 2020.
  14. Stadt Wasserburg am Inn | Skulpturenweg |  . Abgerufen am 9. Januar 2020.
  15. Skulpturenprojekt Obing am See. Abgerufen am 9. Januar 2020.
  16. Dieter Scholz, Maria Obenaus (Hrsg.): Die schwarzen Jahre – Geschichten einer Sammlung 1933–1945. Berlin 2015, ISBN 978-3-95732-150-3, S. 219–221
  17. Sammlung | Louise Stomps. Abgerufen am 9. Januar 2020.
  18. Sammlung Online | Berlinische Galerie | Ihr Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Berlin. Abgerufen am 9. Januar 2020.
  19. Süddeutsche Zeitung: Kunstvolle Geschenke. Abgerufen am 9. Januar 2020.
  20. Renate Drax: Schenkung feierlich unterzeichnet. 29. November 2019, abgerufen am 9. Januar 2020.
  21. Bibliothek Wasserburg | Aktuelle Meldungen |  . Abgerufen am 9. Januar 2020.