Low-Tech

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Der Begriff Low-Tech bildet den Gegensatz zu High-Tech und bezieht sich auf Technik, die unter den Maßstäben:

  • einfache Funktion
  • einfache Herstellung
  • einfache Bedienung
  • Robustheit
  • einfache Wartung
  • einfache Reparierbarkeit

entwickelt wird. Low-Tech sagt nichts über die hinter der Technologie stehende Intelligenz aus. Es bezieht sich lediglich auf die praktische Umsetzung. Oft werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entwicklung von Low-Tech-Geräten verwendet. Ein Teil von Low-Tech ist aber auch alte, bewährte Technik. Low-Tech ist eine Konstruktionsphilosophie, die den Gegenpol zur High-Tech bildet. Es bedeutet das bewusste Verzichten auf teure komplizierte Technik und die Nutzung einfacher Wirkprinzipien, wie beispielsweise einfache Maschinen wie Seil, Hebel, Rolle, schiefe Ebene oder einfache Maschinen mit kombinierten Wirkungsweisen wie Flaschenzug, Wellrad, Kurbel und Schraube. Die Benutzung von Low-Tech ist häufig intuitiv oder beim einmaligen Zuschauen zu erlernen, so dass aufwendige Einarbeitung oder Bedienungsanleitungen entfallen können. Produzenten von Low-Tech-Geräten verwenden anstatt einer geschriebenen Bedienungsanleitung häufig Piktogramme, die in jeder Sprache und Kultur verstanden werden können und nicht übersetzt werden müssen.

Ein Beispiel sind Konservendosen und der zugehörige Dosenöffner. Es werden oft einfache mechanische Öffner verwendet, obwohl es bereits vollautomatische elektrische Öffner gibt, die viel komfortabler zu bedienen, jedoch teuer und komplizierter sind. Auch die Mechanik, Form und Werkstoffe des einfachen Öffners sind oft mit viel Know-how gestaltet.

Low-Tech wird sowohl in hoch entwickelten Ländern wie auch in Entwicklungsländern eingesetzt. Der Einsatz von teuren hochwertigen Maschinen in Entwicklungsländern hat dort schon mehrfach zu Fehlschlägen geführt. Die High-Tech-Geräte waren nicht auf die rauen Bedingungen vor Ort abgestimmt und damit fehleranfälliger. Die Menschen waren vor Ort nicht in der Lage die komplexen, teuren Maschinen zu warten. Das lag an fehlender Ausbildung, sowie vor allem an der mangelnden Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Werkzeugen (Infrastruktur). Low-Tech-Maschinen können vor Ort gewartet und repariert werden. Die dafür benötigten Werkzeuge und Ersatzteile orientieren sich an den örtlichen Gegebenheiten.

Low-Tech Produkte werden auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und Müllvermeidung entwickelt. Durch die hohe Robustheit haben sie schon ab Werk eine längere Lebensdauer als vergleichbare High-Tech-Produkte. Durch die einfache Wartbarkeit und Reparierbarkeit kann die Lebensdauer mit geringem Aufwand oft erheblich verlängert werden. Die Produkte müssen nicht ersetzt werden. Es sind keine Spezialwerkzeuge und -ersatzteile zur Wartung nötig, die nach Ablauf der Produktlebensdauer mangels anderer Verwendung überflüssig werden. Durch den einfacheren Aufbau und die bessere Zerlegbarkeit lassen sich Low-Tech-Produkte nach ihrer Nutzung leichter demontieren und in ihre Einzelteile zerlegen und damit einem geeigneten Recycling zuführen. Sie kommen häufig auch ohne elektrischen Strom aus. Damit fallen u. a. ökologisch bedenkliche Materialien bei der Herstellung von Elektronik weg. Für den Betrieb reicht meist Handkraft aus, es werden keine Batterien benötigt.

Low-Tech-Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele für Low-Tech-Produkte, die sich vornehmlich an gering entwickelte Regionen richten und Probleme wie die Gewinnung sauberen Trinkwassers, das Kühlen und Zubereiten von Lebensmitteln, etc. mit einfachen Möglichkeiten und ohne Elektrizität ermöglichen:

  • Watercone: Der Watercone ist ein durchsichtiger Kunststoffkegel, der einfach über eine Wasserpfütze oder eine dunkle Wanne gestülpt wird. Die Sonne sorgt für Verdunstung und das klare Wasser kondensiert an den Wänden des Kegels. Es läuft an den unteren Rand des Kegels, wo es gesammelt wird. An der Spitze befindet sich ein Schraubverschluss, durch den dann das gesammelte Wasser abgefüllt werden kann. So entstehen etwa 1,5 Liter Wasser pro Tag.
  • Nebel-Fangnetz, auch Atrapaniebla genannt: Schon seit über 1000 Jahren verwenden die Menschen in Trockengebieten (wie etwa der Atacamawüste) Tücher, die Luftfeuchtigkeit sammeln und so lebenswichtiges Wasser spenden. Die Idee wurde von Fogquest wieder aufgegriffen und umgesetzt. Günstige, 20 Quadratmeter große Kunststoffnetze versorgen nun Menschen in Südamerika, Äthiopien und Jemen mit Wasser. Fogquest erhielt im Jahre 2005 in München den „Internationalen Hundertwasserpreis“.
  • Tonkrugkühler: Beim Tonkrugkühler handelt es sich um zwei Tonkrüge, die ineinander gestellt sind. Zwischen den beiden Töpfen wird Sand eingefüllt und befeuchtet. Durch die Verdunstungskälte sinkt im inneren Topf die Temperatur um einige Grad Celsius; ausreichend um die Haltbarkeit von Lebensmitteln um ein Vielfaches zu erhöhen.[1]
  • Solarkocher: Ein Solarkocher nutzt die Energie der Sonnenstrahlung, um damit Speisen zuzubereiten oder auch Wasser abzukochen. Dazu wird die Einstrahlung durch einen Hohlspiegel gebündelt, in dessen Brennpunkt sich der Behälter mit dem zu erwärmenden Inhalt befindet.

Beispiele für Low-Tech-Produkte, die sich vornehmlich an gut entwickelte Regionen richten und die teure, komplizierte und fehleranfällige Technik durch einfachere, robustere, kostengünstigere und ökologischere Alternativen ersetzen können:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter solar.lowtechmagazine.com existiert eine Version der Webseite, die (entsprechend der Low-Tech-Philosophie) gänzlich ohne Scripting, dynamische Seitengenerierung, etc. auskommt und die nur auf statischen Webseiten basiert. Daneben werden nur Standardschriften verwendet und die Bilder werden per Dithering stärker als auf der regulären Website komprimiert. Eine weitere Besonderheit ist, dass der Server auf einem Einplatinen-Computer läuft, der mit Solarstrom betrieben wird – dementsprechend ist diese Website nicht erreichbar, wenn am Serverstandort die Sonne nicht scheint.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Perrow, Charles: Normale Katastrophen – Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik. Frankfurt/New York: Campus Verlag [amerikanische Originalausgabe: Normal Accidents – Living with High-Risk Technologies. New York: Basic Books].
Der Yale-Professor Charles Perrow zeigt auf, warum komplexe Technik prinzipbedingt fehleranfällig ist und warum alle Sicherungssysteme und jede Sorgfalt bei Produktion und Gebrauch schwere Zwischenfälle nicht verhindern kann. Dies wird theoretisch begründet und an Beispielen wie Kraftwerken, Staudämmen, Bergwerken, Flugsicherung, Petrochemie, etc. erläutert.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. Pölzl. „Topf im Topf: Der Nigerianer Mohammed Bah Abba erfand den einfachsten und billigsten Kühlschrank der Welt“. Südwind-Magazin, Dezember 2000. Abgerufen am 8. Juni 2014.
  2. c’t Magazin: Web-Tipps 24/2018, S. 186. In: c’t-Magazin. Abgerufen am 26. Dezember 2018.