Lucio Russo

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Lucio Russo (* 22. November 1944 in Venedig) ist ein italienischer Physiker, Mathematiker und Wissenschaftshistoriker. Er unterrichtet an der Universität Tor Vergata in Rom.

In der Wissenschaftsgeschichte rekonstruierte er Beiträge des griechischen Astronomen Hipparchos durch Analyse von dessen überlieferten Werken. Er rekonstruierte auch den gemäß Plutarch von Seleukos von Seleukia verteidigten Heliozentrismus des Aristarchos von Samos und beschäftigte sich mit der Geschichte der Gezeiten-Theorien vom Hellenismus bis zur Gegenwart.

Lucio Russo ist Autor von Die vergessene Revolution (italienischer Originaltitel: La rivoluzione dimenticata), worin er nachzuweisen versucht, dass die griechischsprachigen Länder in der Zeit des Hellenismus (4. Jahrhundert bis zum 2. Jahrhundert v. Chr.) eine Explosion des objektiven Wissens über die äußere Welt erlebten.[1] Die damalige Wissenschaft sei mindestens gleich weit entwickelt gewesen wie zu Beginn der sogenannten wissenschaftlichen Revolution des 16. Jahrhunderts. Es habe damals hoch entwickelte Technologien gegeben, auf die man sich erst im 18. Jahrhundert wieder besinnen sollte.

In seinem 2013 erschienenen Buch L' America dimenticata postuliert Russo, dass der amerikanische Doppelkontinent bereits einigen altweltlichen Zivilisationen des Altertums bekannt gewesen sei. Entdeckt haben sollen ihn mutmaßlich die Phönizier oder die Karthager, doch dieses Wissen sei im Verlauf der Expansion Roms während des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts wieder verloren gegangen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lucio Russo: Die vergessene Revolution oder die Wiedergeburt des antiken Wissens. Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-20938-7, doi:10.1007/3-540-27707-2, S. 1 (Einleitung).
  2. Lucio Russo, L' America dimenticata. I rapporti tra le civiltà e un errore di Tolomeo, Mailand (Mondadori Università), 2013