Lucke (Pass)

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Lucke (Pass)
Himmelsrichtung Nord Süd
Passhöhe 366 m ü. NHN
Bundesland Baden-Württemberg
Talorte Lörrach-Tumringen Rümmingen
Ausbau K 6354 bzw. A98
Gebirge Röttler Wald
Profil
Max. Steigung 6 % 12 %
Karte (Baden-Württemberg)
Lucke (Pass) (Baden-Württemberg)
Lucke (Pass)
Koordinaten 47° 37′ 51″ N, 7° 38′ 51″ OKoordinaten: 47° 37′ 51″ N, 7° 38′ 51″ O

BW

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Die Lucke ist ein 366 m ü. NHN hoher Passübergang zwischen Lörrach und Rümmingen, der sowohl von einer Kreis- und diversen Nebenstraßen als auch der Autobahn verwendet wird. Der Pass überwindet eine Erhebung, die sich zwischen den Ausläufern des Tüllinger Berges und dem zum Schwarzwald gehörenden Teil des Röttler Waldes bildet. Als einer von zwei Pässen verbindet die Lucke neben der Wittlinger Höhe das hügelige Markgräfler Land und das untere Kandertal mit dem Wiesental, welche von diesen beiden Höhenzügen getrennt sind und an ihren ineinander greifenden Ausläufern niedriger ausfallen. Aufgrund seiner strategisch geschickten Lage war es immer wieder Ort von Truppenbewegungen und auch kriegerischen Auseinandersetzungen.

Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Südrampe der Lucke beginnt im Lörracher Ortsteil Tumringen und führt über 1,5 Kilometer in einer Haarnadelkurve am Tumringer Friedhof vorbei und überwindet dabei eine Höhendifferenz von 75 Metern, was einer durchschnittlichen Steigung von 5 % entspricht. Die von Lörrach kommende Kreisstraße 6354 heißt auf Lörracher Gemarkung Freiburger Straße.

Die Passhöhe befindet sich etwa 100 Meter vor dem Kreuzungsbereich, der an der Anschlussstelle Kandern zur A 98 führt. Die südliche Abzweigung führt in den Weiler Stadtteil Ötlingen. Nach Norden führt die Kreisstraße über ein Brückenbauwerk über die Autobahn in einer S-Kurve nach Rümmingen mit einer Abzweigung nach Binzen in Richtung Dreispitz. Südlich und nördlich der Autobahnbrücke befinden sich für beide Richtungen Bushaltestellen, die von Überlandbussen bedient werden. An der nördlichen Haltestelle befindet sich zusätzlich ein P+M Parkplatz (Lage).

Diese Nordrampe ist 1,7 Kilometer lang und überwindet dabei einen Höhenunterschied von 79 Metern, was einer durchschnittlichen Steigung von 4,6 % entspricht. Das Steigungsmaximum liegt bei 12 %. Auf Rümminger Gemarkung trägt die Kreisstraße den Namen Lörracher Straße. Parallel zur Autostraße verläuft auch ein Rad- und Fußgängerweg über den Pass.

Autobahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Bundesautobahn 98 führt über den Luckepass, allerdings in Ost-West-Richtung, und verbindet damit die Oberrheinische Tiefebene ausgehend vom Autobahndreieck Weil am Rhein mit dem Wiesental. Der ostwärtige Verlauf dieses Abschnittes führt bogenförmig zur Wiesentalbrücke und dann weiter in Richtung Rheinfelden. Direkt am Pass ist die Anschlussstelle Nummer 4 Kandern. Anschlüsse bieten sich hier zur Kreisstraße nach Kandern in Richtung Norden und nach Lörrach-Turmringen, in südliche Richtung sowie weiter zur Landesstraße 141. Das gesamte Verkehrsbauwerk befindet sich auf dem Gemarkungsgebiet der Stadt Lörrach und bildet mit seinen westlichen Umrissen die Stadtgrenze zum Gemeindeverwaltungsverband Vorderes Kandertal bzw. der Gemeinde Binzen.

Durch die unmittelbare Nähe zum Weiler Rötteln ist von der Autobahn die Röttler Kirche gut zu sehen, die nachts beleuchtet wird und damit weithin sichtbar ist. Beim Überschreiten des Luckepasses in östlicher Fahrtrichtung weist eine Unterrichtstafel auf die Burgruine Rötteln und das Wiesental, die beide in Richtung der Wiesentalbrücke in diesem Autobahnabschnitt gut zu sehen sind.

Nebenstraßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl nördlich wie südlich der Passstraße für den motorisierten Individualverkehr führen weitere asphaltierte Nebenstraßen über den Pass. Der nördliche Weg führt in Richtung Burg Rötteln, eine Abzweigung unterquert die Autobahn und führt zum Weiler Rötteln. Dieser Weg ist auch Teil einer Strecke, die zum Radnetz Baden-Württemberg gehört und von Schliengen bis Grenzach-Wyhlen führt. Der 264 Kilometer lange Rundweg, der Südschwarzwald-Radweg, führt ebenso über die Lucke wie der trinationale, 197 Kilometer lange Dreiland-Radweg.

Von der Ortsmitte Tumringens führt die nach der Lucke benannte Straße über Feldwege in einer durchschnittlichen Steigung von 10 % auf 650 Metern ebenfalls hinauf zum Pass. Dieser Weg ist Teil der 13. Etappe des Westweges (Variante A, Westvariante), die von der Burg Rötteln über die Lucke nach Tüllingen führt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ur- und Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pass Lucke als niedrigste Verbindung zwischen dem Wiesental und dem Markgräflerland gilt als bedeutsame Verbindung zwischen dem Hochrhein- und dem Oberrheintal und ist daher auch von siedlungstechnischer Bedeutung. Vom Passscheitel in Richtung des Bergkams zweigt die „Hohe Straße“ ab, die mit hoher Sicherheit bereits in der Frühzeit als Höhenweg genutzt wurde. Der rund dreizehn Kilometer lange Weg führt von Obertüllingen bis zur Scheideck nahe Kandern. Die ältesten Belege von Anwesenheit der Menschen in diesem Bereich gehen auf die Jungsteinzeit um 3500 v. Chr. zurück. Eine 21,6 Zentimeter lange Steinaxt sowie ein 16,8 Zentimeter langes Feuersteinbeil sind die bisher ältesten Funde. Ihre Repliken befinden sich im Dreiländermuseum in Lörrach.[1]

Ein Relikt bäuerlicher Selbstverwaltung war der Zusammenschluss und die Vereinbarung eines gemeinsamen Nutzungsrechts des angrenzenden Waldes zwischen den Ortschaften Binzen und Rümmingen, Wollbach und Wittlingen sowie Tumringen, Haagen und zeitweise Hauingen. Der Wald wurde dazu als "Vier-Höfe-Wald" benannt. Zur Zeit der Landnahme durch die Alamannen – vermutlich ab dem 4. Jahrhundert nach Christi Geburt – bestanden diese Orte tatsächlich jeweils nur aus einem Hof, so dass sich diese Bezeichnung erklärbar macht. Diese Siedlungen rund um die Lucke regelten ohne übergeordnete Herrschaft alle Belange und eventuelle Streitigkeit untereinander selbst. In einem 1405 gefundenen Schriftstück heißt es dazu:[2]

„Item wurde erkannt, dass alle vier Höfe mit ihren Rechten gleich stohn und dass sie ein Allmend haben, welches allen vieren gemeinsam ist, und wer in den vier Höfen gesessen ist, er sei reich oder arm, habe darin gleiches Recht.“

Der Vier-Höfe-Wald, der etwa eine Fläche von 2690 Jucharten, rund 900 Hektar, betrug, war ein Teil des Röttler Waldes. Die Vereinbarung wurde in der Folgezeit von den Herren der Röttler Burg weitgehend ignoriert.[3]

Kriegerische Auseinandersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 sowie auch während des Holländischen Krieges von 1672 bis 1679 stellte sich die Lucke als ein strategisch wichtiger Übergang dar, indem er für Truppenbewegungen verwendet wurde. Das benachbarte Tumringen diente den Garnisonen oft auch als militärischer Stützpunkt, wobei die angrenzenden Felder und die Ortschaft mehr und mehr verwahrlosten und auch geplündert wurden.[4] Als im Zuge der Spanischen Erbfolgekriege (1702 bis 1714) die Festung Hüningen im nahen elsässischen Hüningen durch die Franzosen massiv ausgebaut wurde, gewann sie die Bedeutung eines Ausfalltors in das Deutsche Reich. Deshalb erhielt Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, auch Türkenlouis genannt, den Auftrag, die Reichsgrenzen entlang des Oberrheins zu schützen, was am 14. Oktober 1702 in die Schlacht bei Friedlingen mündete. Diese Auseinandersetzung zwischen 14.000 Armeeangehörigen des Heiligen Römischen Reiches und etwa 20.000 des Königreichs Frankreich fand auf dem Tüllinger Berg und dort insbesondere auf dem Gisinplatz statt, einem freien Feld zwischen dem Käferholz-Wald und der Lucke.[5]

Passübergang Lucke in einer Kartendarstellung von 1777
Darstellung des Luckepasses auf einer Karte von 1916

Auf einer historischen Karte aus der markgräflichen Zeit Badens von 1777, auf der Tumringen, Rötteln und Umgebung dargestellt ist, wird der Passübergang als bey der Lücke bezeichnet.

Auch Anfang des 18. Jahrhunderts kam es zum Einfall und Plünderung der Ortschaften nahe der Lucke durch Soldaten und Ende des 18. Jahrhunderts ein weiteres Mal im Zuge von Nachrevolutionären Auseinandersetzungen, in denen sich französische Soldaten über den Rhein absetzen.[6] Während des Ersten Weltkriegs zogen deutsche Soldaten von der Lucke in die Vogesen in einen Stellungskrieg. Im Winter 1918 kehrten die geschlagenen deutschen Truppen wieder zurück in die Garnisonsstadt Lörrach.

Auch während des Zweiten Weltkrieges war die Lucke ein wichtiger militärischer Transportweg. In Lörrach mit dem Zug eingefahrene deutsche Soldaten marschierten über die Lucke und wurden bei Bauern im Lörracher Umland einquartiert. Ebenso wurde militärisches Gerät, welches am Lörracher Güterbahnhof ankam, über den Pass gebracht und als Panzerabwehr oder Flakunterstand rund um die Lucke und in Rümmingen installiert. Während des Krieges kam es immer wieder zu größeren Bewegungen auch von Zivilisten über den Luckepass. Am 19. Mai 1940 flohen Menschen aus der Umgebung mit ihren Nutztieren, Lebensmittel, Kleidung und anderen Habseligkeiten über die Lucke. Die letzte Kriegshandlung in der Region um Lörrach wurde auf der Lucke ausgetragen, als am 24. April 1945 französische Panzer des 3. Regiments von Müllheim kommend über Rümmingen bis zum Pass vorrückten. Auf Anordnung von Lörrachs Bürgermeister Reinhard Boos und Kreisleiter Hugo Grüner sollte Lörrach bedingungslos verteidigt werden. Dazu wurden die französischen Panzer von Geschützen, die bei einem Steinbruch am Ortseingang von Brombach aufgestellt wurden, beschossen. Ein Panzer wurde durch das Geschütz zerstört, ein weiterer durch eine Panzerfaust. Auf beiden Seiten gab es Tote und Verletzte.[7]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wuchs Lörrach an und damit auch der zunehmende Autoverkehr. Die Lucke entwickelte sich zu einem Nadelöhr der anschwellenden Verkehrsströme. Die vorhandene Bundesstraße war zum damaligen Zeitpunkt die einzige Querverbindung am Ende der A 5 und ließ die Belastung der durchfahrenen Ortschaften extrem ansteigen. Ab 1977 wurde daher am Luckepass durch gewaltige Erdbewegungen ein tieferer Durchlass gegraben und gleichzeitig verbreitert, um eine Autobahn zu bauen. Es entstand ein Kreuzungsgeflecht an Wegen, auf deren Scheitelpunkt seither die Bundesautobahn 98 über die Lucke hinunter zum Wiesental führt und sich von dort über die Wiesentalbrücke weiter ostwärts erstreckt. Der angeschnittene Berg unterhalb des Luckepasses musste mit aufwändigen Baumaßnahmen gegen Nachrutschen gestützt werden. 1983 wurde das Teilstück der Autobahn bis zum Waidhof eingeweiht.[8]

Am 21. Juli 2000 führte die 87. Tour de France durch Lörrach, die von tausenden Fans am Straßenrand begleitet wurde. Die 17. Etappe von Lausanne nach Freiburg im Breisgau (252 Kilometer) erstreckte sich vom Waidhof kommend durch die Lörracher Innenstadt hinauf zur Lucke und im weiteren Verlauf über Kandern zum Etappenziel Freiburg.[9][10] Die Befahrung der Lucke von Süden wurde aufgrund der Kürze und Steigung mit der Kategorie 4 („sehr leicht“) klassifiziert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siedlung am Lucke-Pass. in: Stadt Lörrach (Hrsg.): Lörrach: Lörracher Jahrbuch mit Chronik, Waldemar Lutz Verlag, Lörrach 2016, ISBN 978-3-922107-12-5, S. 12–25.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lucke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siedlung am Lucke-Pass. S. 13.
  2. Siedlung am Lucke-Pass. S. 15.
  3. Siedlung am Lucke-Pass. S. 16.
  4. Siedlung am Lucke-Pass. S. 17–19.
  5. Siedlung am Lucke-Pass. S. 20.
  6. Siedlung am Lucke-Pass. S. 21.
  7. Siedlung am Lucke-Pass. S. 22.
  8. Siedlung am Lucke-Pass. S. 25.
  9. Streckenprofil der 87. Tour de France (2000)
  10. Spiegel Online: Der Breisgau ist aus dem Häuschen, Artikel vom 19. Juli 2000, zuletzt aufgerufen am 5. Juni 2019