Ludovico Manin

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Ludovico Manin

Ludovico Manin (* 14. Mai 1725; † 24. Oktober 1802) war der 120. und letzte Doge der Republik Venedig. Er regierte von 1789 bis zu seiner Abdankung 1797, als er die Stadt an Napoleon Bonaparte übergab. Damit endete auch die eigenständige Geschichte Venedigs.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Februar 1526 erhob Kaiser Karl V. die ursprünglich im Friaul ansässige Familie Manin in den österreichischen Adelsstand. 1651 erwarb die Familie für 100.000 Dukaten die Mitgliedschaft im Patriziat von Venedig.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludovico war Sohn des Ludovico und der Maria Basadonna. Seine Ehe mit Elisabetta Grimani blieb ohne Nachkommen. Vor seiner Wahl hatte Manin eine politische und militärische Karriere durchlaufen, mit Stationen in Venedig, Verona und Brescia. Mit 39 Jahren wurde er zum Prokurator von San Marco gewählt. Manin war für seinen Geiz berüchtigt. Schon am Anfang seines Dogats, bei der er die übliche Großzügigkeit der Dogen vermissen ließ, machte er sich bei der gesamten Bevölkerung Venedigs unbeliebt. Seine Familie besaß die Villa Manin im Friaul.

Das Dogenamt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manin wurde am 9. März 1789 im ersten Wahlgang zum Dogen gewählt, wenige Monate bevor sich die Pariser gegen die Herrschaft der Bourbonen auflehnten und die Französische Revolution begann, mit der auch das Ende der einst so glanzvollen Serenissima eingeläutet wurde.

Territorium der Republik Venedig 1796

Nach dem Einmarsch Napoleons in Italien und seinen militärischen Erfolgen kam es 1795 zu einer ersten Koalition gegen Frankreich, der auch die italienischen Staaten mit der Ausnahme von Genua und Venedig beitraten, die einen neutralen Standpunkt einnahmen. Ohne sich um die bedrohliche außenpolitische Situation zu kümmern, wurden in Venedig der Karneval und die Vermählung des Dogen mit dem Meer mit gewohntem Pomp gefeiert.

Am 1. Juni 1796 fielen französische Truppen in Verona ein. Erst jetzt nahm man in Venedig den Ernst der Lage zur Kenntnis, und Venedigs Diplomatie kam – zu spät – in Bewegung. Ganz Oberitalien war inzwischen zum Schlachtfeld für die französischen und österreichischen Truppen geworden. Am 15. April 1797 stellte der französische General Andoche Junot dem Dogen ein Ultimatum, in dem er die Republik des Verrats bezichtigte, was die Republik nicht akzeptierte. Am 18. April wurde in einem geheimen Zusatz zum Friedensvertrag von Leoben zwischen Frankreich und Österreich vereinbart, dass Venetien, Istrien und Dalmatien an Österreich fallen sollten. Eine Woche später, am 25. April, lag eine französische Flotte vor dem Lido. Venedigs Kanonen versenkten zwar ein Schiff samt Kapitän, der Einzug der Franzosen war jedoch nicht aufzuhalten. Am 12. Mai legte der Doge ohne jeglichen Widerstand sein Amt zugunsten einer provisorischen Verwaltung, der municipalità provvisoria, nieder. Zwei Tage später verließ er den Dogenpalast für immer.

Manins Abdankung 1797 (Gemälde)
Altar der Cappella Manin in der Scalzi-Kirche

Am 16. Mai standen zum ersten Mal in Venedigs Geschichte fremde Truppen auf dem Markusplatz. Am gleichen Tag wurde der Kapitulationsvertrag unterzeichnet, Venedig unterwarf sich der französischen Herrschaft. Der 4. Juni, Tag der Einsetzung einer provisorischen Regierung, wurde als Tag der Freiheit zum Nationalfeiertag erklärt. Im Vertrag von Campoformio vom 17. Oktober 1797 fielen dann Venetien, Dalmatien und Istrien an Österreich. Am 18. Januar 1798 begann mit dem Einzug seiner Truppen die Besatzung der Stadt durch Österreich.

Manin zog sich nach seiner Abdankung mit seinen beiden Neffen in den Palazzo Pesaro a San Stae und dann in den Palazzo Dolfin Manin, den er hatte restaurieren lassen, zurück. Er gab die Dogenkrone (den corno ducale) sowie das Goldene Buch (das Verzeichnis der Mitgliederfamilien des Großen Rats) zurück und soll bei Spaziergängen durch die Stadt gelegentlich beschimpft worden sein, weil er die tausendjährige Republik nahezu kampflos den Franzosen überlassen hatte, was ihr Ende bedeutete. Schließlich soll er selbst alte Freunde nicht mehr empfangen haben. Sein Wunsch, in ein Kloster einzutreten, ließ sich nicht realisieren. Er starb am 24. Oktober 1802 und wurde - auf eigenen Wunsch ohne jeden Pomp - in der Cappella Manin, einer Familiengruft in der Kirche Santa Maria di Nazareth (Scalzi-Kirche) begraben. Ein einfacher Stein enthält dort nur die Inschrift Manini Cineres (Asche der Manins). Da er keine Kinder hatte (sein Bruder führte die Familie fort), richtete er die Manin-Stiftung ein, der er 110.000 Dukaten hinterließ. Sie kümmerte sich um Waisenkinder und geistig Behinderte und stattete Töchter aus armen Familien mit einer Mitgift aus.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ludovico Manin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Paolo Renier Doge von Venedig
1789–1797

(Franz [I.] als Herzog von Venedig)