Ludovika Wilhelmine von Bayern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Joseph Karl Stieler: Porträt der Prinzessin Ludovika Wilhelmine, spätere Herzogin in Bayern, Öl auf Leinwand, um 1828

Ludovika Wilhelmine[1] Prinzessin von Bayern, verheiratete Herzogin Ludovika in Bayern (* 30. August 1808 in München; † 26. Januar 1892 im Herzog-Max-Palais in München), war eine Tochter des bayerischen Königs Maximilian I. Joseph und durch Heirat Herzogin in Bayern. Sie war die Mutter unter anderem der Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn („Sisi“) und der letzten Königin beider Sizilien, Marie in Bayern.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Karl Stieler: Luise (ganz links), Maria Anna und Sophie Friederike, Prinzessinnen von Bayern, auf einer Wiese tanzend, 1812

Prinzessin Ludovika Wilhelmine, genannt Luise, wurde als Tochter von Maximilian I. Joseph (1756–1825), König von Bayern, und seiner zweiten Gemahlin, der Prinzessin Karoline Friederike Wilhelmine (1776–1841), einer Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden und der Prinzessin Amalie Friederike von Hessen-Darmstadt, geboren. Ihre Großeltern väterlicherseits waren der Pfalzgraf Friedrich Michael von Pfalz-Birkenfeld und die Prinzessin Maria Franziska Dorothea von der Pfalz-Sulzbach, die wegen Ehebruchs in ein Kloster verbannt worden war.

Ludovika war die jüngere Schwester von Prinzessin Sophie Friederike, die mit Erzherzog Franz Karl von Österreich die Ehe schloss, aus welcher der spätere Kaiser Franz Joseph I. als Sohn hervorging. Ludovikas Halbbruder war der spätere bayerische König Ludwig I.

Schon im Alter von vier Jahren mussten die Prinzen und Prinzessinnen am Hofleben teilnehmen, unter anderem Theaterbesuche mitmachen, damit sie sich an die Hofetikette gewöhnten. Die Kinder wurden in der Literatur berühmter Klassiker, Geografie und Geschichte unterrichtet und wuchsen zweisprachig auf – Deutsch und Französisch, die Hofsprache. Unter den Lehrern der bayerischen Prinzessinnen befand sich auch der berühmte Philologe Friedrich Thiersch, der 1809 aus Göttingen nach München gekommen war.[2]

Heirat und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herzog Maximilian (Max) Joseph in Bayern, um 1850
Die Kinder: Sophie, Maximilian Emanuel, Carl Theodor, Helene Karoline Therese, Ludwig Wilhelm, Mathilde Ludovika und Maria Sophie Amalie, 1854

Ludovika verliebte sich 1824 in Wien anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester Sophie in Dom Miguel (1802–1866), einen portugiesischen Prinzen aus dem Hause Bragança. Dom Miguel war so angetan von der bayerischen Prinzessin, dass er noch in Wien um ihr Hand anhielt. Ludovikas Vater allerdings lehnte seinen Antrag ab. Möglicherweise lag diese Zurückweisung darin begründet, dass Dom Miguel in Portugal einen Umsturz gegen seinen eigenen Vater angezettelt hatte und sich daher in Wien im Exil befand. Ludovikas Mutter, Königin Karoline von Bayern, bedauerte diese Entwicklung, da es selten sei, eine "eine so ausgesprochen natürliche Neigung zu finden wie in diesem Fall".[3] Als Miguel im Jahre 1828 doch noch König von Portugal wurde, hielt er umgehend nochmals um die Hand von Prinzessin Ludovika an. Der Bote mit dem Brief, der an Ludovikas mittlerweile verwitwete Mutter gerichtet war, traf im September 1828 in Tegernsee ein. Fünf Tage zuvor war Prinzessin Ludovika dort bereits mit Herzog Maximilian in Bayern verheiratet worden. Herzog Maxmilian war ein Großneffe von König Maximilian I. Joseph, Ludovikas Vater. Man verheimlichte Ludovika den Inhalt des Briefes, da man "das Erwachen einer alten LIebe fürchtete", wie Ludovikas Schwager, Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, an seinen Vater schrieb.[4]

Nachdem ihre jüngste Schwester Maximiliane Josepha Karoline, die dem Herzog Max versprochen war, in jungen Jahren verstorben war, wurde an ihrer Stelle Ludovika gegen ihren Willen als seine Verlobte eingesetzt. Auch Herzog Max war von dieser Verbindung nicht angetan, die ihm ebenso auferlegt worden war, da sie politische Vorteile brachte.

Ludovika und Max heirateten am 9. September 1828 in der Stiftskiche St. Quirinus zu Tegernsee. Während der Hochzeitsfeier soll Ludovika beim Werfen des Brautstraußes einen Fluch ausgesprochen haben: "Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende."[5] Der Historiker Christian Sepp hat untersucht, woher diese Überlieferung stammt. Erstmals findet sich dieser Fluch in den Memoiren von einer von Ludovikas Enkelinnen, der Gräfin Marie Louise von Larisch.[6] Marie Louise Gräfin Larisch stammte aus der Ehe von Ludovikas ältestem Sohn, Herzog Ludwig in Bayern, mit der Schauspielerin Henriette Mendel, die zur Baronin Wallersee erhoben worden war. Sie spielte beim Selbstmord des österreichischen Thronfolgers Rudolf, ihres Cousins, eine unrühmliche Rolle und wurde in Folge dessen aus dem Familienverband verstoßen. Sie rächte sich später dafür, indem sie mehrere Bücher mit ihren Erinnerungen veröffentlichte. Um mit ihren Werken möglichst viel Geld zu verdienen, erfand sie zahlreiche skurrile Anekdoten, um ihre Familie in einem möglichst schlechten Licht erscheinen zu lassen. Damit ist Ludovikas "Fluch" erstmals über 100 Jahre nach der Hochzeit am Tegernsee belegt und das durch eine Quelle, die als unglaubwürdig eingestuft werden kann. Darüber hinaus gibt es keine zeitgenössische Quelle, die diesen Fluch belegen würde.[7]

Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor:

⚭ 1859 (morganatisch) Henriette von Wallersee (1833–1891)
⚭ 1892–1913 (morganatisch) Antonie von Bartolf (1871–1956)
⚭ 1858 Erbprinzen Maximilian Anton von Thurn und Taxis (1831–1867)
⚭ 1854 Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn (1830–1916)
⚭ 1865 Prinzessin Sophie Marie von Sachsen (1845–1867)
⚭ 1874 Infantin Maria José von Bragança (1857–1943)
⚭ 1859 König Franz II.beider Sizilien (1836–1894)
⚭ 1861 Prinz Ludwig von Bourbon-Sizilien und Graf von Trani (1838–1886)
⚭ 1868 Ferdinand d’Orléans, duc d’Alençon (1844–1910)
⚭ 1875 Prinzessin Amalie von Sachsen-Coburg und Gotha (1848–1894)

Eheleben und spätere Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herzogin-Witwe in Bayern, um 1890

Die reiche Hinterlassenschaft seiner Mutter, Prinzessin Amalie Luise von Arenberg (1789–1823), zu der unter anderem Besitzungen in Frankreich und ein Palais in Paris gehörten, ermöglichte Herzog Max einen großzügigen Lebensstil. In München errichtete Herzog Max ein Palais an der im Entstehen befindlichen Ludwigstraße, das sogenannte Herzog-Max-Palais. Das von dem Architekten Leo von Klenze erbaute Palais wurde im Oktober 1831 fertiggestellt und im Jahr darauf bezogen, nachdem das Paar aus Italien zurückgekehrt war, wohin man vor der Cholera geflohen war.[8]

Darüber hinaus kaufte Herzog Max im Jahre 1834 die Hofmarken Possenhofen und Garatshausen am Starnberger See. Schloss Possenhofen nutzte die Familie als Sommerresidenz, allerdings verbrachte Herzogin Ludovika hier die meiste Zeit mit den Kindern alleine. Eine Augenzeugin berichtete im August 1844 in einem Brief, dass "die Herzogin mit einem unerkannten Herzen beinahe immer allein für Kinder und Haus sorgt".[9] Herzog Max hingegen war viel unterwegs, ging 1838 auf große Orientreise und weilte häufig zur Jagd auf Schloss Unterwittelsbach bei Aichach. Die Ehe verlief unglücklich, Ludovika und Max lebten mehr nebeneinander her als miteinander.

Während ihr Mann in typisch Wittelsbacher Manier freiheitsliebend und exzentrisch lebte, kümmerte sich Ludovika pflichtbewusst und liebevoll um ihre Kinder. Darüber hinaus ließ sie mit gärtnerischem Enthusiasmus die Landschaft zwischen den beiden Schlössern gestalten und Promenaden entlang der Uferzone anlegen.

Als für ihren Neffen, den jungen Kaiser Franz Joseph, eine Ehefrau gesucht wurde, sah Ludovika ihre letzte große Chance, doch noch in die Nähe der österreichischen Krone zu gelangen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Sophie, der Kaisermutter, erkor sie insgeheim ihre älteste Tochter Helene zu Franz Josephs zukünftiger Ehefrau. Stattdessen verliebte sich der 23-jährige Franz Joseph in seine erst 15-jährige Cousine Elisabeth, Helenes Schwester. Die Hochzeit fand am 24. April 1854 in der Wiener Augustinerkirche statt.

Herzog Max starb nach zwei Schlaganfällen am 15. November 1888. Viele Menschen erwiesen ihm die letzte Ehre, da der volksnahe Herzog sehr beliebt war. Im Jahr darauf, 1889, beging ihr Enkelsohn, der damals 30-jährige Kronprinz Rudolf in seinem Jagdschloss Mayerling Selbstmord.

Der konservierte Leichnam der Ludovika, 1892

Als letztes Mitglied der Familie des ersten bayerischen Königs starb die Herzogin-Witwe Ludovika Wilhelmine in Bayern am 26. Januar 1892 in München im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer Bronchitis-Erkrankung. Ihre sterblichen Überreste wurden in der Familiengruft auf Schloss Tegernsee in Tegernsee – neben ihrem Ehemann – bestattet.

Titel in verschiedenen Lebensphasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1808–1828 Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Ludovika von Bayern
  • 1828–1888 Ihre Königliche Hoheit Die Herzogin in Bayern
  • 1888–1892 Ihre Königliche Hoheit Die Herzogin-Witwe in Bayern

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ludovika Wilhelmine von Bayern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In einigen Publikationen wir ihr Name fälschlicherweise mit "Maria Ludovika" angegeben, so zum Beispiel bei Michaela und Karl Vocelka: Sisi. Leben und Legende einer Kaiserin, München: C.H.Beck 2014. Das im Geheimen Hausarchiv befindliche Geburts- und Taufzeugnis belegt, dass sie auf den Namen Ludovika Wilhelmine getauft wurde. Vgl. dazu: Christian Sepp: Ludovika. Sisis Mutter und ihr Jahrhundert, München: August Dreesbach Verlag 2019, S. 56f und 417.
  2. Christian Sepp: Ludovika. Sisis Mutter und ihr Jahrhundert. München 2019, S. 69f.
  3. Christian Sepp: Ludovika. Sisis Mutter und ihr Jahrhundert. München 2019, S. 126–129, Zitat: S. 129.
  4. Christian Sepp: Ludovika. Sisis Mutter und ihr Jahrhundert. München 2019, S. 153/154.
  5. Hans Kratzer: „Sisis Vater war ein aristokratischer Sonderling“. In: Süddeutsche Zeitung, 10. Oktober 2016 (abgerufen am 5. Juli 2018); Alfons Schweiggert: Herzog Max in Bayern. Sisis wilder Vater. München 2016, S. 40.
  6. Marie Louise von Wallersee, vormals Gräfin Larisch: Kaiserin Elisabeth und ich. Leipzig 1935.
  7. Christian Sepp: Ludovika. Sisis Mutter und ihr Jahrhundert. München 2019, S. 153.
  8. Christian Sepp: Ludovika. Sisis Mutter und ihr Jahrhundert. München 2019, S. 168.
  9. Christian Sepp: Ludovika. Sisis Mutter und ihr Jahrhundert. München 2019, S. 202