Ludwig Abeille

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Johann Christian Ludwig Abeille (* 20. Februar 1761 in Bayreuth; † 2. März 1838 in Stuttgart) war ein deutscher Pianist, Organist, Konzertmeister, Cembalist, Dirigent, Komponist und Musikpädagoge.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren wurde Abeille als Sohn eines fürstlichen Kammerdieners. Im Alter von elf Jahren kam er an die Hohe Karlsschule nach Stuttgart.[2] Er erfuhr seine musikalische Ausbildung bei Antonio Boroni, Ferdinando Mazzanti und Johann Gottlieb Sämann an der Karlsschule in Stuttgart. In dieser Zeit unterstützte der Schüler Abeille schon die Hofmusik in Stuttgart. 1782 trat er aus der Karlsschule aus und wurde wirkliches Mitglied der Hofmusik des Herzogs Friedrich Wilhelm Karl von Württemberg , der 1803 Kurfürst und 1806 König von Württemberg wurde.[2] 1802 wurde Abeille dort Nachfolger von Johann Rudolf Zumsteeg als Konzertmeister. 1815 wurde er Hoforganist an der Hofkirche und Direktor der Stiftsmusik. 1832 ging er in den Ruhestand, da sein Gesundheitszustand einen weiteren Dienst unmöglich machte, und erhielt die große, goldene königliche Verdienstmedaille.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abeille schrieb Klavier-, Kammer- und Gesangsmusiken sowie die Singspiele Amor und Psyche und Peter und Aennchen.

  • Amor und Psyche, Singspiel 4 Akte. Libretto: Franz Karl Hiemer. Uraufführung: 18. Januar 1800 Stuttgart, Hoftheater
  • Der Hausmeister, Singspiel 2 Akte. Uraufführung: 1805 Stuttgart
  • Peter und Aennchen, Singspiel 2 Akte. Libretto: Franz Karl Hiemer, nach Charles-Simon Favart Annette et Lubin. 29. September 1809 Ludwigsburg
  • Fantaisie für Klavier op. 4
  • Grand Trio für Klavier, Violine und Violoncello C-Dur op.20; Offenbach 1798 [3][4]
  • Klavierkonzert in B-Dur op.5; Offenbach 1793[4]
  • Konzert für Klavier zu 4 Händen und Orchester op.6; Offenbach 1793[4]
  • Sonate für Klavier zu vier Händen op. 22
  • Der Aschermittwoch oder Cantate für Klavier op. 11; Augsburg 1798[4]
  • Die entschlafene Liebe, Lied
  • Lieder nach Gedichten von Hübner; 1. Band:Stuttgart 1788; 2. Band: Stuttgart 1791[4]
  • Hirtenlieder von Florian; Heilbronn 1795[4]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bewertungen in den Musiklexika des 19. und frühen 20. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerber sieht Abeille als auffallendes Beispiel, wie weit es Talente, durch Fleiß unterstützt, und durch gute Muster genährt, in kurzem bringen können. Seine Werke sieht er als Zeugnisse seines Geschmacks und seiner ästhetischen Kenntnisse an. Als Beispiel führt er das Klavierkonzert für 4 Hände op. 6 an..[4] Schilling bezeichnet Abeille als ausgezeichneten und würdigen Tonkünstler. Über seine Klavierkompositionen schreibt er weiter, dass sie aufs sprechendste von seiner eigenen großen Fertigkeit auf diesem Instrument zeugen. Und über seine Kompositionen für Gesang befindet er, dass sie sich durch fliessende Melodie auszeichnen und zum Theil verdienten, mehr bekannt zu sein, als zu werden sie das Glück hatten. Als Hauptwerke, die haupthsächlich genannt zu werden verdient haben, nennt er zuerst das Aschermittwochslied, gefolgt von den Opern Amor und Psyche und Peter und Ännchen, mehreren Sammlungen von Liedern, mehrere Konzerte und Trio's für's Clavier.[2] Bernsdorf nennt Abeille einen höchst gebildeten Tonkünstler und einen tüchtigen Pianisten, Orgelspieler und Komponisten. In seiner fünfzigjährigen Dienstzeit habe er sich durch ungemeine Thätigkeit, tiefe Sachkenntnis und große Umsicht ausgezeichnet. Unter den Kompositionen Abeilles hebt Berndorf die beiden Opern und viele Gesänge mit Pianoforte hervor. Carl Maria von Weber habe zu Recht den lieblichen, schönen Gesang und die fleißige Behandlung des Ganzen gerühmt. Berndorf erkennt in den Klavierkompositionen ein rühmliches Zeugnis seiner für die damalige Zeit sehr bedeutenden Virtuosität auf diesem Instrumente und nennt namentlich das Konzert für Klavier zu 4 Händen und Orchester op.6. Auch Jacobi's Aschermittwochslied hält er noch einer besonderen Erwähnung wert. Er bewertet abschließend: „War er auch kein hochbegabter Geist, so besaß er doch in hohem Grade das Talent des Anmuthigen und Zierlichen, stand durch vielseitiges und ernstes Studium auf bedeutender Höhe der Kunstbildung, und verdient selbst noch jetzt größere Beachtung, als in Folge zu großer Bescheidenheit ihm in weiteren Kreisen zu Theil geworden.“ Zu Beginn führt er als Sterbedatum 1832 an.[5] Bei Gollmick 1857 ist er überhaupt nicht erwähnt. 1865 nennt ihn Schuberth einen tüchtigen Orgelspieler und Pianisten und bezeichnet Amor und Psyche, die Konzerte, Trios und Klaviersonaten zwar als bemerkenswerth, aber als jetzt veraltet.[6]

Hermann Mendel schreibt 1870 in seinem Musikalischen Conversations-Lexikon, dass er seine Ämter pünktlich, treu und gewissenhaft verwaltete. Auch er erwähnt die beiden Opern und bezeichnet sie als melodiös, Er führt auch die ihrerzeit beliebten Klavierkonzerte und Trios auf. Über die Lieder schreibt er, dass sie einfach, natürlich und innig seien und hauptsächlich in Schulen noch jetzt gern gesungen werden.[7] Rochus von Liliencron nimmt zwar einen Artikel in die Allgemeine Deutsche Biografie, seine Bewertung fällt aber deutlich kritischer als die seiner Vorgänger aus. „Trotz tüchtiger Technik hebt sich doch Weniges darunter über die Bedeutung der Tageslitteratur. [8] Die Opern, wie seine zu ihrer Zeit besonders beliebte Aschermittwochscantate bewegen sich meistentheils in matten Nachklängen theils Gluck’scher, theils Mozart’scher Musik. Am meisten Verbreitung haben mit Recht seine gefälligen Lieder gefunden, darunter manche maurerische.“[8] Riemann schreibt 1880 noch einen kurzen Artikel, mit den Lebensdaten, zählt die beiden Ämter Konzertmeister und Hoforganist in Stuttgart auf, wertet ihn als vortrefflichen Klavier- und Orgelspieler und fruchtbaren Komponisten, führt allgemein als Werke Opern und Kammermusik auf und erwähnt, dass seine Lieder in den Schulen noch gesungen werden. Dieser Artikel wird bis 1929 in allen Auflagen weitergeführt. Erst Alfred Einstein arbeitet den Artikel um, verändert, dass im 19. Jahrhundert erwähnte Sterbejahr 1832 auf den 2. März 1 ab 1838, erwähnt wieder Amor und Psyche, verändert die Kammermusik zu Klaviersachen und Liedern, streicht dafür die Passage mit den in der Schule gesungenen Lieder und führt das erste Mal seine Arbeit als Mitherausgeber der Musikalischen Monatsschrift (1784) und des Musikalischen Potpourris (1790) an. Er berichtet, dass einige seiner Lieder von A. Bopp in einem Liederbuch aus Schwaben 1918 in Tübingen veröffentlicht wurden[9] und gibt noch eine Dissertation aus dem Jahre 1924 als Quelle an, nämlich K. Häring: Fünf schwäbische Liederkomponisten: Abeille, Eidenbenz, Dieter Schwegler und Christmann.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Ludwig Gerber: Abeille (Ludwig). In: Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler; Leipzig; 1812[4]
  • Gustav Schilling: Joh. Chr. Ludw. Abeille. In: Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften, oder, Universal-Lexicon der Tonkunst; Stuttgart; 1835[2]
  • Eduard Bernsdorf: Joh. Chrstn. Ludw. Abeille. In: Neues Universal-Lexikon der Tonkunst; Band 1, Dresden; 1856[5]
  • Hermann Mendel: Joh. Chr. Ludw. Abeille. In: Musikalisches Conversations-Lexikon, Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften; Band 1; 1870[7]

Diskographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Digitalisierte Noten und Libretti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatsbibliothek Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Badische Landesbibliothek Karlsruhe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tischlied: Mich ergreift, ich weiß nicht wie

Bayerische Staatsbibliothek München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Württembergische Landesbibliothek Stuttgart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leichte Stücke für's Gesang und Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Abeille: Rondeau: in Leichte Stücke für's Gesang und Klavier
Musikalisches Potpourri; Drittes Vierteljahr 1790;[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Universitätsbibliothek Tübingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Schoen: Abeille, Ludwig (1761–1838), Komponist – BMLO. Abgerufen am 18. Februar 2017.
  2. a b c d Gustav Schilling: Abeille, Joh. Chr. Ludw. In: Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften, oder, Universal-Lexicon der Tonkunst. Band 1. Köhler, Stuttgart 1835 (google.de).
  3. Ludwig Abeille: Grand Trio pour le Piano-Forte avec Violon et Violoncelle : Œuvre 20me. André, Offenbach am Main 1798, OCLC 316286134.
  4. a b c d e f g h Ernst Ludwig Gerber: Abeille (Ludwig). In: Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler. 1812, abgerufen am 18. Februar 2017.
  5. a b Eduard Bernsdorf: Joh. Chrstn. Ludw. Abeille. In: Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Band 1. Schaefer, Dresden 1856 (google.de).
  6. Julius Schuberth: Abeille, Louis Joh. Christian. In: Kleines musikalischer Conversations-Lexikon ein encyklopaedisches Handbuch enthaltend das Wichtigste aus der Musikwissenschaft, die Biographien aller berühmten Componisten, Virtuosen, Dilettanten, musikal. Schriftsteller und Instrumentenmacher, sowie Beschreibung alter Instrumente und Erklärung der in der Musik vorkommenden Fremd- u. Kunstwörter : Für Tonkünstler und Musikfreunde, verfasst. J. Schuberth & Co., Leipzig & New York 1865 (mdz-nbn-resolving.de).
  7. a b Hermann Mendel: Abeille, Joh. Chr. Ludw. In: Musikalisches Conversations-Lexikon. Band 1, 1870 (google.de).
  8. a b Rochus von Liliencron: Johann Christ. Ludwig Abeille. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Band 1. Duncker & Humblot, Leipzig 1875 (digitale-sammlungen.de).
  9. A. Bopp: Ein Liederbuch aus Schwaben. Verlag des Schwäbischen Albvereins (e.V.),, Tübingen 1918, OCLC 313871614, S. 96.
  10. Abeille; J. Ch. Ludwig. In: Alfred Einstein (Hrsg.): Riemanns Musiklexikon. 11. Auflage. Band 1, 1929 (archive.org).