Ludwig Ewers

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Ludwig Ewers (* 29. Oktober 1870 in Lübeck; † 24. Januar 1946 in Hamburg)[1] war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Ewers besuchte das Katharineum,[2] wurde aber 1890 von seinem Vater, dem Fabrikanten Friedrich Ewers, von der Lehranstalt genommen. Er begann eine Ausbildung in Lübecks seinerzeit renommiertester Buchhandlung, brach diese aber vor ihrem Abschluss ab, ähnlich wie sein fast gleichaltriger Freund Heinrich Mann.

In Berlin hörte er Vorlesungen über Literaturgeschichte, Ästhetik, Geschichte und Volkswirtschaft.

Auf Anraten Ida Boy-Eds arbeitete er nun als Journalist. Zunächst, 1896/97, als Redakteur bei der Anhaltischen Zeitung in Dessau, danach bis 1901 als 2. Redakteur bei der Bonner Zeitung. Hier lernt er die Frau kennen, die er am 21. Juli 1900 heiratete.[3] 1902 arbeitete er bei der Frankfurter Oderzeitung und ab 1904 bei der Königsberger Allgemeinen, bevor er 1914 bei den Hamburger Nachrichten begann, die ihn 1937 als Schriftleiter pensionierten.

Im ersten Nachkriegswinter starb er Anfang 1946 in Hamburg-Wandsbek. Es herrschte Hunger, die Presselandschaft war so verwüstet wie die Stadt selbst. Es wurde keine Notiz zu Ewers' Tod publiziert. Ida Boy-Ed hatte zwei Jahrzehnte zuvor eine Rezension geschrieben, die als Nachruf hätte dienen können: Er wurde nie müde, Licht und Schatten vergangener Tage zu beschwören.

Roman Die Großvaterstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Werbeanzeige (1854)
Briefkopf (1898)

Es wird um den Erhalt des Holstentores gestritten und dabei auf die lübische Deutung der am Tor befindlichen Buchstaben ’’S.P.Q.L.’’ eingegangen. Der Leser erlebt den Bau des ersten Bahnhofes von der ersten Reaktion des Prinzipals des Katharineums auf die dänische Zustimmung zu deren Bau bis zur ersten Fahrt des Zuges.

Porträtähnlich handeln hier einstmals bedeutende Personen der Stadt, so z. B. als Fritz Normann, einer der beiden Protagonisten Friedrich Ewers, Daniel Heinrich Carstens (D. H. Asmuß) – den Vater der ersten Konservenfabrik, Georg Goßmann (Gustav Griepenkerl), Heinrich Schunck (Jürgen Kruth) als der andere Protagonist. Wilhelm Jensen (Axel Feddersen), der von Schunck und Goßmann gefördert wurde, macht seine ersten dichterischen Schritte.

Die Revolution von 1848 in Lübeck, während der das Lübecker Militär es vorzog, nicht einzugreifen, als der Senat vor der Volksmasse floh. Senator Buddenbrook schlüpfte in die Rolle eines Senatsmitglieds, während sich Fritz am Aufstand beteiligte. Infolge jenes Ereignisses besetzte das Mecklenburger Militär zeitweise die Stadt.

Die Kaufmannsausbildung wird geschildert: Die fünfjährige, sechstägige, oft bis zu siebzehn Stunden andauernde Mühsal der Ausbildung. Es wird ein Sortiment gewandelt, ein Geschäftszweig wird neu gegründet, ein anderer macht Bankrott, Lagerwirtschaft, Buchhaltung (z. B. Privatentnahmen), ungesetzliche Mitarbeiterbereicherung, die Ankunft der Dampfschifffahrt in Lübeck, Bugsierschiffahrt, der Burnout.

Die Stadt wird den Lübeckern von Ortsfremden erklärt, indem sie sie durch das Fredenhagen-Zimmer oder die Marienkirche führen. Die Nadelöhre des alten Holsten- oder Mühlentores treten auf, für Neuigkeiten in der Stadt war – bis Ende des Ersten Weltkriegs - die Börse zuständig, der 1904 abgerissene Dammansturm ist neben dem Tivoli noch ein Treffpunkt der Hansestädter, die Schilderung des Weihnachtsmarktes oder von Brockmöllers (Sootmöllers) Weinstube, das v. Großheimsche (v. Hohensteinsche) wie das Assmussche Haus sind häufige Handlungsorte des Buches.

Wiederkehrende Themen sind Kuppelei und Heiratsanbahnung. So ist Kruth, ehe er sich versieht, verheiratet. Nachdem seine Frau während der Pest starb, versucht man ihn mit einer Schauspielerin zu verbandeln – deren Vollendung jedoch in letzter Sekunde daran scheitert, dass er sich weigert, ins Theater zu gehen. Der ehemals in der Stadt befehlshabende Mecklenburger Offizier tritt an seine Stelle. Normann soll eine Lehrerin ehelichen, was bis zuletzt nicht gelingt.

Ida Boy-Ed nannte das Buch in ihrer Buchbesprechung in den Lübeckischen Blättern „ein Werk von kulturhistorischem Wert für Lübeck“.[4] Ewers habe mit künstlerischer Gewissenhaftigkeit alles Geschehen in der Hansestadt stets mit dem Hintergrund des Weltgeschehens in organischen Zusammenhang gebracht.

Einflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ewers Klassen- und Deutschlehrer in der Quinta und Untertertia auf dem Katharineum, Dr. Herrmann Genzken (1856–1932), brachte ihm Sprache und Literatur nahe. Thomas Mann, ebenfalls Schüler am Katharineum, ließ hingegen kein gutes Haar an dem Pädagogen, der als Vorlage für Dr. Goldener in den Buddenbrooks diente.

Genannt wird außerdem Heinrich Mann. Von 1889 bis 1913 entwickelte sich zwischen Ewers und ihm eine enge Jugendfreundschaft, die mit der Zeit abkühlte. Sie sandten sich zahlreiche Briefe. Die von Heinrich Mann sind erhalten und wurden 1980 von Ernst Hauswedell im Aufbau-Verlag veröffentlicht; das Nachwort von Ulrich Dietzel konzentriert sich vor allem auf Heinrich Mann.[5] Als Ewers' erste Romane herauskamen, gehört Heinrich Mann zu den schärfsten Kritikern. 1904 riet ihm Heinrich Mann für sein literarisches Schaffen: „Bleibe bei der Wasserkante! Du kennst sie so gut und besser als die, die heute mit Heimatkunst berühmt und reich werden. Benutze die Konjunktur: Führe die Berliner höchstens als Badegäste ein und halte Dich im übrigen an Travemünde und Umgebung.“[6]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am Mühlenteich (Gedicht); Conrads seinerzeit renommierten Zeitung Die Gesellschaft, München 1890
  • Kinderaugen (Skizzen von Ludwig Ewers); Lübeckische Blätter, Jg. 39, Ausgabe Nr. 1 vom 3. Februar 1897
  • Frau Ingeborgs Liebesgarten - Ein rheinischer Roman; Verlag Hugo Schmidt, München, 722 Seiten, 1912[7]
  • Geschichten aus der Krone; Novellensammlung zu dem im Vorjahr erschienenen Roman, 1913
  • Von Belgien zur Westfront; Sammlung von Wehrmachtberichten, 1915
  • Die Großvaterstadt; Hugo Schmidt, München 1926[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Schwalm: Almanach deutschsprachiger Schriftsteller. 23. Jahrgang, Manstedt, Marquartstein 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auskunft des Amtes für zentrale Meldeangelegenheiten vom 29. Dezember 1998
  2. Ludwig Ewers Schattenbilder katahrineischer Erinnerung in: Festschrift zur Vierhundertjahrfeier des Katharineuns zu Lübeck 1531-1931
  3. Stadtarchiv Lübeck, Nachlass Ewers
  4. Lübeckische Blätter: Ausgabe vom 19. Dezember 1926, 68. Jg., Nr. 52
  5. Heinrich Mann: Briefe an Ludwig Ewers. Aufbau-Verlag, Berlin, 1980
  6. Heinrich Mann schrieb diese Zeilen wahrscheinlich nach der Lektüre von Seetang (Skizzen und Novellen)
  7. Um eine Kritik gebeten, beurteilte Thomas Mann den Roman in einem Brief vom 29. Januar 1913 wohlwollend.
  8. 3. Auflage 1980. ISBN 978-3-925402-09-8.