Ludwig Ewers

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Ludwig Ewers (* 29. Oktober 1870 in Lübeck; † 24. Januar 1946 in Hamburg)[1] war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Ewers besuchte das Katharineum,[2] wurde aber 1890 von seinem Vater, dem Fabrikanten Friedrich Ewers, von der Lehranstalt genommen. Er begann eine Ausbildung in Lübecks seinerzeit renommiertester Buchhandlung, brach diese aber vor ihrem Abschluss ab, ähnlich wie sein fast gleichaltriger Freund Heinrich Mann.

In Berlin hörte er Vorlesungen über Literaturgeschichte, Ästhetik, Geschichte und Volkswirtschaft.

Auf Anraten Ida Boy-Eds arbeitete er nun als Journalist. Zunächst, 1896/97, als Redakteur bei der Anhaltischen Zeitung in Dessau, danach bis 1901 als 2. Redakteur bei der Bonner Zeitung. Hier lernt er die Frau kennen, die er am 21. Juli 1900 heiratet.[3] 1902 arbeitete er bei der Frankfurter Oderzeitung und ab 1904 bei der Königsberger Allgemeinen, bevor er 1914 bei den Hamburger Nachrichten begann, die ihn 1937 als Schriftleiter pensionierten.

Im ersten Nachkriegswinter starb er Anfang 1946 in Hamburg-Wandsbek. Es herrschten zu jener Zeit Hunger und Frost vor. Die Presselandschaft war verödet. So wurde nicht die kleinste Notiz zum Tode des Autors publiziert. Zudem wäre es in jenen Tagen nicht opportun gewesen, über jemanden, der bis in die 30er Jahre als politischer Redakteur aktiv war, zu berichten.

Ida Boy-Ed verfasste zwei Jahrzehnte vorher eine Kritik, die als Nachruf hätte dienen können: Er wurde nie müde, Licht und Schatten vergangener Tage zu beschwören.

Einflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da war zum Einen sein Klassen- und Deutschlehrer in der Quinta und Untertertia auf dem Katharineum, Dr. Herrmann Genzken (1856-1932). Dieser brachte ihm die Sprache und Literatur nahe. In den Lübeckischen Blättern. Als Dr. Goldener in den Buddenbrooks ließ Thomas Mann hingegen kein gutes Haar an ihm.

Zum Anderen war dort Heinrich Mann. Von 1889 bis 1913 entwickelte sich zwischen ihnen eine enge Jugendfreundschaft, die mit der Zeit abkühlte. Sie sandten sich zahlreiche Briefe. Die von Heinrich Mann sind erhalten und wurden 1980 von Ernst Hauswedell im Aufbau-Verlag veröffentlicht. Ulrich Dietzel, der hierfür das Nachwort schrieb, richtete dieses einseitig auf Heinrich Mann aus.[4] Als Ewers beginnt Romane zu schreiben, gehört er zu seinen schärfsten Kritikern. Ewers Laudatio zum 50. Geburtstag Heinrich Manns, abgedruckt am 27. März 1921 in den Hamburger Nachrichten, wurde zum Abgesang und Abschied. 1904 riet ihm Heinrich Mann für sein literarisches Schaffen: Bleibe bei der Wasserkante! Du kennst sie so gut und besser als die, die heute mit Heimatkunst berühmt und reich werden. Benutze die Konjunktur: Führe die Berliner höchstens als Badegäste ein und halte Dich im übrigen an Travemünde und Umgebung.[5]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am Mühlenteich (Gedicht); Conrads seinerzeit renommierten Zeitung Die Gesellschaft, München 1890
  • Kinderaugen (Skizzen von Ludwig Ewers); Lübeckische Blätter, Jg. 39, Ausgabe Nr. 1 vom 3. Februar 1897
  • Frau Ingeborgs Liebesgarten - Ein rheinischer Roman; Verlag Hugo Schmidt, München, 722 Seiten, 1912
Der Roman spielt in Bonn und zeichnet sich u. a. durch Ewers exakte geschichtliche Studien aus. Um eine Kritik gebeten, beurteilte Thomas Mann den Roman in seinem Brief vom 29. Januar 1917 wohlwollend.
  • Geschichten aus der Krone; Novellensammlung zu dem im Vorjahr erschienenen Roman, 1913
  • Von Belgien zur Westfront; Sammlung von Wehrmachtberichten, 1915
  • Die Großvaterstadt; Verlag Hugo Schmidt, München, 2 Bändig, 1926
Die Nachfrage war so groß, dass der Lübecker Verlag Schmidt-Römhild, gegen alle Hindernisse 1942 eine zweite Auflage. durchsetzen konnte und davon 4245 Exemplare des nun Einbändigen Werkes verkaufte.
1980 erschien die 3. Auflage beim Dräger-Druck. ISBN 978-3-925402-09-8.

Die Großvaterstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbeanzeige (1854)
Briefkopf (1898)

Wegen der Überfülle des Stoffes, die ihm aus den Aufzeichnungen seines Vaters erwuchs, benötigte der Autor zwei Bände der Großvaterstadt.

Ida Boy-Ed nannte das Buch in ihrer Buchbesprechung in den Lübeckischen Blättern[6] „ein Werk von kulturhistorischem Wert für Lübeck“. So hat Ewers mit künstlerischer Gewissenhaftigkeit alles Geschehen in der Hansestadt stets mit dem Hintergrund des Weltgeschehens in organischen Zusammenhang gebracht. Es wird um den Erhalt des Holstentores gestritten und dabei auf die lübische Deutung der am Tor befindlichen Buchstaben ’’S.P.Q.L.’’ eingegangen. Der Leser erlebt den Bau des ersten Bahnhofes von der ersten Reaktion des Prinzipals des Katharineums auf die dänische Zustimmung zu deren Bau bis zur ersten Fahrt des Zuges.

Portraitähnlich handeln hier einstmals bedeutende Personen der Stadt, so z. B. als Fritz Normann, einer der beiden Protagonisten Friedrich Ewers, Daniel Heinrich Carstens (D. H. Asmuß) – den Vater der ersten Konservenfabrik, Georg Goßmann (Gustav Griepenkerl), Heinrich Schunck (Jürgen Kruth) als der andere Protagonist. Wilhelm Jensen (Axel Feddersen), der von Schunck und Goßmann gefördert wurde, macht seine ersten dichterischen Schritte.

Die Revolution von 1848 in Lübeck, wo das Lübecker Militär es vorzog nicht einzugreifen, als der Senat vor dem Mob floh. Senator Buddenbrook schlüpfte in die Rolle eines Senatsmitglieds, während der Fritz im Mob war. Infolge jenes Ereignisses besetzte das Mecklenburger Militär zeitweise die Stadt.

Der Kaufmann erkennt anschaulich das wieder, was er während seiner Ausbildung mühsam erlernte. Die fünfjährige, sechstägige, oft bis zu siebzehn Stunden andauernde Mühsal der Ausbildung. Es wird ein Sortiment gewandelt, ein Geschäftszweig wird neu gegründet ein anderer macht Bankrott, Lagerwirtschaft, Buchhaltung (z. B. Privatentnahmen), ungesetzliche Mitarbeiterbereicherung, die Ankunft der Dampfschifffahrt in Lübeck, Bugsierschiffahrt, der Burnout, ...

Die Stadt wird den Lübeckern von Ortsfremden erklärt, indem sie sie durch das Fredenhagen-Zimmer oder die Marienkirche führen. Die Nadelöhre des alten Holsten- oder Mühlentores treten auf, für Neuigkeiten in der Stadt war – bis Ende des Ersten Weltkriegs - die Börse zuständig, der 1904 abgerissene Dammansturm ist neben dem Tivoli noch ein Treffpunkt der Hansestädter, die Schilderung des Weihnachtsmarktes oder von Brockmöllers (Sootmöllers) Weinstube, das v. Großheimsche (v. Hohensteinsche) wie das Assmussche Haus (heute steht dort das der Firma Oskar Bedué) sind häufige Handlungsorte des Buches. Die dort gegründete Konservenfabrik existiert noch heute als Erasmi & Carstens (wenn auch mit anderem Sortiment).

Es wird während des ganzen Buches der Kuppelei nachgegangen. So ist Kruth, ehe er sich versieht, verheiratet. Nachdem seine Frau während der Pest starb, versucht man ihn mit einer Schauspielerin zu verbandeln – deren Vollendung jedoch in letzter Sekunde daran scheitert, dass er sich weigert, ins Theater zu gehen. Der ehemals in der Stadt befehlshabende Mecklenburger Offizier tritt an seine Stelle. Normann soll eine Lehrerin ehelichen, was aber das ganze Buch hinüber scheitert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Schwalm: Almanach deutschsprachiger Schriftsteller. Manstedt-Verlag, 23. Jahrgang, Marquartstein 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auskunft des Amtes für zentrale Meldeangelegenheiten vom 29. Dezember 1998
  2. Ludwig Ewers Schattenbilder katahrineischer Erinnerung in: Festschrift zur Vierhundertjahrfeier des Katharineuns zu Lübeck 1531-1931
  3. Stadtarchiv Lübeck, Nachlass Ewers
  4. Heinrich Mann: Briefe an Ludwig Ewers. Aufbau-Verlag, Berlin, 1980
  5. Heinrich Mann schrieb diese Zeilen wahrscheinlich nach der Lektüre von Seetang (Skizzen und Novellen)
  6. Lübeckische Blätter: Ausgabe vom 19. Dezember 1926, 68. Jg., Nr. 52