Ludwig Feyerabend

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Ludwig Hermann Oswald Feyerabend (* 17. Oktober 1855 in Auras an der Oder; † 11. Oktober 1927 in Würzburg) war ein deutscher Prähistoriker und langjähriger Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums Görlitz.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Feyerabend, der Sohn des Predigers Oswald Feyerabend (1809–1872)[1] und der Therese Tischer, besuchte das Gymnasium in Jauer. Nach dem Tod des Vaters erhielt der 16-Jährige eine Freistelle an der Landesschule Pforta, die er 1875 mit dem Abitur als Primus Omnium verließ. Nach dem Militärdienst studierte er in Breslau klassische Philologie, Deutsch, Geschichte und Kunstgeschichte sowie in Wien Vergleichende Sprachwissenschaften, Germanistik und Kunstgewerbe. Während seines Studiums wurde er 1876 Mitglied der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks.[2] Die Staatsprüfung bestand er 1880 in Breslau. Als Oberlehrer lehrte er dann hauptsächlich Griechisch an den Gymnasien in Ohlau und Jauer. 1885 wurde er Leiter des ärztlichen Pädagogikums der Kahlbaumschen Heilanstalt in Görlitz, 1896 Leiter und Besitzer der Dr. Winklerschen Vorbereitungsanstalt in Görlitz. Im Ersten Weltkrieg war er als Hauptmann der Landwehr Kommandeur eines Bataillons des Infanterie-Regiments „von Courbiére“ (2. Posensches) Nr. 19, mit dem er an der Ostfront eingesetzt wurde. Am 27. Januar 1915 wurde er zum Major befördert. Nach dem Auskurieren einer Verwundung wurde er beim Generalstab verschiedener Heeresteile eingesetzt, dann als Aufklärungsoffizier des Generalquartiermeisters. Er erhielt das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse, das Österreichische Verdienstkreuz mit der Kriegsdekoration und den bulgarischen St. Alexander-Orden mit Krone und Schwertern.

Feyerabend leitete viele archäologische Ausgrabungen, zum Beispiel in Zentendorf, Leschwitz, Lissa, auf der Landeskrone, in Rothenburg, Muskau und Reichwalde. 1902 wurde er Direktor der neugeschaffenen Oberlausitzer Gedenkhalle mit Kaiser-Friedrich-Museum. Er widmete sich dem Aufbau des noch leeren Museums, dem er die Sammlungen des Städtischen Museums für Altertum und Kunst einverleibte sowie die Sammlungen einiger Privatleute und die Sammlung der von ihm 1888 gegründeten und bis 1926 geleiteten Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte[3] der Oberlausitz. 1889 wurde er Mitglied und 1909 Ehrenmitglied der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde. Außerdem war er Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften (seit 1888) und Inspektor ihrer reichen Sammlungen, Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz und zweimal deren zweiter Präsident sowie Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Korrespondierende Mitgliedschaften hatte er in der Brandenburgia, im Verein für die Geschichte Berlins und im Verein für Geschichte und Altertumskunde Schlesiens. Er erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse und 1913 wurde ihm der Professorentitel verliehen.

In erster Ehe war er mit der Tochter des Eisenbahn-Bauunternehmers Plüschke verheiratet, in zweiter Ehe mit Marie Hummel. Seine Kinder waren Margarete (* 1886), Hildegard (* 1889), Richard (* 1904), Fritz (* 1907) und Heinz (* 1907).

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feyerabend veröffentlichte Aufsätze über prähistorische Themen in verschiedenen wissenschaftlichen Zeitschriften und über Museumskunde in Karl Koetschaus Zeitschrift Museumskunde. Seit 1890 gab er die Jahreshefte der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz heraus. Daneben veröffentlichte er:

  • Luther und das Herzigsche Lutherfestspiel. Sinogoritz, Görlitz 1888
  • Ludwig Feyerabend (Bearbeiter) und J. Schurig (Zeichner): Tafel vorgeschichtlicher Altertümer der Oberlausitz. 2. Auflage, C. A. Starke, Görlitz [1900]
  • Führer durch die Oberlausitzer Gedenkhalle mit Kaiser Friedrich-Museum. 2. Auflage, Arthur Krüger, Görlitz 1910
  • Die Oberlausitzer Gedenkhalle mit Kaiser Friedrich-Museum 1902/1912. Görlitzer Nachrichten und Anzeiger, Görlitz 1912.
  • mit Arthur Haupt: Alt-Görlitz einst und jetzt. Hoffmann & Reiber, Görlitz 1928.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Gander: Nachruf. In: Niederlausitzer Mitteilungen. Band 18, Guben 1928, S. 448–450
  • Herrmann A. L. Degener: Unsere Zeitgenossen. Wer ist’s? 6. Ausgabe, Degener, Leipzig 1912
  • Hans Jaeger (redaktioneller Leitung) und Gerhard Lüdtke (Hrsg.): Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender auf das Jahr 1926. 2. Jahrgang. Gruyter, Berlin [u. a.] 1926
  • Nachruf in: Neues Lausitzisches Magazin. Band 103, Görlitz 1927, S. 274–275
  • Alfred Hartmann: 50 Jahre „Gesellschaft für Anthropologie, Urgeschichte und Volkskunde der Preußischen Oberlausitz“ (1888–1938). In: Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Gesellschaft für Anthropologie, Urgeschichte und Volkskunde (= Jahreshefte der Gesellschaft für Anthropologie, Urgeschichte und Volkskunde. Band V, Heft 1 und 2). Görlitz 1938, S. 7–20 (mit Bild von Feyerabend auf Seite 9)
  • Hans Gummel: Forschungsgeschichte in Deutschland. Berlin 1938, S. 414
  • Jan Filip: Enzyklopädisches Handbuch zur Ur- und Frühgeschichte Europas. Band 1, Kohlhammer, Stuttgart [u. a.] 1966, S. 356

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Schmidt: Oswald Friedrich Feyerabend (1809–1872). Evangelischer Pfarrer im schlesischen Oderstädtchen Auras / Kreis Wohlau von 1840 bis 1857. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015, S. 265–294, hier: S. 290.
  2. Ernst Elsheimer (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Burschenschafter. Ausgabe 1925/26. Frankfurt am Main 1925/26, S. 104.
  3. G. Rennebach: Ludwig Feyerabend zum Gedenken. Zur Entwicklung der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. In: Werner Coblenz (Hrsg.): Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege. Band 14/15, Berlin 1966.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ludwig Feyerabend – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien