Ludwig Foltz

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Ludwig Foltz
Grab von Ludwig Foltz auf dem Alten Südlichen Friedhof in München Standort

Ludwig Foltz (* 23. März 1809 in Bingen; † 10. November 1867 in München) war ein deutscher Architekt, Bildhauer und Illustrator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und erste Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Foltz war Sohn des gleichnamigen Malers Ludwig Foltz. Seine Brüder waren Philipp von Foltz, ebenfalls ein bedeutender Maler, und der Zeichner und Stahlstecher Friedrich Foltz. Ludwig Foltz schloss zunächst eine Lehre als Bildhauer ab und ging 1825 im Alter von 16 Jahren nach Straßburg, wo er bei Arbeiten am Münster eine Schulung am gotischen Formengut erhielt und auch am Neubau eines Schulhauses beteiligt war.[1]

1828 nach drei Jahren kehrte er nach München zurück und zog dort die Aufmerksamkeit des Architekten Johann Claudius von Lassaulx auf sich, der ihm den Ausbau des Schlosses Rheineck übertrug, den er für den nachmaligen preußischen Minister Moritz August von Bethmann-Hollweg übernommen hatte. Um den Bau mit Erfolg leiten zu können, hatte Foltz ein Jahr lang das Steinmetzhandwerk erlernt.

1830 besuchte Foltz in München die Kunstakademie, trat zwei Jahre später in das Atelier von Schwanthaler ein, wurde dessen Lieblingsschüler und folgte dort seiner Vorliebe für altdeutsche Kunst.[1]

Nach fünf weiteren Jahren übertrug ihm 1837 der bayerische Minister Joseph Ludwig von Armansperg die Restaurierung und Einrichtung seines Schlosses Egg bei Deggendorf im Bayerischen Wald. Die dort von Foltz geleistete Arbeit fand bei einem Besuch von König Maximilian II. beim König so große Anerkennung, dass dem geplanten Großbauprojekt zum Bau einer Villa für den König in Regensburg auf der Ostenbastei nichts mehr im Wege stand.[1]

Zwischenstation in Regensburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1841 beantragte Foltz die Niederlassung als Bildhauer in Regensburg, wo seiner Ansicht nach allerbeste Möglichkeiten und Materialien für ihn und seine Arbeiten vorhanden waren. Zusammen mit seiner Braut Karolina Spitzer, die er in Regensburg heiratete, wohnte er laut Adressbuch von 1844 zunächst in der Ludwigstr. Nr. 6 und ab 1852 in der Unteren Bachgasse Nr. 1. Von 1845 bis 1852 übernahm Foltz eine Stelle als Zeichenlehrer an der Kreislandwirtschafts– und Gewerbeschule Regensburg.[1] Noch im gleichen Jahr übernahm Foltz auch die Wiederherstellung und Restaurierung einer 1459 entstandenen, ursprünglich vor dem Jakobstor platzierten, im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigten Wegsäule, die außerhalb der Stadt in einem Forst aufgefunden worden war.[2] Außerdem bekam er Aufträge von Maximilian Karl von Thurn und Taxis zur Gestaltung und Erstellung von vier Sarkophagen für die fürstliche Gruftkapelle im Schloss St. Emmeram. Auch im Auftrag der Stadt Regensburg war er tätig und entwarf für das geplante große Sängertreffen im Jahr 1847 die Festfahne, den Festpokal, die Festkrüge und Gedenkmedallien.

1852/55 wurde unter der Leitung von Foltz im Auftrag der adeligen Familie Arco die Gruftkapelle auf dem Antoniberg bei Stepperg errichtet.

Königliche Villa an der Donau von Norden

Von 1854 bis 1856 wurde am Südufer der Donau ganz im Osten der Altstadt von Regensburg das von Foltz geplante größte Bauprojekt verwirklicht. Erbaut wurde die im neogotischen Maximilianstil (auch Tudorgotik) geplante Königliche Villa.Vom Nordufer der Donau aus betrachtet bot das Gebäude am Südufer mit seinen zinnenbekrönten Ecktürmen, mit Giebeln, Terrassen und Galerien einen imposanten und malerischen Anblick. Im September 1856 wurde der Bau von einer königlichen Kommission abgenommen. Die Kosten in Höhe von ca. 72.000 Gulden überschritten die vereinbarte Summe nur geringfügig. Foltz hatte sogar im noch heute vorhandenen Stadtgraben einen eigenen Gondelhafen geplant, zugänglich von der Donau über einen Stichkanal, der unter der damals noch vorhandenen Stadtmauer hindurch geführt werden musste. der Stichkanal zur Donau musste 1855 wieder beseitigt werden, weil auf dem Donauufer die für den Hafen geplante Hafenbahn verkehren sollte.

Foltz hatte nicht nur die gesamte Innenausstattung (Möbel, Lüster, Öfen) entworfen, er hatte auch die Zufahrten zum Schloss und ihre Bestückung mit Bäumen geplant. Die Gestaltung der Gartenanlagen übertrug er dem Oberhofgärtner Carl Effner

München und Regensburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Fertigstellung der königlichen Villa wurde Foltz als Professor an die Polytechnische Schule München berufen und mit der Wiederherstellung des königlichen Residenztheaters betraut.

1860 erhielt Foltz aus Regensburg den Auftrag, eine Mitte des 16. Jahrhunderts abgebrochene Baumaßnahme zu beenden. Damals wurde der Bau der Neupfarrkirche nicht vollendet und die Westfassade der Kirche war nur provisorisch geschlossen worden. Nun sollte die Fassade endgültig geschlossen und dabei der Innenraum der Kirche zur Aufnahme einer Orgel rweitert werden. Foltz löste die Aufgabe feinfühlig, ohne in die Altsubstanz einzugreifen. Geschaffen wurde ein fünfseitiger Westchor der eine doppelgeschossige Orgelempore aufnehmen konnte.[3]

Die letzten Lebensjahre von Foltz waren mit Arbeiten für die restaurierte Münchener Frauenkirche ausgefüllt: 42 lebensgroße Heiligenstatuen aus Stein und Ton, an 40 kleinere in Holz geschnitzte, zwei reiche Kronleuchter, zahlreiche Altargeräte etc.

Ludwig Foltz war Mitglied des Münchner Vereins für Christliche Kunst.[4] Er starb am 10. November 1867 in München. Die Grabstätte von Foltz befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 29 – Reihe 13 – Platz 10/11) Standort.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich PechtFoltz, Ludwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 7, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 149 f.
  • Rosa Micus: Ludwig Foltz (1809–1867). Architektonische und kunstgewerbliche Arbeiten. Ein Beitrag zur Geschichte des Maximilianstils. Regensburg 1986. (Dissertation, Universität Regensburg, 1986.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ludwig Foltz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Karl Bauer: Regensburg Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 377, 378 f.
  2. Karl Bauer: Regensburg Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 563.
  3. Peter Morsbach: Regensburger Kirchen, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1990, ISBN 3-7917-1253-5, S. 71f.
  4. Verein für christliche Kunst in München (Hrsg.): Festgabe zur Erinnerung an das 50jähr. Jubiläum. Lentner’sche Hofbuchhandlung, München 1910, S. 119.