Ludwig Friedrich Gaab

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ludwig Friedrich (von) Gaab (* 1. April 1800 in Tübingen; † 23. August 1869 in Stuttgart) war ein deutscher Architekt und württembergischer Baubeamter.

Leben[Bearbeiten]

Gaab war Schüler des Baumeisters Adam Friedrich Groß. Er wurde 1838 zum württembergischen Hofkammerbaumeister ernannt, 1840 zusätzlich zum Stadtdirektionsbaumeister in Stuttgart. 1846 kam er zum Eisenbahnbau, wo er bis zu seinem Tod Mitglied der württembergischen Eisenbahnkommission wurde. Im Gegensatz zu seinen anfänglichen Kollegen Karl Etzel und Michael Knoll war er reiner Architekt ohne ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund.

1852 empfing Gaab als Auszeichnung das Ritterkreuz des Ordens der Württembergischen Krone. Damit erhielt er den persönlichen Adel. 1855 wurde er Ehrenbürger der Stadt Stuttgart.

Zu Gaabs Schülern zählt der Heilbronner Stadt- und Stiftungsbaumeister Louis de Millas.

Werk[Bearbeiten]

Gaab entwarf die Pläne für die 1833 errichtete Kirche der Pfarrgemeinde Pfrondorf, die zwischen 1833 und 1834 errichtete Evangelische Johanneskirche, An der Kirchstraße 10[1] in Dettenhausen[2] jeweils im Kameralamtsstil, 1843 die Infanteriekaserne (heutiger Rotebühlbau, zusammen mit Johann Kaspar Vogel), den Umbau des alten Lusthauses am Schlossplatz und das Kronprinzenpalais (1846–1850, nach Vorbild des Münchener Herzog-Max-Palais) in Stuttgart,[3] den Umbau des Schlosses in Kilchberg (1843), die neue Heilig-Kreuz-Kirche in Loffenau (1843), die evangelische Kirche in Neckarwestheim (1844), die Berger Kirche in Berg (1853–1855) und den Umbau des Schlosses in Donzdorf (1856). In seiner Funktion bei der Stadt Stuttgart plante er darüber hinaus verschiedene Privathäuser, u. a. die Häuser Herdweg 31[4] und Kriegsbergstraße 30.[5]

Im Rahmen seiner Tätigkeit für die württembergischen Eisenbahnen entstand von 1846 bis 1853 die Südbahn Ulm–Friedrichshafen mit repräsentativen Empfangsgebäuden wie beispielsweise in Ulm (1850) und Friedrichshafen Stadt (1847–1848). 1857 und 1858 entstanden unter von Gaab die ersten Pläne für die Strecke Heilbronn–Hall („Kocherbahn“), die jedoch durch die Entscheidung, die Strecke über Weinsberg anstatt über Neckarsulm bauen zu lassen, weitgehend hinfällig wurden. Von 1857 bis 1869 widmete er sich der Oberen Neckarbahn Plochingen–Villingen. 1865 bis 1869 entstand unter von Gaab darüber hinaus die Hohenzollernbahn Tübingen–Hechingen.

Von Gaabs Baustil war zunächst klassizistisch geprägt. Später entwickelte er einen Hang zum Historismus, den er jedoch in seinen Bauten für die Eisenbahn kaum durchsetzen konnte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gebhard Blank: Stuttgarter Villen im 19. Jahrhundert : eine Begleitschrift zur Ausstellung im Wilhelms-Palais vom 18. März - 16. August 1987, Stuttgart 1987, Seite 8, 12, 16.
  • Christine Breig: Der Villen- und Landhausbau in Stuttgart 1830-1930. Ein Überblick über die unterschiedlichen Umsetzungen und Veränderungen des Bautypus Villa in Stuttgart, Stuttgart 2004, Seite 269-271, 348-350, 524.
  • Karl Büchele: Kirche in Berg. In: Stuttgart und seine Umgebungen für Einheimische und Fremde, Stuttgart 1858, Seite 318-322.
  • Hartmut Ellrich: Das historische Stuttgart : Bilder erzählen, Petersberg 2009, Seite 75-76.
  •  Roland Feitenhansl: Der Bahnhof Heilbronn – seine Empfangsgebäude von 1848, 1874 und 1958. DGEG Medien, Hövelhof 2003, ISBN 3-937189-01-7.
  • Joachim Hennze: Kirchen im Landkreis Heilbronn. In: heilbronnica 3. Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte. Heilbronn 2006.
  • Georg Himmelheber: Das Kronprinzenpalais in Stuttgart. In: Schwäbische Heimat : Zeitschrift für Regionalgeschichte, württembergische Landeskultur, Naturschutz und Denkmalpflege 8.1957, Seite 48.
  • Horst Ossenberg: Was bleibt, das schaffen die Baumeister : das württembergische Hof- und Staats-Bauwesen vom 15. bis 20. Jahrhundert, Norderstedt 2004, Seite 64-65.
  • Bernhard Sterra: Planerische Leitvorstellungen im Widerstreit: Die Auseinandersetzung um das Kronprinzenpalais. In: Das Stuttgarter Stadtzentrum im Aufbau : Architektur und Stadtplanung 1945 bis 1960, Stuttgart 1991, Seite 183-189.
  • E. J. Zeller: Stuttgart’s Privat-Gebäude von 1806 bis 1844. In einer Auswahl gegeben von Baumeister E. J. Zeller. Stuttgart 1845–1846, Erstes Heft, Tafel 6, 9-10, Zweites Heft, Tafel 6, 10-12, Drittes Heft, Tafel 3-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bau und Zustandsbeschreibung, abgerufen am 8. Mai 2013
  2. Datenblatt, abgerufen am 30. Juni 2013
  3. Ellrich 2009.
  4. Im Zweiten Weltkrieg zerstört. Siehe Breig 2004, Seite 269-271.
  5. 1883 abgerissen. Siehe Breig 2004, Seite 348-350.