Ludwig Sütterlin (Grafiker)

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Karl Ludwig Sütterlin

Ludwig Sütterlin (* 15. Juli 1865 in Lahr im Schwarzwald; † 20. November 1917 in Berlin) war Grafiker, Buchgestalter, Kunstgewerbler, Schriftgestalter und Pädagoge und der Entwickler der Sütterlinschrift.

Sütterlin zog mit 23 Jahren von seiner Heimatstadt Lahr im Schwarzwald nach Berlin. Am Berliner Kunstgewerbemuseum war er ein Schüler des Grafikers Emil Döpler, der den damals neuen deutschen Reichsadler entworfen hatte, und des Historienmalers Max Friedrich Koch. Sütterlin schuf viel beachtete Entwürfe für Plakate (u. a. das „Hammerplakat“ der Berliner Gewerbeausstellung 1896), Gläser („Sütterlin-Vasen“) und Lederarbeiten. 1902 gestaltete er die Prachtbände Marksteine aus der Weltliteratur in Originalschriften, was ihm zusätzliche Aufmerksamkeit eintrug. Er lehrte an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums zu Berlin, den späteren Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst, an denen er auch Lehrgänge in künstlerischer Schrift abhielt, außerdem gab er Fachunterricht für Buchdrucker an der Handwerksschule in Berlin. Er starb 1917 möglicherweise an Unterernährung infolge der „Hungerblockade“ gegen Deutschland im Ersten Weltkrieg.[1]

Sütterlins Ausgangsschriften für die Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Ausgangsschrift (ab 1924)

1911 entwickelte Ludwig Sütterlin im Auftrag des preußischen Kultusministeriums aus der bis dahin gebräuchlichen Deutschen Kurrentschrift (auch „Eckenschrift“, in der Fassung von 1911) eine vereinfachte deutsche und eine lateinische Ausgangsschrift, die vom Jugendstil beeinflusst war, keine Schattierungen mehr enthielt (wie sie für das Zeitalter des Schreibens mit Gänsefedern typisch waren) und das Erlernen in den Schulen erheblich erleichterte. So entwarf Sütterlin zur besseren Handhabung Schnörkel, Bögen und Zacken. Der charakteristische „Schwellzug“ der Gänsekiel-Zeiten mit eleganten, aber schwierigen Haar- und Schattenstrichen hatte eine unnatürliche Handhaltung, wechselnden Schreibdruck und damit viel Übung erfordert, woran Grundschüler oft scheiterten. Sütterlin griff stattdessen Gedanken des von ihm geschätzten Schriftreformers Rudolf von Larisch (1856–1934) auf und entwickelte eine kindgerechtere Methode für Schreibanfänger: Als elementares Schreibwerkzeug diente eine Gleichzug- oder Redisfeder, die ohne Druckwechsel eine einheitliche Strichstärke erzeugte. Alle Buchstaben standen senkrecht und waren geometrisch aus Geraden und Kreisformen zusammengesetzt. Die Schrift wurde 1914 dem preußischen Kultusminister und einem Sachverständigen-Ausschuss vorgelegt, von diesen für tauglich befunden und mit einem Erlass vom 8. Juli 1915 in Preußen zunächst probeweise eingeführt, schließlich mit einem weiteren Erlass vom 13. Juni 1918 für ganz Preußen für verbindlich erklärt (Thüringen 1929, Hessen 1930, Baden und Danzig 1931).[2] Sütterlin selbst sagte über seine Schrift: „Unsere neuen Buchstaben wollen weiter nichts sein als schlichte Vorbilder für den Anfangsunterricht, die an die kindliche Auffassungs- und Darstellungsfähigkeit nur geringe Anforderungen stellen. Sie wollen die Grundlage sein, auf der im Verlaufe der Unterrichtsjahre die weitere Entwicklung zu flüssigen, schönen und deutlichen Handschriften sich vollziehen kann.“[3] Ab 1935 stand sie offiziell auf den Lehrplänen und wurde bis zum Verbot der gebrochenen Schriften durch den Schrifterlass 1941 in den Schulen verwendet. Abgelöst wurde sie von der Deutschen Normalschrift. Ab 1953 wurde diese durch die Lateinische Ausgangsschrift (LA) ersetzt, die vom Iserlohner Schreibkreis aus der Deutschen Normalschrift entwickelt wurde, welche wiederum auf Sütterlins Lateinische Ausgangsschrift zurückgeht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ludwig Sütterlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. [2]
  3. [3]