Ludwig Schupmann

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Pfarrkirche St. Johannes in Allagen, von Schupmann 1887 entworfen
Wasserturm in Colmar, von Ludwig Schupmann 1883 entworfen

Ludwig Schupmann (* 23. Januar 1851 in Geseke; † 2. Oktober 1920 ebenda; vollständiger Name: Ludwig Ignaz Schupmann) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer, der außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit als Konstrukteur von Teleskopen hervortrat. Bekannt wurde er durch die von ihm entworfenen Schupmann-Kandelaber und durch das von ihm konstruierte Schupmann-Medial-Fernrohr.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwurf der Schupmann-Kandelaber von 1888
Nachbau des Schupmann-Kandelabers Unter den Linden (Bild von 2006)

Schupmann studierte Architektur an der Technischen Hochschule Aachen. Nach seinem Abschluss beschäftigte er sich vor allem mit der Gestaltung von öffentlichen Gebäuden, wobei ihm zahlreiche Auszeichnungen zuteilwurden und er 1881 zum Regierungs–Baumeister ernannt wurde.[1] Aufgrund seiner Talente und angeeigneten Kenntnisse seit April 1881 erhielt er neben Karl Bethge (1847–1900) sowie weiteren am 17. Juni 1882 eine Reise-Prämie von 1800 Mark zugesprochen. Zweckbestimmung war eine längere Studienreise zur Vervollkommnung der Ausbildung zu ermöglichen.[2]

Im Jahr 1887 gewann Schupmann einen Berliner Wettbewerb für die Gestaltung repräsentativer Bogenlampen-Kandelaber, die nach ihm benannt wurden.

1889 wurde Schupmann zum Ordinarius für Hochbau an die Technische Hochschule Aachen berufen und später zum Geheimen Baurat ernannt. Nach seiner Berufung an die Hochschule hat er bis auf eine Ausnahme nicht mehr an Wettbewerben teilgenommen.[3]

Sein Neffe war der westfälische Heimatforscher Josef Lappe.

Bauten und Entwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schupmann-Kandelaber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1882 wurde in Berlin die elektrische Straßenbeleuchtung am Potsdamer Platz und in der Leipziger Straße in Betrieb genommen. Die Firma Siemens & Halske lieferte insgesamt 36 Kohlebogenlampen.[16]

Im November 1887 schrieb die Stadt Berlin einen beschränkten Wettbewerb für die Gestaltung von reich verzierten Bogenlampen-Kandelabern für den Boulevard Unter den Linden aus, den Ludwig Schupmann gewann.[17] Insgesamt wurden 104 Lampen mit einer Lichtpunkthöhe von 8 m nach diesem Entwurf gebaut und im Jahr 1888 Unter den Linden, auf dem Pariser Platz, auf dem Opernplatz und der Kaiser-Wilhelm-Straße aufgestellt, die später nach ihrem Schöpfer als Schupmann-Kandelaber benannt wurden.[18][19]

Vor den Olympischen Spielen 1936 wurden die Schupmann-Kandelaber Unter den Linden durch sogenannte Biedermeierleuchten ersetzt. Lediglich am Pariser Platz und am Opernplatz blieben wenige Schupmann-Kandelaber erhalten.[20] Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein großer Teil der Berliner Schmuck-Kandelaber schwer beschädigt oder zerstört. Sie mussten abgebaut und durch schlichte moderne Lampen ersetzt werden. Nachbauten des einflammigen Schupmann-Kandelabers wurden 1992[21] am Pariser Platz und 1998[22] Unter den Linden aufgestellt. Auf dem Pariser Platz und auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor wurden etwas später Nachbauten zweiflammiger Schupmann-Kandelaber aufgestellt.

Astronomie und Teleskop-Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Architektur galt Schupmanns besonderes Interesse der Astronomie und der Technik von Teleskopen. Er beschäftigte sich intensiv mit der Verbesserung von Fernrohren. Dazu ersann er ein Korrektursystem, das die Farbfehler der Linsen kompensierte.

Schupmann beabsichtigte große Teleskope mit Objektivöffnungen von mehr als 1 m für den professionellen Einsatz an Observatorien herzustellen, was sich allerdings nicht realisieren ließ. Obwohl Schupmann-Medial-Fernrohre mit Öffnungen bis zu 38,5 cm mit hervorragenden Abbildungseigenschaften hergestellt wurden – der Mondbeobachter Philipp Fauth benutzte ein solches Gerät – konnte sich dieser Fernrohrtyp nicht durchsetzen. Ab 1911 – mit der Inbetriebnahme eines 1,5 m großen Teleskops am Mount-Wilson-Observatorium – traten die Reflektoren (Spiegelteleskope) ihren Siegeszug an.

In den USA existieren jedoch noch heute regelrechte Fangemeinden von Amateurastronomen, die Schupmann-Mediale selber bauen. Die Geräte eignen sich besonders zur Beobachtung der Planeten und des Mondes.

Zu Schupmanns Gedenken wurde ein Krater auf dem Mond benannt. Auf Initiative der amerikanischen Schupmann-Fangemeinde bekam der Asteroid 1990BC1 im Dezember 2007 den Namen „(5779) Schupmann“.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Medial-Fernrohre. Eine neue Konstruktion für große astronomische Instrumente. B. G. Teubner Verlag, Leipzig 1899.
  • Architectonische Entwürfe, angefertigt von Studierenden der Königlichen Technischen Hochschule zu Aachen unter Leitung von L. Schupmann. 48 Blatt in Lichtdruck. Komm.- Verlag der Mayer´schen Buchhandlung, Aachen 1903.[23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edgar Lüüs: Die Schupmanns. Geseker Heimatblätter Nr. 21, 1973, S. 57– 61.
  • Edgar Lüüs: Geheimer Baurat Professor Ludwig Schupmann aus Geseke. Architekt und Erfinder. (= Beträge zur Geschichte der Stadt Geseke, Bd. 12). Geseke 2002.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ludwig Schupmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernennung zum Regierungs-Baumeister. Centralblatt der Bauverwaltung, 28. Mai 1881, S. 73, abgerufen am 7. Dezember 2012
  2. Ertheilung von Reise-Prämien an Regierungs-Bamneister und Regierung-Bauführer in Preußen. Centralblatt der Bauverwaltung, 1. Juli 1882, S. 225, abgerufen am 11. Dezember 2012
  3. Max Schmid-Burgk: Ludwig Schupmann †. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 41. Jahrgang, Nr. 16 (23. Februar 1921), S. 99 f.
  4. Verzeichnis der preisgekrönten Wettbewerbsentwürfe um den Schinkelpreis. In: Wochenschrift des Architekten-Vereins zu Berlin, 6. Jahrgang 1911, Nr. 10 (vom 11. März 1911), S. 54, abgerufen am 11. Januar 2020.
  5. Die Concurrenz für Entwürfe zum neuen Reichstagsgebäude. I. (Die preisgekrönten Entwürfe). In: Centralblatt der Bauverwaltung. 1. Juli 1882, S. 229 ff, abgerufen am 5. Januar 2020.
  6. Die Concurrenz für Entwürfe zum neuen Reichstagsgebäude. III. (Entwurf von L. Schupmann, Grundriss vom Hauptgeschoss und Aufteilung der Räume). In: Centralblatt der Bauverwaltung. 15. Juli 1882, S. 251, abgerufen am 5. Januar 2020.
  7. Die Concurrenz für Entwürfe zum neuen Reichstagsgebäude. IV. (Beschreibung von L. Schupmanns Entwurf) In: Centralblatt der Bauverwaltung. 22. Juli 1882, S. 263, abgerufen am 5. Januar 2020.
  8. Außerordentliche Monatsaufgabe ... Hochreservoir (Wasserturm). In: Centralblatt der Bauverwaltung, 27. Januar 1883, S. 38, abgerufen am 07. Januar 2020.
  9. Erster Preis für den Entwurf: Hochreservoir (Wasserturm) der Stadt-Wasserleitung in Colmar. In: Centralblatt der Bauverwaltung, 24. März 1883, S. 109, abgerufen am 7. Januar 2020.
  10. Ludwig Schupmann: Wettbewerb Museumsinsel, Berlin. In: Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, abgerufen am 11. Januar 2020.
  11. Paul Küster: Die Preisbewerbung für generelle Entwürfe zur Bebauung der Museumsinsel Berlin. (VI. Teil) In: Centralblatt der Bauverwaltung, 24. Mai 1884, S. 209, abgerufen am 7. Januar 2020.
  12. Ludwig Schupmann: Rathaus, Nauen. Monatskonkurrenz August 1885. In: Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, abgerufen am 11. Januar 2020.
  13. Geschichte unserer Pfarrkirche. In: Allagen.de, abgerufen am 5. Januar 2020.
  14. Persönlichkeiten des Eisenbahnwesens, der Bahntechnik und der Bahnbaukunst – Ingenieure, Architekten, Baumeister. (Skript 0-9 / 2017), S. 30, abgerufen am 4. Januar 2020.
  15. Historische Grundrisse. In: reiff-museum.rwth-aachen.de, abgerufen am 5. Januar 2020.
  16. Herbert Liman: Mehr Licht. Haude & Spener, Berlin 2000, ISBN 3-7759-0429-8, S. 31.
  17. Wettbewerbsergebnis: Lichtträger für elektrische Straßenbeleuchtung. Centralblatt der Bauverwaltung, 8. Jahrgang, Nr. 1, 1. Januar 1888, S. 7–8, abgerufen am 29. Dezember 2019.
  18. Ludwig Schupmann: Lichtträger für elektrische Straßenbeleuchtung in Berlin. Centralblatt der Bauverwaltung, 8. Jahrgang, Nr. 18, 5. Mai 1888, S. 195–196 (Bild bereits auf Seite 194), abgerufen am 29. Dezember 2019.
  19. Die elektrische Beleuchtung der Straße „Unter den Linden“ und der Kaiser Wilhelmstraße in Berlin. Polytechnisches Journal, 1888, Band 269, S. 418–420, abgerufen am 31. Dezember 2019.
  20. Herbert Liman: Mehr Licht. Haude & Spener, Berlin 2000, ISBN 3-7759-0429-8, S. 36, 84, 86.
  21. https://www.ddrbildarchiv.de/info/ddr-fotos/historischer-brunnen-bei-eroeffnung-nach-sanierung-pariser-platz-brandenburger-tor-berlin-20923.html
  22. https://archiv.berliner-zeitung.de/historische-laternen-unter-den-linden-15997736
  23. Buchrezension. In: Deutsche Bauzeitung, 17. August 1904, Nr. 66, S. 415, abgerufen am 5. Januar 2020.