Ludwig von der Pfordten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ludwig von der Pfordten, ca. 1855

Ludwig Karl Heinrich Freiherr von der Pfordten (* 11. September 1811 in Ried (Innkreis); † 18. August 1880 in München) war ein bayerischer und sächsischer Rechtswissenschaftler und Politiker.

Grab von Ludwig Pfordten auf dem Alten Südlichen Friedhof in München Standort

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Pfordten studierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Rechtswissenschaft. 1828 wurde er Mitglied des Corps Onoldia.[1] Nach seiner 1833 erfolgten Habilitation wurde er 1834 Extraordinarius und 1836 o. Professor für Römisches Recht an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

1843 wurde er Professor an der Universität Leipzig an der Juristenfakultät. 1845/46 und 1846/47 war er Rektor in Leipzig.[2] Er avancierte zum Führer der sächsischen Liberalen. Im März 1848 wurde er zum sächsischen Außen- und Kultusminister (kurzzeitig auch zum Innenminister) im Gesamtministerium unter Karl Braun ernannt.

Regierung in Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dessen Ende am 24. Februar 1849 wurde der Protestant von der Pfordten im April 1849 Minister des Bayerischen Staatsministeriums des Äußern, im Dezember desselben Jahres übernahm er dort auch den Vorsitz im Ministerrat. Als nicht realisierbar erwies sich sein Bestreben, aus den deutschen Mittelstaaten eine dritte Macht zwischen Österreich und Preußen zu schaffen. Ihm schwebte im Sinne der Trias-Konzeption ein von Bayern angeführtes „Drittes Deutschland“ vor. Vor diesem Hintergrund war er mitverantwortlich dafür, dass Bayern das Projekt der Erfurter Union faktisch torpedierte. Nach der Einigung zwischen Österreich und Preußen im Olmützer Vertrag im Dezember 1850 verlor die Trias-Konzeption in den Folgejahren an Bedeutung. Abgesehen von Bereichen der auswärtigen Politik, konnte von der Pfordten die Grundlinien der Politik wenig bestimmen; dem Landtag war er nicht liberal, dem König und den eigenen Kollegen nicht reaktionär genug. Von der Pfordten trat 1859 von seinem Amt zurück. So wurde unter seinem konservativen Nachfolger Schrenck-Notzing erst 1861 das innenpolitische Reformprogramm zu Ende geführt, ein Ergebnis des parlamentarischen Widerstands gegen die Regierungsweise in den Jahren bis 1859. In der Folgezeit war von der Pfordten bayerischer Gesandter am Bundestag in Frankfurt.

Ludwig II. machte einige Monate nach seinem Regierungsantritt 1864 von der Pfordten erneut zum Vorsitzenden im Ministerrat. Sein politisches Ziel, die souveräne Existenz Bayerns zu sichern, wollte von der Pfordten durch die Erhaltung der Bundesverfassung erreichen. Von der Pfordten unterschätzte, wie viele Zeitgenossen auch, die Entschlossenheit Bismarcks, die „Deutsche Frage“ unter der Führung Preußens zu klären. Nach dem Scheitern seiner Vermittlungsbemühungen sowie des Preußischen Bundesreformplans und der militärischen Niederlage Bayerns im Deutschen Krieg an der Seite Österreichs gegen Preußen hatte er den Waffenstillstand, den Friedensvertrag und schließlich den geheimen Bündnisvertrag mit Preußen zu schließen. Seine Bundes- und Außenpolitik war somit gescheitert. Am 29. Dezember 1866 trat er endgültig zurück, auch wegen des durch seine Abneigung gegen Richard Wagner gestörten Vertrauensverhältnisses zum König. Zwei Tage später folgte ihm Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst nach. Ludwig von der Pfordten widmete sich im Ruhestand rechtswissenschaftlichen Studien und zog sich von der Politik ganz zurück.

Tod und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Karl Heinrich Freiherr von der Pfordten starb im Alter von 68 Jahren. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 33 – Reihe 5 – Platz 9) Standort.[3]

Sein Sohn war der Naturphilosoph Otto von der Pfordten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ludwig von der Pfordten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1930, 28, 249
  2. Rektoratsreden (HKM)
  3. knerger.de: Das Grab von Ludwig Karl Heinrich Freiherr von der Pfordten