Ludwig von der Tann-Rathsamhausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ludwig von der Tann, ca. 1860
General von der Tann

Freiherr Ludwig Samson Heinrich Arthur von und zu der Tann, ab 1868 Tann-Rathsamhausen (* 18. Juni 1815 in Darmstadt; † 26. April 1881 in Meran) war ein bayerischer General der Infanterie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tann war der Sohn des 1848 verstorbenen bayerischen Kämmerers Heinrich Friedrich von und zu der Tann und dessen Ehefrau Sophie von Rathsamhausen, der letzten ihrer elsässischen Familie. König Ludwig I. von Bayern war sein Taufpate.

Die bayerische Namens- und Wappenvereinigung mit den Freiherren von Rathsamhausen zu „von und zu der Tann-Rathsamhausen“ erfolgte für ihn und seine Brüder, die bayerischen Generalmajore Hugo und Rudolph, am 21. Mai 1868 in Berg. Dasselbe gilt für deren Cousins, die Brüder Otto und Arthur. Die Familie nennt sich heute schlicht „von der Tann“.[1]

Militärkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit vierzehn Jahren trat von der Tann in die Königlich Bayerische Pagerie ein. Am 1. August 1833 begann er als Junker in der Bayerischen Armee im 1. Artillerieregiment seine Karriere und wurde dort bereits am 26. Oktober 1833 zum Unterleutnant befördert. Am 20. Januar 1840, inzwischen zum Oberleutnant befördert, wurde er in den Generalquartierstab versetzt. Am 11. Oktober 1844 erfolge die Ernennung zum Hauptmann 1. Klasse und Adjutant des Kronprinzen Maximilian, mit dem ihn eine innige Freundschaft bis zum Tod des späteren Königs 1864 verband. Im Jahr 1844 hatte er ein Duell mit einem Studenten wegen einer Frau. Obwohl Duelle bereits damals verboten waren, schadete ihm dies in seiner weiteren Karriere nicht.

Er war zwischen 1833 und 1844 mehrfach auf militärischen Reisen zu österreichischen Manövern nach Italien, zu den preußischen an den Rhein und nach Ostpreußen sowie zum französischen Feldzug in Algerien 1843.

1848 ging er als Major bei Ausbruch des Krieges gegen Dänemark nach Schleswig-Holstein. Dort konnte er als Kommandeur eines Freischar-Korps, bestehend aus Freiwilligen aus Hamburg, Magdeburg und Kiel, diese Einheit in kurzer Zeit zu einem einsatzfähigen Verband machen. Er tat sich bei Altenhof am 21. April 1848 und Hoptrup militärisch hervor. Dafür erhielt er am 8. Mai 1854 das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens.[2] 1849 wurde er Chef des Stabes der unter dem Befehl des Prinzen Eduard von Sachsen-Altenburg stehenden Division und im Juli 1850 trat er als Oberst und Stabschef des Generals Karl Wilhelm von Willisen in die schleswig-holsteinische Armee ein, mit der er bei Idstedt, Missunde und bei der vergeblichen Belagerung und versuchten Erstürmung von Friedrichstadt kämpfte.

Nach seiner Rückkehr nach Bayern wurde er Adjutant des bayrischen Königs Maximilian II., am 31. März 1855 Generalmajor, am 1. Januar 1860 Generaladjutant des Königs und am 25. Februar 1861 Generalleutnant und Generalkommandant in Augsburg, dann in München. 1864 war er als Generaladjutant Beobachter beim Sturm auf die Düppeler Schanzen.

Ludwig von der Tann-Rathsamhausen

Am 21. Mai 1866 wurde er zum Generalstabschef des Prinzen Karl von Bayern, des Oberbefehlshabers der süddeutschen Kontingente, ernannt. Bei Ausbruch des Deutschen Krieges schloss er mit dem österreichischen Oberfeldherrn eine Konvention über die gemeinsamen Kriegsoperationen. Er stand dem Krieg aus verschiedenen Gründen ablehnend gegenüber, zum einen weil er die Stärken und Schwächen der einzelnen Armeen genau kannte, zum anderen weil er diesen „Bruderkrieg“ grundsätzlich ablehnte.

Der glücklose Verlauf der bayerischen Kriegsbeteiligung im Juli 1866 wurde von der ultramontanen Presse besonders von der Tann angelastet. Er wehrte sich gegen diese Angriffe schließlich durch eine Klage gegen den „Volksboten“.[3]

Am 28. April 1867 wurde von der Tann zum Inhaber des 11. Infanterie-Regiments ernannt. Er verblieb in seiner Stellung als Generaladjutant des Königs und Divisionskommandeur. Am 8. Januar 1869 folgte seine Beförderung zum General der Infanterie und die Ernennung zum Kommandierenden General des I. Armeekorps. An dessen Spitze kämpfte er 1870 während des Krieges gegen Frankreich mit Auszeichnung in der Schlacht bei Wörth, dem Beaumont und der Schlacht von Sedan, in der er den Angriff auf den Ort Bazeilles leitete. Für seine umsichtige und energische Kommandoführung erhielt er das Kommandeurkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens. Nach der Schlacht blieb sein Korps vorläufig bei Sedan, um den Abtransport der Gefangenen und der umfangreichen Kriegsbeute sicherzustellen.

Anfang Oktober 1870 erhielt er den Oberbefehl über eine Armeeabteilung, die aus seinem Korps, der preußischen 22. Infanterie- sowie der 1. und 4. Kavalleriedivision gebildet worden war, wobei die 1. Kavalleriedivision eigenständig und räumlich abgesetzt operierte und nicht mit in seine Kämpfe selbst eingreifen konnte. Diese Armeeabteilung siegte am 10. Oktober 1870 im Gefecht bei Artenay bei Orléans und besetzte die Stadt, wofür von der Tann am 22. Dezember 1870 mit dem Großkreuz des Militär-Max-Joseph-Orden ausgezeichnet wurde. Am 9. November musste er sich vor der französischen Übermacht nach der Schlacht bei Coulmiers im Arrondissement Orléans nach Norden zurückziehen. Von der Tann kämpfte vom 2. bis 10. Dezember unter dem Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin in mehreren blutigen Gefechten bei Orléans. Bei der Schlacht bei Loigny und Poupry wurde er selbst am Bein verwundet, konnte aber seine Stellung halten. Nachdem sein Korps sich zwei Monate lang fast ohne Unterbrechung im Einsatz befunden hatte, kehrte er Ende Dezember 1870 zur Zernierungsarmee vor Paris zurück. Alleine im Dezember lag der Verlust bei 5.600 Mann.

Nach dem Sieg gegen Frankreich wurde er in seiner Heimat als Kriegsheld gefeiert und sowohl in Bayern als auch in Preußen hoch dekoriert. Er war Ritter des Johanniterordens und wurde am 22. August 1876 Großkanzler des Militär-Max-Josephs-Orden.

Ab Herbst 1880 von Atembeschwerden und Rheuma geplagt, sollte er sich in milderem Klima aufhalten. Er begab sich deshalb am 20. April 1881 nach Südtirol und verstarb bereits am 26. April 1881 in Meran.

Tann wurde in einem Arkadengrab des Alten Nordfriedhofs in München beigesetzt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er heiratete 4.5.1852 auf Groß-Giewitz die Gräfin Anna Beata Luise Augusta von Voß (* 17. Juli 1829; † 22. Dezember 1905). Das Paar hatte mehrere Kinder:

  • Luise (* 22. Mai 1856; † 3. Februar 1907) ∞ Hermann Friedrich Karl von Stülpnagel (1839-1912), Generalleutnant
  • Anna Marie-Elisabeth August Johanne (* 30. Mai 1858; † 19. Dezember 1944)
∞ 1879 (geschieden 1887) Friedrich Wilhelm von Kamptz (* 11. August 1843; † 1912), Generalleutnant
∞ 1889 Graf Karl Beissel von Gymnich (28. April 1859; † 30. Januar 1912), Oberstleutnant
  • Anna (1862-1937) ∞ 1886 Freiherr Askan von Hardenberg (1861-1916), Geheimer Staatsrat in Sachsen-Altenburg
  • Herta (1869-1947) ∞ 1892 Freiherr Eugen Seefried von Buttenheim, (1860-1943), Kaiserlich Deutscher Gesandter

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrendegen der Schleswig-Holsteiner

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Militärische Ehrenstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Augsburg
Dortmund
Erlangen (1900)
Hamburg
Heidelberg
Ludwigshafen am Rhein
Mühldorf am Inn
Mülheim an der Ruhr
München
Neustadt an der Weinstraße
Nürnberg
Pirmasens
Polling im Innkreis
Regensburg
Starnberg
Waldkraiburg
Wuppertal (1901)
  • Von-der-Tann-Grundschule in Regensburg (1901)
  • Der Komponist Andreas Hager schrieb im Jahre 1880 zu seiner Huldigung den „General von der Thann Marsch“, der als Parademarsch an sein Regiment (11. Infanterie-Regiments „von der Thann“) zugeordnet wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ludwig von der Tann-Rathsamhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon Band XIV. S. 316. Band 131 der Gesamtreihe. C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn),2003, ISSN 0435-2408
  2. Regierungsblatt für das Königreich Bayern. Nr. 26. München. 6. Juli 1854.
  3. Die bayrische Heerführung und der Chef des Generalstabs, Generalleutnant Freiherr v. d. T., vor den Geschworen etc. Kissingen, 1866.