Ludwigsburger Schlossfestspiele

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Logo der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Die Vignette wurde von Karl-Ernst Herrmann gestaltet

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele oder auch Internationale Festspiele Baden-Württemberg sind ein Kulturfestival mit einem Programm in den Bereichen Musik, Tanz, Theater und Literatur, das jährlich zwischen Mai und Juli in Ludwigsburg stattfindet.

1932 gegründet, zählen die Ludwigsburger Schlossfestspiele zu den ältesten Festivals im deutschsprachigen Raum. Zentrum der Festspiele ist das Ludwigsburger Residenzschloss.

Als offizielle Landesfestspiele gastieren die Schlossfestspiele auch in den ländlichen Bezirken von Baden-Württemberg, so etwa im Schloss Wolfegg im Allgäu, Schloss Haigerloch, im Kloster Bronnbach in Wertheim und im Kloster Beuron im Donautal.[1]

Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele ist seit 2009 Thomas Wördehoff.

Geschichte der Festspiele[Bearbeiten]

Als Wilhelm Krämer 1931 die Ludwigsburger Mozartgemeinde gründete und im Jahr darauf mit den Schlosskonzerten den Grundstein für die heutigen Internationalen Festspiele Baden-Württemberg legte, war das Programm auf wenige Kammerkonzerte begrenzt. Durch diese Programmerweiterung unter der künstlerischen Leitung von Wolfgang Gönnenwein (1972–2004) entwickelten sich die Ludwigsburger Schlossfestspiele zu einem Festival mit knapp hundert Veranstaltungen und von rund drei Monaten Dauer. Seit 1980 tragen die Ludwigsburger Schlossfestspiele als offizielle Landesfestspiele von Baden-Württemberg den Titel Internationale Festspiele Baden-Württemberg. Der künstlerische Leiter Wulf Konold und Chefdirigent Michael Hofstetter leiteten die Festspiele von 2005-2009. Seit 1. Oktober 2009 werden sie von Thomas Wördehoff geleitet.

Programmatik[Bearbeiten]

Das Veranstaltungsangebot umfasst Konzerte bedeutender Künstler der Gegenwart, Kammermusik, Liederabende, Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Performance und Weltmusik. Unter der Intendanz von Thomas Wördehoff entwickelten sich die Festspiele zum „Fest der Interpreten“ und setzen auf künstlerische Überraschungen.

Musik[Bearbeiten]

Konzerte bilden einen programmatischen Schwerpunkt der Festspiele. Alljährlich sind Solisten, Dirigenten, Orchester und Kammermusikformationen zu Gast, unter anderem etwa Cecilia Bartoli, Kurt Masur und sein Orchestre National de France, Martha Argerich, John Eliot Gardiner mit seinen Ensembles, Gidon Kremer und die Kremerata Baltica, Anne-Sophie Mutter, Alfred Brendel, Sabine Meyer, Franz Raml mit dem Hassler-Consort, Maxim Wengerow und das Leipziger Streichquartett, die Duisburger Philharmoniker, Christine Schäfer, Isabelle Faust u.a.

2010 wurde die Reihe »Song Conversation« etabliert, bei der sich Musiker aus unterschiedlichen Musikrichtungen auf der Bühne begegnen. Bei diesem musikalischen Austausch trafen bislang Bill Frisell, Joe Henry und Brad Mehldau (2010) sowie Nguyên Lê, Gianmaria Testa und Paolo Fresu (2011) aufeinander. 2012 wurde diese Konzertreihe mit Bugge Wesseltoft, Wolfgang Muthspiel und Dhafer Youssef fortgeführt. 2011 kuratierte der tunesische Sänger und Oud-Spieler Dhafer Youssef darüber hinaus die Konzertreihe »Musik in Ekstase«. Er trat unter anderem mit der Sopranistin Simone Kermes und dem türkischen Klarinettisten Hüsnü Senlendirici auf.

Spielraum Tanz und Theater[Bearbeiten]

In den Bereichen Tanz und Theater engagieren sich die Ludwigsburger Schlossfestspiele vor allem in jüngerer Zeit: Mit großen internationalen Kompanien ebenso wie mit Off-Künstlern verwirklichen sie ein Programm mit zahlreichen Ur- und Deutschen Erstaufführungen. In den letzten Jahren waren unter anderem die Merce Cunningham Dance Company, das Nederlands Dans Theater, Sasha Waltz, die Compagnie Marie Chouinard, Heinz Spoerlis Zürcher Ballett, Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal, Sidi Larbi Cherkaouis Kompanie eastman und les ballets C de la B zu sehen.

Herzstück Schlosstheater[Bearbeiten]

Daneben prägen die Opernproduktionen im barocken Ludwigsburger Schlosstheater die Identität des Festivals. Nach Mozart-Inszenierungen in den 1980er und frühen 90er Jahren konnte das Schlosstheater 1998 nach fünfjähriger Restaurierung neu eröffnet werden. Seither bietet es neben der Oper jährlich rund einem Dutzend weiterer Veranstaltungen Platz, literarisch-musikalischen Soireen ebenso wie Vorträgen und ausgewählten Tanz- und Theaterprojekten.

Das Ensemble der Ludwigsburger Festspiele[Bearbeiten]

Seit 1972 haben die Festspiele ein eigenes Ensemble: Es besteht aus Chor und Orchester der Ludwigsburger Festspiele, die traditionell Eröffnungs- und Schlusskonzert, das große Klassik Open Air am Seeschloss Monrepos sowie die Opernproduktionen im Schlosstheater bestreiten. Gastspiele und Tourneen im In- und Ausland (zuletzt 2006 in Götz Alsmanns ZDF-Klassik-Show „Eine große Nachtmusik“, bei der Schubertiade in Schwarzenberg und bei den Salzburger Festspielen) sowie Rundfunk-, Fernseh- und CD-Produktionen ergänzen die Aktivitäten des Ensembles. Aus dem Orchester formieren sich unter dem Namen »Schloss-Solisten« zudem verschiedene Kammermusik-Ensembles, die regelmäßig bei den Schlossfestspielen auftreten. Von 2005 bis 2012 war Michael Hofstetter Chefdirigent des Festspiel-Ensembles. Seit der Saison 2013 arbeiten verschiedene Dirigenten mit dem Ensemble zusammen. 2015 übernimmt der finnische Dirigent Pietari Inkinen die Position des Chefdirigenten[2].

Koproduktionen[Bearbeiten]

Ab 2006 gibt es Koproduktionen und Gastspiele mit und bei anderen Festivals: 2006 mit den Salzburger Festspielen (Mozart-Trilogie „Irrfahrten“, Regie: Joachim Schlömer, Musikalische Leitung: Michael Hofstetter, Chor der Ludwigsburger Schlossfestspiele) und der Schubertiade Schwarzenberg. Die Choreografie „Babel [words]“ der Kompanie Eastman wurde unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Theatre Royal de la Monnaie (Brüssel), Sadler’s Wells (London), Theaterfestival Boulevard (’s-Hertogenbosch) und dem Festspielhaus St. Pölten realisiert. Das Theaterstück „Richard II. – Solo eines Königs“ mit Sven-Eric Bechtolf wurde mit dem Thalia Theater Hamburg koproduziert. 2012 hatte das Teatro Real Madrid gemeinsam mit les ballets C de la B ein Gastauftritt mit der Aufführung des Musik- und Tanztheater „C(H)OERS“ (Choreografie & Regie: Alain Platel, Musikalische Leitung: Marc Piolett, Einstudierung Chor: Andrés Máspero) bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen.

2010 haben die Ludwigsburger Schlossfestspiele, die Filmakademie Baden-Württemberg, die Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg und die Film- und Medienfestival gGmbH erstmals im Rahmen des interdisziplinären Festivals „SOS – Stage on Screen / Screen on Stage“ zusammengearbeitet. 2011 ergab sich wiederum mit das Theaterstück „Ich erfand Karl May“ eine Kooperation der Ludwigsburger Schlossfestspiele mit der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg.

Auftragswerke[Bearbeiten]

Der österreichische Komponist und Organist Wolfgang Mitterer hat für die Aurelius Sängerknaben Calw ein Werk mit dem Titel „Der Traum vom Sein“ (Text: Oliver Hoi) geschrieben, das beim Eröffnungskonzert 2010 uraufgeführt wurde. Weitere Auftragswerke waren Richard van Schoors Vokalwerk „Koan“ (2010) und das Oratorium „Die sieben letzten Worte… in anderen Worten“ (2012), Marc Ribots Bearbeitung der Werke von John Cage, das Konzert „Notte d’amore” des Barock-Ensembles L’Arpeggiata unter der Leitung von Christina Pluhar sowie die Produktion „Blofeld“ von den Mnozil Brass.

Träger, Förderer und Freunde[Bearbeiten]

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele werden maßgeblich vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Ludwigsburg gefördert. Daneben tragen Sponsoren, ein Kuratorium mit Vertretern aus Wirtschaft und öffentlichen Institutionen sowie der 1997 gegründete Förderverein Freundeskreis der Ludwigsburger Schlossfestspiele e.V. zur Finanzierung bei.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schlossfestspiele: Spielorte
  2. http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.ludwigsburger-schlossfestspiele-neuer-chefdirigent-bei-mir-ist-alles-moeglich.ca918cfb-4b9a-48f9-ab71-04494ec0e4eb.html