Luftangriff auf Magdeburg am 16. Januar 1945

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Luftangriff auf Magdeburg vom 16. Januar 1945 war einer der verheerendsten Luftangriffe auf eine deutsche Stadt im Zweiten Weltkrieg und stellt nach der Verwüstung Magdeburgs durch Tilly und Pappenheim im Dreißigjährigen Krieg („Magdeburger Hochzeit“) die zweite große Zerstörung der Stadt dar.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Luftangriff auf Magdeburg erfolgte am 22. August 1940. Erst im Jahr 1944 intensivierten sich die Angriffe auf die Stadt und konzentrierten sich auf Industrie- und Rüstungsbetriebe. Der schwerste Angriff in dieser Zeit erfolgte am 5. August 1944, wobei 683 Menschen starben und 13.000 Einwohner ihre Wohnung verloren. Weiteren schweren Luftangriffen (22. und 28. September 1944) fielen Teile der Innenstadt und der Reichsbahn zum Opfer. Bis Ende 1944 kamen bei insgesamt 18 Angriffen, überwiegend auf öffentliche Einrichtungen, Krankenhäuser und Lazarette, 1.690 Menschen ums Leben.

In den Wochen vor dem 16. Januar 1945 wurden nur verhältnismäßig schwache Angriffe auf Magdeburg geflogen. Die Mehrzahl der Luftalarme wurden ausgelöst, weil Bomberverbände auf der Strecke HannoverBraunschweig mit dem Ziel Berlin gesichtet wurden.

Am späten Vormittag des 16. Januar 1945 wurde zunächst um 11:00 Uhr Luftalarm gegeben. 400 B-17-Bomber der USAAF griffen mit Sprengbomben den Handelshafen, das BRABAG-Hydrierwerk in Rothensee und Schwerindustriebetriebe (u. a. das Friedrich Krupp AG Grusonwerk) in Buckau an. Dieser Angriff zerstörte auch angrenzende Wohnhäuser und verursachte Schäden am Straßenbahnnetz der Innenstadt.

Der Angriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Luftangriff auf Magdeburg war einer von zahlreichen geplanten Flächenbombardements deutscher Großstädte und hatte den Codenamen „Grilse“ (engl. Junger Lachs; die Angriffsziele wurden nach Fischen benannt). Die britischen Luftangriffe auf zivile Flächenziele (Innenstadt, Wohnviertel und andere) erfolgten gemäß der Area Bombing Directive („Anweisung zum Flächenbombardement“) des britischen Luftfahrtministeriums vom 14. Februar 1942.[1] Am Nachmittag des 16. Januar startete der Bomberverband der Royal Air Force mit insgesamt 371 Flugzeugen in Südengland. Sein Kurs führte über den Ärmelkanal zunächst nach Süddeutschland. Dort änderte der Verband seinen Kurs und flog über den Thüringer Wald und den Harz mit dem Ziel Magdeburg. Durch den sich ändernden Kurs des Bomberverbandes und die nur noch schwache deutsche Luftabwehr war bis kurz vor Beginn des Luftangriffs unklar, dass Magdeburg das Angriffsziel war. Als um 21:28 Uhr die Luftschutzsirenen die Bevölkerung warnten, detonierten bereits die ersten Bomben.

Zunächst warfen sogenannte Pfadfinder-Maschinen Leuchtbomben über der Stadt ab, um das Zielgebiet für den eigentlichen Angriff zu erleuchten. Es folgte eine Angriffswelle mit Luftminen, die durch ihre starke Sprengkraft beträchtliche Schäden an Dächern und Wänden von Gebäuden anrichteten und damit die Angriffsfläche für die darauffolgenden Abwürfe der Stabbrandbomben, Sprengbomben und Phosphorbomben vergrößerten. Der Boden der Stadt bebte durch die pausenlose Detonation der Sprengkörper. Durch die zahlreichen Brandherde entwickelten sich Feuerstürme, der Asphalt auf den Straßen wurde flüssig und begann ebenfalls zu brennen. Der gesamte Luftangriff dauerte 39 Minuten.

Nach dem Angriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Die acht Quadratkilometer große Fläche zwischen Hasselbachplatz, Hauptbahnhof, Alter Neustadt und Elbe lag nach dem Angriff in Trümmern und brannte noch mehrere Tage. Die Innenstadt wurde zu 90 % zerstört; die Zerstörung der gesamten Stadt wird auf 60 % geschätzt. 2.000 bis 2.500 Menschen kamen ums Leben und 190.000 verloren ihr Zuhause. Die „Nordfront“ der Stadt, 15 Kirchen und der Breite Weg, bis zu diesem Zeitpunkt eine der schönsten Barockstraßen Deutschlands, wurden fast komplett zerstört. Auf die Seitenschiffe des Magdeburger Doms fielen mehrere Sprengbomben. Bei einem erneuten Angriff am 2. März 1945 wurde durch einen Treffer in die Westfassade die große Orgel des Doms zerstört.

Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zerstörte Innenstadt: Rathaus (Mitte) und Johanniskirche (rechts), 1952

Nach dem Krieg wurden die Innenstadt und betroffene Viertel enttrümmert (siehe „Trümmerfrauen“). Aus Geldmangel infolge der Reparationen durch die SAG-Betriebe, aber auch mit dem ideologischen Ziel, eine neue sozialistische Stadt zu schaffen, wurden von den beschädigten Gebäuden nur einige gerettet beziehungsweise die von Zerstörung weniger betroffenen Bauten restauriert, darunter der Magdeburger Dom, das Kloster Unser Lieben Frauen und das Rathaus. So prägen heute nur wenige der Barockhäuser des Breiten Wegs, der Gründerzeit- und Jugendstilgebäude die Innenstadt, ergänzt um einige Bauten der Nationalen Tradition der Nachkriegszeit, die die sowjetische Architektur der Stalinzeit zum Vorbild haben. Die über Jahrhunderte gewachsene Stadtstruktur wurde weitgehend aufgegeben, so dass an die Stelle einer dichten großstädtischen Bebauung weite Freiräume traten, die von Bauten im Stil des sozialistischen Klassizismus gesäumt wurden. Mehrere zum Teil noch verhältnismäßig gut erhaltene über Jahrhunderte stadtbildprägende Kirchen wurden gesprengt, da diese der ideologischen Konzeption einer sozialistischen Stadt im Wege standen. Seit der Wiedervereinigung haben viele große und kleine Bauprojekte das Stadtbild stark verändert, beispielsweise wurde die zentrale Achse der Stadt, der Breite Weg, (vor dem Zweiten Weltkrieg eine der längsten Einkaufsmeilen Europas) seit 1990 mit vielen neuen Bebauungen wieder geschlossen.

Begehen der Jahrestage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am und um den 16. Januar finden in Magdeburg jedes Jahr zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt, die an die Zerstörung der Stadt erinnern. An der Gedenkstätte an die Opfer des Angriffs auf dem Westfriedhof berichten Zeitzeugen von ihren Erlebnissen und Repräsentanten Magdeburgs legen Blumenkränze nieder. Die Magdeburgische Philharmonie spielt im Opernhaus des Theaters Magdeburg zusammen mit dem Magdeburger Opernchor und der Singakademie traditionell Beethovens 9. Sinfonie. Im Kloster Unser Lieben Frauen findet ein jährliches Orgelkonzert statt. Im Anschluss an diese Veranstaltungen läuten um 21:28 Uhr, dem Zeitpunkt des Beginns der Bombardierung, die Glocken aller Kirchen der Stadt für etwa zehn Minuten.

Seit 1999 gedenken jährlich Neonazis der Bombardierung der Stadt. Mit 1200 Teilnehmenden erreichten die „Trauermärsche“ 2012 ihre bislang zahlenmäßig größte Beteiligung. Gegen diese Aufmärsche richtet sich zivilgesellschaftlicher Protest. Seit 2009 veranstaltet die Stadt als Gegenprogramm eine „Meile der Demokratie[2], die 2015 mit rund 15.000 Besuchern die bislang größte Beteiligung erfuhr.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. Ballerstedt u.a.: Es regnet Feuer! Die Magdeburger Schreckensnacht am 16. Januar 1945, Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2003

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich, Jörg, 2002,Titel Der Brand, S. 83 Ullstein Verlag, München.
  2. Meile der Demokratie (Internet-Site)
  3. [1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs in Magdeburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien