Luftrettung

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Die Luftrettung ist der Einsatz von Rettungsmitteln über den Luftweg in der Notfallmedizin. Die Luftrettung wird dann eingesetzt, wenn die Lage ein schnelleres Eingreifen erfordert, als durch bodengebundene Rettungsdienste möglich ist. Das kommt meist in ländlichen Gebieten vor, wo dann meist ein Rettungshubschrauber verwendet wird; es fliegt aber z. B. in Australien im Outback der Flying Doctor Service Notfall- und auch reguläre ärztliche Einsätze mit Flugzeugen.

Italienische Luftrettung bei einem Einsatz am Strand in Jesolo

Luftrettung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ADAC ist eines der größten Luftrettungsunternehmen. Hier RTH Christoph 32
Hubschrauber Christoph 43 der DRF-Luftrettung des Typs EC 135, Standort Karlsruhe

Die Bundesrepublik Deutschland verfügt über ein nahezu flächendeckendes Luftrettungssystem, das in über 30 Jahren als Ergänzung zum bodengebundenen Rettungs- und Notarztdienst geschaffen wurde. Es hat sich als äußerst wirksam erwiesen. Der hohe Stellenwert ist heute unbestritten. In Deutschland ist der Rettungsdienst Ländersache und wird daher durch Landesrettungsdienstgesetze geregelt. Zur Durchführung der Luftrettung greifen die Länder dabei auf unterschiedliche Organisationen zurück.

Derzeit gibt es 88 Rettungshubschrauber-Stationen in Deutschland. Die meisten davon sind in die primäre Luftrettung eingebunden. Das bedeutet, dass sie hauptsächlich sowohl als schneller Notarzt-Zubringer und Ersatz eines Notarzt-Einsatzfahrzeugs genutzt werden, jedoch auch Patiententransporte durchführen können, wenn zum Beispiel eine weiter entfernte Spezialklinik angeflogen werden muss oder kein Rettungswagen vorhanden ist. Die Intensiv-Transport-Hubschrauber sowie weitere Hubschrauber, wie etwa die des militärischen Such- und Rettungsdienstes haben nicht die Primärluftrettung als offiziellen vorrangigen Auftrag, können aber in der Regel auch dazu genutzt werden, wenn erforderlich.

Luftrettungs-Stationen
Anzahl Standorte Betreiber[B 1]
35 33 ADAC Luftrettung gGmbH
12 12 Bundesministerium des Innern (mit für den Katastrophenschutz beschafften Hubschraubern)
30 28 DRF Luftrettung; inkl. drei Station der ehem. HSD Luftrettung und 5 Stationen der ehem. HDM Luftrettung gemeinnützige GmbH
05 05 Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.[1][2]
02 02 SAR-Dienst der Bundeswehr/Marine. Search and Rescue.
04 03 SAR-Dienst der Bundeswehr/Heer. Search and Rescue.
88 83
  1. Stand: September 2018

Luftrettung in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rettungshubschrauber Christophorus 9 im Einsatz

Das Rückgrat der österreichischen Flugrettung bildet der Christophorus Flugrettungsverein an dem der ÖAMTC und das Rote Kreuz beteiligt sind.

Der ÖAMTC hat über sein Tochterunternehmen Heliair, das 24 EC 135 in Betrieb hat, die größte zivile Flotte dieses Hubschraubertyps in Europa und verleiht auch fünf Geräte an die ungarische Flugrettung OMSZ.[3] Darüber werden Standorte von privaten Unternehmern im Auftrag der Länder betrieben. Hinzu kommen temporäre Standorte während der Skisaison.

Luftrettung in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rega 1 EC 145

In der Schweiz werden Rettungshubschrauber mehrheitlich von der Schweizerischen Rettungsflugwacht (kurz Rega), einer gemeinnützigen privaten Stiftung für Luftrettung oder deren Partnergesellschaften betrieben. Die Rega und ihre Partner können in der Schweiz über die Alarmnummer 1414 angefordert werden. Für den Einsatz in Süddeutschland wird die REGA über die jeweiligen Rettungsleitstellen alarmiert.

Die Rega betreibt zehn Luftrettungsstationen, dazu kommen drei Helikopter der Rega-Partner. Die Standorte werden im Artikel über die Rega beschrieben. Eine Ausnahme bildet der Kanton Wallis, in dem die Air Zermatt und die Air Glaciers für die Luftrettung zuständig sind.

Die erste alpine Luftrettung erfolgte im November 1946 am Gauligletscher.

Flugrettung in Ungarn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ungarische Flugrettung OMSZ verfügt über fünf Stützpunkte, die mit EC 135 ausgerüstet sind. Geplant sind noch zwei weitere und ein Stützpunkt, die nur im Sommer besetzt ist. Sowohl die Planung als auch die Schulung der 80 Notfallärzte wurde vom österreichischen Christophorus Flugrettungsverein durchgeführt. Auch das Fluggerät ist von Heliair gechartert.[4]

Internationale Projekte in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt Projekte, an denen Organisationen mehrerer Staaten beteiligt sind. Zu nennen sind in diesem Kontext besonders:

Rufname Stadt Bemerkung
Christoph Europa 1 Aachen-Merzbrück Einsätze in Deutschland, Belgien und den Niederlanden.
Christoph Europa 2 Rheine Einsätze in Deutschland und den Niederlanden.
Christophorus Europa 3 Suben Europaweit erster Notarzthubschrauber im seit 2002 länderübergreifendem Betrieb: im Winterhalbjahr fliegt ein Hubschrauber des ADAC, im Sommerhalbjahr des ÖAMTC. Einsatzgebiet ist Bayern und Oberösterreich.
Christoph Europa 5 Niebüll Einsätze in Deutschland und Dänemark (v. a. Südjütland)
Christoph 9 Duisburg Einsätze in Deutschland und den Niederlanden.
Christoph 16 Saarbrücken Einsätze in Deutschland und Frankreich.
Lifeliner 3 Nijmegen Einsätze in den Niederlanden und Deutschland.
Lifeliner Europa 4 Groningen Einsätze in den Niederlanden und Deutschland. Gemeinschaftlicher Betrieb durch ADAC und ANWB. In den Niederlanden wird der Standort ohne den Zusatz Europa geführt.
Air Rescue 3 Flughafen Findel Einsätze in Luxemburg, Belgien, Deutschland (Rheinland-Pfalz für die Region Trier sowie Saarland) und Frankreich.
REGA Schweiz (diverse) Die grenznah stationierten REGA-Hubschrauber aus der Schweiz fliegen ebenfalls regelmäßig Einsätze in Deutschland. So liegt mehr als die Hälfte der Einsatzorte von Rega 2 (Basel) in Südbaden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Holger Scholl: Luftrettung. Stumpf und Kossendey, Edewecht u. a. 2002, ISBN 3-932750-77-2, (Themenschwerpunkt).
  • Hubertus Bartmann: Luftrettung am Wasser. Begleitheft zum Aufbaulehrgang für Feuerwehrtaucher – Hubschraubereinsatz. ecomed-sicherheit, Landsberg/Lech 2005, ISBN 3-609-66928-4.
  • Roland Oster: Luftrettung. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-02846-3
  • Tino Lorenz: Am Leben. Notarzt im Rettungshubschrauber. Heller, Taufkirchen 2007, ISBN 978-3-929403-24-4, amleben.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Luftrettung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Standorte. In: Johanniter [live]. 9. Juni 2016 (johanniter.de [abgerufen am 5. Februar 2018]).
  2. Team www.rth.info: rth.info | Betreiber. Abgerufen am 5. Februar 2018.
  3. Christophorus fliegt in Ungarn. auf ORF-Volksgruppen abgerufen am 26. Januar 2010
  4. Christophorus Magazin (PDF; 474 kB) Juni 2007 abgerufen am 25. Januar 2010