Luftrettung in Italien

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RTH der Flugrettung der Provinz Trient

Die Luftrettung in Italien gehört wie das Gesundheitswesen zum Zuständigkeitsbereich der italienischen Regionen und autonomen Provinzen. In der Regel stellen private Betreiber wie INAER Helicopter Italia die Rettungshubschrauber, aber auch die Feuerwehr und andere staatliche Organisationen. Die Anforderung erfolgt über die Notrufnummern der Rettungsdienste oder durch die Rettungsdienste vor Ort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Anfang der 1920er Jahre übernehmen Luftfahrzeuge der Streitkräfte auch Luftrettungsaufgaben für die Allgemeinheit. Mit dem Aufbau eines zivilen Luftrettungssystems begann man 1984. Im Zug des schrittweisen Ausbaus zogen sich die Streitkräfte auf Such- und Rettungsdienste bei größeren Notfällen in der Luft- und Seefahrt zurück, so wie es internationale Abkommen vorsehen. Ansonsten spielen sie bei der Luftrettung auf See und in Gegenden, in denen keine oder wenige zivile Rettungshubschrauber vorhanden sind, weiterhin eine wichtige Rolle. In Italien gibt es heute über 40 RTH-Stützpunkte ziviler Betreiber, wodurch das Netz fast flächendeckend ist.

Hubschrauber und Stützpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachstehend eine von Norden nach Süden geordnete kurze Darstellung des zivilen Luftrettungswesens in den italienischen Regionen und autonomen Provinzen:

Trentino-Südtirol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bis 2015 eingesetzte RTH BK 117 Pelikan 1 der Landesflugrettung Südtirol

Südtirol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol sind derzeit drei Rettungshubschrauber stationiert, die am Tage im Einsatz sind. Der Verein HELI – Flugrettung Südtirol betreibt die Hubschrauber Pelikan 1 und Pelikan 2 in Bozen und Brixen. Zum Einsatz kommen seit dem 1. März 2015 zwei gelb-lackierte Maschinen vom Typ EC-H145 T2, die zwei ältere BK 117 abgelöst haben.[1] Bei der Flugrettung Südtirol handelt es sich um einen Zusammenschluss des in Südtirol landesweit präsenten Landesrettungsdienstes Weißes Kreuz, des Bergrettungsdienstes im Alpenverein Südtirol (AVS-BRD) und der Nationalen Berg- und Höhlenrettung (CNSAS) im italienischen Alpenverein (Club Alpino Italiano). Die Hubschrauber werden von INAER Helicopter Italia gestellt.

Den dritten Hubschrauber stellt Aiut Alpin Dolomites, ein Zusammenschluss von 16 Bergrettungs-Mannschaften aus der Dolomitengegend. Die Maschine vom Typ EC 135 T3 ist in Pontives in Gröden stationiert. Dieser Hubschrauber ist nur in den Winter- und Sommermonaten in Bereitschaft.[2]

Die Alarmierung aller drei Notarzthubschrauber erfolgte bis 17. Oktober 2017 über die Landesnotrufzentrale unter der Notrufnummer 118.

Trentino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ebenso autonome Nachbarprovinz Trentino unterhält drei Rettungshubschrauber (einen Eurocopter AS 365N3 Dauphin und zwei AgustaWestland AW139) sowie zwei Arbeitshubschrauber vom Typ Eurocopter AS 350B3 Écureuil. Mit den drei Rettungsmaschinen garantiert sie einen rund um die Uhr Dienst (H24), während die zwei Arbeitshubschrauber bei Großereignissen, Waldbränden oder sonstigen gemeinnützigen Transporten zum Einsatz kommen. Die Staffel wird von der Berufsfeuerwehr Trient betrieben und hat im Jahre 2009 ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert.[3]

Nach Einführung einer einheitliche Notrufzentrale in der Region Trentino-Südtirol mit Standorten in Bozen und Trient ist die Alarmierung seit 17. Oktober 2017 über die einheitliche europäische Notrufnummer 112 möglich.[4]

Venetien und Friaul-Julisch Venetien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Venetien stehen Rettungshubschrauber in Padua, Treviso, Belluno und Verona bereit,[5] in Friaul-Julisch Venetien in Udine.[6]

Lombardei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Lombardei stehen Rettungshubschrauber in Mailand, Como, Bergamo, Brescia und Sondrio bereit.[7]

Aostatal, Piemont und Ligurien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Aostatal begann 1981 mit der Erprobung eines regionalen Luftrettungswesens. Auf dem Flughafen Aosta stehen ein AW139 und ein AB412 bereit, wobei letzterer in Reserve gehalten wird und nur in der Hochsaison voll ausgelastet ist. Es werden rund 750 Einsätze jährlich verzeichnet, auf einer durchschnittlichen Höhe von 2.500 Metern.[8]

In der Region Piemont gab es lange Zeit fünf Standorte in Turin, Novara, Cuneo, Vercelli und Alessandria. 2012 wurde der Standort Novara aufgegeben, auch wegen der sicherheitsbedingten Nutzungseinschränkung des Hubschrauberlandeplatzes beim örtlichen Krankenhaus.[9]

Ligurien stützt sich seit längerer Zeit auf eine Hubschrauber-Einheit der Feuerwehr in Genua.[10]

Emilia-Romagna und Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RTH Icaro beim Krankenhaus Torrette in Ancona (Marken)

In der Emilia-Romagna stehen Rettungshubschrauber in Bologna, Ravenna und Parma bereit. In dieser Region wurde der Luftrettungsdienst im Jahr 1986 in Bologna eingeführt, Ravenna kam 1987 dazu, Parma 1988.[11][12]

Die Region Marken verfügt seit 1987 über einen Rettungshubschrauber, der beim Krankenhaus Torrette in Ancona stationiert ist.[13] Ein weiterer Hubschrauber wurde zumindest 2009 und 2010 in Zusammenarbeit mit Umbrien zwischen Foligno und Fabriano betrieben.[14]

Toskana[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei Rettungshubschrauber der Toskana sind nach dem Wappentier der Region benannt, dem Pegasus. Pegaso 1 ist in Florenz stationiert, Pegaso 2 in Grosseto, Pegaso 3 in Massa.[15]

Latium und Umbrien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Region Latium stehen drei Rettungshubschrauber in Rom-Ciampino, Viterbo und Latina bereit. Umbrien kooperiert mit der Region Marken, möchte aber ein eigenes Luftrettungswesen einrichten. Es gibt einen Stützpunkt am Flughafen Foligno.[16]

Abruzzen und Molise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region Abruzzen verfügt über zwei Rettungshubschrauber, die in L’Aquila und Pescara stationiert sind.[17] Molise hat kein regionales Luftrettungswesen aufgebaut.

Apulien und Basilikata[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Apulien befinden sich Rettungshubschrauber in Bari und Foggia.[18] Die Region Basilikata begann 1985 mit dem Aufbau eines Luftrettungswesens und hat heute insgesamt zwei Hubschrauber in Potenza und Matera.[19]

Kampanien und Kalabrien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kampanien unterhält zwei Rettungshubschrauber in Neapel und Salerno,[20] Kalabrien drei in Cosenza, Catanzaro und Reggio Calabria.[21]

Sizilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Sizilien stehen Rettungshubschrauber in Palermo, Messina, Catania und Caltanissetta zur Verfügung, sowie auf den kleinen Inseln Pantelleria und Lampedusa, womit das gesamte Gebiet der Region abgedeckt ist.[22]

RTH der italienischen Feuerwehr

Sardinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Sardinien übernimmt ein in Alghero stationierter Hubschrauber der Feuerwehr die Luftrettung. Da dies wegen der Größe der Insel nicht ausreicht, plant die Regionalregierung den Einsatz von zwei zusätzlichen Hubschraubern, die jeweils im Norden und im Süden Sardiniens stationiert werden sollen. Bisher hat man bei Bedarf Militärhubschrauber angefordert, die von Decimomannu und Salto di Quirra aus fliegen und auch SAR-Einsätze auf See übernehmen.[23]

Sonstige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Such- und Rettungsaufgaben über dem Mittelmeer übernimmt weitgehend das 15. Hubschrauber-Geschwader der italienischen Luftwaffe, in manchen Abschnitten wird es dabei auch von Hubschraubern der Marine und der Küstenwache unterstützt. Bei Bedarf operieren das 15. Geschwader und andere Einheiten auch im Landesinneren, insbesondere bei Nacht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rettungshubschrauber in Italien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neue Hubschrauber: Die Farbe bleibt – zumindest vorerst. stol.it, 2. März 2015
  2. Landesflugrettung auf www.soccorsoalpino.org
  3. www.elicotteri.web zur Trentiner Luftrettung und den neuen AW139
  4. Die Europäische Einheitliche Notrufnummer 112 ist seit heute (17. Oktober) auch in Südtirol die Telefonnummer für alle Notfälle., Pressemitteilung der Südtiroler Landesverwaltung vom 17. Oktober 2017
  5. RTH Venetien auf www.sis118.it
  6. RTH Friaul auf messaggeroveneto.gelocal.it
  7. Azienda Regionale Emergenza Urgenza, Lombardische Luftrettung
  8. Sanitätsbetrieb Aostatal zum Luftrettungsdienst
  9. Region Piemont zum Luftrettungsdienst, 1. Juli 2012
  10. www.levantenews.it zum Modell Ligurien, 24. September 2012
  11. RTH-Organisation in der Emilia-Romagna
  12. RTH Emilia-Romagna auf www.sis118.it
  13. RTH Marken auf www.cri.it
  14. Kooperation Marken-Umbrien auf trgmedia.it, 16. Oktober 2009
  15. Neuer AW 139 Pegaso 3 in Massa auf www.regioni.it, 31. August 2012
  16. Zur Kooperation zwischen Umbrien und Marken auf www.iltamtam.it, 15. Oktober 2009
  17. RTH Abruzzen auf automedicazione.it, 14. Oktober 2009
  18. RTH Apulien auf www.sis118.it
  19. Regione Basilicata, 6. Juli 2012
  20. RTH Kampanien auf www.sis118.it
  21. RTH Kalabrien auf www.sis118.it
  22. www.buongiornosicilia zur Eröffnung der neuen Basis in Palermo-Boccadifalco, 27. Juli 2012
  23. Pläne der Regionalregierung auf La Nuova Sardegna, 5. Juni 2012