Luftschutzräume in Wuppertal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Zur Sicherung der Bevölkerung vor Bombenangriffen während des Zweiten Weltkriegs wurden in der Zeit des Nationalsozialismus zahlreiche Luftschutzräume in Wuppertal eingerichtet, die vor allem in den Bombennächten im Jahr 1943 viele Menschen schützten.

Luftschutzstollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Luftschutzräumen gehörten vor allen mehr als 400 Luftschutzstollen im Stadtgebiet, von denen die Hardthöhlen der bekannteste ist. Aber auch das übrige Stadtgebiet war flächendeckend mit solchen Schutzräumen versehen, von denen die meisten heute nicht mehr zugänglich sind.

Hochbunker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Beispiel eines entfestigten Bunkers, Metzmachersrath 24

Stadtbildprägend sind die Hochbunker, die vor allem in den dicht besiedelten Stadtvierteln errichtet wurden.

  • Platz der Republik, Elberfeld (2009 abgerissen)
  • Am Pfaffenhaus, Katernberg (entfestigt, Umbau zum Wohnhaus, laut Unterlagen Pfaffenhaus, real aber Metzmachersrath 24)
  • Siedlungsstraße, Barmen (2015 abgerissen bis auf die Bodenplatte, auf der dann ein Generationen-Wohnpark errichtet wurde)
  • Schwelmer Straße, Langerfeld (2007 Verkauf durch den Bund, 2010–2011 Umbauarbeiten, 2011–2019 Bauruine, nach mehreren gescheiterten Versuchen im August 2017 erfolgreicher Weiterverkauf, Aufnahme neuer Umbauarbeiten aber erst Ende 2019)[1][2]
  • Schusterstraße, Elberfeld (vorhanden, Privatbesitz)
  • Große Hakenstraße, Barmen (vorhanden)
  • Friedrichsplatz, Elberfeld (abgerissen, nicht fertiggestellt)
  • Ascheweg, Ronsdorf (entfestigt?)
  • Münzstraße, Barmen (vorhanden)
  • Städtische Krankenanstalten Barmen (OP-Bunker)

Besondere Luftschutztürme der Bauart Winkel hat es auch in Wuppertal gegeben.

  • Else-Lasker-Schüler-Straße/Unterstraße, Elberfeld (vorhanden, Stadt Wuppertal ist Besitzer, vermietet als Lager)
  • Heubruch, Barmen (im Volksmund „Zuckerhut“ genannt, abgerissen)
  • Heckinghauser Straße, Heckinghausen (abgerissen)

Ostersbaum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wohnquartier Ostersbaum befand sich auf dem Platz der Republik an der Hagenauer Straße ein 1941/1942 erbauter Hochbunker. Der Bunker besaß 4 Geschosse mit einem Volumen von 18.000 Kubikmeter bei Wandstärken bis zu 1,2 Metern. Die Bodenplatte besaß eine Stärke von 2 Metern, die Decke von 1,6 Metern. (51° 15′ 55,1″ N, 7° 9′ 4,4″ O). Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Bunker bis 1957 als Notunterkunft und erlangte anschließend kurzzeitig als „Jazz-Keller“ regionale Bekanntheit. Ende des 20. Jahrhunderts zog ein Getränkemarkt in das Gebäude ein. Der Abriss des Bunkers wurde im Jahr 2008 beschlossen und begann im Januar 2009.

Kleiner ist der 21 Meter hohe Winkelturm, ein runder Hochbunker an der Unterstraße der Bauart Winkel (51° 15′ 37″ N, 7° 9′ 6,5″ O). Errichtet wurde der Winkelturm, der bis zu 500 Personen aufnehmen konnte, von der Firma Brüggemann.[3]

Nordstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hochbunker an der Schusterstraße in der Nordstadt (Bildmitte)

Der 21,5 Meter hohe Hochbunker an der Schusterstraße im Wohnquartier Nordstadt wurde 1942/1943 erbaut. (51° 15′ 25,1″ N, 7° 8′ 4,4″ O). Seine Grundfläche beträgt 20 mal 20 Meter, seine Wandstärke 1,1 Meter. Die sieben Etagen besitzen eine Geschosshöhe von 2,7 Meter mit einer Zwischendeckenhöhe von 25 Zentimetern. Die Decke besteht wie die Wände aus Stahlbeton und besitzt eine Stärke von 1,4 Meter. Seine beiden angebaute Zugänge im Erdgeschoss besaßen Gasschleusen.[3] Der Hochbunker ist baugleich mit dem Hochbunker an der Nußbaumstraße im Wohnquartier Rott.

Rott[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wohnquartier Rott befindet sich an der Nußbaumstraße Ecke Große Hakenstraße ein 1942/1943 erbauter Hochbunker (51° 16′ 18,7″ N, 7° 11′ 16,7″ O). Der siebengeschossige Hochbunker ist baugleich mit dem Hochbunker an der Schusterstraße in der Nordstadt.

Sedansberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Hochbunker im Wohnquartier Sedansberg befindet sich an der Münzstraße Ecke Möwenstraße (51° 16′ 31,4″ N, 7° 11′ 50,3″ O).

Ein zweiter Hochbunker befand sich an der Siedlungsstraße. Dieser wurde teilweise abgerissen, auf dem Fundament sollen bis 2016 Seniorenwohnungen entstehen.[4] (51° 16′ 48,3″ N, 7° 11′ 40,7″ O)

Langerfeld-Mitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bunker in Langerfeld

Im Wohnquartier Langerfeld-Mitte befindet sich an der Schwelmer Straße Ecke Preußenstraße ein Hochbunker mit 26,70 Meter Länge, 14,5 Meter Höhe und 15 Meter Breite. (51° 16′ 33,5″ N, 7° 15′ 5,8″ O) Die Wände, die Decken und das Fundament bestehen aus Stahlbeton. In drei Etagen bot er Schutz für 670 Personen (372 Liegeplätze und 298 Sitzplätze).[5] Auch dieser Bunker diente nach dem Zweiten Weltkrieg als Notunterkunft für ausgebombte Familien. Im März 2010 begann der Umbau zu einem Wohnhaus mit 14 barrierefreien Mietwohnungen für Senioren. Die Umbaukosten wurden mit 1,8 Millionen Euro beziffert. Nach Durchbruch und Einbau der Fenster kamen die Arbeiten Mitte 2012 zum Erliegen.[6][7] Anfang des Jahres 2016 wurde das Gebäude des ehemaligen Bunkers zwangsversteigert.[8]

Schutzräume der Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weiter Schutzräume für die Bevölkerung vorgehalten. Sie sollten während des Kalten Kriegs vor Angriffen mit ABC-Waffen schützen. Die größte Anlage dieser Art aus dem Zweiten Weltkrieg mit Platz für 2000 Menschen befand sich unterhalb des Busbahnhofs am Hauptbahnhof Wuppertal, dem Verkehrsknotenpunkt Döppersberg. Die Anlage ist noch vorhanden, ist aber nicht mehr als Schutzraum in Verwendung. Bis Ende 2018 sollen hier eine Discothek und ein Eventraum für kulturelle Veranstaltungen entstehen.[9]

Unter dem Neumarkt vor dem alten Elberfelder Rathaus befindet sich ein weiterer modernisierter Luftschutzraum. Die Gänge ziehen sich unter dem Markt entlang, es gibt Holzbänke und Abgänge zu mehr als 40 Räumen. 450 Personen können unter dem Neumarkt Schutz finden.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Luftschutzräume in Wuppertal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Videos:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Claudia Kasemann und Manuel Praest: Bunker: Die Arbeiten ruhen. Westdeutsche Zeitung, 7. August 2012, abgerufen am 8. März 2016.
  2. Michael Bosse: Der Bunker in Wuppertal-Langerfeld soll seinen rauen Charme behalten. Westdeutsche Zeitung, 11. Dezember 2019, abgerufen am 4. August 2020.
  3. a b wuppertal-untertage.de
  4. Jörg Jung: Sedansberg: Wohnen auf dem Bunkergelände. In: Westdeutsche Zeitung vom 16. Juli 2013
  5. WZ-online.de, 26. September 2007, Besichtigung: Unheimlicher Bunker
  6. WZ-online.de, 8. Januar 2007, Langerfeld: Schöner Wohnen im Bunker
  7. WZ-online.de, 7. August 2012, Bunker: Die Arbeiten ruhen
  8. WZ-online.de, 10. November 2015
  9. Andreas Boller: Markus und Thomas Riedel bauen Bunker zum Klub um. In: Westdeutsche Zeitung vom 4. Januar 2017.
  10. WZ-online.de, 18. Dezember 2008@1@2Vorlage:Toter Link/www.wz-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , Neumarkt: Bunker-Einstieg in der Kritik