Luiz Inácio Lula da Silva

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Luiz Inácio Lula da Silva (2007)

Luiz Inácio Lula da Silva [lu'iz i'nasju 'lulɐ da 'siwvɐ] (* 27. Oktober 1945 in Caetés, Brasilien) ist ein brasilianischer Politiker. Er war vom 1. Januar 2003 bis zum 1. Januar 2011 Präsident Brasiliens und ist Gründungsmitglied der brasilianischen Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores.

Ursprünglich als Luiz Inácio da Silva geboren, nahm er seinen Spitznamen „Lula“ (Lula ist ein Spitzname für „Luis“) später offiziell in den Namen auf. Als „Lula“ ist er auch in der brasilianischen Bevölkerung bekannt.

Familie, Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lula da Silva war das siebte von acht Kindern von Aristides Inácio da Silva und Eurídice Ferreira de Mello. Sein Vater zog auf der Suche nach Arbeit nach São Paulo, 1952 folgte Lula mit seinen Geschwistern und seiner Mutter, sein Vater hatte jedoch eine neue Frau gefunden und wollte mit der alten Familie keinen Kontakt mehr haben. Er ging mangels Schulgeld nur wenige Jahre zur Schule. Bereits mit 12 Jahren musste er durch verschiedene Arbeiten, u. a. in einer Wäscherei, als Schuhputzer und als Botenjunge, einen Beitrag zum Lebensunterhalt der Familie leisten.

Später arbeitete er in einer Metallfabrik und konnte an einer Berufsbildungseinrichtung des Serviço Nacional de Aprendizagem Industrial eine Ausbildung zum Metallfacharbeiter absolvieren. Ab 1966 arbeitete er in einem großen Unternehmen der Metallindustrie in São Bernardo do Campo im Großraum São Paulo und wurde an einer Privatschule von José Efromovich, die damals dem heutigen Präsidenten von Avianca Brazil gehörte, weitergebildet.[1] 1979 wurde er zum Anführer eines Arbeiterstreiks, am 18. April 1980 wurde er von der Polizei der Militärdiktatur verhaftet, im Mai jedoch wieder freigelassen, nachdem der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt dies zu einer Bedingung für einen Besuch gemacht hatte.

Lula ist seit 1974 mit Marisa Letícia verheiratet, mit der er fünf Kinder hat. Seine erste Ehefrau starb an einer Infektion. Sie konnte nicht behandelt werden, weil Lula das zur Behandlung nötige Geld nicht aufbringen konnte.

Ende Oktober 2011 wurde bekannt, dass Lula an Krebs erkrankt ist. Es handelt sich um einen kleinen und begrenzten Tumor am Kehlkopf. Lula werde sich einer Chemotherapie und anschließend einer Strahlentherapie unterziehen.[2]

Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über seinen Bruder kam Lula da Silva in Kontakt mit der Gewerkschaftsbewegung. Bereits 1969 wählte ihn die Gewerkschaft der Metallarbeiter als Stellvertreter in den Vorstand der Regionalgruppe São Bernardo do Campo und Diadema. In den Wahlen 1972 wurde er als Generalsekretär wieder in den Vorstand gewählt. Mit 92 Prozent der Stimmen wählten ihn die Gewerkschaftsmitglieder 1975 zu ihrem Vorsitzenden. Lula da Silva vertrat etwa 100.000 Arbeiter.

Während der 1970er Jahre beteiligte sich der spätere Präsident des Landes an der Organisation verschiedener Gewerkschaftsaktivitäten und großer Streiks. Die brasilianische Niederlassung von Volkswagen, Volkswagen do Brasil observierte Lula de Silva bei diesen Tätigkeiten und gab gesammelte Informationen an die Militärdiktatur weiter[3]. Dabei wurde er auch festgenommen und saß für einen Monat im Gefängnis. Mit den Ergebnissen der Streiks unzufrieden, gründete Lula da Silva gemeinsam mit anderen Gewerkschaftern, Intellektuellen und Vertretern verschiedener sozialer Gruppen am 10. Februar 1980 den Partido dos Trabalhadores, PT („Partei der Arbeiter“). Der PT war schon 1982 in weiten Teilen des Landes vertreten und hatte rund 400.000 Mitglieder.

Im Jahr 1986 wurde Luiz Inácio Lula da Silva mit einem Rekordergebnis als Vertreter des Bundesstaates São Paulo in die Abgeordnetenkammer des Nationalkongresses Brasiliens gewählt. Die PT beteiligte sich aktiv an der Entwicklung der neuen Verfassung Brasiliens von 1988 und konnte wichtige Rechte der Arbeiter darin verankern. In anderen Fragen, wie z. B. der Neugestaltung der Landbesitzverhältnisse, konnte sie sich hingegen nicht durchsetzen.

Bereits 1989 kämpfte Lula da Silva als Kandidat der PT um das Präsidentenamt. Obwohl er bei Teilen der Bevölkerung sehr beliebt war, wurde er nicht gewählt. Industrie und Finanzwesen fürchteten, dass ein Sozialist den wirtschaftlichen Interessen schaden könnte.

Lula da Silva (rechts) im Gespräch mit seinem Vize José Alencar (Mai 2004)

In allen folgenden Wahlen zum Präsidenten trat er erneut an. Erst in der Wahlkampagne zu den Wahlen 2002 verzichtete er bewusst auf sein Arbeiterimage und trat in Anzug und Krawatte auf. Außerdem betonte er nicht mehr seine Meinung, dass Brasilien seine Auslandsschulden nicht zurückzahlen solle. Stattdessen setzte er auf ein Programm gegen Hunger und Armut (Fome Zero) und für bessere Ausbildung.

Mit der Industrie gelang es ihm, ein vorsichtiges Vertrauensverhältnis aufzubauen. So überraschte es beispielsweise, als kurz vor den Wahlen ein Vertreter eines Automobilherstellers ankündigte, dass man eine neue Modellreihe in Brasilien produzieren werde und dafür auch neue Arbeitsplätze geschaffen würden. Diese Signale führten unter anderem auch zu einem Vertrauensgewinn beim Internationalen Währungsfonds (IWF), der schließlich die Wahl Lula da Silvas begrüßte.

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im zweiten Wahlgang am 27. Oktober 2002 gewann Lula da Silva gegen José Serra, den Kandidaten der Brasilianischen Sozialdemokratischen Partei PSDB (Partido da Social Democracia Brasileira). Er löste Fernando Henrique Cardoso, der seit 1995 Präsident Brasiliens gewesen war, im Amt ab.

Zum Einflussbereich Lula da Silvas gehört auch der umstrittene Industrielle Blairo Maggi, der zugleich Gouverneur Mato Grossos war. Greenpeace bezeichnet Maggi als einen der Hauptverantwortlichen für die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes.

Im Juni 2006 gab Lula da Silva die Kandidatur für eine zweite Amtszeit bekannt. Gegen ihn trat der Sozialdemokrat Geraldo Alckmin an. Beim ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl am 1. Oktober 2006 verfehlte Lula mit 48,6 Prozent der Stimmen nur knapp die absolute Mehrheit. Er musste sich also in einem 2. Wahlgang seinem Herausforderer, Geraldo Alckmin, stellen. Heloísa Helena landete mit 6,8 Prozent der Stimmen auf Platz drei. Die meisten Stimmen gewann Lula im Nordosten Brasiliens, wo die in seiner Amtszeit eingeführten Sozialprogramme erste Wirkung zeigen. In seiner Heimat hingegen musste Lula herbe Verluste einstecken.[4]

Am 29. Oktober 2006 wurde Lula im Amt bestätigt. Mit 61 Prozent lag er eindeutig vor seinem Herausforderer Geraldo Alckmin (39 Prozent). Vor allem waren es die ärmeren Teile der Bevölkerung des Nordens und Nordostens Brasiliens, die Lula die Treue hielten. Die Zahl derer, die unterhalb der Armutsgrenze leben, soll seit 2002 von 40 Prozent auf 20 Prozent zurückgegangen sein.[5]

Nach zwei Amtszeiten in Folge durfte Lula da Silva bei der Präsidentschaftswahl 2010 nicht erneut kandidieren. Zu seiner Nachfolgerin wurde die von ihm vorgeschlagene Kandidatin des PT, Dilma Rousseff, gewählt. Ihr übergab er am 1. Januar 2011 das Präsidentenamt.

Am 16. März 2016 wurde Lula von Präsidentin Rousseff zum Kabinettschef ernannt.[6]

Ermittlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2013 nahm die Generalstaatsanwaltschaft Brasiliens in Zusammenhang mit dem sogenannten Mensalão-Skandal Ermittlungen auch gegen Lula auf. Zwischen 2003 und 2005, während Lulas erster Amtszeit, soll sich seine Arbeiterpartei durch Barzahlungen an Abgeordnete des brasilianischen Parlaments die Zustimmung zu Lula da Silvas Politik erkauft haben. Ende 2012 wurden 25 Politiker, Juristen und Unternehmer für schuldig befunden, am Skandal beteiligt gewesen zu sein. Lula hatte immer beteuert, von den Zahlungen nichts gewusst zu haben. Der zu 40 Jahren Haft verurteilte Geschäftsmann Marcos Valério beschuldigt ihn, selbst in den Skandal verstrickt zu sein.[7]

Am 4. März 2016 wurde Lula da Silvas Haus im Zuge der „Operation Aletheia“ (Operação Aletheia, 24. Phase der Operation Lava Jato) von 200 Beamten der Bundespolizei durchsucht. Dabei wurde er festgenommen und zum Verhör auf eine Polizeistation gebracht. Auch das Haus seines Sohnes Fábio Luís Lula da Silva wurde Ziel der Durchsuchungen.[8][9] Am 10. März 2016 gab die Staatsanwaltschaft von São Paulo bekannt, dass eine Anklageschrift gegen Lula da Silva eingebracht wurde.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Dokumentarfilm South of the Border von Oliver Stone aus dem Jahr 2009 wird Lula da Silva neben anderen Regierungspräsidenten Lateinamerikas interviewt.
  • Der Spielfilm Lula, o Filho do Brasil (2009) verfolgt Lulas Leben bis zum Tod seiner Mutter.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Luiz Inácio Lula da Silva – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. José Efromovich: o imigrante que construiu um império ao lado do irmão (Der Immigrant der mit seinem Bruder ein Imperium gründete) Estadão, 5. Juni 2011 (pt)
  2. Brasiliens Ex-Präsident Lula hat Krebs. In: Spiegel Online vom 29. Oktober 2011
  3. Volkswagen spionierte Ex-Präsident Lula aus, abgerufen am 11. Dezember 2014
  4. Sandra Weiss: Lula muss in Brasilien in Stichwahl; in: Der Tagesspiegel, 4. Oktober 2006.
  5. Deutliche Mehrheit: Brasilianer wählen Lula wieder zum Präsidenten; Spiegel Online, 30. Oktober 2006.
  6. Ministerposten für Brasiliens Ex-Präsidenten Rousseff holt Vorgänger Lula ins Kabinett. Tagesschau.de, 16. März 2016, abgerufen am 16. März 2016.
  7. Gegen Brasiliens Ex-Präsident Lula wird ermittelt swr.de, 7. April 2013
  8. Petrobras-Skandal: Ex-Präsident Lula bei Razzia festgenommen
  9. Rodrigo Rangel, Laryssa Borges, Felipe Frazão: Lula é levado pela Polícia Federal para depor na 24ª fase da Lava Jato. In: veja.com. 4. März 2016, abgerufen am 4. März 2016 (portugiesisch).
  10. Ex-Präsident Lula soll angeklagt werden. In: Die Zeit vom 10. März 2016, abgerufen am 10. März 2016.
  11. Präsidentenerlass vom 24. November 2009 Nummer 960/2009, abgerufen am 7. September 2014
  12. Lula auf der Website des Welternährungspreis
Vorgänger Amt Nachfolger
Fernando Henrique Cardoso Präsident Brasiliens
2003–2011
Dilma Rousseff