Lumda (Grünberg)

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Lumda
Stadt Grünberg
Koordinaten: 50° 38′ 6″ N, 8° 56′ 35″ O
Höhe: 263 m ü. NHN
Fläche: 7,58 km²[1]
Einwohner: 598 (30. Jun. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35305
Vorwahl: 06401
Karte
Stadtteile von Grünberg

Lumda ist ein Stadtteil von Grünberg im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lumda liegt nördlich von Grünberg in Mittelhessen im Vorderen Vogelsberg an der Lumda, der dem Ort den Namen gab. Im Norden führt die Bundesautobahn 5 am Ort vorbei. Im Westen liegt die Autobahnabfahrt Grünberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der kleine Ort wird erstmals 1227 erwähnt.[2][3] Die spätklassizistische Evangelische Kirche wurde 1847/1848 anstelle einer mittelalterlichen Kapelle errichtet.

Bahnhof Lumda um 1899

Als die Bahnstrecke Gießen–Londorf–Grünberg (Lumdatalbahn) 1896 erbaut wurde, bekam Lumda einen eigenen Bahnhof. Bis 1934 wurde über diese Bahnlinie das in Ortsnähe geschürfte Eisenerz abtransportiert. Ebenso wurden Baustoffe zum Bau der Reichsautobahn angeliefert, die am Bahnhof Lumda (vermutlich auf eine Feldbahn) umgeladen wurden. Am 26. Mai 1963 wurde sie Strecke Grünberg–Lollar stillgelegt.

1939 gehörte der Ort zum Landkreis Alsfeld, seit dem 1. August 1979 zum Landkreis Gießen. Am 23. August 2010 wurde der Ort von einem mittelschweren Tornado der Stärke F3 getroffen.[4]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Lumda am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Grünberg eingegliedert.[5]

Historische Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Lumda Lunhane marca, in (780/802) [XII Jh. Codex Eberhardi 1 I S. 267 = Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 423]

  • Lumbe (1227) [Franz, Kloster Haina 2, 2, S. 88]
  • Lunam, juxta (1267) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1, Nr. 240]
  • Lumme (um 1300) [Anfang XV, Würdtwein, Dioecesis Moguntina 3 S. 285]
  • nydirlumbe, obuirllume (14. Jahrhundert, Lomme. Nydderlomme 14. Jahrhundert) [UB Gießen Hs. 556/60, S. 5, 31]
  • Lumme, zcu (1502) [Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1, Nr. 740]
  • Lumb (1589) [Becker, Salbücher des Kreises Alsfeld, S. 324]
  • Groß-Lumda (1787)unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Lumda lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][6]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Lumda das „Amt Grünberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Lumda zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[10] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Lumda wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt.[11] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1577: 022 Hausgesesse
• 1630: 012 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 7 Einläuftige
• 1669: Groß-Lumda: 98; Klein-Lumda: 48 Seelen
• 1742: Groß-Lumda: 2 Geistl./Beamte, 57 Untertanen, 12 Junge Mannschaften, kein Beisasse/Jude; Klein-Lumda: 13 Untertanen, 4 Junge Mannschaften, kein Beisasse/Jude
• 1791: Groß-Lumda: 294 Einwohner; Wirberg: 6 Einwohner; Klein-Lumda: 54 Einwohner[7]
• 1804: Groß-Lumda: 268; Klein-Lumda: 62 Einwohner
Lumda: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2017
Jahr  Einwohner
1834
  
370
1840
  
402
1846
  
473
1852
  
479
1858
  
418
1864
  
357
1871
  
386
1875
  
388
1885
  
346
1895
  
378
1905
  
386
1910
  
428
1925
  
445
1939
  
432
1946
  
639
1950
  
638
1956
  
674
1961
  
638
1967
  
664
1970
  
679
1987
  
670
2003
  
688
2014
  
625
2017
  
596
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]; Ab 1970: Stadt Grünberg:[12][1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1961: 515 evangelische, 120 römisch-katholische Einwohner

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Vereine bestimmen das kulturelle Dorfleben, nämlich

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Einwohnerzahlen. In: Internetauftritt. Stadt Grünberg, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018. (Daten aus Archiv)
  2. a b c d e f Lumda, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 18. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Ortsnamen in Hessen
  4. Karte des Tornados
  5. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 294
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 197, 268 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom erste n Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 419 (online bei Google Books).
  10. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  11. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 a) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  12. Haushaltsplan 2015. (PDF; 1,9 MB) In: Webauftritt. Stadt Grünberg, S. 13, archiviert vom Original; abgerufen im März 2019.